Jüdische Zeitung
- Journal
- Jüdische Zeitung
- Volume
- 13 (1919)
- Issue
- 12 (21.3.1919)
- Date
- 1919-03-21
- Page
- Seite 1 (sequence 7)
- Language
- German
- Belongs to
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Kr. 12 Beilage zur JÜDISCHEN ZEITUNG DER JOD ISCHE NATIONALFONDS Mitteilungen des Vereines SCeren Kajemeth LeiisraeB is und Palästina-Amtes « Redaktionsschluß am vorangehenden Sonntag:. Später einlaufende Spenden werden erst im nächsten Ausweis veröffentlicht. — Geldsendungen unr an das Postsp.-Kto 100.208 Tel. 45-3-25. SAMMELSTELLE FÜR ÖSTERREICH WIEN ll/i. ZIRKUSGASSE NR. 33 Der Jüdische Nationaifonds" ist dazu bestimmt. in Palästina Grund und Boden als an» veränderliches Eigentum des illdischenVolkes zu erwerben. Alle Verkaufsteile des J. N. F. befindet sich im II. Bz. Schmelzg. 7, wo sämtliche Materalien u. s. w. e hältlich sind. Mitteilungen des Palästina- Amtes Ein Jahr britischer Verwaltung in 4 Palästina.*) -Dr. A. B. Am 9. Dezember 1917 besetzten die •britischen Truppen Jerusalem, kurz darauf den Rest ’ des ehemaligen Satidschaks Jerusalem und JEnde Jänner 1918/wurde die'^gemischte britische ^Militär- und Zivilverwaltung in -Palästina eing’e- . .'führt Seither hat diese'Behörde, im Verein mit ,Öen wenigen im Lande noch verbliebenen Zivil- . "Korporationen und mit dn gesetzlichen Vertretern der Bevölkerung, .das besetzte Gebiet verwaltet Ende September 1918 kamen die übrigen Teiles Palästinas .und später ganz Syrien hinzu und die; von den britischen Organen verwaltete Landfläche ■ . vergrößerte sich immer mehr. Heute liegen die ' .ofizi eilen Berichte über die-Resultate des ersten- . Jahres unter dem neuen Regime in Palästina vor, - anhand dieser Berichte wollen wir im folgendeneinen Ueberblick über die gegenwärtige Lage in - .Palästina geben. Das Gebiet das gegenwärtig unter rein bri- - tischer Verwaltung steht, umfaßt alle Landdes- . teile innerhalb der. ägyptischen Grenze, der Mittel- - -nieerküste und einer Linie, die 12 Meilen .oberhalb Akko am Meere beginnt, etwas, nördlich des Hulesees nach Süden umbiegt und dann in Ostjordanien dicht östlich.des Flusses bis gegen das untere Ende - .des .Toten Meeres verläuft ln diesen Grenzen um-! faßt das britische Okkupationsgebiet in Palästina '•etwa 8700 Quadratmeilen. wovon nur knapp 1000 . ,sich unter Bebauung befinden. Die in diesen Grenzen -lebende Bevölkerung wird auf 639.000 ..Ein- ..wohner-geschätzt, wovon 61.000 Christen. 66.000 Juden und der Rest Mohammedaner sind. Der nordwestliche Zipfel von Obergaliläa wird augenblicklich von einem französischen Kommissär verwaltet, während der Rest von Ostjordanien provisorisch dem König von;Hedschas anvertraut wurde. Beide Teile, die . noch heute nicht unter britischer Verwaltung stehen, gehören bekanntlich zum historischen Palästina und sollen durch den : Völkerbund, entsprechend den Zusicherungen -Großbritanniens und .letzthin auch Wilsons, dem neu zu gründenden jüdischen Gemeinwesen in Palästina einverleibt werden. Auf dem vorhin umschriebenen, von der bri- . -tischen Behörde .verwalteten Teil Palästinas sind, laut der offiziellen Angaben des Berichtes und der -letzten aus Palästina eintreffenden 'Nachrichten, große und erfreuliche Fortschritte in bezug auf Ordnung. Sicherheit. Verkehr und wirtschaftlichen Wiederaufbau erreicht worden. Das Generalgou- .vernorat hat den Sitz in-Jerusalem und zerfällt. . .neben der Militär-und Polizeimacht, in eine Land- Wirtschafts-, - -Steuer-, Munizipal- -und Wakuf- " :behörde. letztere eine Fortsetzung der früheren , .gleichnamigen Einrichtung, die die Verwaltung der .Heiligen Orte. Stiftungen, usw. versieht. Daneben funktioniert eine Erziehungs-, Gefängnis- und Ge- ' ’richtsbehörde sowie entsprechende Handels- und . ‘ Yerkehrskommandanturen. Die Tätigkeit dieser ■ . Behörden läßt sich kurz dahin skizzieren, daß sie' im Verlauf der kurzen Zeit seit der Besetzung erstaunlich .viel für die Beruhigung und Wiederaiifrichtung - des Landes erreicht haben. Das von '- ,.den Türken bis ins Mark ausgesogene und in den letzten Jahren durch den Krieg stark mitgenommene Land ist landwirtschaftlich .in einigen Mo-: naten auf eine erstaunliche Höhe gebracht und die: Bevölkerung brachte es fertig, für denjenigen Teil. - der bis zum September 1918 unter: britischer Verwaltung war. eine Steuersumme von über 17 Millionen Franken abzuliefern, wobei die Fälle von .Zahlungsunfähigkeit infolge von Kriegsnot usw. reichlich anerkannt wurden. Erwähnt sei -auch, daß die Summe das . Doppelte von dem ausmacht, was - die türkische Behörde in Friedenszeiten und bei Anwendung eines viel höheren Satzes aus demselben Gebiet herauspressen konnte, weil die - Steuerbeträge unter der türkischen Verwaltung .nur zum geringen Teil direkt in die Staatskasse flössen. Ausgegeben wurden für die Verwaltung des betreffenden Gebietes etwa 19 Millionen, so daß. für den Augenblick ein Defizit von 2 Millionen .zu verzeichnen ist. Die Steuer- und Zolleinnahmen wurden nach neuen Methoden auferlegt und eingezogen. Es wurden in Gaza. Berseba. Ludd. Jerusalem. Jaffa, Haifa und Tulkeram Zollstationen . errichtet, die für die Abfertigung der aus Aegypten. ' .bereits ziemlich reichlich importierten Waren zu- *) „Neue Züricher-Zeitung“. 19. Februar 1919 ständig sind. Zu gleicher Zeit hat die Aufforstung des Landes begonnen und.oun Jerusalem und auf dem Karmel ist die Pilanzungsarbeit bereits weit fortgeschritten. , Mehr als auf allen' übrigen Gebieten hat indessen die Verwaltung Palästinas m verkehrstechnischer Beziehung erreicht. Gegenüber dem Zustande, der in dieser Beziehung dicht vor dem Kriege in -Palästina und im gesamten Orient .herrschte, .'kann der gegenwärtiger, in wenigen Monaten angestrengter Arbeit erreichte Fortschritt .als die optimistischesten Vorstellungen der Orientfreunde übertreffend bezeichnet werden. Die kreuz und auer. landeinwärts und gegen die äußeren Grenzen bin sich erstreckenden Bahnen lassen heute bereits eine Verbfadüng zwischen Kairo und Haifa, zwischen diesem und Damaskus-Mekka, -.zwischen Jerusalem und Alepno-Konstantincroel sowie zwischen;erster,em und iNisibis-Bagdadbahn in .einem Zeitraum zu. den man früher für die Strecke zwischen Jaffa lind einzelnen Kolonien in Samariä oder Galiläa brauchte. Mehr als 5Ö0 km neger Bahnlinien wurden von den englischen Okkupationsbehörden im eigentlichen Palästina erbaut, davon die . meisten hreitsuurig und mit den modernsten europäischen Einrichtungen versehen. Die am 25. Dezember 1918 eröfmete Kaifa-Kairo- Bahn führt sogar Salonwagen und erhält Schnellzugslokomotiven bester Konstruktion. Gleichzeitig wurden Landstraßen. Postanstalten. Telegraphenlinien ausgebessert, vermehrt, europäisiert und den Anforderungen eines heute nur vorauszusehenden Betriebes angeoaßt. In Haifa werden bereits die Anlagen für die zu erbauenden Ouais. .Brücken usw. abgesteckt und in Jerusalem und Jaffa werden neue-Stadtpläne entworfen oder studiert! Auf dem Gebiete der Hygiene hat die britische Verwaltung mit der kräftigsten Unterstützung der zionistischen Aerztemissionen und den bereits vorher hn Lande befindlichen jüdischen Medizinalanstalten Leistungen vollbracht, wie sie in der Geschichte des gesamten Orients noch nicht verzeichnet werden konnten. Es gibt heute keine arabische Niederlassung, kein BeduinendoTf. keine noch so entlegene und unscheinbare Behausung menschlicher -Wesen, die nicht von der Desinfektionsoumoc der amtlichen oder halbamtlichen Gesundheitskommissionen und';dem rettenden Impfserum der Jerusalemer Impfzentrale erreicht worden wäre. Ganze Herde von Malaria. Cholera. Typhus und