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Jüdische Zeitung · 1919-04-18 · 16 (18.4.1919) · p. Seite 1

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Journal
Jüdische Zeitung
Volume
13 (1919)
Issue
16 (18.4.1919)
Date
1919-04-18
Page
Seite 1 (sequence 11)
Language
German
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Seite .1 Beilage zur JÜDISCHEN ZEITUNG RanjoieplS DERJÜDISCHE Mitteilungen des Vereines KerenKalemethLelisrael » und» Pafiistlna-Aintes n Riedäktton3s"chltiß;'am vorangehenden Sonntag. . SpätereinlaufendeSpenden rwerdepefst im DßeäjsteirAuaweis «veföffentlidit. — Geldsendungen unr ah däa^Potftgp.^KtOj 1008208»_ Tel.43-3-25. I9.7IV. 1919 Sft^llIMfEUE FÜR, ÖSTERREJCH W8EH Il/t. URK1IS0M£R Der »Jüdische Nationaifonds' iat dazu bestimmt, in Palästina Giiind und Boden ala unveräußerliches Eigentum des jUdiacbeaVolkea zu erwerbt nl Miiieilim gßrudesPalästina - Amtes Effireise von- Chaluzim nach Palästina . Das PalästmarAmt Wien hat wiederholt verläütbäst-däß'tdie*Chaluzim. welche trotz, unserer .Warnung die. Auswanderung nach Erez Israel,schon - heute, versucht haben und bis nach ItallenVvörgedrungen sind,’ dort festgehalten werden ruiidrslch.fcftmmerlich förtbringen müssen. : Nuri.ijt'es' den vereinigten Bemühungen unsere^ Amtes, und der Italienischen Förderation in Rom. bei; der zionistischen Zentrale, ln London ge- Iung.emvfür-.die in Rom und Neapel konzentrierten Chaluzim,- im- Hinblick auf .ihre Zwangs- und Notlage.'-beLder englischen, bezw. egyptischen Regierung1 eine^vauSriahmsweise. Bewilligung zur Einreise-zirer wirken. Diese Bewilligung wurde Mitte MäriCE»nrl50 Chaluzim .erteilt. von denen alsbald llS'VöntNeapel nachi'Pört'-Said ausreisten und inzwischen“ bereits in Jaffa 'gelandet sein, müssen. Dld'testllchen 31' suchen einstweilen das fehlende Reisegeld durch Sammlungen, sowie durch Benachrichtigung Ihrer in Polen und Galizien zu-'., rückgebliebenen Eltern .aufzubringen. Getreu unserem; Grundsätze, die jüdische Oeflentlichkeit über alle Vorgänge auf dem Gebiejte.iden Emi»i;ntiön; und Kolonisation am Laufender» ^halten.-stehen.wir nicht an. auch obige N^lRlchtj zu verlautbaren. Doch sei mit allem Nachdrucke, betont., daß .-Jene Einreisebewilligung sich'ausdrücklich -ais eine Ausnahme darstellt una(:däß. weitete-Emigranten auf eine gleiche Begünstigung'ivorläufig keinesfalls rechnen dürfen. Der materielle- und moralische Schaden, welchen die", ersten Auswanderergruppen durch ihre UnbÖtmäßigkelt angerichtet haben, ist groß genug, uhijvor einer Nachahmung ihres Beispieles zu warndir und'davon abzuhalten. . , Mit'*der 'Bewilligung der Einreise für obige Grittipen;4st^irch: noch nicht gesagt, daß 'ihnen schön1 ‘hlüte „genügend Arbeitsgelegenheit und aüskönphMchef'Verdienst* in Palästina gesichert ist1, 'jur. Gegenteil “sprechen:- die hebräischen Blätter^aus'Pälästiha vom^Februar 'und März von einer ausgesprochenen Not an Arbeitsgelegenheit in Erezrisrael und von der dadurch hervorgerufenen Unzufriedenheit der schon früher im Lande ansässigen Arbeiter. Die jüdische Industrie* in Palästina “ ‘Das Kopenhagener Zionistische Bureau berichtet: In einer der letzten- Nummern der Zeitschrift „Palestine“ veröffentlicht der palästinische Ingenieur; J. Wilbuschewitz einen Aufsatz über - die'Ziikunft der jüdischen Industrie in. Palästina.-Der'Verfassergeht von der Voraussetzung ans. -däß^die Mehrzahl der industriell Tätigen aus Polen,- -Westrußland und GaKzien kommen werde, und;‘beschäftigt sich daher zuerst mit der Lage derdüdisehen Industriearbeit in jenen Ländern, um daraus Schlüssei.auf die-künftigen industriellen ■ Verhältnisse in Palästina-zu ziehen. Aus dem starken -Ueberwiegen von feistem gegenüber der Anzahl richtig vorbereiteter Arbeiter und Lehrlinge. schließt AVilbuschewitz,- daß es in Palästina "Vor allem-uotwendig-sein wird, für die Ausbildung spezialisierter Arbeiter und- Anwendung moderner Arbeitsmethoden zu sorgen. „Ohne solche Vorbereitung wird von einer jüdischen industriellen Entwicklung in Palästina überhaupt nicht die ■Rede" sein können, und der jüdische Arbeiter wird es nicht mit der ^Konkurrenz .aufnehmen können.