Jüdische Zeitung
- Journal
- Jüdische Zeitung
- Volume
- 13 (1919)
- Issue
- 17 (25.4.1919)
- Date
- 1919-04-25
- Page
- Seite 5 (sequence 5)
- Language
- German
- Belongs to
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Seite 5 Nr. 17 JÜDISCHE ZEITUNG '; «Der KongreB beauftragt seine europäische Delegation, reit der zionistischen Weltorganisation. zusaminenzu- . a r b e i t en, damit die Friedenskonferenz die i nationalen Bestrebungen und die historischen Ansprache des jüdischen Volkes auf Palästina anerkennten Palästina müssen derartige politische, administrative und ökonomische Bedingungen geschaffen werden,, welche (Ke Entwicklung des Landes zu einer jüdischen Gemeinschaft sicherstellen, wobei klar verstanden wird, daß nichts getan werden soll, was die bürgerlichen, nationalen und religiösen Rechte der nichfjüdischen Gemeinden in Palästina oder die Rechte und die politische Steifung der Juden anderer. Länder benachteiligen -könnte.“ Der Kongreß sprach sich nach einer längeren Debatte für die Nationalisierung des Grund und Bodens, der Naturschätze und der Verkehrsmittel in Palästina aus. In bezug auf die jüdischen Legionäre wurde beschlossen, daß Urnen in Palästina Boden zur Niederlassung unentgeltlich zugewiesen werden müsse. Der Kongreß faßte ferner eine Entschließung, welche die nationale Gleichberechtigung der Juden in den Ländern ihrer Massensiedlung fordert Die Judenpogrome wurden aufs schärfste verurteilt. In einer anderen Resolution wurde gegen die fremdenfeindliche Propaganda in Kanada protestiert und die Freiheit der Einwanderung gefordert Der Kongreß, beschloß die Organisierung der Juden Kanadas für ihre nationalen Interessen und setzte eine Kommission zur Erforschung der rechtlichen Möglichkeit der Errichtung jüdischer Schulen in Kanada ein. Der Gedanke einer fünftägigen Arbeitswoche (Ersetzung der Vormittagsarbeit an Samstagen durch eine entsprechende Verlängerung der Arbeitszeit an den Wochentagen) „ wurde vom KongreB gutgeheißen. Der Kongreß wurde zu einer permanenten Institution erklärt. Es wurde eine aus 36 Personen bestehende Exekutive eingesetzt und beauftragt, eine aus 3 bis 5 Personen bestehende Delegation nach Paris zu entsenden. Dieser Delegation wurde die Pflicht auferlegt, an der Einberufung eines jüdischen Weltkongresses energisch mltzuarbeiten. * Stadentischer Antisemitismus in Berlin. Die ..Allg. Ztg. d. Jud.“ berichtet: ..Bei einer Akademikerversämmlüng der juristischen und national-ökonomischen Fakultät kam es in der vergangenen Woche in der Berliner Universität zu antisemitischen Zwischenfällen, die ihren Höhepunkt erreichten, als .ein ..Kommilitone“ den Antrag stellte, die im. Saal anwesenden Juden zu zählen. Diese gemeine Provokation hatte zur Folge, daß ein schwerverwundeter jüdischer Offizier, mit dem Eisernen Kreuz 1. Klasse geschmückt, dem ..Kommilitonen“ entgegentrat, indem er ausführte. man habe im Schützengraben draußen in Flandern auch nicht gefragt, wer Jude und wer'Christ sei. man habe die Gefallenen auch nicht nach Juden_ und Christen sondiert, und man habe die zu Krüppel Geschlagenen auch nicht gefragt, ob sie Juden oder Christen seien. Nach diesen von der Mehrheit warm .empfundenen Worten forderte er die anwesenden jüdischen .Studenten auf., unter Protest den Saal zu verlassen, was auch geschah. — Ihnen schlossen sich aber auch viele gerecht denkende christliche Studierende an. und so verließ über die Hälfte der Anwesenden den Saal.“ —Es ist bedauerlich. daß.man im „neuen“ Deutschland noch nicht weiter igekommen ist und in der Beschränktheit der Schützengraben-Ideologie noch immer drinsteckt. Die jüdischen Studenten sollten wahrhaftig schon wissen, daß das Schützengraben-Argument abgewirtschaftet hat und daß es heute für ernste Menschen aus der Erkenntnis des rohen Antisemitismus' ganz andere Konsequenzen zu ziehen gilt als sentimentales Räsonnement * Einstellung einer jüdischen Tageszeitung. Laut Verordnung des Volkskommissariats für Presseangelegenheiten wurde das weitere Erscheinen der Budapester misrachistischen Tageszeitung „Allgemeine Jüdische Zeitung“ als konfessionelle Zeitung eingestellt. 