Pocken wurden vernichtet. Millionen von Insektennestem zerstört, die Wasserzisternen und Behälter gesäubert und überall die tägliche Straßenreinigung eingeführt. Diese Maßnahmen, zu denen sich freiwillige Kräfte aus der. Mitte des jüdischen Expeditionskorps zur Verfügung stellten, werden unter sachkundiger Leitung mit einer solchen Entschlossenheit durchgeführt, daß sie auch auf die sonst sehr nachlässige und um ihre Gesundheit wenig sich kümmernde Eingebomen- •bevölkerung starken Eindruck machten und dieselbe ein gutes Stück vorwärts auf dem Gebiete ■der eigenen Körperkultur gebracht haben. Wanderoperateure und Ambulanzanotbeken ziehen im Lande herum und geben sich hauptsächlich mit der außerordentlich stark verbreiteten Landespiaee. den Alicen Wank beiten ab, die in Tausenden von Fällen glücklich kuriert oder doch eingedämmt werden. Neue Snitäler und Sanatorien entstehen an den wichtigsten Verkehrsrunkten des Landes und das bekannte Stranßscbe Pasteurinstitut in Jerusalem arbeitet mit Hochdruck an der Vorbereitung von allerlei Heilmitteln und dem Studium der einzelnen Infektionskrankheiten. Sogar ein Tiersm'tal. ein Unikum ini ganzen Orient, wurde jüngst in Jaffa gegründet und erhielt sofort einen starken Zuspruch aus allen Teilen des .Landes. - Daneben geht eine -weise Emährungsnolitik der britischen Behörde, die mit allen Mitteln bemüht ist die Schäden der Unterernährung während der Kriegszeitzu bekämpfen. Aus den Militärvorräten wurden der Bevölkerung Nahrungsmittel zu kleinen-Preisen-zur Verfügung gestellt und die "Einfuhr von solchen und den dringendsten Bedarfsartikeln aus Aegypten beschleunigt. Heute werden die Straften-1 der »öfteren Städte mit Petroleumstrumnflamnen taghell erleuchtet und die Preise des Lebensunterhaltes übertreffen im -allgemeinen die in einem europäischen Staate nicht. Auch für die geistige Kultur hat die Behörde Sorge getragen. Entsprechend dem Charakter der aus so vielen Nationalitäten zusammengesetzten Bevölkerung hat die britische Behörde die vollständige Lehr--imd Ler>iifreiheit in, allen Sprachen proklamiert. Am besten hat sich das jüdische Unterrichtswesen organisiert, welches dank der Erfahrungen der Vorkriegszeit in kürzester Frist imstande war, einen regelrechten europäischen Schulbetrieb in hebräischer Sprache ins Leben zu rufen und sogar die Fortbildungs- und Fachschulen in erfreulichem Maße einzuführen oder wieder neu zu errichten. Die arabischen Dorfschulen wurden nach modernen Prinzipien erneuert, viele Hundert von Ortschaften, wo gar keine Lehranstalten existierten. mit solchen bedacht, die Methoden modernisiert und der Unterricht für .alle Kinder im Schulalter für obligatorisch erklärt Dadurch ist gewissermaßen über Nacht die hauptsächlichste .Grundlage des normalen-.Fortschrittes dieser Bisher in grauenhafter Unkultur belassenen Bevölkerung gelegt worden. Auch das eigentlich politische Leben hat neu« Blüten zu sehlagen begonnen. Sämtliche religiösen und nationalen Gruppen des Landes wurden angehalten. sich ihren Wünschen gemäß, in den Grenzen des unter einer provisorischen Militärverwaltung Zulässigen, zu organisieren. Wahl- und Gesetzesfragen für ihre eigenen Bedürfnisse selbständig zu behandeln, die eigene Gerichtsbarkeit wurde unter britischer Oberaufsicht anerkannt und im übrigen die einzelnen Gemeinden aufgefordert. sich ihrer Stärke entsprechend an der Verwaltung der zivilen Angelegenheiten zu beteiligen. So stellen z. B. die -Landeseinwohher bereits die Gendarmerie, die unteren Verwaltungsbeamten und die Steuereinzieber, nehmen an den Bauarbeiten teil und werden zu allen die Organisation des 'Landes betreffenden Fragen in weitgehendem Maße zugezogen.. Diese Behandlung, verglichen mit der ewigen Menschenverachtüng •und Selbstherrlichkeit der trükischen:Beamten, dla nur