Jüdische Zeitung
- Journal
- Jüdische Zeitung
- Volume
- 13 (1919)
- Issue
- 17 (25.4.1919)
- Date
- 1919-04-25
- Page
- – (sequence 1)
- Language
- German
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Redaktion und Adminifltration ■ Wien i!., Taborstraße I Fernsprecher Nr. 45-325 , Naiional'jüdifches Organ Mit der Beilage: wD.er jüdische Nationalfonds“ «UO| Frtitaoi dea 25. April 1919 I Bezugspreis: Vierteljährig 6 K | gaazj. 24 K, £jnaelnnmmor 50 h 1 Postsparkassenkonto 133.404 | Gemeinderatswahlen , Erst vor einigen Wochen hatte <8e Bevölkerung Deutschösterreichs Gelegenheit, hei den Wahlen für die Nationalversammlung ihre politische Gesinnung zu dokumentieren. Wie bescheiden auch der Anteil des Volkes an der Leitung des Staates ln unserer Demokratie noch ist, wo sich im wesentlichen das politische Recht aui <Üe Abgabe des Stimmzettels beschränkt, so ist doch gerade bei der konstituierenden Nationalversammlung der Ausgang der Wahl von erhöhter Bedeutung, weil er die Richtung bestimmt, in der -sich die Politik des neuen Staates bewegen muß. Auch die Juden Deutschösterreichs haben ihren Willen durch die Wahl kundgegeben. Die Juden des Wahlbezirkes Wten-Nordost, des einzigen Bezirkes mit einer größeren jüdischen Bevölkerung, haben gewissermaßen als die Mandatare der gesamten Judenschaft Deutschösterreichs gehandelt, indem sie den jüdSschnaiäonalea Kandidaten zu ihrem Abgeordneten wählten. Sie haben -damit dem Grundsätze zum Durchbruch verhoifeit daß Joden nicht durch Angehörige anderer Völker und Parteien vertrete« werden können, selbst wenn diese Vertreter jüdischer Abstammung sind. Vielmehr können Juden mir tiip-ch solche Männer vertreten werden,, welche Ihre Politik m erster lMe vop den Bedürfnissen des jüdischen Volksgangen bestimme« lassest Aus diesem Grunde - mußte auch die jüd^schnationale Partei die Beteiligung an der Landespolitik ln vollem Umfange in Jhr Programm aufnehmen, da nur das jüdischnationale Programm die Gewähr dafür bietet, daß die J udeti ihrem: Wesen, -ihren Interesse« und .-Ären. Etedürfeyssen . gemäß Adoto Staate und den gegesnfibür^^VettreÄ';weii.e'ttviuiid' daß ha gegenseitigen Verhältnis zwischen Juden und Nfchilnden Jene Aufrichtigkeit und Ehrlichkeit herrschend werde, welche einzig lind allein die Grundlage für ein zufriedenstellendes Zusammenleben bieten kann. Die konstituierende Nationalversammlung ist die gesetzgebende Körperschaft, und es ist klar, daß der eine jüdischnatianaJe Abgeordnete in dieser Körperschaft keinen entscheidenden Entfloß haben kann. Darum handelt es - sich aber auch gar nicht. Nichts liegt der j ödtschnaMonalen Partei ferner, als durch ihren Einfluß das politische Leben des -vorwiegendvon Nlchfiuden bewohnten Staates beherrschen zu wollen. Aber wo jüdische Interessen au idem- Spiele stehen, da muß der Jude gehört werden, and wenn schon von jüdische Interessen'auf dem Spiele stehen, da. muß müsse« sie in dem Sinne richtig dargestellt: werden, der allein der weiteren Entwicklung förderlich ist. Der jüdische Abgeordnete in der Nationalversammlung wird, wenn er von der Parlamentstribüne spricht von der ganzen Welt gehört werden, seine Rede wird bei der Judenschaft der ganzen Welt Widerhall wecken. In- ‘ sofern kann also auch für den Gesamtstaat seine Wirksamkeif von besonderer Bedeutung werden, wenn die maßgebenden Faktoren die tatsächlichen Umstände richtig elnzuschätze« verstehen. Handelt es sich also in der Nationalversammlung vor altem um Verfassung und Gesctz- : g-ebtmg, wo die Stimme des. Einzelnen nicht entscheidend ist so handelt es sich bei den kom-' inenden Gemeinderatswahlen am e&le Körperschaft. deren Aufgaben vorwiegend auf dem Gebiete