Jüdische Zeitung
- Journal
- Jüdische Zeitung
- Volume
- 13 (1919)
- Issue
- 26 (27.6.1919)
- Date
- 1919-06-27
- Page
- Seite 6 (sequence 6)
- Language
- German
- Belongs to
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Seite 6 JÜDISCHE ZE1TUNQ Nr. 26 von Margulies ionnulierten Thesen Stellung. Er kann im jüdischen Nationalismus keinen Konflikt 'zwischen allgemeiner und jüdischer. Kultur sehen. Wir müssen an ailen Kulturgütern der Menschheit im Interesse unseres Volkes und des allgemeinen Fortschrittes teilnehmen. Einen Gegensatz su erzeugen, zwischen jüdischer und allgemeiner Menschheitskultur ist nationaler Chauvinismus, dem sich Redner nicht zuwenden will. Bato bezweifelt, ob es dem gegenwärtigen provisorischen Landeskomitee obliegen könne, deui folgenden Landeskomitee Verpflichtungen in der von Dr. Bentfeld verlangten Höhe aufzuerlegen. Dr Tartakowgr führt aus: Wir verfügen nicht über allzu viele Menschen, die ein bestimmtes Wissen und ein bestimmtes Weltbild haben, welches sie verwirklicht sehen' wollen. Wenn Dr. Bernfeld bei uns arbeitet, so kann er vom Landeskomitee verlangen, daß es ihm die Ausführung seiner Pläne ermöglicht Wir dürfen «r.s der besten Kräfte nicht berauben, sondern müssen alle wertvollen Menschen, die wir in unserer Bewegung haben, fest Zusammenhalten. Weiner: In der gegenwärtigen Debatte «ebtes nicht bloß um die. Bewilligung von Mitteln; sondern es handelt sich vielmehr um die Frage,- ob das Landeskomitee die Jugenderziehung so ge-- leitet haben wiil, wie bisher oder nicht. -Um für diese Entscheidung eine feste Basis zu schaffen,- War es nötig. Thesen zu formaleren. Redner kann die Ansicht Dr. Tartakowers nicht teilen-, daß das Landeskomitee verpflichtet sei, mit der gegenwärtigen Führung des Referates für Jugenderziehung einverstanden zu sein, nur deshalb, weil vielleicht kein besserer Referent zur Verfügung steht Was die Ffeanzfrage betrifft wendet er sich erergisch dagegen, das gegenwärtige Landeskomitee als ein Provisorium aufzufassen, uas lediglich die Neuorganisation durchzaiühren habe, alie andere Arbeit aber ruhen lassen müsse. . Marge lies wendet sich gegen, die Ausführungen Bernfeltis und betont, daß er trotz aller prinzipieller Gegnerschaft wiederholt versucht habe, eine Plattform für gemeinsame Arbeit mit Dr. Bernfeld zu suchen. Am Scheitern dieser Absicht trage Bcrnfeld die Schuld. Schließlich erwidert er auf die Einwendungen Dr. Schalits gegen seine Thesen. Auf Antrag Strickers wird sodann eine Abstimmung über die vorliegenden Thesen abgelehnt und werden beide Referenten aufgefordert, ihre konkreten Anträge zu stellen, über die das Landeskomitee fallweise entscheiden wird. Dr. Bernfeld bittet nunmehr um die Be-1 williguhg von K 50.C00.— für die Zentralstelle der jüdischen Jugendgruppen. Ing. Stricker wünscht, daß vorher eine vom Landeskomitee eingesetzte Korn ission über die Tätigkeit und die Bedürfnisse der Zentralstelle nach persönlich einzuholenden Informationen Bericht erstatte. Margul ies und Weiner bezweifeln, ob sich auf diese Weise brauchbare Resultate werden erzielen lassen. Da Dr. Bernfeld sich dem Anträge Ing. Strickers anschließt, wird der Antrag ajigenommeh und Dr. Tisch und Weiner in die Kommission entsendet - 2. Herzls 15 Todestag. Weiner berichtet über die vom Sekretariat geplante Feier des 15. Todestages.Theodor Herzls, Welche umfaßt: Den Gang zum Grabe Herzls, einen großen Trauergottesdienst im Stadttempel, wacher vom Landeskomitee veranstaltet wird, uitd eroe große Herzi-Gedenkfeier im Saal der Produktenbörse. Die Ortsgruppen in der Provinz und die Bezirkssektionen werden gleichfalls zur Veranstaltung von Trauergottesdiensten und Gedenkfeiern aufgefordert und angeleitet werden. Als Vorfeier solle eine Aufführung von Herzls Schau-, spiel „Das neue Ghetto“ stattfinden. 