“ Außerdem müssen wir uns von Anfang an klar machen. daß'Palästina mit den hoch entwickelten Staaten in Europa in fr ei er-Konkurrenz stehen muß. ■ In der; Industrie ist Praxis mehr wert als ■ T<Beofie,^m<iitfas mußrfür die Einrichtung jüdischer Industrien in 'Palästina unter Verwendung jüdischer-'Arbeiter das leitende Prinzip werden. . Die=-Arbeiter müssen Interesse für den Erfolg jedes Unternehmens gewinnen, indem sie. am Verdienst teilhaben, indem ferner Gartenstädte für . Arbeiter, errichtet werden, sowie durch andere Privilegien: Die kleinen Industrien, die kein großes Kapital erfordern.- sollten in das. Eigentum, von Arbeitern und vollständig unabhängigen Arbeiter- . gruppen ■ übergeleitet werden. Dadurch wird sich der freie und individualistische Geist des jüdischen . Arbeiters -entwickeln konnen. und .sein Fleiß und „seine Beobachtungsgabe werden zum-Nutzen des . Eizelnen-und für den Erfolg der Industrie im Lande . nutzbar-gemacht werden können. ’ Bei manchen Industrien-; wird es notwendig sein. Modellbetriebe zu * errichten. Wenn die Einführung einer, neuen Industrie nützlich und profitabel erscheint, werden \ wir genötigt; sein, geschickte und erfahrene Ar- ' beiter dafür zu suchen. Wenn nötig, werden wir Leute mit technischen Kentnissen. ins .Ausland schicken.müssen. um Spezialbranchen zu studieren. Aber das »wird nicht genug sein. Man wird Werk- ' stättehTentweder durch private oder durch nationale-initiative zu errichten haben, mit der Aufgabe. komoetente Arbeiter auszubilden, die industrielle Produkten im Lande und in den Nachbarländern zu heben, die Produkte des Landes bekannt zu machen und neue Märkte für sie zu finden. Nachdem es sich erwiesen hat. daß. die Arbeit in einer neuen Industrie lohnend ist. sollte man diese einer .Arbeitergruppe oder einer Genossenschaft übergeben. Leichte Zahlungsbedingungen (etwa durch Ratenzahlungen) sollten solchen Gruppen für ihre modernen maschinellen Einrichtungen gewährt werden, und man sollte Zentralkörperschaften zum Ankauf neuer Materialien und zum Verkauf neuer Produkte schaffen. In vielen Fällen wird man Zentralwerkstätten einzurichten haben, wo es sich um die Fertigstellung halbfertiger Artikel für den Markt handelt. Eine Industriebank und ein nationales technisches Bureau für die technische Kontrolle aller . Industrie-Werstätten sind von hervorragender Bedeutung. Wir stehen am Eingang einer sozialen Revolution. Die Zeit ist reif, dafür Sorge zu tragen, daß wir bei der Errichtung unseres künftigen States nicht die alten Fehler noch einmal begehen. Durch eine Vereinigung der Industrie mit der Landwirtschaft werden wir im Stande sein, den Arbeiter unabhängig zu machen, seinen physischen und moralischen Stand.zu heben, seinen Fleiß und seine Arbeitsfähigkeit zu erhöhen und die schädigenden Einflüsse des Fabrikbetriebes auf seine Gesundheit zu neutralisieren. Um dieses Ziel zu erreichen, müssen wir Gartenstädte für Arbeiter anleaen. wo sie durch Zahlung in kleineren Raten Land erwerben können, das sich zum Anbau von Obst und Gemüse eignet, ferner Häuser und kleine Werkstätten mit elektrischem Betrieb. Jeder Arbeiter wird die Möglichkeit erhalten, zu Hause oder in den Gemeindewerkstätten zu arbeiten und sich nach dieser Arbeit mit der Gartenarbeit in frischer und reiner Luft zu beschäftigen. Es wird von technischen Erwägungen abhängen. ob in diesem oder lenem Falle, eine Gemeindewerkstatt notwendig »st, oder