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Jüdische Zeitung · 1919-05-02 · 18 (2.5.1919) · p. Seite 1

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Journal
Jüdische Zeitung
Volume
13 (1919)
Issue
18 (2.5.1919)
Date
1919-05-02
Page
Seite 1 (sequence 7)
Language
German
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Beilage zur JÜDISCHEN ZEITUNG Hümmes* 18 DSU JÜDISCHE MATiONALFONDS 2./V. 19» Mitteilungen des Vereines Keren Kajemeflt Leüsraet ■■ und Palästina^Amtes h Redaktionsschiaß am vorangehenden Sonntag. Später einlaufende Spenden werden erst im nädtsten Ausweis veröffentlicht. — Geldsendungen unr an das Postsp.-Kto.100.20S rel. 45-3-25. SAMMELSTELLE FÜR ÖSTERREICH WIEN ll/t. ZIRKUSGASSE NR. 33 Der »Jüdische Nationalfonds* ist dazu bestimmt, in Palästina Grund und Boden als unveräußerliches Eigentum des jüdischen Volkes zu erwerben. Komödienhaus, Wien, XX. Bezirk, Nnssdor.erstrasse Nr. Donnerstag den 8. Mai um 7 Uhr abends F e st v o r s t e 11 u n g „Der Schatz“ von David Pinski, mit Rudolf Schildkraut und Pr. Werbezirk in den Hauptrollen. Der Reinertrag fließt dem Schulungsfonds des PalSstinaamtes zu. Karten sind zu haben bei Löwit, I. Rotenturmstraße 22, bei der Verkaufsstelle des J. N. F., II. Schmelzgasse 7 und an der Kassa des Komödienhauses. Mitteilungen des Palästinaamtes Heimindustrie ln Palästina. 0 Wir 'steheni vor einer starken Einwanderung von Juden aus alten Ländern nach Palästina. Diese Einwanderer werden den- Bedarf von In~ dustrieprodukten, zumal solchen europäischer Provenienz oder doch europäischer Art, erheblich steigern. Die Einwanderer, von denen der Großteil mittellos sein oder doch über nur geringe Mittel verfügen dürfte, werden in Palästina Arbeit .und Verdienst suchen. Und gewiß werden nicht alle von ihnen füijr die schweren öffentlichen Arbeiten Öler Herrichtung des Landes oder für die eigentliche landwirtschaftliche Arbeit gewilk oder geeignet sein, insbesondere nicht die Brauen und Mädchen. v’; ' Deshalb' wird das Verlangen immer lauter, .dresen; Elementen industrielle-'BeschäfiSgung: zu bieten. Eine Industrie läßt sich aber -nicht über Nacht schaffen, zumal solange die Vorbedingungen, nämiich die 'Rohstoffe und die Betrüöbskrait, sei es aus Kohle, 9ei es aus elektrischen Anlagen, noch nicht bereit stehen.., Da drängt sich nun dem praktischen Ranrfmaim diite Idee auf, vorläufig gewisse Abschlußprozesse .der Industrie, zu ebnen weder döe vorerwähnten Betriebskräfte, noch auch komplizierte Maschinen nötig sind, sofern nur die Halbfabrikate eingeführt werden können, .im Lande einzubiirgern. und! zwar in Form der Heimindustrie. Sie bietet den Vorteil,, daß. sie als Nebenbeschäftigung, zum Beispiel neben der Landwirtschaftsbetrieben werden kann. Schon hiedurch ist eine. Gewähr gegen Lohndrückerei gegeben. Und sind die Heimändustrieti einmal geschult, können sie sich leicht zu Produktivgenossenschaften zusammenschließen. Durch de Uebertragimg dieser, sogenannten Konfektionierung nach Palästina werden" die dortigen Juden es sich ersparen,- däe in den Länder* Europas" und- Amerikas kcmfekrtiiomterten Waren um' schweres Gold iin idas Land einzuliilhren. Wir werden vielmehr öBe Konfektionierung dank der *Ge&dhickiichkeit der jüdischen Arbeiter, welche diese zum Beispiel in der tvleiderkonrektion Amerikas schon bewiesen haben*; und, dank der geringeren Steuerlasten Palästinas.'um so. vieles billiger. erzeugenl. Zunrinidest .» 'aber wfird die Differenz zwischen idem Preise der Halbfabrikate und der Fertigfabrikate als Arbeitslohnund Unternehme rgewiwi fm Lande bleiben. Der Uöberschuß - der Produktion dieser neuen Konfektionsindustrie wird .leicht und mit Erfolg nach den Nachbar - ländern. Vor allem Syrien und Aegypten, abgehetzt werden köimeri. Als einige Beispiele für aisssiohtsvolle Koniektionszweige seien angeführt: dSe Erzeugung von Herren- und' Damenwäsche, von Herren-, Damen- und Kliiderkleidern.' von Schuhen .und Lederwären aller Art, von Schirmen, Krawatten und Möbeln. ’ Eine Anzahl von Kaufkurten, die entschlossen sind, bei" erster Gelegenheit nach Palästina zu übersieoeln und' ihre Gesdhäftstätfekeit dorthin zu verlegen, faßten dten Plan1, ähre Kapitalien zusammenzulegen, um' eine große Gesellschaft zur Einbürgenung . der. .Konfektiansürdusitrie in Form von Heimarbeit zu gründen. Interessenten, weiche sich diesem, Unter<ndhmen anzuscWKeßen gedenken,' wollen ihre Adresse; uinter näherer . An- . gäbe ihrer Wünschte und Absichten, an; das Palästinaamt; Wien* 2. Bezirk, Zirkusgasse 35, ehestens"'bekanutgeben.'’