Jüdische Zeitung
- Journal
- Jüdische Zeitung
- Volume
- 13 (1919)
- Issue
- 12 (21.3.1919)
- Date
- 1919-03-21
- Page
- – (sequence 1)
- Language
- German
- Belongs to
- journal issue
- OCR quality
- 92% known words query
- IRI
…/2438141-2438727-2438739--6188-2446241- Visual Library
- page viewer of the UB Frankfurt
Mentioned entities
OCR text
Xlil. Jahrgang — Nr. 12 Redaktion und Administration: Wien II., Taborttral« I Fernsprecher Kr. 45-3% National-jüdifdies Organ Mit der Beilage: „Der jädische Nationa!f#nds“ ■Imi, FraKog, den 21. Marz ISIS Berojeprais: Vierteljährig 6 S. -gansj. 24 K, Einzelnummer 50 A Poetoparkaosenkonto 133.404 Die Beschlüße der Londoner Konferenz; Der Kongreß am 27. August.—Ende April Sitzung des großen A.C.im Haag 5. Bei der Zusammensetzung dex Paläs tinakommisslon erhalten die Palästinenser. Misrachi und-Poalezion eine entspreche«®: Vertretung. Das Kopenhagen. 17. -März. (Tel. d.- „Jüd. Zei- : trag“.) Das Kopenhagener zionistische Bureau -meldet aus London:-Nach Abschluß der Debatte Aber das Kolonisationsprogramm hielt Weizmann. eine-Rede, in der er als die Hauptaufgabe die:-Vorbereitung. der. Tätigkeit, bezeiebnete. ■ welche sofort nach Schluß der Friedenskonferenz, sobald die Arbeitsmöglichkeiten sich ergehen, ein- . setzen müsse. Eie Arbeit müsse in Ueberelnstimniung mit den. Erfordernissen der Bewegung erfolgen, nach großzügigen Methoden, an die nicht der bisherige Maßstab angelegt werden dürfe. - Weizmamt erwartet besonders , in Süd-Palästina . eine lebhafte Kolonisationstätigkeit Er betont den großen Wert der öffentlichen Arbeiten, welche den Einwanderern.Arbeitsgelegenheit bieten müssen. Besonders weist er auf die große kul- ■ turelle und politische Bedeutung der Errichtung der Universität in: Jerusalem hin. Für alle Juden ergeben sich große Aufgaben. Die Juden Palästinas werden beim Aufbau des Gemeinwesens durch ihre Erfahrungen große Dienste leisten. Besondere Aufgaben, erwarten die amerikanischen Juden. Ein „Jüdischer Landfonds“. Die Konferenz beschloß einige der vom Ko- . -tonisationskomitee vorgeschlagenen Resolutionen dem Aktionskomitee zu überweisen, .andere der Entscheidung des Kongresses vorzubehalten. Die . dringendsten' Beschlüsse, die gefaßti-wurden, sind . folgende: . Es wlrd ein jüdischer Landionds ge- . bildet, der für die nationale jüdische Kolonisation alte -Ländereien übernimmt, die nicht Privateigentum sind, ferner andere erhältliche Ländereien . unter sorgfältiger Berücksichtigung, der Rechte des arabischen Besitzer erwirbt. Die-Ländereien des Ländfonds können nichMn Privateigentum übergeben,-sondern gehören dem iüdi- ...sehen Volk; Der „J u d e n ra t“ erhält ein Prio- , r 1 t.ät sr.e.cM;-!füi: die Uoheniabmeder öffentlichen; Arbeiten.- „ ,.r ./yV. j-.-v.;;/'- ■ Die Beschlüsse' zur Organisatiousfragc. Nach :dem von Dr. J akobson erstatteten Bericht der Organisationskommission faßte die Konferenz folgende Beschlüsse: L Der Kongreß soll am 1. Ellul (27. August) abgehalten werden und zwi^r derart, daß alle Organisationen , darauf teilnehmen können. Den Ort hat das Aktionskomitee zu bestimmen- ■ 2. Falls es sich -nach 2 Monaten erweist, daß die Abhaltung des Kongresses unmöglich ist muß did J a hr eskonferenz binnen längstens einem Monat einberufen werden, sö daß alle Organisationen Delegierte senden können. 