3. Nordaus 70. Geburtstag. Zur Feier des 70. Geiirtstages Nordaus wird die Veröffentlichung einer solennen Kundgebung und die Stiftung eines Oelbaumhaines im Herzlwald beschlossen. Mit der Durchführung des letzteren wird der Jüdische Nationalfonds beauftragt, : 4. Zionistische Politik: ¥ Ing Stricker konstatiert, daß die Londoner zionistische Leitung nicht das nötige Verständnis für die Aufrechterhaltung des Kontaktes inii den einzelnen Landesverbänden zu haben 'scheine. Er stellt den Antrag, die Einberufung, einer Aktionskoiniteesitzung mit' aller Energie zu. fofdern. Nachdem zu diesem Punkt noch Doktor Tisch, Dr. Stein, Dr. Tartakower, Bato und Weiner Stellung genommen haben, wird der Antrag zum Beschluß erhoben und Dr. Stein mit der Abfassung des diesbezüglichen Memorandums bebaut Auf die Tagesordnung der nächsten Sitzung- -wird; das Finanz- und Kassareferat und Beratung des Geschäftsordnungsentwurfes gesetzt Sitzung vom 20. Juni 1919. Vorsitzender Ing Stricken Anwesend: Bato. Mar- " guiies, Dr. Bcrnfeld, Dr. Tisch, Frau Sirkes, Weiner. 1. Zionistische Politik. -Ing. Stricker legt den von Dr. Stein gemäß ' Beschlusses der,letzten Sitzung verfaßten Entwurf eines Memorandums an die Londoner Parteileitung vor. Der Entwurf wird mit einem Zusatz Dr. T i s c h s genehmigt 2. Finanzreferat Bato teilt mit, daß die Liquidierung des früheren Landeskomitees Schwierigkeiten macht uni daß cs ihm durch Einholung von Informationen der Herren Rev. Taussig und Dr. Präger gelungen ist, ein einigermaßen klares Bild zu bekommen. Ein genauer Abschluß kann noch nicht gegeben werden, da mit Berlin wegen des vom dortigen Büro garantierten. Beitrages noch Verhandlungen gepflogen werden müssen. Laut Beschluß des Landeskomitees wurde mit der Einziehung der Mischmar- und Zcntralfondsbeiträge für Deutschösterreich begonnen. Ueber den weiteren Ausbau dieser Steuern wird Referent in den nächsten Sitzungen Anträge stellen. Eine Bitte des Warschauer Büros um Ueberweisung eines größeren Betrages an einen Grazer Studenten (gegen Verrechnung) wird dem Nationalfonds zur Erledigung bn Wege des Haager Bureaus übergeben. 3 Geschäftsordnungsentwurf. Weiner legt seinen Geschäftsordnungsentwurf-für das Landeskomitee vor, der punktweise diskutiert wird. Derselbe enthält im ersten Absatz die kurze Abgrenzung der einzelnen Arbeitsgebiete des Landeskomitees, regelt im ■ zweiten Teil die Kompetenz des Plenums, Präsidiums, Sc-.* kreiariats und der einzelnen Referate. Plenarsitzungen finden darnach von nun an am 1. und 3. Montag jeden Monats statt und sind bei Anwesenheit von 6 Mitgliedern (darunter 1 Präsidialmitglied) beschlußfähig. Präsidialsitzungen finden zweimal wöchentlich statt; sämtliche Mitglieder des Landeskomitees sind zur Teilnahme an diesem berechtigt. Die Tage, an denen die PräsidiaisUzungen stattfinden, werden demnächst fixiert und vei lautbart. Das Präsidium, sowie die einzelnen Referenten werden an mehreren Tagen‘der Woche Amtsstunden halten, die der inneren Arbeit und dem Parteienverkehr dienen sollen. ' Der 3. Absatz enthält Bestimmungen für den Fall der Untätigkeit eines Referenten und Maßnahmen zur Aiurechterhaltung der Parteidisziplin, ferner die Beilage eines Kassastatutes. Im IV. Absatz ist die Einsetzung einer Liquidierüfngskommission vorgesehen,' welcher es obliegt, die Bestandaufnahme (im weitesten Sinne) bei allen unterstelltet), oder kürzlich aufgelösten Institutionen, Aemtern Usw. durchzuführen und die'hierüber aufgenommenen Protokolle der Geschäftsordnung anzuschließen. In diese Kommission werden entsendet: Rev. Taussig, Bato, Dr. Witsch, Dr. Tisch und Weiner. Die Geschäftsordnung wird angenommen und über Antrag Batos dem Sekretariat aufgetragen, entsprechende Bestimmungen für die politische Kommission und die Vertrauensmännersitzungen vorzubereiten. . . 