Mannheim
Compact Memory

Jüdische Zeitung · 1919-09-05 · 36 (5.9.1919) · page 1

Scan of the page
Image: UB Frankfurt, Visual Library (IIIF)
Journal
Jüdische Zeitung
Volume
13 (1919)
Issue
36 (5.9.1919)
Date
1919-09-05
Page
– (sequence 1)
Language
German
Belongs to
journal issue
OCR quality
93% known words query
IRI
…/2438141-2438727-2438763--6406-2446483
Visual Library
page viewer of the UB Frankfurt

No entity mentions on this page.

OCR text

Redaktion nnd Administration: WIh II., Taßgntrnße I Fenupreöher Hr. 44038" n. 43319 Mit der Beilage: „Der jidische NatlonaHondi“ VSentaabtr IHI ■•»■•ftcis: Vierteljlhrig 8 R £*raj. 24 K, Einvalanrnmer 60 h . Postsparkaueakonto 133.404 An die Äri>0it! : Noch ist keine definitive. Ehtsc]ieidmg:. über' Palästina erfolgt, noch ist der Fried erisschluß mH der Türkei in weiter Ferne. Nennoch ’wissen, wir. daß Palästina unser wird, und gerade jetzt erhalten wir die Nachricht von einer neuen Kundgebung der englischen Regierung. die die Okkrepationsbehörden anweist, die jüdische Heimstätte in Palästina als fait accompli zu betrachtea Die zionistische Leitung spricht im vollen Bewußtsein ihrer großen Verantwortung die Ueberzettzuns. aus, daß unsere politische Situation günstig ist. Das jüdische Volk hat noch immer nicht ganz Die nationale. Heimstätte ein fait accompli -■ - ‘. Einei Ordre der englischen Regierung an die Okkupationsbehörden;: Das- Kogenhagener Zfraiistische Burean meldet: •. infolge verschiedener Korhoihmitisse in Palästina hat das britrsche AüswSrtlte Amt ein Telegramman die ök k ujiit ionshehördenln Palästina gerichtet, in welchem diese ■ait dierDeklarratiö,n d e r.h ritt sc he n Regierung vom 2. November 19'lf erinnert werden und in dem sie angewiesen wcjfdan. es.alsiait accompli zu betrachten, daß Palästina die nationale H.eimstättcder Juden werden soll. Es wird den Behörden demgemäß dringend - ans Herz gelegt, die Jüdische Bevölkerungineinef Welse znbe handeln. die mit der Entschließung der britischen Regierung, wie. sie in der Regierungserklärung zum Ausguck gelangt ist. im Linklangsteht, und zwaF ohne Rücksicht auf die Tatsache, daß die judea gegenwärtig noch eine Minorität in Palästina bilden. t •' begriffen, welchen historischen Augenblick es beute durchlebt ln der Galuth sehen wir das alte Gezanke, die Mißgunst und den engherzigen und beschränkten. Egoismus .noch immer das jüdische Leben vergiften, insbesondere ist die Stimme der gehässigen Anti Zionisten hoch immer nicht znm Verstummen gebracht. Aber auch in den nationalen Kreisen bemerken wir nicht überall jenes starke Bewußtsein, daß. wir vor einer völligen Wandlung und Neuschöpfung unseres Gemeinschaftslebens stehen. Und in Palästina zeigt sich manchmal ein enger . Horizont man droht in kleinliche Lokalpolitik zu versinken- und Parteitendenzen geringen Ranges verdrängen das Verständnis für' die Größe der Stunde. Der soziale Kampf beginnt schon, bevor wir noch unsere Wirtschaft zu ban$n begonnen: Herr Dizengoff, der Führer der Bourgeoisie, hat einem1 Interviewer des ..Jewish Chronicle“ in einer Unterredung Anschauungen geäußert die beweisen, wie weit gerade das Bürgertmre.von aufrichtiger Politik und .von dem ehr- 'Ti^ettTWilleh' ziür Errichtung Zionsentfernt ist. All diese Umstände könnten uns düster stimmen, vtenh wir nicht wüßten, daß d$|s. VoJk-.