Jüdische Zeitung
- Journal
- Jüdische Zeitung
- Volume
- 13 (1919)
- Issue
- 19 (9.5.1919)
- Date
- 1919-05-09
- Page
- Seite 1 (sequence 7)
- Language
- German
- Belongs to
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Sette I \ Beilage zur JÜDISCHEN ZEITUNG ““■"DER JÜDISCHE NATIONALFONDS 9.V. 1919 Mitteilungen des Vereines Keren Kalenseth Lejisrasi ss und Paiäslina-Amtes es Redaktionsschiaß am vorangehenden Sonntag. Später einlaufende Spenden werden erst im nächsten Ausweis veröffentlicht. — Geldsendungen unr an das Postsp.-Kto. 100.208 Tel.45-3-25. SAMMELSTELLE EUR ÖSTERREICH WIEN ll/i. ZIRKUS6ASSE NR. 33 Der .Jüdische Nationalfonds" ist dazu bestimmt, in Palästina Grund und Boden als unveräußerliches Eigentum des jüdischen Volke» zu erwerben. Mitteilungen des Palästinaamtes Über die Notwendigkeit und Möglichkeit einer Industrie in Palästina ■ (Auszug aus einem Teile einer größeren Arbeit.) Anmerkung der Redaktion: Die brennende Frage: Wie werden wir einem Maximum von Emigranten nach Palästina in einem Minimum von Zeit Arbeilsmöglichkelten verschallen, wartet ihrer Lösung. Mancherlei Vorschläge sind in der Oilentlitttkeit vorgebracht worden. Wir stellen den vorliegenden, zu. Diskussion. Der Zionismus ist heute wirtsahaittich und politisch an einem Wendepunkte angelängt. Die ..politischen Verhältnisse mögen hier außer_ Betracht bleiben, wirtschaftlich wird er die Aufgabe •haben, das soziale Leben in Palästina so ein- .zurichten, idaß es inicht ivon 'vornherein die innere Zerrissenheit aller modernen Kultur und; in dem Zwiespalt zwischen Kapitalismus urid Sozialismus den Kranklieitskeim in sich .trägt Sollte-der Zionismus hier versagen, so hätte er einen we- : serefficheri Teil seiner Aufgabe in nicht wieder ■gutzumachendier Weise verfehlt , Die Anzeichen (dafür, daß ein MaSSenzuistrom von Einwanderern nach Palästina erfolgen wird, . sobald! ider Weg dahin Halbwegs gangbar ist, sind unverkennbar. Diese Tendenz •nach Palästina 'Ist ebenso.in den allgemeinen wirtschaftlichen und politischen Verhältnissen der Kulturwelt begründet die heute, nachgerade ■überall unleidlich geworden) sind, 'besonders aber toi dien trostlosen Verhältnissen dler Juden und der von Jiuden besiedelten Gebietei wo die LebensverhiäintJsse einfach, unhaltbar, sind. Daher ist es nun die nächste Aufgabedes Zionismus, für die nach Palästina abwandemden Mengen von Juden in weitgehendstem Maße Arbeiüsmöglidhkeitert bsreiitzitstellen. Vor dem .Kriege pflegte das Organ des Zionismus,, das Palästtaaamt i<n Jaffa, die in, mäßigen Mengen .BmwiaindeTindeiJ ianzusiektelri. ' Dabei wunden sie gleich beruflich umgesohichtet and zwar in der Landwirtschaft . untergebracht Das war der. einzig richtige und vernünftige' Weg, solange. •cliese Einwanfderuing isioh in' engen Grenzen hielt Heute liegen aber: die Verhältnisse anders, ■ es; ist .c Jetzt .eine. Massenziiwandenang za .er- . warnten!, die sich — in Hinblick auf (die Fortdauer. dier sie begründenden Verhältnisse — nicht - wird zurückdämmen lassen. B&f der Unairfhaltsamkeit dieser Bewegung, nun hat das Pa- .läisrtina-Amt keine andere Möglichkeit als mit der Maisseneinwalnderung als' einer gegebenen Tatsache sich, dhzufinden .und. so gut es geht, dieselbe zu organisieren, 'um wenigstens das Schlimmste zu verhüten — die Ansteckung des jüdischen! Palästinas mit den Krankheiten des modernen, sozialen und wirtschaftlichen: Lebens. Wenn Oppenheimer 1901 schreiben konnte: „So •ist die einzige eigentliche Aufgabe des Zionismus die Begründung jüdischer Bauernschaften — Handel und Industrie werden sich völlig von selbst elnstel-ien. wenn', jenle gedeihen,“ so war das diaimais vollkommen 