4 Ein Protest kanadischer Geistlicher gegen die Judenpogrome. Die Jahreskonferenz der. anglikanischen Synode Kanadas, die am 15. Februar in Montreal stattfand, faßte eine Resolution, die die judenieindhehen Exzesse in Polen und Galizien als unmenschliche Handlungen verdammt und den leidenden Juden warme Sympathie ausdirückt Es wurde beschlossen, diese Resolution dem Ministerpräsidenten ' Hardon mit der Bitte zu überreichen, sie der polnischen Regierung zu übermitteln. ■ . Proßnitz. Am M. März fand in Proßnitz eine Versammlung der Al Iw. jücL-soz. Arbeiterpartei „Poale Ziem“ statt, in., der Dr. Felix Loria aus .Brünn das Programm und die Ziele der jüdischen zionistischen - Sozialdemokratie entwickelte. In 1 der Debatte sprächen die.Führer der bürgerlichen - zioajistischen Gruppen, auf deren Ausführungen Dr. Loria erwiderte. In seinem Schlußworte er-. mahnte Dr. Lorin alle Versammelten, den Geist der'j üdische n Solidaritä t, der das Juden- , tum -der ganzen Welf verbindet, stets., hoch zu halten und forderte alle, die ihre Zugehörigkeit zum Proletariat erkannt haben, in. die .Reihen der Poale Zion zu treten, um im Rahmen der Internationale gegen den Kapitalismus .und, für Erreichung unseres Landes in Palästina zu kämpfen. Lebhafter Beifall „folgte den Ausführungen des.. DöH« Brr ■ +*. \ ‘ Zionisttsdie Bewegung Die Beschlüsse der Londoner Konferenz Das Kopenhagener Zionistische Bureau veröffemUcht noch cfie folgenden auf der Zionistischen Tagung in London gefassten Beschlüsse: Erziehungswesen. 1. Die Zionistische Konferenz ersucht die Zionistische Exekutive, dafür zu sorgen, daß alle Erziehungs-Institute in Palästina in Zukunft der Aufsicht der Zionistischen Organisation unterstellt werden. : 2. Die Zionistische Konferenz ersucht die Zionistische Exekutive. Vorsorge zu treffen, daß alle Schulen in Palästina, ohne Unterschied der Partei, der sie gehören. Hebräisch als Hauptsorache einführen, als vorläufige Grundbedingung für die Vereinheitlichung des Erziehungs-Systems. 3 Die Zionistische Konferenz betont die Notwendigkeit, daß die Kinder in der Diaspora hebräischen Unterricht und Kenntisse über Palästina erhalte«, durch die Gründung von Institutionen und Kursen in allen Zentren, in denen sich Gruppen zur Aaswanderung nach Palästina vorbereiten. 4. Die Zionistische Konferenz ersucht die Zionistische Exekutive, dafür Sorge zu tragen, daß besondere Vertreter in den Emigrations- Zentren ernannt werden, die den Emigranten Unterricht und die notwendige Unterweisung für ihr künftiges Leben in Palästina geben. Sie regt an. daß palästinische Lehrer nach diesen Emigrations- Zentren und Lehrer aus diesen Zentren nach Palästina gesandt werden. 5. Die Zionistische Konferenz ersucht die Zionistische Exekutive, in angemessener Weise für die palästinischen Lehrer und ihre Familien zu sorgen und Vorkehrungen zu treffen, daß sie in entsprechender Weise mit Büchern und anderen Leh-mittel« versorgt werden. Die Diskussion über diese Punkte wurde zum größten Teil in hebräischer Sprache geführt Bei den Beschlüssen über das Budget wurde ausdrücklich ein Zusatzbetrag von 6000 Lst. für die palästinensischen Lehrer bewilligt. Nationale Kolonisation. Auf Antrag des Herrn Julius Simon, der im Namen des Aktionskomitees sprach, wurde folgendes beschlossen: 1. Es soll ein jüdischer Landfond für Kolonisation geschaffen werden und übernehmen: a. Ländereien, die sich nicht in Priyatbesitz befinden. Diese Ländereien Sollen zur Verfügung des Fonds gestellt werden, zum Zweck iüdischnv7T>.']er Kolonisation. ü. Ländereien, die großen Betrieben gehören, soweit sie ein bestimmtes Maximal-Areal überschreiten, rege« Entschädigung des Besitzers ztr den.vor Jt-ra