4. Eventuälia Dr. Bernfeld teilt mit, daß er in die Zentralstelle für jüdisch-soziale Arbeit gewählt wurde. Weiters, daß ein Verband für jüdische Jugendfürsorge gegründet wurde. Ing. Stricker referiert über eine in Grün- ' düng befindliche jüdisch-sozialistische Partei; die Proponenten: welche organisierte Zionisten and, wurden behufs Klarstellung der Sache zu einer unverbindlichen Aussprache eingeladen. Eine neue Zionistische Organisation in Konstantinopel. Das Kopenhagener Zionistische Bureau ber richtet: Unter den Auspizien der Jüdischen Vereinigung .Amicale“ und unter der Mitarbeit der führenden Mitglieder der Bne Brith-Loge wurde ln Konstantinonel eine Nationale Jüdische Vereinigung gegründet, die als ihr Programm auf gestellt ' hat: An dem Streben der gesamten Judenheii nach der Schaffung eines jüdisch national len Heimes in Palästina teilzunehmen. unter den Juden der Türkei die nationalen Gefühle zu stärken und an den Arbeiten der Gemeinde und an allen jüdischen philanthropischen Organisationen auf demokratischer Basis in Konstantmöpel sich aktiv zu beteiligen. ‘ Herr. Isaak Taranto, ein bekannter Rechtsanwalt ist der Präsident der Vereinigung. Kontakt zwischen dieser und der Kreisleitung zu einem dauernden gestalten soll. Im großem und ganzen kommt dem Kreisturnrat die Kompetenz der Kreisleitung zu, während letztere die Exekutive des Kreisturnrates bildet. Insbesonders soll bei Fragen der Neuaufnahmen oder des Anschlusses eines Vereines aus dem Kreis, dem Kreisturnrat die Entscheidung ■Vorbehalten sein. In politischer Beziehung hat die Tagung nach einer sehr eingehenden und bewegten Debatte ixe das Statut einen Passus aufgenommen, demzufolge die dem Kreis angehörenden Vereine sich auf dem Boden des Baseler zionistischen Programmes zu stellen haben. Die Tagung vertrat hiebei die Anschuung. daß ihre Vereine sich .auf die volksbewüßten jüdischen Massen beschränken und in diesen die jüdischen Turn- und Sportideen verankern sollen. In die neue Leitung wurden gewählt: als Vorsitzender Dr. Heinrich Schiffmann. Stellvertreter Adolf Taglicht. Turnwart Horow i t zT Sportwart Dr. Körner. Kassier R u z e fc Schriftführer Fe 1 d s c h r e i b e r. Die Politisierung der jüdischen Massen. speziell in Wien, hat klar zu Tage gebracht daß die Juden es ablehnen, in fremdnätionalen Lagern ihre Kräfte zu vergeuden und daher ceht die jüdische Turn- und Sportidee einem großen Aufschwung entgegen. Wenn je so gilt es jetzt die Gelegt’,lheit auszunützen: und durch Schaffung, von Turn- und Sportvereinen. Sommerspiel-. Plätzen. Schwimmgelegenheiten usw. die jüdische Masse auf der Bisis und sportlicher Tätigkeit zu organisieren und in Form von Turn- und Sport-, verbänden jüdische Erziehungsarbeit zu leisten.' Auch Hebraisierung der Jugend und die Schaffung jüdischer Gemeinschaften kann nur dann in gesunder und erfolgversprechender Weisö angestrebt werden, wenn als Organisationsform der TurnrSport-Schwimmverein usw. gewählt wird. An die Juden und Jüdinnen ergeht daher der Appell: Tretet in die jüdischen Turn- und- Sportvereine ein, , denn neben der geistigen mußdie körperliche Regenierung des jüdischen Volkes Palästina vorbereiten!' Tagung des Kreises Deutschösterreich der. iüdi- ' sehen Turn- und Sportvereine. Sonntag, den 1. Juni 1919 fand im Lokal des Ersten Wiener jüdischen Turnvereines die konstituierende Tagung des Kreises Deutschösterreichs der jüdischen Turn- und Sportvereine statt. Leider konnten nur die Wiener Vereine teilnehmen, da die-. derzeitigen politischen und die schwierigen Verkehrs-Verhältnisse eine -Teilnahme auswärtiger Vereine unmöglich machten. ' Nach einem Referate des bisherigen Obmannes des Kreises West-Oesterreich der jüdischen Turnerschafl, Robert K i-en, über die bisherige Tätigkeit aer abireienden Kreisleitung, wurde den geänderten politischen Verhältnissen Rechnung tragend, die Umwandlung des Kreises Westösterreichs der jüdischen Turnersctiait, für