'richtig. Denn idamails hatte der Zionismus noch Zeit zu wählen, was er tun wollte und sollte, , aber jetzt haben wir eben keine, Wahl mehr. — Wir müssen nicht nur Landwirtschaft in allen Formen, wir müssen auch eine Industrie schaffen and vielleicht auch, gegen unsere bessere Ueberzengumg, Handel und Gewerbe gewähren laissen. Ich bin mir hiebei voll fbewiußt. daß es isteh beim Hainidel um ein, wegen der unsozialen Art, mit der er seine Sonderinteressen idem Gesamtinteresse gegenüber durchzusetzen geneigt ilst, recht gefährliches Experiment handelt, das uns allen sozialen Hebeln, die wir aus der modernen' kapitalistischen Produktion kennen, preisgeben könnte. Der freie Handel ist ja der Punkt, von dem ans das 'kapitalistische Moment der Produktion . iübertoaiupt eiiiisetzen (konnte. — von (dem aus man aber auch den Kapitalismus aim besten unterbinden könnte. Das ^Gewerbe wieder, soweit es -im'cbt zu gewissen besonderen und notwendigen Gewerbsarteni gehört (Kumstgewerbe, .gepanaturgewerbe u. ai. m.) möchte . ich als.' unrationell arbeitendien Wirtschaftszweig von der Produktion Palästinas am liebsten ausgeschalte't sehen. NoSstaradisarbeitem sänd) nur 'ein Notbehelf gegen die Arbeitslosigkeit großer Massen; auf die Daher wird man damit umso weniger idas Aus- Hangen finkten, als dieses Verlegeriheitsmittel zwar große Kosten verursacht, der wirtschaftliche Nutzen und de Rentabilität aber sich . meist nur langsam mrad än geringem Maße elnstellen. Weiters läßt die Planmäßigkeit von Not- . staimdlsarbeiten tot aller Regel viel zu wünschen übrig. Das Ausknnitsmittel gegen de Arbeitslosigkeit der jüdischen Einwanderer in Palä- ' söna kann nur eine Industrie von entsprechendem Orößenmaß seih. Gegen eine Industrie in Palästina läßt steh zunächst praktisch, entwerteten, idaß sie nicht mit einem Schlage geschaffen werden kann, sondern sich planmäßig entwickeln müßte; das koste viel Zeit während die Einwanderung ungleich rascher vor sich gehe. Da^ ist richtig — aber gar so bEtzartig geht idle Einwanderung großer Massen denn doch nicht vor steh und vorläufig ist noch Zeit, organisatorische Vorarbeit zu'- leisten1. Ein anderer Einwand gegen Irtdustriegnündunffen 2h Palästina liegt in der Abhängigkeit ider Industrie von der Urproduktion: „Alle Industrie und aller Handel können sich nur in -stem Maße entfalten, wie die für diese sekundären Zweige der Wirtschaft verfügbaren Ueberschüsse der Urproduktion wachsen. . , (Oppenheimer „Jüdische Siedelimgsgenossenschaiten“ „Welt" vom 13. Dezember 1901, Nr. 50 hnd folg.) Das trifft vollständig zu. Aber Oppenheimers Formel mündet schließEch hn die Frage: wann sind! die Ueberschüsse der Produktion groß genug, damit Industrie rnidl Handel sich entfalten können? Diese Frage läßt sich nur auf Gputtd tatsächlicher Verhältnisse für einen bestimmten Fall beantworten. Der zitierte Aufsatz Oppenheimer« ist 1901 entstanden, seither sind 18 Jahre verstrichen und die Fortschritte der landwirtschaftlichen Kolonisation in Palästina sind unverkennbar. Ob nach dem derzeitigen Stande d!er Landwirtschaft der Zeitpunkt für die Entstehung einer Industrie schon gekommen ist, wage ich infolge meinesx mangelhaften' Ueberblicbs über 'di© durch den Krieg und seine wirtschaftlichen Folgen überdies ' wesentlich verschobenen Produktionsverhältnisse Palästinas nicht zu entscheiden, es gibt jedoch genaue Kenner tder dortigen Verhältnisse, welche diese Frage bejahend beantworten, so D. Trietedr. Ich beabsichtige gar inicht, mich aui -einen bestimmten Zeitpunkt für das Einsetzen der Industrie testzulegen. Daß aber die Zeit/für eine Industrie in Palästina kommen muß, halte ich für zweifellos, und daß dies bald