Jüdische Zeitung
- Journal
- Jüdische Zeitung
- Volume
- 13 (1919)
- Issue
- 36 (5.9.1919)
- Date
- 1919-09-05
- Page
- Seite 4 (sequence 4)
- Language
- German
- Belongs to
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Seite 4 ’ -u. für uns keine Realität, wir betrachten sie nicht mit Geringschätzung; aber auch nicht mit Ehrfurcht. Jiddisch ist für uns eine historisch.gewordene natürliche Schöpfung, aber sogar für. euch ist sie ja nur ein Mittel und kein Ziel, eine Uebergangssprache, keine Zukunftssprache.. Bei uns ist die Schule, das neue Geschlecht, das gesellschaftliche Leben und meistens auch das private Leben hebräisch. Hierüber gibt es bei uns keine Meinungsverschiedenheit, daß alles, was wir hier bauen, auf hebräischen Grundlagen gebaut werden muß. Hier sind wir ..nicht mehr „Hebraisten“, sondern das Vclk von Erez Israel. Unsere Beschlüsse-sind keine Parteibeschlüsse und Kampfansagen, sondern praktische Maßregeln zur Organisierung unseres" täglichen Lebens. Wir kennen zwar die-Schöpfungswehen, aber nicht Kampfeswehen. Auch der Sprachenkampf gegen den Hilfsverein war kein eigentlicher Sprachenkampf, sondern eine Erhebung des Volkes gegen die Unterdrückung .von draußen. . Aber, könnte man fragen, bedeutet .nicht der Beschluß eine Einschränkung des Rechtes derjenigen, die nicht hebräisch können? Ja, das ist die tatsächliche Beschränkung desjenigen, der die Gesellschaft 'vertreten will und nicht die Sprache des gesellschaftlichen Lebens im Lande beherrscht. Diese Einschränkung raubt dem wählenden Publikum kein Recht, sondern umgekehrt, sie schützt seine RechteJEin Mensch, der in Palästina im L au fe eines Jahres nicht hebräisch erlernenkann (und diese Zeit mindestens muß er in Palästina wohnen, um das passive Wahlrecht zu besitzen), beweist damit, daß er nicht fähig ist, * den Jischub zu repräsentieren. Nicht, weil er keine philologischen Fähigkeiten besitzt, sondern nur darum, weil er bei Unkenntnis der Hauptsprache des Jischub die Bedürfnisse des Volkes gar nicht verstehen kann. Die gleiche logisch begründete Stellung nehmen wir den Legionären gegenüber ein. Sie sind uns lieb und teuer und für sie wird auch die Ausnahme gemacht, daß sie das aktive und passive Wahlrecht besitzen, ohne Rücksicht darauf, ob sie die vorgescbriebene Zeit in Palästina wohnen. Aber gleichzeitig können wir nicht verstehen, wieso ein Legionär, der zum Beispiel abgesondert in einem Lager lebt, und keinen Anteil am gesellschaftlichen Leben nimmt, und überdies nicht die Sprache der Gesellschaft kennt, eine Berechtigung haben soll, einen verantwortlichen Platz in dieser Gesellschaft einzunehmen,-zumal er ja selbst durch einen seiner Kameraden vertreten werden kann, der zum jüdischen gesellschaftlichen Leben nähere Beziehungen hat und hebräisch kann. Und deren gibt es unter den Legionären eine ganze Anzahl der besten, denen man sicherlich eine repräsentative Stelle anvertrauen kann. * Aus diesem.Aufsatz ist zu ersehen, daß die .Klagen“ der Legionäre über den „hebraistischen Junkerismus“, welche . in der amerikanischen Presse veröffentlicht waren, weniger der Stim- 'mung der palästinensischen Bevölkerung inklusive der Legionäre, als vielmehr dem Kampfbedürfnis des amerikanischen Jiddischismus entsprechen. Die politischen Resolutionen der polnischen Zionisten (Siehe den Bericht in der vorigen Nummer unseres Blattes.). 