Jüdische Zeitung
- Journal
- Jüdische Zeitung
- Volume
- 13 (1919)
- Issue
- 11 (14.3.1919)
- Date
- 1919-03-14
- Page
- – (sequence 1)
- Language
- German
- Belongs to
- journal issue
- OCR quality
- 95% known words query
- IRI
…/2438141-2438727-2438738--6179-2446231- Visual Library
- page viewer of the UB Frankfurt
Mentioned entities
OCR text
XIII. Jahrgang — Nr. *1^ National-jüdifches Organ Redaktion and Administration: -Wlu' II., TaborstraBe I JF’eni«prech*r Nr. 45-325 Mit der Beilage: „Der jüdische Nationalfonds“ map, Fr«»««, dam 14. MSrx 19» Bezagaprals: Vierteljährig 6 A gansj. 24 K, Einzelnummer 50 k Postiparkassenkonto 133.404 Die zionistische Konferenz in London Kopenhagen, 9. März. Dienstag wurde die Konferenz nach der RSükkehr der zionistischen Delegation aus Paris tfiedfer eröffnet ' Die Organisationsirage. Dr. Viktor Jakobson und Sekretär Leo Herrmann erstatten die Referate zum Punkte Organisation!. Es wird eine Resolution angenommen, welche besagt: Die Konferenz erklärt, däh dre Organisationsarbeit einen wichtigen Bestandteil der zionistischen Arbeit bildet. ferAer wird ausgesprochen, daß die Einheitlichkeit der zionistischen Organisation wrtfedingt. aufrecht erhalten bleibt. Die vom T.-A.-C. vorgeschlagene Kooption Prof. Weizmähns in die Leitung wird vom Kongreß bestätigti-Das Zentraibüreau wird nach LbhäOn verlegt. In Kopenhagen bleibt 18 ntif weiteres ein Filialbureau. Die nationalen.Rechte. Sodann erstattete Leo Motzkin den Belicht der Kommission für nationale Rechte der Juden in der Diaspora. Er führte ans, daß Jtj den nächsten Jahren für die EIhwaitderunsr nach Palästina im alleräußersten Fäll eiiie Ziffer von 100.000 pro Jahr veranschlagt werden dürfe. Das Problem der Juden in der Diaspora ürürde also weiter bestehen und durch die Folgen des: Krieges noch eine Verschärfung erhalten; Bedauerlicherweise sei diese Tatsache bei den Verhandlungen in Paris von den Zionisten und Nichtzionisten völlig vernachlässigt worden; lediglich L u c i e n W o 1 f f habe der Konferenz ein Memorandum vor gelegt, aber dieses bedeutete einen schändlichen Verrat, da er im Gegensatz zu den * Beschlüssen aller maßgebenden Judenkongresse! die . nationalen,. Rechte ig- . h ö r;i e r t ea Dieses; Memorandum müsse auf das. v:4^diiiHJ^t^toückgi3^esefßwerd^h^Ä-EÄ -MbtzKin-legte dein Kongreß eine Resolution vor, welche von der Friedenskonferenz verlangt, daß sie die Anerkennung,der jüdischen Nationalität und die Sicherung der nationalen Minoritätsrechte; und zwar je nach den Verhältnissen hinsichtlich der Sprache, Schule und Verwaltung in die Konstitution der Staaten Rußland, Polen, Ukraine, Litauen, Rumänien, Tschecho-Slowakien, Jugoslawien, Deutschösterrcrch, Saloniki und, der Krim aufnehme. Ferner soll der Friedenskongreß für die Aufnahme der durch den jüdischen Weltkongreß repräsentierten jüdischen Nation in den Völkerbund eintreten. Schließlich .soll er bestimmen, daß bei der Regelung der Kriegsentschädigungen die Pogromopfer durch die betreffenden Staaten im Verhältnis zu den allgemeinen Verlusten und unter internationaler Kontrolle schadlos gehalten werden. Motzkin beantragte die Absendung einer Delegation nach Paris, um dort die Vertretung der jüdischen Nationair.äte der einzelnen Staaten zu organisieren. Diese Vertretung hätte die erforderlichen Arbeiten zur Wahrung der nationalen Rechte am . Kongreß unverzüglich aufzunehmen. An der Debatte, weiche den ganzen Tag in' Anspruch nahm, beteiligten sich Schemarja Levin, Kaplanski; Syrkin, Barrondeß, Farbstein u. a. Die von Motzkin vorgeschlagenen Resolutionen, wurden mit geringfügigen Aendenmgen angenommen. ... Die Emigrationsfrage. Am Mittwoch nachmittags berichtete Färbst e i n ((Warschau) für die. Emigrationskonunission. Anschließend ausführliche Diskussion. Der Bericht' Weizmanns. - ' Auf der Mittwoch vormittags stattgefundenen Sitzung erstattete Professor Weizmann, von allen Seiten warm begrüßt. Bericht über den Empfang der zionistischen Delegation bei der Friedenskonferenz in Paris. Er habe am 26.