3.. Eine Woche nach Pessah (E n d e A p r i 1) . soll }m" Haag eine Sitzung des großen . Aktionskomitees stattfinden. . . 4. Das große Aktionskomitee erklärt sich unter Teilnahme aller erreichbaren Mitglieder in ' Permanenz. Drei amerikanische Mitglieder, zwei Palästinenser, ein Misrachist und ein Poaleziomst werden beigezogen. Bei sich ergebenden Meinungsverschiedenheiten hat das Aktionskomitee ein Einspruchsrecht. vergrößerte.Aktionskomitee bestimmt die künftige Zusamemnsetzung .der Kommissionen. 6. ln Verbindung mit der Bildung des pro- . visorischen. Palästinakomitees werden Vorschläge über die Zusammenarbeit mit jüdischen Ogramsa- _ tionen gemacht, wofür die Konferenz die Grundsätze für das Aktionskomitee festsetzt, welches . dem nächsten Kongreß konkrete Vorschläge . machen soll. 7. Zufolge dieser Grundsätze sollen die jüdischen Organisationen, die schon in oder für Palästina gearbeitet, haben oder arbeiten, ferner solche Organisationen, die die Judenschaft irgend eines Landes vertreten und solche, deren Hilie iür die Entwicklung der jüdischen. Heimstätte in Palästina besonders wichtig ist. eingeiaden werden. 8. Die Konferenz delegiert Mozkin und Rosow als Vertreter der zionistischen Organisationin den Fragen der nationalen Rechte nach Paris, zwecks Zusammenarbeit mit den Delegationen der jüdischen Nationalräte . Julius S i m o n - erstattet den Finanzbe- ' rieht und präliminiert 235.000 Pfund Sterling so- - wie weitere- 17.000 Pfund Sterling für den Fall, daß die Einnahmen es gestatten. Das Budget wird einstimmig angenommen. Die Schlußreden, Auf der Schlußsitzung^hält Weizmann eine Ansprache. Er bedauert, daß die Mitglieder ues Engeren Aktionskomitees. Prof. Warburg - und Dr. Hantke, aus technischen Gründen nicht teilnehmen können.: Er :erklärt, daß die Konferenz . den abwesenden Führern unbedingtes Vertrauen entgegenbringt und verweist auf die - > ollsitzung des Aktionskomitees, im-Haag, an welcher auch die Abwesenden teilnehmen . .werden. Weizmann hebt die große politische Bedeutung der Konferenz hervor und betont, daß das Prinzip . fänw naHnmli»n- HMnieättft.i5r.(faciiiifitt;h».-tiflllt. -,>3tt-der-’WssÄ^<^k^tteMiC^3sh<il^; Arbeit des jüdischen :Vtüktsä?yerwirklicW: :werden . muß. Er. fordert; dre. Delegierten; auf, nach : ihrer . Heimkehr die ganze Organisation zu energisch er : und tatkräftiger Mitarbeit altzueifern. Dr. J akobsohn spricht.,die.Ueberzeugung aus, daß jetzt iür das jüdische .Völk dle Möglichkeit eines großen Werkes von, dauerndem Wext gegeben ist Er begrüßtdie abwesenden Kollegen Brandeis. Warbutg,- Hantke.' -Nordaja 'nikl dankt der Konferenz für Ihrt: harmonische? und fruchtbare Arbeit Yelltn und Ussischkin halten hebräische Ansprachen Sc hmarj a L e v i n gratuliert der. Konferenz und den Führern zu den; großen Erfolgen -des -Zionäsmus; er betont die Macht der demokratischen zionistischen Bewe- - gung und die Bedeutung derfetzigen Epoche, die . enscheidend ist für die Geschichte des jüdischen Volkes. E i s e n b e-r g (RechobctfhJ spricht namens - der palästinensischen Proni#*«. Hierauf wurde <£e; Konferenz mit der -Absinguag der Nationalhymne „Hatikwa“ nach lötägiger Dauer geschlossen. - Die Konferenz hat Begrüßungstelegramme an die palästinenrische Jndenschaft ferner an Prof. Warburg, Dir/' Ha nt k ei Louis D. Brandeis und Max Nordau abgesandt. Das Armenier-Komitee in Paris hat der Konferenz .ein Glückwunschtelegramm gesandt