geschehen soll, für unbedingt notwendig. Letzteres vor allem wegen dter gegebenen Tatsache der jüdischen Masseneinwanderung nach Palästina, jedoch auch ans politischen und noch mehr aus' sozialen Ursachen. Das Mißverhältnis zwischen Urproduktion und Industrie, das die schnelle Entstehung der letzteren nach stell ziehen Würde, steiht auf den ersten Blick doch gefährlicher und besorgniserregender aus. aäsies -in; Wirklichkeit' ist Es handel t sich dabei vor allem' nur um ein zeitweiliges — hoffentlich vorübergehendes — Ueberwiiegen der Industrie gegenüber 'der Landwirtschaft. wenigstens ton. Verhältnis zum Bedarf. Das kann — wie sich in Deutschland während des- Weltkrieges gezeigt hat — sehr unangenehme Folgen haben, aber schließlich ist eins Blockade wie .cä3e Englands gegen Deutschland doch eine glücklicherweise nicht alltägliche Einrichtung, umld' vor dem Kriege kannte Deutschland trotz dieses Oeberwiegens seiner Industrie seinen Bedarf an Urproduktion ganz gut decken, sich dabei wirtschaftlich sehr wohl 'befinden und ausgezeichnet entwickeln. Wenn (der Weltmarkt wieder funktioniert, wird es (auf Grund (der freien Konkurrenz 'dter Agrarländler leicht möglich sein, wenigstens gewisse Zelt hindurch ©inen eventuellen IandwirtschastEchen Mehrbedarf Palästinas über die eigene Produktion hinaus zu decken. Auch in der Schweiz Ist die Urproduktion dauernd! zu schwach, nim die Gesamtbevölkerung ernähren zu können, noch viel weniger stark im Verhältnis zur Industrie, wie es Oppenheimer verlangen würde, doch hat auch dieses Land sich wirtschiaftEch gezeichnet zu behaupten) verstanden! Das hat allerdings seine besonderen. Ursachen — es gelang eben dort mit Hülfe des vorzüglich durchgebildeten Verkehrswesens und der Fremdenirtdüstriß sowie. sonstiger Faktoren, - das wrrtschaftfiche Schwergewicht - vom Mißverhältnis zwischen Urproduktion (und Indusjrie .weg wenigstens teilweise aiuf. andere Zweige des Wirtschaftslebens zu übertragen. Bin letzter Grund für «die Notwendigkeit, aber auch Mög- ’ lifchkeit einer Industrie — allerdings mir irnier- . Kalb bestimmter wirtschartBcher Grenzen — liegt aioch 'darin, daß die in Palästina üblichen Arten :der Landwirtschaft van vornherein ziemlich bedeutende Sndfust'rielle Anlagen an Ort und Stelle erfordern, wetdhe sich mit der Verarbeitung und Verwertung der landwirtschaftlichen Erzeugnisse beschäftigen, so Mühlen, Oelpressen, Obstkonserven- und Marmelade nfabr tke n, Seifenfabriken, 'Kistenfabriken, Spcritusfabriken, vielleicht auch Rohr- und Rübenzucker- und Textilfabriken usw. Alles in allem eine Industrie, die anderswo als in nächster Nähe der Produktionssfätten zwieckmäßigerweise gar nicht etabliert werden kann, besonders iin Palästina bei seinen noch wenig durchgebildeten Verkehrsmitteln nicht Ich glaube ihieanrt Notwendigkeit undl Möglichkeit 'der Entstehung einer Industrie in Palästina dargetan sowie einige Streiflichter auf ihre Aussichten geworfen zu habea Die Pflicht des Pafästmaamtes. der Frage jder Industrie im allgemeinen und der IndustrMörderung Im besonderen näher zu treten, (halte ich aus dem Grundes für gegeben, weil die Aussichten einer gleich van vornherein organisierten 'und in bestimmter Rohtung gerenkten Industrie bedeutend günstiger stad, als wenn ihre Bildung dem freien Spiel der wirtschaftlichen Kräfte Übertassen bleiht. Die Einflußnahme — und zweckmäßige F-iTiTinnmahnw •auf die Industrie kann für uns nur Indus trieförderung oder mit IndusMeförderung kombiniert sein — ist" eine Aufgabe (dies Palästinaamtes, der es, wenn es nicht die sozialen, politischen und kulturellen Zwecke des Zionismus aufs schwerste gefährden will, unmöglich wird ausweichen