^el^st di«f stumme: Masse der Millionen, in deren Seele aifes Leid und alle Sehnsucht des Galuthlebens amgestapelt ist sein' Wort noch nicht gesprochen hat Eines tut Jetzt mehr als alles, not: Arbeit. Unsere, Arbeit nur kann wirklich unsere Verwandlung, bewirken. Das Aktionskomitee; hat jetzt ein Rundschreiben erlassen, in dem es hi großen Um- , rissen den Mobilisierungsplan für den Aufbruch nach. Palästina entwirft. Zwar ist das Signal zum Aufbruclr. noch nicht gegeben* aber,-unse-p-Wsurtigh darf1 nicht müßiges Warten sein, vielmehr sehen wir. gerade aus dem Expose des Aktionskomitees, wie viel wir zu tun haben, um nur die ersten Voraussetzungen zu schaffen. An diese Arbeit muß jetzt-ernstlich geschritten werden. Genug lange -haben wir uns damit begnügt, uns in Versamntlungen zu, begeistere Letzt, ist es Zgit. daß jeder, Einzelne sich auf seine Verpflichtung besinnt. Wir Juden verstehen trefflich zu räsonmeren. wenn nicht alles nach Wunsch geht, wir verstehen die Leitung zu kritisieren, die nicht schnell genug uns die gebratenen Tauben, in den, Mund fliegen läßt. Was haben andere Völker für ihre Befreiung leisten müssen, welche Anstrengungen mußte jeder Einzelne machen! Bei uns aber rühmt sich jeder der-geringsten Leistung und* wähntdas- Seine getan zu: haben, wenn er iüdischnational gewählt* oder, ein: paar Groschen, für den N.-F: gegeben hat. Nicht einmal, das Geld für unsere nationale Arbeit vermögen wir, zu opfern! Welche Schwierigkeiten macht, es,- unsere wichtigsten Institutionen zufinanzieren! So. schwach ist bei uns noch der nationale Geist Wir sind noch immer nicht an den Gedanken gewöhnt, daß es ernst wird. Die Vorbereitung für Palästina muß, jetzt im Zentrum unseres Interesses stehen. Das A.-C. setzt in dem- Zirkulare auseinander, Was der zutun hat. der an baldige Auswanderung denkt. Aber auch die. anderen, die noch hier bleiben, müssen alles auibieten. um, den Kontakt mit dem wiedergeborenen Volk zu erhalten. Dazu gehört vor allem die Kenntnis der hebräischen Sprache., . ■ .*■Lias- Ä.uiiisii.Nchc ■Aktionskomitee.* ruft, zur, Arbeit Möge es-lautenv Widerhall. finden- und* möge* die Arbeit auch von dem rechten Geist erfüllt sein,! . .. Dzs Kopenhagener Zionistische Büro veröffentlicht ein von der Zionistischen Leitung ab sämtliche zionistische Landesnnd Sonderverbände gerichtetes Zirkular, das wir nachstehend in seinen wichtigsten Teilen wiedergeben: Die politische Lage. In der letzten Zeit erhalten wir ans verschiedenen Zentren zahlreiche Briefe und Anfragen, aus denen zu ersehen ist, daß unsere Gesinnungsgenossen über dieanormale und unbestimmte Lage unserer Bewegung sehr beunruhigt sind. Sie sind in. der Hauptsache deswegen besorgt weil der, Zeitpunkt einer großen Immigration nach Palästina noch fernliege. Wir halten es daher für notwendig, als Antwort auf diese Klagen ein abgeschlossenes Bild über die gegenwärtige Lage, so wie sie ist. zu geben: Die Ursache der Unklarheit und der angeblichen Unterbrechung unserer Arbeit liegt erstens und hauptsächlich darin, daß die Lösung unserer Frage von der Friedenskonferenz bis jetzt ver s c haben w ir de; zwföteti& ink dem Umstande, daß