“ 1 JädiscIi-paläst(nensi£cüeTraasport£eseIIschatt. ' - ' Ztir Ergänzung ' ider vom den ' Palästinaämtem der ,. zionistischen Weltorganisation zu; leistenden "Arbeit; " wurde eben eine Jüdisch- ■'} palästinensische! /Transportgesellschaft gegründet, f die es rieh zur Aufgabe stellt.. dien Speditionsdienst für die jüdischen Aiti^adderter und deren Güter nach Palästina: >zu versehen. Das Unternehmen. dhis als G. m. b. H. über Initiative von Jakob Britigs ins Leben gerufen wurde, wird vorderhand seinen^Sitz in Wien auischlagen, plant jedoch bereife iüfo.düe nächste Zeit die Errichtung von OrgarrEsationssteUen in den Hauptorten der Emigration, wie Lodz, Warschau, Kiew. Krakau und Lemberg, in den Umsdhlagsteflen Odessa und Triest mnd in den Ausschlffungshäfen Haifa und Jaffa Hiedurch soll die klaglose Beförderung %ron Personen und Gütern vom Ausgangspunkt der Wanderung bis zum Bestimmungsort in Palästina von einem im zionistischen Geiste geleiteten und von der zionistischen Organisation kontrollierten Unternehmen gewährleistet werden. Der Organisationsdienst dar neuen Gesellschaft, die sich auch di© Förderung des Touristenverkehrs nach Palästina zur Aufgabe stellt, soll später ihm vorbehaltlich der Zustimmung der zionistischen Zentrale in London und dii© ganze Welt ausgedehnt^ werden., Für die ersten Organtsaticnsarbeiteri ist ein Kapital von 500.000 Kronen vorgesehen. Ein Teil dieses Betrages wurde bereits, in den ersten Tagen nach der Subskriptionseröffnang gezeichnet. Auskünfte und Subskriptionsanmeldungen bet der Jüdischpalästmensischen Transportgesellschaft m. b. ft, Wien, 2. Bezirk, ZLrkusgasse 33 (Palästinaamt). Eia Kurs iür Landverinessung. Auf Veranlassung des Palästämaamtes wird demnächst an der technischen Hochschule in Wien von einem bewährten Fachmann ein Kurs, verbunden mit praktischen Lieblingen, für jene Gesinnungsgenossen .abgetelten. die sich än Palästina als Geometer (Landmesser) zu betätigen gedenken. Eine Anzahl vom Interessenten hat sich bereits gemeldet. Weitere Bewerber wollen rieh; ehestens an d^s Palästimaamt, Wien, 2. Bezirk; Zirkusgass 33, wenden. Die Errichtung von Werkstätten für Palästina. Dieses Thema behandelte am VL Diskussionsabend des Palästinaamtes Herr Dr. Fritz Saxl in ebenso sachkundiger als formvollendeter und zugleich packender Weise. 'Er bezeichnet© es als eine der Hauptaufgaben der Palästina-Kolonisation, die Juden von ihrem übertriebenen Intellektualismus zu .befreien, der ihre Hand — zum größten Schaden der jüdischen ■ Kultur — dem Hamdwerkzeug fast völlig entfremdet und zum bloßem Schreiben* eventuell noch zum Umbläftem beim Lesen entartet' habe. Die modernen Forschungen in Amerika haben erst wieder den innigen Zusammenhang zwischen Hand und Hirn aufgezeigt, da z. B. stotternde Kinder durch Uebungen der Hand geheilt wurden. Die Hand, die heute nur grobe Muskelarbeit vernichtet, müsse Demkwerkzeug werden. Sie lasse sich so ausbilden, daß sie, wie z. B. in den optischen Fabriken von Zeiß, Differenzen ' fühle* die auch das komplizierteste Instrument nicht mehr erfasse. Das Werkzeug sei — wohlverstanden — in erster Reihe eine Vervollkommnung der Hand und * die Menschheitsgeschichte steHe sich als Werkzeuggeschichte dar. Nach der Kulturverwüstung des XIX. Jahrhunderts müsse man den Menschen und zumal den durch das Ghetto verkrüppelten Juden neue Hände schaffen, welchedie neuen Werkzeuge gebrauchen lernen. Zu diesem Kampf gegen den Intellektualismus seien, wie das mustergiltige Beispiel