der- Verwaltung liegen. Haftet der Ver- , fassung und Gesetzgebung in gewissem Sinne immer noch etwas Abstraktes an, so ist die Ver- ' waltung unmittelbar Regelung des wirklichste«, konkreten Lebens. Hier aber gilt noch in stärkerer Weise dasselbe, was oben über die Vertretung der Juden in der Konstituante gesagt wurde, in der Gemeinde' ist jeder Jade gewissermaßen per- , ~ -söniieh interessiert, Ihre, Bestimmungen und Handlungen greifen direkt, in das persönliche Leben eütimd-die Besonderheit der jüdischen Inter-- essen erfordert eine Vertretung, die eben diese; Besonderheit genau kennt und in jedem Einzelfalle das Interesse der Juden mit allein Nachdruck, und zwar mehrt als Fürsprecher und Anwalt son- ' deru als eigene Sache wahren wird Juden, welche auf zwei Stühlen sitzen, weiche ' gleichzeitig dem Judentum und noch irgendeinem anderen Volke dienen wolle«, können niemals die Funktionen wirklich jüdischer Vertreter erfüllen. Sie behalten immer eine gewisse Zwitterstellung, ihre Entscheidung ist nicht endgültig, sie können immer wieder in Interessenkollisionen geraten. Solche Vertreter können für das jüdische Volk keine zuverlässigen Mandatare -sein. Das jüdische Volk kamt nur Männer entsenden, die eindeutig auf dem Boden eines jüdischen Progranunes) stehen. Die Interessen, die die Juden an Gemeinderat zu unterstützen haben, sind äußerst mannigfach und im einzelnen gar nicht programmatisch erfaßbar, weil eben gerade diese Körperschaft eine Fülle von Einzeifragen des täglichen Lebens zu entscheiden hat Bei der Wahl von Qemeinderäteu müssen die Juden daher vor allem die erprobten Männer ihres Vertrauens wählen, dte die Gewähr biete«, daß sie immer und überall sich bis zum letzten für Judentum und Juden entsetzen werden. Dies kann aber niemand anderer sein als die Kandidaten der natiotraij üdischen Partei. Die Gemeinde Wien war bisher die Hochburg des Antisemitismus. Das christticli6oziale Regime, das Wien statt zu einer Weltstadt zu einem gemütlichen provinziellen Krähwinkel auszubauen de« Ehrgeiz hatte, hat vor allem: za einer vollständigen Ausschaltung der Juden aus dem ganzen öffentlichen Leben der Gemeinde geführt Jetzt -ist das Ende der christüchsoziaien Herrschaft gekommen, aber auch ihre Erben, dfc Sozialdemokraten, bieten nicht viel Hoffnung auf eine Besamung. Bekanntlich waren m der letzten ** 'Zelt.'-Anführer., der an tiseijiiti schert Kampagne gegen die Ausländer und Flüchtlinge, welche durch kurzsichtiges, die Gemeinde und den Staat schädigendes Vorgehen vor allem cüe Existenz vieler tausend Juden bedroht. Dtirjch ihr konsequentes Ignoriere« der Tatsache äes Jüdischen Volkstums untergraben die Sozialdemokraten aus beschränktem Parteiegorsmus, der um ein paar Stimmer zittert, <Be Möglichkeit einer ehrlichen Verständigung zwischen Juden und Nichtjuden. Auch unter dem sozialdemokratischen Regime werden die Juden in der Gemeinde nicht besser fahren, falls nicht bewußt jüdische Vertreter zugegen sind, welche •Jas Interesse der Juden wahmehmen. Die gesamte Judenschaft Wiens uard am 4. Mai wieder ein Zeugnis ihrer politischen Reife, ihres Selbstbewußtsems und ihres Verständnisses für das eigene Interesse aoznlegen haben. Nicht minder wichtig als die Gemeintieratswahlen werden tiSe Landtagswablen sei«, wo es ebenso wie bei der Gemeinde gilt eine Bresche m die fugendfeindliche Domäne zu schlagen. Dte jüdtscfanationale Partei hat im IL, VI., VIL, IX. und XX. Wiener Bezirk eigene Kandidatenliste« aufgestellt Es ist eine eminente Pflicht aller Joden Wiens, säch not allen timen zu Gebots stehenden Mitteln für die Wahl der jüdischnationalen Liste in den erwähnten Bezirken «aazusetzen. Wer- In esnezn Bezirk wohnt In dem