welches herzlich erwidert wurde. Entwurf eines Statutes des Zionistischen Landesverbandes für Deutschösterreich. Von Dr. Elias Tisch. Der Zerfall der - Monarchie und die Lostrenmmg der Nationalstaaten haben unsere Organisation, (Ke rieh nunmehr auf das Gebiet Deutiscliösterreichs beschränkt, vor die Notwendigkeit einer Neukonstituierumg gestellt Diese neu» Sachlage muß in einem entsprechenden, den Verhältnissen und Organisationsnotwendigkeiten angepaßten Statut ihren Ausdruck finden. Der oberste Gesichtspunkt, der dem Entwurf zugrunde liegt ist die Erkenntnis, daß die gesamte Gegenwartsarbeit. die nur unzulänglich mit dem Worte Landes Politik bezeichnet wird, in den engsten Arbeitskreis des zionistischen Landesverbandes einbezogen ' werden muß. Die Trennung der Gfewalten, dex Bestand der zionistischen Organisation auf dex einen und! eines „Jüdischen Nationalverednes” aut der anderen Seite ist . heute-längst überholt und für jede’ propagandistische Tätigkeit sowie organisatorische Arbeit geradezu schädlich. Sollen die daraus resultierenden Mißstände beseitigt und di» ungeheuren Möglichkeiten für einen nationalen Zionismus ausgewertet werden, muß der zionistische Landesverband als solcher sowohl die palästinensische als auch die Gegenwartsarbeit leisten. Daher erklärt das Statut den Landesverband für einen politischen und macht ihm; sowohl die. Verwirklichung der zionistischen idee. als-auch, die Wahrung der jüdischen fnttenr- ' essen hierzukmtle auf politischem, kulturellem und wirtschaftlichem Gebiete znr Pflicht (§ 2>. Beim Neuaufbau: unserer Organisation daxi die Misere der Ver einswir tschraf t nicht herüb ergerefctet werde in Die Laodtespaxteä basiert daher In Hinkunft auf der ein heimlichen Ortsgruppe; die von allen Miß- . gliedern des Verbandes an einem. Orte gebildet wird. Vereine fijy Spezial- und Fachinfereasen. (Frauen. Angestellte» Studenten, diverse AxbeitSfc. Furchtbare Pogrome in der Ukraine Ein ApeU Grnsenbergs an England. Stockholm.!8. März. (Tel. d. „Jüd. Ztg.“ Das jüdische Preßbüro meldet: Rechtsanwalt Grusen berg, der bekannte Verteidiger, im Beilisprozeß. richtete durch Vermittlung des britischen Attachees in Odessa einen dringenden Appell an die britische Regierung, sie möge veranlassen, daß Maßnahmen getroffen werden: um die Judenpogrome ln der Ukraine einzustellen. Grusenberg - berichtet, daß die Judenpogrome einen ungeheuren Charakter angenommen haben. In Befdiczew. Owrucz. Ostrog. Elisabetgrad. Balta. Proskurow ■ und in Dutzenden anderer Städte seien viele Juden ermordet Frauen vergewaltigt. Kinder verschleppt worden. Die Po- ' gromwelle habe sich auch über die' Kolonien ergossen, wo viele jüdische Bauern ermordet worden seien. Sofortige -Hilfe sei dringend notwendig. Durch diese ‘ Meldung wenden die furcht- ' baren Nachrichten beistatijrt. die wir schon jüngst ‘auf "Grund der hier gerüchtweise eingeläuferien Informationen wiedergegeben haben, ln der Ukraine scheint-eiri völliges Chaos zu herrschen. Nach den letzten Nachrichten'haben die Bolschewik! die Oberhand gewonnen und die Armee Peteljura soll vollständig zersprengt sein. Die ukrainische Soldateska Betliuras ist es. welche Jn der grausamsten Welse sich au den Pogromen beteiligt und sie selbst inszeniert hat Die Vorgänge in Proskurow sind das Schrecklichste, was sich jemals in der Geschichte des jüdischen Volkes ereignet hat