Palästina v or-I äuflg abgeschnitten ist, drittens in der Unterbrechung des Postverkehres mit vielen Ländern,, in denen jüdiselie Massen leben. Diese. Ursachen haben eine» Wirrwarr in unserer Bewegung hervorgerufen- und viele unserer Gesinnungsgenossen , in Unruheversetzt. In Wirklichkeit ist die Lage folgende: Seit jenem, historischen Tage, an dem unsere Vertreter vor der Friedenskonferenz erschienen und die Forderungen des jüdischen Volkes nachseiner Heimat vorbrachten, hat sich Inder Stellung-der Machtiaktoren der Weltpolitik zu diesen Forderungen nichts geähdert. Seit der vor zwei Jahren, erfolgten Balfo;ur‘&oheh. DefcLae-&tiob sind die Versprechungen muh das Verhalten unseren Forderungen gegenüber nicht um ein Haar geändert worden. Die- Maehtfaktoren. in deren Händen das Schickst der* Nationen ruht, namentlich die Vertreter Englands und Amerikas, haben bei vielen Gelegenheiten unseren Vertretern gegenüber die feierliche Versicherung wiederholt, daß unsere Forderungen* erfüllt werden und; daß die Friedenskonferenz. ihnen zustimmt. Trotz der großen G eg-n er schaff, die sich in» der letzten Zeit in gewissenhiesigere ssw-wfe in arab-ischpolitischen Kreisen in Palästina und Serien» geltend» macht,- hat sich hierin* nichts geändert: Wenn die Lösung unserer Frage bis auf den* heutigen Tag verschoben, wurde, so liegt dies einzig und allein daran, daß die Palästina-Frage mit den anderen p ol i t i - sehen Fragen der alten Türkei aufs engste verknüpftist. Die türkische Frage ist bis beute noch nicht* entschieden. .Vielleicht wird noch eine kurze Zeit, vielleicht einige Morea-te vergehen-müssen, bis die endgültige Entscheidung getroffen: sein* wird. Es ist also-notwendig, sich bis dahin mit Geduld zurüsten. Die Lösung unserer Frage hat zweierlei Momente. die beide auf dasselbe äbzrelftn: die Aberkennung des Hauptprinzips, daß* England das Mandat üb er Palästina in den vorgezeichnet.en Grenzen erh ä l t. uni uns bei der Errichtung eines nationalen* heimes für dr.s jüdische Volk behilflich sein zu können; und die Schaffung': solcher politischere und ökonomischen Bedingungen, die uns die Möglichkeit geben, unser Ziel zu verwirklichen. Diese grundlegenden Beschlüsse müssen durch die Friedenskonferenz angenommen werden. Auf diesen Moment warten wir mit Sehnsucht , Was die anderen Bedingungen anlangt, so gehören sic fri aas Gebiet der Fragen, die zwischen England und uns geregelt werden müssen. Mit der Ausarbeitung dieser Bedingungen Sind jetzt verschiedene gemischte Kommissionen beschäftigt. Wir können, nicht im voraus sagen, weiche von unseren Förderungen akzeptiert und welche einer Aenderung unterzogen werden müssen, wie.weit die Kraft unserer Rechte reichen wird, weiche Rechte und Zugeständnisse wir sofort erhalten werden. Was aber die grundlegende Anerkennung, die wir von der Friedenskonferenz erwarten, anlangt, so erklären wir nochmals — und wir wissen, welche große Verantwortung wir mit diesen Worten anf uns nehmen —, daß wir zuversichtlich glauben, daß die gewünschte Zustimmung erfolgen wird. Wir erwarten sie täglich, und wenn auch eine Verzögerung eintritt, sowird sie doch kommen. Wohl verstehen wir die Unruhe und Aufregung unserer Gesinnungsgenossen und der breiteri- Volksschichten, die