von oben herab zu den Einwohnern blickten und sie wie eine unterworfene Nation beherrschten. hat natürlich nicht verfehlt, auf die Bevölkerung den denkbar besten Eindruck zu machen: sie wünscht beute nichts sehnlicher, als daß Palästina innerhalb möglichst ausgedehnter Grenzen unter der weisen und wöhlwollenden britischen Sachwalterschaft verbleibe, denn sie ist überzeugt, daß sie auf diese Weise am meisten alle politischen. wirtschaftlichen und kulturellen Freiheiten genießen wird, die einem Lande irgend beschießen sein können. Der Außenhandel von Palästina. Ueber den Außenhandel von Palästina berichtet der niederländische diplomatische Agent In Kairo, van Lennen, in „Handelsberichten“ (Haag) vom 9. Jänner 1919: Jerusalem hat eine Bevölkerung von ,110.000 Christen. 12.000 Mohammedanern und 70.W0 Juden. Der größte Teü des Handels liegt m Händen der Juden. Die zwei wichtigsten Industriezweige sind dort die Fabrikation von Seife und von religiösen Artikeln (aus Olivenholz und Perlmutter). Bethlehem ist das Zentrum der Perlmutterindustrie. Die Seifenindustrie ist ganz voa der Olrvenernte abhängig. Infolge der zunehmenden Ausbreitung der jüdischen Bevölkerung ist die Einfuhr im Steigen. Die Einfuhr über Jaffa belief sich im Jahre 1913 auf 1,312.659 Pfd. Sterl., (Ke Zunehme gegenüber dem Vorjahre betrug ,222.670 Pfd. Sterl. Von dieser Einfuhr stammten für 170.000 Pfd. Sterl. aus Großbritannien und für 64.000 Pfd. Sterl. aus den britischen Kolonien. Hierzu kommt noch die Einfuhr von britischen Waren in Jaffa aus Beirut und Smyrna im Werte von 100.000 Pfd. Sterl.. so daß die Gesamteinfuhr britischer Waren 334.000 Pfd. Sterl. oder ungefähr 25 v. H. der Gesamteinfuhr ausmachte. Der Wert-der türkischen Ausfuhr nacb Jaffa betrug 325.000 Pfd. Sterl.. aus Oesterreich- Ungarn kamen 143.000 Pfd. Sterl.. aus Rußland 120.000 Pfd. Sterl.. aus Frankreich 115.000 Pfd SterL und aus Deutschland 102.000 Pfd. Sterl. Hauptsächlich wurden in Jaffa eingeführt (in Pfd. Sterl.): Baumwollwaren 240.800. Mehl 150.000. Bauholz 107.000. Petroleum 31.000. Tabak 67.300. Reis 63.430. Zucker 53.600. Eisenwaren 32.200 und Maschinen 28.170. ferner in beträchtlichen Mengen Kaffee. Roheisen. Lein- und Maschinenöl. Farbstoffe. Vieh. Kohlen. Aetzsoda und Kunstdünger. Die Ausfuhr aus Jaffa besteht hauptsächlich aus Apfelsinnen. Seife, Wem. Früchten. Häuten. Rosinen. Hirse und Mandeln. Die beträchtliche -Zunahme der Einfuhr von Petroleum, hauptsächlich aus Rußland und den Vereinigten Staaten, ist einesteils der Vermehrung der Bevölkerung zuzuschreiben. andernteils dem Gebrauch von P&- troleumapparaten für Heiz- und Kochzwecke anstatt Holz u’nd Steinkohle, deren Preise vor Ausbruch des Krieges, bedeutend gestiegen waren. Eisenwaren wurden hauptsächlich aus Deutschland und Frankreich eingeführt. Nägel und Schrauben aus'den Vereinigten Staaten. Deutschland und Belgien. Hufeisennägel aus den Vereinigten Staaten und Schweden. Obwohl Glas- . und Email waren. Porzellan- und Tonwaren hauptsächlich aus Oesterreich-Ungarn und Deutschland eingeführt wurden, begann Belgien diese zu niedrigeren Preisen anzubieten. Deutschland lieferte den größten Teil des eingeführten Stabeisens: eiserne Träger kamen hauptsächlich aus Belgien und Großbritannien und Zinkbleche aus Deutschland und Belgien. Oesterreich-Ungarn war Lieferant von Koniektionswaren. während Großbritannien und Frankreich Leinwand lieferten. 90 v. H. der Einfuhr von Schuhen. Stiefeln. und anderen Lederwaren kam aus Großbritanniens Deutschland und Oesterreich beherrschten den Handel m Büchern und Zigarettenpapier. Farben und Firnisse kamen hauptsächlich aus Großbritannien und Farbstoffe ausschließlich aus Deutschland. Frankreich begann Butterersatzmittel einzuführen. Werbet Mitglieder für den Wer ein „Jüdische)* National*F onds“.