können. Die fadustrieförderungsmittel hSnsichtEch. ihrer momentanen Anwendbarkeit zu untersuchen, soweit , dies von Mer aus möglich ist sowie nachzuprüfen; welche Mittel überhaupt geeignet sein könnten, der Arbeitslosigkeit in Palästina rasch und wirksam vonzubeugen, behalte ich einer eigenen Besprechung vor. Fritz Rodet Jüdische Vermessungsingenieure I Die zionistische Zentrale m Berlin hat ihr Interesse daran geäußert alle jüdischen Vermessungsingenieure im Gebiete der ehemaligen österreichisch-ungarischen Monarchie, die für die künftige Arbeit in Palästina in Betracht kommen, festzustellen. Alle diese Vermessungsingenieure werden aufgefordert, folgende Daten unverzüglich an uns bekanntzugeben: ' 1. Name und Adresse. 2. Lauer der Berufstätigkeit 3. Spezialerfahrung in der: a) Katasterneumessung, b) Katasterfortführung, c) Trigonometrischer Vermessung I. und II. Ordnung, d) geoditischen Ausgleichungsberechnung der Triangulation I. und II. Ordnung, e) topographischen Vermessung, f) geologischen Landesaufnahme, g) hydrographischen Landesaufnahme, h) Vermessung der Strom- und Wasserbauverwaltung, i) Eisenbahnvorarbeiten, k) Flurbereinigung, 1) Eisenbahnschlußvermessung, m) Kulturtechnik. Die Berliner Zentrale wünscht auch von uns zu erfahren, wieviel. Studierende der Landmessung an den von uns geplanten Spezialkursen für Landmessung an der Technischen Hochschule in Wien teilnehmen. Aus dieser Anfrage geht die praktische Wichtigkeit dieser Kurse hervor und ist die Möglichkeit noch immer offen, sich diesen Kursen durch die sofortige Anmeldung bei uns anzuschließen. Achusa Wien. Bel der am 27. April 1919 abgehaltenen fortgesetzten Generalversammlung der Wiener Achusa, Pflanzungsgesellschaft für- Palästina, wurden in den Ausschuß gewählt: Bard H„ Jaseches J., Sandler L., Engelberg M. W., Spitzer E., Kohn Z., Tune M., Karniöl J., Ball J., Inslicht L., Nadler, Friedmann L., Seidmann L., Horodenker M. und Ober B. Zum Vereinsobniann wurde Jaseches Jakob gewählt. Der Vorstand gibt den Mitgliedern wie allen Palästina-Interessenten bekannt, daß seine für Gäste frei zugänglichen Sitztungen jeden Mittwoch, 5 Uhr abends, im kleinen Souterrainlokal des Industriellen-Cafe, Salzgries 23, abgehalten werden. Dort werden auch alle gewünschten Informationen erteilt. Palästinainteressenten. welche sich in Reparatur von photographischen Apparaten und einschlägigen Artikeln ausbilden wollen, wollen sich an das Palästinaamt wenden. Zum technischen Aufbau Palästinas. Diesem Thema war der VII Diskussfonsabend des Palästinaamtes gewidmet Der Referent Ing. Markus Reiner führte Folgendes aus: Die Autorität, welche im werdenden Palästina eine großzügige jüdische Kolonisation sicherstellen und in ihrem Rahmen auch eine Industrie schaffen soll, wird die Aufgabe haben, die industrielle Betätigung mit der landwirtschaftlichen aufs Innigste, schon örtlich, zu verknüpfen. Sosoll vor allem jedem Arbeiter Gelegenheit geboten werden, seine Fähigkeiten in beiden Richtungen zu betätigen; die Abwechslung schütze vor zu baldiger Ermüdung und führe zu größeren Leistungen. Ferner werde durch die örtliche Vereinigung von Industrie und Landwirtschaft der heute und hierzulande vielfach fehlende oder gehemmte ZirkulätiÖnsprözeß zwischen beiden Arbeitezweigen sichergestellt. Es wurde bisher übersehen, daß schon Marx in seinem kommunistischen Manifest den Unterschied zwischen Stadt und Dorf verschwinden sehen wollte. Die industriellen Anlagen sollen am besten inmitten ländlicher Siedlungen ihren Platz finden. Dann werden z. B. die heute bei der Industrie ungenützt bleibenden 80 Prozent Kalorien der Betriebskraft, künftig für v <1" ^nov*Eeknie!“ VH