Kriege gültigen Raten (vor dem 1. Au uc K'U‘5. sobald die Vertreter des jüdischnationalen Landfonds es fordern. Die notwendigen gesetziiehetr Schritte müssen für diesen Zweck einsc’eitet werden. Die Pächter dieser Ländereien wer an entschädigt, indem sie ein bestimmtes Minimai-Aresi des Besitztums erhalten. Das Land, das■ dem Jüdischen Landfond für Ko; -uion gehört, kann nicht in private u •- -• i :? übergehen.?. Gerichtliche Arbeiten werden dem iüdisenen Kat zur Ausführung übergeben, nicht nur in Fällen, wo dies der billigste Weg ist. sondern auf Grund eines allgemeinen Prioritätsrechtes. Der Jüdische Rat muß das Recht.haben, in gewissen Fällen, einer dritten Parten'. die Konzession zu übertragen. / " Zionistischer Distriktstag inj Böhmen Der diesjährige zionistische Distriktstag für Böhmen hatte organisatorisch eine andere Stellung als bisher, da jetzt Prag der Sitz des zionistischen Zentralkomitees für den tschecho-slowakischen Staat ist und daher das wesentliche Interesse und wertvolle Arbeitskräfte von der zionistischen Reichsarbeit in Anspruch genommen werden. Der böhmische Distriktsverband spielt sjlso jetzt eine ähnliche Rolle wie früher der inneröstererichische Distriktsverband innerhalb der westösterreichischen Organisation. IDie zionistische Bewegung ist in Böhmen wie überall in rapidem Wachstum begriffen und der Distriktstag. der am 19. und 20. d. AL stattfand, zeigte, daß neben den altbewährten Arbeitern auch bereits eine Reihe neuer Kräfte tätig sind. Im Mittelpunkt der Verhandlungen stand die Diskussion über die Stellung der Zionisten zur Landespolitik: nur ein schwacher Flügel, insbesondere - aus deutschsprachigem Gebiete, vertrat noch den Standpunkt einer Abstimmung in innerpolitischen Fragen. Die überwältigende Mehrheit bekundete eindeutig ihren Willen, im Rahmen der Landespolitik mit nationaljüdischer Arbeit einzusetzen und ach dabei in engster Verbindung mit dem jüdischen Nationalrat zu halten, dem die zionistische Partei in innerpolitischen Fragen untersteht. Der politische Referent Dr. Max Brod wandte sich vor allem auch gegen die in letzter Zeit in Bphmen erfolgten Versuche, ein jüdisches Volkstum mit unpolitischem Charakter gegen den jüdischen Nationalismus' auszuspielen und damit den Nationalismus zu diskreditieren. (Diese Agitation treibt z. B. Dr. Zollschan und Dr. Ziegler in Karlsbad, der auch den von uns bereits angefochtenen Aufsatz im ^Frieden“ schrieb.) Der Distriktstag ^urde Samstag abends mit . einer hebräischen Ansprache von Dr. Oskar E dstein und sodann tschechisch und deutsch von Dr. Ernst Gütig in Anwesenheit von 72 Delegierten und zahlreichen Ztfhörem eröffnet. Zum Vorsitzenden der Tagung wurde Ernst Bechert (Teplitz) gewählt. Namens des jüdischen Nationalrates begrüßte Dr. Singer und namens des Zentralkomitees Emil Thein. Sodann erstattete Dr. Gütig den Rechenschaftsbericht des abtretenden DL K- und Banmgarti den Bericht der Nationalfondskommission, ans dem hervorgeht, daß die Eingänge der letzten Monate eine sehr erhebliche Steigerung erfahren haben. Nach kurzer Debatte wurde dem abtretenden Komitee die Entlastung erteilt. In der Sonntagsitzung referierte zunächst Dr. Gütig über die kommenden Aufgaben des Distriktskomitees, Ing. Grünberger berichtete über die Tätigkeit des Palästina-Amtes. Ingenieur Aschermann über die Agitation in der Tschechoslowakei. Max Brod über Zionismus und Nationalismus. Dr. Brod tritt dafür ein. daß das nationale Bekenn tnis integrierender Bestandteil des Zionismus sei und daß die zionistische Organisation in der Landespoitiik in 'engster Zusammenarbeit mit dem Jüdischen Nationalrat Vorgehen müsse. Ein wesentlicher Bestandteil der gegenwärtigen Aktion sei die Nationalisierung der Kultusgemeinden und dort, wo die Zionisten bereits die Macht erobert haben, müsse die sofortige Demokratisierung durchgeführt werden. Anknüpfend an dieses Referat entspann sich eine längere Debatte