ob jeder Arbeiter sein eigenes Handwerkzeug besitzen und dadurch innerhalb seiner Gruppe daurchaus frei sein wird. Mit Hilfe seiner Familie wird der Arbeiter einen großen Teil seiner Nahrung aus seinem Garten beziehen können, was sowohl vom gesundheitlichen wie vom. wirtschaftlichen Standpunkt aus ein Vorzug ist Die innere Dezentralisation und äußere Zentralisation der Industrie, wie sie hier angedeutet ist. zusammen mit der Verbindung von Industrie und Landwirtschaft und der Unabhängigkeit des Arbeiters wird es dem jüdischen Arbeiter möglich machen, seinem Intellekt entsprechend den eigenen Neigungen zu leben, seinen besonderen Charakter zu entwickeln und langsam aber sicher die Industrie in Palästina auf eine höhere Stufe zu bringen. ü. - Die Grenzen von Erez-Israel Dr. A. Brawem Enez-Jisrael — so laufet die historisch einzig berechtigte Benennung des Landes unserer Väter — ist ein Gebiet, dessen Grenzen im Laufe einer wechselvollen Geschichte mehrfach geschwankthabet Bibel und Talmud und ihre Exegeten befassen sich nicht selten mit der Bestimmung dier Grenzen des heiligen Landes, doch sind die Stellen, auch wenn sie sich auf dieselbe Zeit beziehen, .schwer Ln Einklang zu bringen, um so schwieriger, als es bisher noch nicht gelungen ist, alle dort genannten Grenzen mit Sicherheit zu indentiiizieren. Die älteste Grenzbestimmung des. getobten i andp.s in einer göttlichen Verkündung an den Erzvater Abraham ist zugleich auch_ de weitgehendste: das Gebiet von zehn Völkern, die zwischen dem „Strome Aegyptens“, d. h. dem östlichen Arme des Nils und dem Euphratstrome wohnten. Nach den.agadischen Exegeten reichte dieses Gehißt von der Küste bis zum Nordabhang des Amanusgebirges und den Pforten Cilictens (Aulae Ciliciae), es umfaßt somit ganz Syrien. Auch Moses spricht in des; Bibel mehrmals van einem Erez-Jisrael, das den Libanon umfaßt und bis zum. Euphrat reicht Diese weitgesteckten ■Grenzen sind das territorial-politische Zukunftsprogramm der Bibeä, das auch in den Zeiten der stärksten MachtentfaJtung des jüdischen Staates noch nicht in Erfüllung gegangen ist, ebenso wie die ethischen und religiösen Farderimgea der Schrift Damaskus war. nur vorübergehend kurze Zeit tributpflichtig und die phönizischen Küstenstädte haben auch Salomo gegenüber ihre Unabhängigkeit gewahrt Im Osten gehörte die Oase Palmyra zeitweilig zum jüdischen Reiche, irft Südosten. hatte König Salomon einen Hafen im Golfe vot». Akaba. Das verlassene Land der Väter in seiner vollen Ausdehnung blieb eine süße, messianische Hoffnung. Die_ilalacha, für welche die Begrenzung des geheiligten Landes praktische Bedeutung hatte» weil an Erez-Jisrael besondere religiöse Vorschriften und soziale Pflichten geknüpft wurden, befaßt sich, oft mit der Grenzfrage. Sie unterscheidet ausdrücklich das Gebiet der vorexüischen öder jo%uanischen Eroberung von dem viel engeren nachexilischen oder dem von Esra und Nehemiah wieder geheiligten Territorium» Letzteres war van einem größerem Ausmaffc.mefcgiöser Pflichten als das erstere betroffen. Da» Ideelle oder messianische Gebiet kommt .für di» Hailacha nicht in Betracht Die Mfschna, & h. dB» offizielle Hatechasammhmg, befaßt sich nur. mit der Bestimmung der Nardgrenze, denn, bis an (fl» Süd- und! Ostgrenze reichten im zweiten naefcexiüschen Jahrhunctert die- Jüdischen Siedlaagen nicht mehr. Die betreffenden MSschnöth. sind-kure so zusammenzufassen: * Es gibt dreierlei Erez-Jisrael; das enger» nachbabylonische bis zur Breite von Kesib (Echippo, Ez-Zib); das weitere vorexßische, welches von Kesib bis zum „Strom“ und- bis „Amana“ reicht, und ein noch weiteres, tücht bostimmtes, vorn Strome und Amana und weiter (lamd-) einwärts. Die Erklärung -dieser- Mischnoth gehört zu den schwierigsten Aufgaben der tatmodischen Geographie. E ’ Auf Grund der neuesten Forschungen halt« ich folgende Auffassung für die richtigste: unter „Strom“ ist nicht der Euphrat gemeint, sondern der Nahr-el-Kasimije,. der einzige Wasserlanf hn Norden Erez-Jisraels, der diesen Namen verdient; Amana' bat mit Taurus Amanus der Exegeten nichts gemein, sondern ist mit! dem biblischen Amana identisch, das im Hohenlied«, neben Hermom» erwähnt wird. Vielleicht entspricht es den Bergen el Mani südlich von Damaskus. Dt» halachische. d. h. von der jüdischen Gesetzgebung festgelegte Nordgrenze Erez-Jisraels wäre somit eine natürliche; das täefeingeschrüttene. Tai. des unteren Nahr-el-Kasimije, der Fuß des- Herino» und von ihm eine Linie der Wasserscheide bis zum el Mainz. Für diese Auifassung spricht-auch die Tatsache, daß die oft als nördlicherrGrenzorl genannte-Stadt Dan („von Dan bis Beerschei»“) in der. östlichen Verlängerung des unteren. Nahre!-Kasimi|eliegt. Als Sikigrenze wird in der. Tosetta, die i» Ermangelung einer mtschnaötischen Entscheidung als Hafachä gilt, der „Bach Aegyptens.“,' d. hi. der Wadi el Arisch genannt Auch.-diesa, Grenze wird bereits in der Bibel erwähnt und entspricht einer Senke zwischen dem südiudäischen- und sinaitischen Hochland. Am schwierigsten, ist die genaue Bestimmung der Ostgrenze, denn die. Wüste, welchei als solche erwähnt wird, ist in .-Epoche» hoher Kulturentfaltung zurückgedrängt woeden, um später, in den Zeiten des Verfalles, wieder gewaltig an Ausdehnung zu gewinnen. Nach einer genauen Aufzählung der Grenzotte, die... uns. in vier Relationen in der talmudischen Literatur' erhalten geblieben ist gehörten :Kanatha„ Namara und Bostra samt ihrem Gebiete, halaclüsch. zu Erpz-Jisrae!. Die Zuzählung dieses-,« Gebietes zin» historischen Erez-Jisrael entspricht! durchaus-de» natürlichen Verhältnissen, da sich der Hüuran nach Westen gegen die Jordansenke neigt und dorthin, entwässert. Die Wasserscheide zwischea dem Einzugsgebiete des Jordan und der gege» Osten geneigten. Wadis ist auch weiter südlich die natürliche Grenze Erez-Jisraels und entspricht durchaus der Halaeha. Nach der erwähnten* Aufzählung der Grenzorte wäre die Grenze auch t» Osten des Toten Meeres bis zum Wadi-el-Heso, dem Weidenbache der Bibel, in gleichem Sinn» etwa längs der Wasserscheidezuführen. Westlich vom Wadi-el-Heso führt die historische und zugleich natürliche Grenze südlich vom Tote» Meer zum Wadi-el-Pikra an der. Landstuf» Akrabim zum bereits erwähnten Wadi-el-Arisch. In diesen natürlichen und balachisch-historischen Grenzen ist Erez-Jisrael eia „scharf ausgeprägtes Länderindüviduum,- wie es wenige gibt“ Jede Verstümmelung dieses Gebietes, besonders aber die Ziehung der Ostgrenzen westlich von der Hedschasbahn würde die Erfüllung unserer kulturellen Aufgabe im Lande der-Väter fast unmöglich machen. Ohne die Hedschasbahn wäre das übrige Osttordanland für uns ganz wertlos, da weiter westlich jede Straßenaniage in meridioraaler Richtung infolge derkaswnartig üei emgeschnittenen Wadi und Bäche so gut wde. ausgeschlossen ist Abgesehen «davon ist der Hauraa, der von König Herodes-dem Ackerbau erschlosse» worden ist auch heutzutage <fle Weizenkamm»| Erez-Jisraels..; $ Das jüdische Volk muß daher die Erlangung seines Vaterlandes in seinen historischen-und natürlichen Grenzen erstreben. Ein Kurs für Landvermessung. Aui Veranlassung des Palästinaamtes wird demnächst an der technischen Hochschule-in Wie» von einem bewährten Fachmann ein Kurs, verbunden mit praktischen Uebungen, für Jene Gesinnungsgenossen abgehalten werden,, dre sich üi Palästina als Geometer (Landmesser) zu betäigen gedenken. Die Interesenten wollen sich sofort beim Palästinaamt H., Zirkusgasse 33; zwecks Bekasatgabe der näheren Bedingungen» meiden! v

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