1. Die zionistische Politik stellt sich als ihre vornehmste-und erste Aufgabe-die baldige Verwirklichung der bürgerlichen und politischen Gleichberechtigung, sowie der nationalen Rechte, welche durch das Uebereinkommen zwischen der Entente und Polen anerkannt worden sind 2. Im Kampfe um die Durchführung dieses Vertrages; welcher nicht alle unsere Forderungen befriedigt und der von uns nur als erster Schritt betrachtet wird, muß der Schwerpunkt darauf gelegt werden, daß in „Uebereinstimmung mit dem 8. Punkt des Vertrages die Verwaltung der jüdischen Angelegenheiten auf dem Gebietder Kultur, der Religion und der sozialen Fürsorge wirklich in die Hände der organisierten jüdischen Gesamtheit übergeht Dazu ist es notwendig, daß eine Gern ei n d e o r g a n i s a ti o n geschaffen wird; welche für das ganze Land einheitlich sein soll, mit-einem zentralen Organ an der .Spitze. Die Wahlen in die Gemeinden müssen nach dem allgemeinen Proportionalwahlrecht von allen Juden, ohne Unterschied des Geschlechts, vom 20. Jahr an vorgenommen werden. 3. Bei der Realisierung•■ •unserer -nationalen Rechte muß man'besonders darauf achten, daß dabei nicht unversehens solche Maßregeln eingeschmuggelt werden, welche Begrenzungen unser er bürgerl i eh en Recht e darstellen, unter der Ausrede.'daß die Juden nicht-privilegiert werden dürfen, 4. Zur Durchführung dieser Arbeit muß eine ei nh ei 11 ic h e j üdi sc h e Fr on t in Polen geschaffen -werden. Es muß der, Zusammenhang, mit dem allweltlichen Judentum betont werden und es muß eine allgemein jüdische autoritäre Verwaltung eingesetzt werden. 5. Solange es unmöglich ist;reinen Jüdischen Nationalkongreß einzüberufen, soll eine Konferenz der jüdischen Kandidat e n, welche - bei den Wahlen zum Landtag aufgestellt worden sind; proportional im Verhältnis der Stimmen, die sie bekommen haben, einberufen werden. Diese Konferenz soll einen neuen „Zeitweiligen Jüdischen Nationalrat“ schaffen, nach demselben System wie der jetzige „Zeitweilige Nationalrat“. 6. Sollte diese Konferenz nicht zustande kommen. dann werden die zionistischen Mitglieder des „Zeitweiligen Jüdischen Nationalrates“ aufgefor¬ JÜDISCHE ZEITUNG Nr. 35 dert, sich zu bemühen, daß der Z. J. N. R. auch weiterhin den nationalen Kampf in Polen bis zur Einberufung des Nationalkongresses führen und sich an dem Komitee der jüdischen Delegationen beim Sekretariat des Völkerbundes, das von der allweltlichen Konferenz gewählt werden wird, beteiligen soll. Diese Resolutionen wurden einstimmig bei Stimmenthaltung der ..ZeireZion“ angenommen. Die vom Abgeordneten Grün bäum vorgelegte politische Deklaration enthält zunächst eine Begrüßung des wiedererstandenen polnischen Reiches, an:dessen Aufbau die Juden als treue Bürger und mit dem vollen Verständnis für die Auferstehung eines bisher geknechteten Volkes teilnehmen weiten. Gleichzeitig wird aber mit Schmerz und Erbitterung festgestelJt, daß das polnische Volk in seinen Beziehungen zu den Juden noch Immer keine Aenderung hat eintreteri lassen und daß die Exzesse und Pogrome fortdauem. Die Landeskonferenz hofft zuversichtlich, daß endlich ein friedliches, harmonisches Zusammenleben aller Bürger des Staates angebahnt werden wird. Zionistische Bewegung Warburg Hautke und Ruppin in London Die zionistischen Führer Prof. Warburg. Dr. Arthur fiantke und Dr. Arthur Ruppin sind zum Zionistischen Zentraihureau iu London abxcreist. Ein zionistisches Archiv Aufruf. In Berlin ist vor einigen Wochen das Archiv der Zionistischen Organisation begründet worden. Mit dem Berliner Bureau des Zionistischen Aktionskomitees räumlich verbunden, umfaßt das Archiv den gesamten Aktenbestand der Zionistischen Organisation, von der Zeit des i. Kongresses bis zur Begründung des Zionistischen Zentralbureaus in London (1897 bis 1919), also die Akten des Wiener, Kölner und Berliner Zentralbureaus. Die Aufgabe des Archivs ist, für die zukünftigen Geschichtsschreiber der Wiedergeburt, des Jüdischen Volkes das Quellenmaterial vorzubereiten und zu bewahren. Dem Archiv angegliedert ist ein Z e i t u n g sausschnittarchiv, das den größten Teil der Zeltungs- und Zeitschriften-VeröifeutUchungen Uber den Zionismus, . die . Zionistische Organisation, die Judenfrage und die Besiedlung Palästinas seit, der Begründung der zionistischen Bewegung im Jahre 1897 enthält und.lörtiäufend weitergeiiihrt wird. Der Inhalt dieses Zeitungsausschnitt-Archivs, das den Zionismus von seinen ersten Anfängen bis zur Gegenwart begleitet.