über die Stellung der Partei zu den bevorstehenden Gemeindewahlen im tschechoslowakischen Staat Es wurde beschlossen, überall wo Aussicht auf Erfolg vorhanden ist in d e n W a h 1kanvpi mit eigenen Kandidatenlisten ei nzu treten. £ Ein Antrag auf Erhöhung der Par teilst euer auf 15 Kronen als Beitrag für das Z. K. und D. K. wurde angenommen und eine Seibstbesteuenmg von 100 Kronen für den NationaifondS m Vorschlag gebracht1, wobei Dr. Osk. Epstein die Anregung gab, das jede zionistische Besteuerung fortab progressiv, und zwar in Anlehnung an» die «Einkommensteuer erfolgen sott. ln das neue Distriktskomitee wurden gewählt: Professor Viktor Freud als Obmann. Ingenieur Aschermann. Doktor Gütiig, Ingenieur Viktor Pollak, Herberl! Fuchse Banmgarti, Otto Brod, Dr. Artur Freund Oskar Busch Eine zionistisch-sozialistische Gruppe in Prag Auf Anregung des politischen Referenten beim Distrikstag Dr. Max B r‘o d, der in seinem Referat eingehend das Verhältnis von Zionismus und Sozialismus exörterte, wurde voii den Interessenten für eine sozialistisch-zionistische Fraktion im Exekutionsausschuß eingesetzt; der die Fragen des Programmes und der Organisation zu beraten hat. piie Gruppe beabsichtigt mit der Organisation „ffapoel hazair“ und mit den, „Zeire Zion“ (in Fühlung zu treten, hat aber die Uebexnahme des Namens „Hapoel hazair“ derzeit noch abgefeimt. Ein erweitertes Komitee hielt bereits Montag, den 21. d. M. eine Sitzung ab. An der Debatte beteiligten sich Nath. Thon Krakau), und Dr. Robert Weltsch (Wien). Palästinabureau für Galizien und Schlesien in Krakau. Wie aus Krakau gemeldet wird, wurden die Agenden der bisherigen Palästinakommission und des Rayonskomiiees des „Hechaluz“ fusioniert, die nunmehr als „Paläsiinabureau für Galizien und Schlesien“ arbeiten. Vorsitzender ist Dr. Ch. HHfstein. Bureauleiter Dr. E. Rieger. Zu den vorläufigen Aufgaben dieses Bureaus gehören: a) Durchführung der Registrierung aller Palästinaauswanderer. b) Veranstaltung einer Hechaluzwoche in Westgalizien. Eine finanzielle Aktion für den „Hechaluz“ ist im Zuge. Bisher existieren Hechaluzgruppen in zirka 20 Städten. Mehr als 300 Chaluzim arbeiten ln Gärten und bei Gutsbesitzern, Eine größere Werkstätte iür Tischlerei ist im Entstehen. Eine Konferenz der galizischea Hechaluzgruppcn ist für den 6. Mai nach Krakau einbernfen. Die Aussichten des Zionismus Eine Aeußerune Morgenthaus. Der frühere amerikanische Botschafter in der Türkei Henri Morgenthau, der in Paris eingetroiien ist. dementiert zufolge eines Telegrammes des Jüdischen Preßbüros in Stockholm die Behauptung, er sei gekommen, um dem Zionismus entgegenzuarbeiten. Er erklärte im Gegenteil, dem Zionismus mit großem Wohlwollen gegenüberzustehen. Ferner teilte er mit daß W i 1son ihm gesagt habe, er sei absolut sicher, daß die Friedenskonferenz Balfours Erklärung über die Errichtung eines nationale« Heimes für das jüdische Volk in Palästina verwirklichen . werde. Amerika, sagt Mortenthau. werde nach ihm zugegangenen zuverlässigen Informationen Von großer Bedeutung für die Juden Osteuropas von der Friedenskonferenz das Mandat zur Verwaltung Konstantinopels erhalten, was sein werde. Vom Zionistischen Landeskomitee für Deutschösterreich An alle Vereine und Organisationen in Wieut 1 Alle Vereine und Organisationen, welche die in den Rundschreiben vom 1. and 9. Aprit enthaltenen Fragen nicht beantworteten, werden hfemlt aufgefordert. dies unverzüglich nachznhoteo. Für das zion. Landeskomitee: Ing. Robert Stricker m. p. Dr. Elias Tisch: m. p. Eine jüdisch-palästinensische Transportgesellschaft in Graz. Zar Ergänzung der von den Palästinaämtern der zionistischen Weltorganisation zu leistenden Arbeit, wurde eben eine jüdisch-palästinensische Transportgesellschaft gegründet; die es sich zur Amgabe stellt, den Speditionsdienst für die sehen Auswanderer und deren. Güter nach " stina zu versehen. Das Unternehmen, das als#