infolge der geringen Zahl jüdischer Bevölkerung eine eigene Kandidatenliste rächt _aufgesteüt werde« konnte, der muß durch tatkräftige Werbearbeit bei seinen Bekannten in den anderen Bezirken, durch Aufklärungsarbeiten und durch Spenden für de« Wahlfonds das Seänige dazu beitragen, daß die i&iischnaiioaalea Kandidaten gewählt werden. Denn diese werden nicht einen oder den anderen Bezirk vertreten, sondern die gesamte Wiener Judenschaft Dte Persönlichkeiten der Listentührer bieten die Gewähr, daß die Vertretung der Judenschaft üm Falle'der Wahl dieser Männer iu den beste« und bewährtesten Händen, Hegen wird. , Der 16. Februar hat uns um ein wesentliches Stück vorwärts gebracht Der 4. Mai Wird eine weitere Etappe auf , diesem Wege bedeuten . müssen. Die jüdischnationalen Kandidatenlisten in Wien L Landtag. No röos’u Dr. Isidor Scfeal&t Zahnarzt 1X_ Währaigerstrußfi 3 Dr. Leopold Plaschkes, Rechtsanwalt 1L. Novaragasse 28. Abgeordneter Ing. Robert Stricker, HL, Becbardgasse 24. Anittla Müller, Gemeinderätin. Ul.. Gärtaer- . gasse 2. Ing Fed-or Ackermanm. Balmbeamter. Ir- Sterneckplate 9 Erna Patak, Erholrngshcamirihafeenm. XVÜL, Hasenauerstraße 43. Jakob Pinkas. Kaiuränasm.!!.. liEenbnaingasse 18. Dr. Otto Abeles, Bahnbeamter. H- Kurzbauergasse 4. David Nebenzäihi. Prävaifaeasiiter. III- Rasumofskyga&se!. Max Markus, Kaufmann, III, Diestersasse. 9. Isidor Blaß. Zahntechniker:. I, Kohlmessergasse 3. IX. Bezärk. 1. Dr. Bruno PoMak, Fabrikant UL. Heumarkt 39.' 2. Adolf Brecher. Kaufmann, IX-, Porzeflatnaasse 45. 3. Hugo Rechnitzer. Bankbeamter. XIX- Dionysius \A«drassystraße 5. 4. Erna Patak, Besitzerin eines Erholungs- . toeimes. XVIIL Hasenauerstraße 43. а. Dr. Adolf. S reiner, Arzt IX-, Servstengasse 21. б. Sala Schmerler, Prokurist IX-Seegasse 12. 7. Gersou Koralek. KamünKwn. IX.. Georg Siglgasse 12. IL Gemeinderat II. Bezirk. Dr. Jakob Ehrlich. Rechtsanwalt i, ftelferstorierstraSe 9. ••Be*' LeöpoJd« Rljischk»». , Rechtsanwalt;. HL r ^Ndvaragdäte 28t. Abgeordneter Ing. Robert Stricker. HL. Bechardgasse 24. David. Neibe ne atl PrsvaSfbearoter, HL, Rasumpfskygasse 1. Anitta Müller. Gememderätän, UL. Gärtnergasse 2. Dr. Max Sprecher. Fabrikant IV.. Prinz Eugensiraße 76. Max Markes, Kaufmann, vIII., Dtestergasse 8- Isidor Blaß. Zahntechniker. I„ Kohbnessergasse 3. Erna Patak. Erhohrngsbetmiahaberni. XVIIIffasenaue rsrraSe 43. J. H. Waltuch, Kaufmann, L, Maske Theresienstraße 24. Dr. Josef Auerbach. Rechtsanwalt HL. Hatuptscraße 14. Dr. Egon Z we i g. Rechtsanwalt II!.. Kegrfgasse 19. VL Bezirk: 1. Adolf Böhm, Kaufmann, XVI. WoBtelntaienstraße 28. 2. Amtta Müll e r. Gemeinderätin, HL. Gärtnergasse 2- 3. Armin Po Hak. Fabrikant. VI, .Millergasse 33. 4. Hugo Spitzer. Fabrikant VT- Schmatehofgassc 8. 5. David Haste rück. Buchbinder. VL. Kopernümsgasse!H | VH. Bezirk. 1 Or. Destder Friedman«. Rechtsanwalt V1I„ Faßziehergasse 7.?. Isidlor i Schwätzer. Bankbeamter. VIIL, Kochsrasse 22. 9- Berta Berger. Private. . VUL. Josefstädterstraße 9. 4. Max Wohimutlt Disponent VII„ Siebensterngasse 2. 5. Emannel Reiß. Gastwirt Wil- Marrahilferstraße 124. IX. Bezirk. J. Dr. Bruno Pellat. Fabrikant HItteumarkt 39. 2. Dr. Isidor Schallt. Arzt DL. Wäferingerstraße 3. 3. Ing. Robert Stricker. SäafcSbafemat IIL. Bechardgasse 24. 4. Anitta Müller. GemeEmjerätfn. lü- Gärtnergasse 2. 5. Dr. Adolf Steiner. Arzt IX., Servitengasse 2t. 6. David Nebe n zahl Piwatbeamter. III., Rasumofskygasse 1. 7. Gerson. Koralek. Kattintam*. IX.. Georg Siglgasse 12. XX. Bezirk. I. Dr. Leopold Plaschkes, 2. Abgcordueter Ing. Robert Stricker. 3. Eima Patait 4. David Nch en-zaüii, 5. Joseüne Petyatn, 6. Dr. Jakob Ehrlich, 7. Ber. Walldmann, 8. big. Feßor Ackermamrt