die auf dem Gebiete Deutschösterreichs befindlichen Turn- und Sportvereine in den „Kreis Deutsch- Österreich der, jüdischen Tum- und Sportvereine“ beschlossen und der .bisherigen Kreisleitung Dank und Vertrauen „votiert, Die außerordentliche Tagung beschäftigte sich lediglich mit der Beratung und Beschlußfassung des neuen Statutes itir de« Krens ueuiscnosierreäcns der jüdischen 1 urn- und Sportvereine, welches in vielfacher Beziehung vom alten Statut abweicht und insbesonders Aendernngen in organisatorischer udn politischer Beziehung aufweist in organisatorischer Beziehung tritt zwischen die bisher bestandene Kreisleitung und die einzel-- neu Vereine die ständige Delegation des Kr eisturn rat es. der aus je zwei gewählten Delegierten der einzelnen Vereine besteht und den Notizen Briefe aus Amerika abzubolen! Für M.- R ei ss sind beim Zionistischen Lavideskomitee. Wien. II., Zirkusgasse 33. 2 Briefe aus Amerika und zwar von Mr. Adolf Chaben, 814 South Kobey> Str. Chicago und O. L. Kramer. 3150 E 18 the Str Chicago eingelangt. Die Briefe sirnd in der Zeit von 9 bis 12 Uhr vormittags und 3 und 6 Uhr nachmittags im genannten Büro zu beheben. „Jüdische Kinderfreunde“. . Der Verein, „Jüdische Kinderfreunde“ (Wien. IL.’Obere Ddnaüstraße 91) sendet Uris einen Aufruf. dem wk nachstehendes entnehmen: „Wir wollen nicht dulden, daß. wie es iij Heimen vorgekommen ist. 10 Kinder in 4 Betten liegen mußten, daß sie verstreut in Elendswohnun.- ’ gen bei unzuverlässigen Pflegern, an Krätze.' Rbachitis. Mundfäule leidend, .jüdische Erziehung entbehrend, ah Körper und Seele zugrunde gehen: Wir wollen ihr freudloses Kindesleben mit Glück, erfüllen. Die Errichtung von entsprechenden Heimen.^ Spielplätzen und Ferienkolonien, von Tagesheim-' statten mit Verpflegung, von Kinderbibliotheke» und Lesezimmern, die Herausgabe und Verbreitung jüdischer Kinderliteratur, die würdige Feier der jüdischen Feste sind unsere Ziele. Der Verein „Jüdische Kinderfreunde“ hat. ea sich zur Aufgabe gestellt diese Ziele zu verwirklichen. Als allgemeines soziales Hilfsmittel haben wir eine Kinderwohlfahrtssteuer ins Leben gerufen. Es ergeht an alle Juden die dringende . Bitte und Aufforderung, für das iüdische Kind die Kinder-Krone zu spenden. Wir nehmen diese freiwillige soziale Steuer von' mindestens einer Krone monatlich (monatliche Kinder-Krone) bis zu mehr- und vielfachen Beträgen (wöchentliche Kinder-Krone) „ entgegen,.. . - ' Wer Herz und Sinn für die Not jüdischer Kinder hat muß dazu beitragen, ihre unglückliche Lage in Hygienischer und ethischer Beziehung zu veibessern und sie dem Judentum zu erhalten. Verein „Jüdische Kinderfreunde“. Gezeichnet ist der Aufruf vom Kuratorium:- Dr. H. P. Chajes. Oberrabbiner von Wien. Prof. Dr. S. Ehrmann. Prof.' Dr. Wilhelm Jerusalem.. Fabrikant Johann Kremenetzky. Dr. Mayer. Frau Erna Patak. Abgeordneter Robert Stricker; H. P. - Doz. Dr. S. Kornfeld. Hofrat Dr. S. Frankfurter, Frau Dr. Kahn., Fabrikant Lederer. Frau Anitta Mülter. Frau Leonore Smolemsky, Frau Fanny. Weiß, und vom Vorstand und Helferschaft: Reichs- .-' ratsrevisor Rudolf Taussig. Dr. Heinrich Glanz,' Artur Kampf. Mathilde Weidenfeld. Grüße aus Palästina.. Das Kopenhagener zionistische Bureau, ersucht uns um Aufnahme nachstehender Zeilen: Der Legionär Hirsch Leib Gordott teilt seinem Vater Rabbiner Gördon in Wilna mit, daß es ihm sehr gut .geht. Er hat sich vor etwa anderthalb Jahren freiwillig der jüdischen Legion in Amerika angeschlossen. Er hat mehrfach den ersten Preis für vortreffliches Schießen. erhalten und gilt in dem Bataillon als der erste Treffschießer. Seine Adresse ist: H. L. Gordon. 39. Bataillon, Royal Füselier, Palästina. Der Schriftsteller Jakob Steinberg teilt seinen Angehörigen in der Ukraine mit, dal) es ihm gut geht und daß er sich in Jaffa befindet. Seine Adresse ist: Jaffa, Palestäne Office.