Nach einem Zirkular des jüdischen Nationalraies einer benachbarten Stadt soll die Anzahl der Todesopfer 5000 betragen. Auch wenn die Zahl übertrieben ist. so: läßt rieh doch daraus ein Bild gewinnen, welches Blutbad angerichtet worden ist Leider ist es völlig ausgeschisosen. authentische Informationen aus der Uleraine zu bekommen Die Regierung scheint völlig machtlos zu sein. Der Hilferuf Grusenbergs wird hoffentlich seine Wirkung nicht, verfehlen. Die Alliierten, .welche für die Befreiung der Unterdrückten gekämpft haben und den Krieg durch die tatsächliche und moralische Unterstützung der schwachen und kleinen Völker gewonnen haben, haben eine moralische Verpflichtung, rieh um das Schicksal der Schwachen in den unzivilisierten Staaten zu kümmern. Das Judentum der ganzen Welt, welches durch die Alarmnachr.chten in die äußerste Erregung versetzt und doch ohnmächtig ist den bedrohten Brüdern zu helfen, vereinigt seine Stimme .mit dem Wehgescllrei der Gemarterten. Die jüdische Vertretung bei der Friedenskonferenz ■ wird mit allem NacMnidk darauf, hinwirken müssen, daß das Dunkel dieser. Ereignisse aufgehellt wird und Vorkehrungen getroffen werden, um diese Unmenschlichkeiten ein für allemal nnmögliclizu machen. - grupne. Diese bildet, die organisatorische Einheit mit dex allein der Verband es zu tun hat (Paxographe 5. 6, 8.) Das Landeskoraitee wird in Ressorts gegliedert und zwar werden Referenten iür PalästinaTbeit, Gegenwartsarbeit, Jugenderziehung, Hebräisch und Nationalf onds geschaffen; die Ressortleiter arbeiten kol 1 e gi a L Zur. Wahrung de* Interessen der Provinz, in der vielfach andere Verhältniisse bestehen, als in Wien, wird ein B ei» rat -gebildet in dem jede» über 2Ö0 Mitglieder zählende Provinzortsgruppe je einen Vertreter entsendet. Mindestens viermal jährlich tritt! dieser Beirat mit dem Landeskoimtee zusammen und emvernehmBch werden die Richtlinien für die Arbeit festgelegt (§§21, 23.) Nachstehend der Entwurf, der seitens des gegenwärtigen Landeskomitees dem Parteitag vorgelegt werden wird. Organisations-Statut § I. Der Zionistische Landes verband iiir Deutschöstexreicb hat seinen Sitz in Wien und umfaßt alle in Deutschösterreich vorhandenen Ortsgruppen. §2. Der Verband ist ein politischer. Er erstrebt die Verwirklichung der zionistischen Idee; d. i. <fite Schaffung einer öffentlich-rechtlich gescherten Heimstätte für das jüdische Volk in Palästina, ferner die organisatorische Zusammenfassung der Jurienbedt Deutschöster.reichs und die Wahrung ihrer Interessen auf politischem, kulturellem und wirtsctemtlichem Gebiet, sowie die Förderung jüdischnationaler Bestrebungen -und Einrichtungen. § 3. Der Verband fördert diese Ziele durah ialgende Mittel: a) Unterstützung’ der Kolonisation in Palästina; b) Abhaltung von Versammlungen zur freien Erörterung aller die Juderiheit betreffenden Fragen; _ c) Veranstaltung von internen Zusammenkünften zur Besprechung von Partei- und politischen Angelegenheiten; d) Errichtung und Förderung von Schulen und Kindergärten, zionistische Jugendenzsebung, Veranstaltung von Vortragszyklen und Kursen; e) Verbreitung der Kenntnisse der hebräischen Sprache und1 Literatur; f) Aufstellung und Unterstützung von Kandidaten für die verschiedenen öffentlichen Vertretungskörper in Deutschösterreich; _g) Herausgabe und Verbreitung van Flugschriften. Zeitungen. Broschüren und anderen