-dürite eine einzigartige, uirgendsonst vorhandene Fundgrube für jeden Bearbeiter der jüdischen Geschichte in den letzten zwei Jahrzehnten sein. ~ Mit dem Archiv verbunden ist eine mehrere tausend Bände umfassende Bib 1 iot hek, die den größten Teil der über den Zionismus, die Judenfrage und die Kolonisation Palästinas erschienenen Buch- und Flugschriftenliteratur .enthält. Sie ergänzt in umfassender Weise das Akten- und Zeitungsmaterial des Archivs. Die Bibliothek wird fortlaufend ergänzt werden. Sie auch für die zurückliegenden Jahre möglichst vollständig und lückenlos zu gestalten, muß von jedem gewünscht werden, der an der Geschichte des Zionismus interessiert ist. Da jedoch ein großer Teil der in früheren Jahren erschienenen zionistischen Broschüren und Flugschriften im Buchhandel nicht mehr zu haben sein dürfte, ergeht hiedurch an alle Autoren zionistischer Schriften die dringende Bitte, jceinExemPlarallervonihnen verfaßten zionistischen oder jiidischenScliriitendemArchivderZlonistisehen Organisation zu überlassen und auch in Zukunit zuzuwenden. Die Bestände des Archivs der Zionistischen Organisation werden für wissenschaftliche Arbeiten auf dem Gebiet der Geschichte des Zionismus nach Möglichkeit zur Verfügung stehen. Ebenso wird auf Anfragen mündlich und schriftlich bereitwilligst Auskunft erteilt werden. - Archiv der Zionistischen Organisation Berlin W. 15, Säcbsischestraße 8. Zionistisches Landeskomitee für Deutschösterreich. Sitzung vom 1. September 1919. (Vorsitz Dr. Stein.) Dr. Stein stellt den Antrag, das Referat für Hebräisch auszugestalten und durch Anstellung eines Sekretärs arbeitsfähig zu machen. (Einstimmig angenommen.) Et Tartafcower wird betraut, für dieses Referat einen F o n ds von 10.000 K zu schaffen, und zwar durch größere Spenden. Das Referat soll mit 1. Oktober eröffnet werden. Skutetzky lpgt den Brief der Londoner. Zentrale, unterzeichnet von B. G o 1 d b e r g. an das Landeskomitee vor, wonach dieses laut Finanzplan von Deutschösterreich einen Beitrag zum Palästinawiederaufbauionds in der Höhe von 3000 Pfund verlangt, 1000 Pfund davon sind bis 1. Oktober aufzubringeu, der Rest bis Ende Februar. Dr. S t e i n'beantragt, für diesen Restaurationsfonds Sammlungen einzuleiten. Hierüber und über die Eigenart unserer finanziellen Situation, wie sie auch im Brief des Palästina-Amtes nach London geschildert worden ist, soll das Sekretariat nach London berichten, sobald die ersten Erfolge dieser Sammlung sich eingestellt .haben werden. S k u t e t z k y bringt zur Kenntnis, daß im Laufe der nächsten Woche die Gründungsversammiung der B e z i rks Sektion XXI stattfinden wird. Dr. Russ hat im Landeskomitee vorgesprochen und wünscht die Herren Dr. Stein und Ing. Stricker als Redner für diese Versammlung. Dr. Stein macht Mitteilung, daß das Palästina-Amt ein Frauenreferat einrichtet, dem. Frau M a r g u I i e s vorstehen wird. Das , Palästina-Amt macht sich die Anschauungen der Frau Margulies zueigen, daß die Arbeit nicht von Erfolg begleitet werden kann, menn nicht die Erziehiuigsfrage der jüdischen Frau im politischen Sinne vor-. ausgeht. Es ist notwendig, daß das Landeskomitee an Stelle der abgereisten Frau Sirkes eine Referentin kooptiert, welche nicht allein die Frauenarbeit zu organisieren und planmäßig durchzufüh-r ren hätte, sondern auch die Sorge dafür tragen müßte, daß jede Bezirkssektion eine Frauenreferentin bestellt, die nach den Weisungen und unter Aufsicht der Landeskomitee-Referentij» die Arbeit durchzuführen hätten. Hiezu gehören die Evidenznahme der uns nahestehenden jüdischen Frauen, - ihre politische