mit allen Fasern ihrer SeCJe an der Wiedergeburtsidee des jüdischere Volkes hängen. Indessen-ist es unsere Pflicht, daß wir. die wir in zweitausend Jahren zu dulden nnd tu Wirten gelernt habere, die größtem Anstrengungei» machen, diesen Zeitpunkt, denletztenunserer öoiusepoche. mit Würde und Geduld zn ertragen. Dte Ereignisse h» Palästina: . Große Beunruhigung haben diejErefgnisse ire Palästina in den Reiben unserer Gesinnungsgenossen hervorgerufen. Unsere Freunde sehen nur die äußeren Ereignisse und kennen nicht die innere Lage. Palästina ist zurzeit für alle Völker geschlossen und; auch für das tfnsrige. Es gibt fast keine Em- und Ausreisgilden. Für die Ehrreiser in das Land ist eine spezielle Erlaubnis erforderlich, die nicht leicht zn erhalten ist Imf Lamfe selbst gjbt es vorläufig kein normales1 VerkehrsleBen;. keinen An- und Verkauf von Boden und unbeweglichen Gütern; Konzessionen für irgendwelche öffentliche Arbeiten werden nicht erteilt Ihr Lande herrscht Kriegszits fand, (öd Beziehungen der Regie rimes beamten zu* den Ehtwohreenr *m allgemeinen und zn den jüdischen insbesondere sind solcher Art, wie sie ~ unter- Kriegszustand zu sehr pflegen; Es wird eine intensive Propaganda durch arabische Pol itikmacher in Szene gesetzt, um einen starke« Widerstand* gegen die Balfour'sche Deklaration hervorzurufen. Die Landesbehörden erklärten, daß sie keinen Schritt zugunsten unserer Sache tun können, solange die Friedenskonferenz die Grundfrage nicht entschieden hat Ihnen falle nur eme; Aufgabe zn: Ruhe und* Ordnung im Lande aufrecht zu erhalten* namentlich nach den Unruhen und' Revolten im* angrenzenden Aegypten. Zuweilen ist sogar eine Neigung fürdie* Araber, <Be die Mehrheit in» Landebilden, zu bemerken. Es ist daher selbstverständlich, daß ein solcher Zustand, der bereife anderthalb Jahre dauert — seit dem* Tage, dadie* Engländer Ire das Land einmarschierten; ist kein einziger Schritt für die Verwirklichung der gro*- ßen Hoffnungen* die* wir in* sie gesetzt haben, unternommen worden — eine gedrückte S t i mm-reng n-nte-r den Judenin Palästina und Verzweiflung unter unseren Brüdern in den verschiedenen Ländern, die auf einen baldigen Aufbruch nach Palästinas warten, hervorgerufenhat Auch über diese Verhältnisse, die wir nicht bestreiten und-'deren Errat* wir einsehen. können winnur sagen;' daß auch* hier Geduld* unkE starke Nervten notwendig sind. Was in dieser Uebergangszeit geleistet werden kann, um dte* Lage int Lande* zu bessern und die Beziehungen' der lokalen-Behörden günstiger zu gestalten, wird vonunserer Seite , aus getan. Zwischen uns* undPt den Vertretern der englischen Regierung in Lobdon einerseits- und in Palästina und Aegypten anderseits werden dauernd Verhandlungengeführt Wir hoffen, daß sich die Lage besser gestalten wird. Aber ein Umschwung zu unseren Gunsten, wird erst dann eintreten, wenn die Friedenskonferenz unsere Frage geregelt hat Die englische Regierung wird mit einer intensiven; Arbeit znr Verwirklichung unseres Ideals in dem. Moment beginnen, wo sie von der. Friedenskonferenz das Mandat iiiezu erhält

Text as recognised by OCR (ABBYY FineReader), without corrections. Entity mentions: TagMe (2021); their positions were matched to this text again.