Amerikas. bewies, Lehrwerkstätten nötig, wenngleich es schwer falle, tüchtige Lehrer biefür zu fin- , 'den: denn'der Industrialismus habe sich als Grab aller Handwerkstüchtigkeit erwiesen. Diese Lehrwerkstätten, die für jedermann, insbesonders aber für Lehrlinge und Kolonisten nötig seien, werden eine großen erziehlichen Nutzen stiften, indem sie 1. den Juden den dem Handwerker eigentümlichen Begriff strenger Ordnung beibringen, 2. ihnen, denen heute als Händlern die Ware an sich gleichgiltig bleibt, eine wahre Liebe zu ihrem Werkzeug einflößen und sie damit seelisch bereichern und 3. sie lehren wird, fortab räumlich, konstruktiv, das heißt in Brettern, Kanthölzern und anderen konkreten Dingen zu denken Die Lehrwerkstätten werden auch bald ihre eminente soziale Bedeutung dartun. Dadurch, daß der in irgend einem Handgriff Begabtere und Tüchtigere von den anderen um Hilfe gebeten werden und sie auch gewähren wird, entwickle sich jene Arbeitsgemeinschaft, welche die Basis aller sozialer Kultur sek Das Werkzeug, welches alles Natur erkennen vermittle* führe zum Forschen, zum Schaffen und — psychologisch genommen — zur seelischen Mitteilung. Erschreckt durch das Kulturchoas, das heute auf. diesem Gebiete Europa beherrsche, verlangen wir entschieden für das neue Palästina eine originelle Ausdruckskultur, und zwar eine* Kultur der Sachlichkeit und Wahrheit, welche die Werke der Menschen so darattellt, wie sie sind; und nicht, wie . sie scheinen'möchten. Für diese Lehrwerkstätten, die es schon hierzulande zu errichten gilt, kämen alle Techniken in Betracht, vor allem die Holzbearbeitung, das Weben, insbesondere zur Schulung der Hausfrau, schon bezüglich der Wertigkeit des Materials, die Töpferei usw. Ermutigt durch den Enthusiasmus, den seine Ideen beim Wanderbund „Blau - Weiß“ fanden, habe Referent an der Schaffung einer Buchbinderei und Schusterei mitgewirkt und das Versprechen des Jüdischen Nationalrates erhalten, bei Einrichtung einer Tischlerei und weiterer Werkstätten unterstützt zu werden. Aus der angeregten Diskussion, welche sich an diesen Vortrag anschloß, und an der sich u. a. die Herren Schreier, A. Brandstätter, Dr. Zweig. Zwi Kohu, Dr. Diamant und Alex. Wolf, beteiligten, seien nur einige wenige interessante Daten herausgegriifen. Herr Kohn wußte von einer Arbeiterproduktivgenossenschaft von 100 Schneidern in New-York zu berichten, die nunmehr ihre Tätigkeit nach Palästina verlegen wollen, weiters von den ausgedehnten Töpfereien, welche die Araber nächst Ramleh betreiben, und von der Heimindustrie der 800 Juden von Saida, welche ein sehr haltbares Gewebe aus Baumwolle und Seide für Waschgewänder hersteilen. Er betonte schließlich, daß die auf Anregung Trietsch* in Palästina gegründete Gewerbeschule z. B. in 6 Monaten gute Tischler ausgebildet habe, von denen einige in der Folge sogar zu Baumeistern aufstiegen. Herr W ol l bekannte sich als Mitglied einer Kommission, welche sich die Gründung ' einer jüdischen: Gewerbeschule* in Wien' zum Ziel gesetzt hat. unt die jüdischen Lehrlinge dem Gewissenszwang der SabbathentheÜigung zu. entziehen. Er -Diamant führte aus, daß die Juden durch das ganze Mittelalter bis weit hinauf indie Neuzeit auf allen Gebieten des Kunstgewerhes sich rühmlich bewährt haben, und verwies auf ihre Buchminiaturen, Bsomrmbüchsen, Chanukalampen, Menoras und sonstigen ritualen Gegenstände. sowie darauf, daß die Juden überall in Europa die. Begründer jeder Textilindustrie waren. Der Vorsitzende Dr. Zweig faßte die Ansichten der Diskussionsredner dahin zusammen, indem er den Herrn Referenten dringend ersuchte, den zu handwerklicher Betätigung bereiten Juden Wegweiser und Führer zu sehe Für solche* die sich für. das Problemder Handarbeit namentlich vom pädagogischen Standpunkt aus näher interessieren, sei auf das inder Sammlung „Aus Natur und Geisteswelt“ erschienet». Büchlein von A. Pabst „Die Knabenhandarbeit in der heutigen Erziehung“ (Leipzig, Teubner 1917) hixigewiesen. Dr. E. Z

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