Beeinflussung, kulturelle.Erziehung, soweit es nicht in den Rahmen-des Kulturreferenten: der Sektionen fällt und insbesondere die Interessieruhg der Mütter für eine jüdische Erziehung der, Kinder. In Komplettierung des Palästinaberichtes teilt Dr. Stein ferner mit, daß sich seit seinem letzten' Bericht die für Palästina interessierten Aerzte in der Stärke von 70 Mitgliedern zu einer Aerztegruppe zusammengeschlossen haben, welche insbesondere für die. Ausbildung ihrer Mitglieder, durch Veranstaltung fachlich sehr hochstehender Kurse sorgt. Neuerlich hat sich an diese Aerztegruppe eine Schwestern- und Hebammenorganisation angeschlossen, vorderhand 20 Personen, die ebenfalls die Weiterbildung der - bisherigen, und Heranbildung neuer Schwestern für Palästina im eigenen Wirkungskreise durchzuführen hätte. Nunmehr unternimmt die Aerztegruppe den Versuch, die hygienischen Verhältnisse unter den Chäluzim zu bessern. Die Palästinatransportgesellschaft habe-beschlossen, ihr Kapital von 100,000 Kronen auf 1 Million zu erhöhen. Ferner wird die Transportgesellschaft in Tarvis eine Expositur und in Triest ein Filialbureau errichten. Demnächst, dürften auch die Filialen an der Nordbahiistrecke. in Galizien und Polen eröffnet werden.. Am 20. August ging der erste Transport von Palästinaflüchtlingen von Wien ab, bestehend aus 100 Personen, bis Triest von Herrn Brings begleitet. . Die Einschiffung und die Eisenbahntransporte vollzogen, sien vollständig glatt. Die Sitzung der Großen A. C. vertagt. . Das Kopenhagener Zionistische Bureau berlchtet: . ..... Die für Ende August anberaümte- Sitzung des Großen Aktions-Komitees mußte vorläufig vertagt werden. Der Termin der Sitzung w i r a noch bekanntgegeben werden. Dem Kopenhagener Zionistischen. Bureau wird aus Paris gemeldet: Dr. Jakob Thon, der stellvertretende Leiter des Palästina-Amtes in Jaffa, ist am 17. August in Paris eingetroffen und nach einigen Tagen nach London gereist. Die Herren Dr.-Krämer und Diamant, die Vertreter der Judenheit der , Bukowina und Transsylvaniens, sind ien Paris angekommen. Das „Komitee der Jüdischen Delegationen bei der Friedenskonferenz" erwartet dieser Tage noch die Herren Dr. Singer und U n g a r als Vertreter der Tschecho-slovakischen Judenheit. _ RUNDSCHAU Hebräisch offizielle Sprache in : Palästina. Die Britische Okkupationsbehörde In Palästina erließ eine Verordnung, wonach der Gebrauch der hebräischen, der englischen, der französischen und der arabischen Sprache für offizielle Angelegenheiten -festgesetzt Ist. ■■ Eliahu Kaplan gestorben. Dein Kopenhagener Zionistischen Bureau -wird aus Jaffa telegraphiert: Der bekannte Chowevv-Zion Eliahu Kaplan aus Skopin ist am 15. August in Tel Awiw gestorben. . Eliahu Kaplan, der mehr als 10 Jahre in Jaffa gelebt hat, war eine der angesehensten Persönlichkeiten iennerhalb der palästinensischen Judenheit. Dem überlieferten Judentum die. Treue wahrend, war er gleichzeitig ein Freund jeglicher, Fortschrittes in der jüdischen Entwicklung'Palästinas, ah der er selbst tätigen Anteil genommen hat. Die Errichtung der ,Synagoge in-der Kolonie Katra war sein Werk. Ueber allem Parteihader stehend, genoß er das größte Ansehen- unddas uneingeschränkte Vertrauen bei allen jüdischen Parteien des Landes. , . An seinem Grabe sprachen-: Vertreter des Jaffaer Rabbinafes, ferner, die Herren'Alexander S ü ß k i n d-R a b i n o wj t s c h und Dr. M o s s i ns o h n. Danksagung. Der Waad der Hechaluz-Organisation für Dentschösterreick fühlt sich verpflichtet, dem . bisherigen Sanitätreferenten, Herrn Dr. Moritz Lauteistein, anläßlich seines Austrittes aus dem Waad. für. seine wahrhaft hingebungsvolle, pflichtbewußte und opferreiche Tätigkeit zu Gunst der Organisation und, der einzelnen Chaluzim. besonders in, der. schweren Anfangszeit, seinen wärmsten,Dank auszudrücken.