-Februar die Einladung der Friedenskonferenz für den 27. erhalten. Da die amerikanischen Delegierten fehlten, habe er um Aufschub des Empfanges ’ angesücht, welcher sich jedoch als unmöglich erwies». Infolge schlechten Wetters konnten die .amerikanischen Delegierten mittels Flugzeuges nicht kommen. Zu: den Eihgeiadenen gehörten: Soko 1 ow, Ussischkin und Welzmann; - für die Franzosen Spire ■ und Professor Silvain-L e v y. -; ' :- Vorder Konferenz hatte Sokolow eine Unterredung mit LiSvy, welcher sich mit den zionistischen Forderungen völlig einverstanden erklärte; - In där Konferenz, in welcher Clemenoo a u den Vorsitz führte, war auch der französische Außenminister Pich©*, anwesend. Ebenso Baliour. Milner, Lansing, White und Sonnino; Die erste Rede hielt Sokolow in französischer Sprache. Seme Ausführungen waren kurz und klar. Sokolow wies das historische Anrecht des jüdischen Volkes auf Palästina nach. Bei seiner Rede hatte man den Eindruck, als ob die zweitausendjährigen Leiden des jüdischen Volkes auf seinen Schultern ruhen. Hierauf sprach Weizmaan englisch. Er schilderte die ökonomische Lage deT Juden, die vom Kriege mehr betroffen wurden als alle anderen Völker. Ehe alliierten Regierungen müßten das jüdische Volk unterstützen, Palästina in ein nationales Heim zu verwandeln. Die hebräische Ansprache Ussischkins machte auf die Konferenz einen glänzenden Eindruck. Namens der französischen Zionisten unterstützte Spire die jüdischen Forderungen und appellierte an die französischen Delegierten, die soviel Verständnis für hohe Ideale hätten, die jüdischen Wimscha zu unterstützen. i Hierauf sprach namens der französischen Juden Prof essor Levy. bn ersten T4ü seiner Rede sprach er* mit vieler Anerkennung von-den. jüdischen Kolonien- Palästinas; dann aber erklärte er,' obwohl die Zionisten große moralische Qualifikationen besäßen, sei der Zionismus eine Gefahr für Palästina, welches ein kleines ' Land sei, so daß die Araber unter der Verwirklichung des Zionismus leiden müßten. Aus den ganzen Ausführungen Ldvys ging hervor, daß er aus dem Geiste der Assimilation sprach und daß er bemüht war, die Konferenz inj Sinne der französischen Aspirationen auf ein Groß-Syrien zu beeinflußen. So kamen seine Ausführungen in Gegensatz zu denen Spires» der als wirklicher jüdischer Vertreter die Forderungen des Zionismus hervorhob. Levys Rede machte auf die zionistische Delegation einen nm so peinlicheren Eindruck, als man nach den von ihm Sokolow gegebenen Er- :idärimgen.rcinC‘soici^;JSJdUiiign^i»^^ichtazwartet hatte 'und eine 'DÜkassiob.'- ifiunöglich war. Nach Levys Rede erhöh sich Lansing und fragte, was man unter, einem nationalen Heim. verstehe. Weizmann erwiderte; es sollten jährlich 70.000 Juden rieh niederlassen können und in eigener Sprache ihre Lehranstalten sowie alle sonstigen Institutionen errichten. Die Einsetzung einer Administration solle die Verwirkli- .churig dieses Zieles ermöglichen. Die Juden verlangen Palästina für die Juden, wie England den Engländern und Amerika den Amerikanern, zu- . komme. Ldvys Ansicht teilten nur 5 Prozent der Juden, während die übrigen 95 Prozent hinter den Zionisten stünden. Die von Levy betonte Angst vor den russischen Juden sei unbegründet Auch die Kolonien, die Levy so gerühmt habe, seien von russischen Juden gegründet Die Lage der russischen Juden sei schlecht, aber die Verwirklichung des Zionismus würde alle ihre Energie wecken. Nach dieser Erklärung Weizmanns war Baitour sichtlich befriedigt. Als die Delegierten die Konferenz-verließen, hatten sie. den deutlichen Eindruck, daß die Stimmung der Konferenz ihnen günstig sei Sonnino drückte timen die Hand und Baliour beauftragte seinen Sekretär, sie zu beglückwünschen und Weizmann zu sagen, daß seine Rede wie Schwertgeklirr über dem Haupte des Gegners geklungen habe. Beim Verlassen der Konfrenz wollte sich Levy verabschieden; aber- Weizmann imd Sokolow wandten sich instinktiv ,ab. Eine offizielle Mitteilung von der Annahme der zionistischen Forderungen durch die Friedenskonferenz ist bisher nicht erfolgt. Ein Brief Emir Feisuls. Am Schluß der Mittwochsitzung wurde ein herzlicher Brief des Emir F eis ul verlesen, in dem ausgesprochen wird, daß die Araber, vor allem die modernen, mit dem Zionismus sympathisieren. Weizmann sei auch der arabischen Sache ein. wertvoller Helfer gewesen, die arabische Delegation wünscht engste Verbindung mit ihm und wird auch-auf der Friedenskonferenz die zionistischen Forderungen unterstützen. Die Freitagsitzung. Kopenhagen, 10. März. (TeL d. „Jüd. Ztg.“) In der Freitagritzung der zion. Konferenz hx London jeferierte_ Vormittag Agronom Wilkansfcy (Palästina) über Kolonisstionsf ragen. Anschließend daran entwickelte sich e&e lebhafte Diskussion. Nachimttag berichtete Jean Fischer (Antwerpen) namens der politischen Kommission’ und beantragte Amendements zu den Vorschlägen des A. C. Ihm antwortete Dr. Weiz- . m ann. ‘ \ . Ussischkin ist ebenfalls bereits ln London ringetroffen und hat an der Tagung teügenonsnea. Die Zukunft unserer Organisation Während die Friedenskonferenz in Paris die zionistischen Forderungen entgegengenommen hat; die jetzt in einer Kommission ihre Detailbehandlung finden werden, ist zum erstenmal seit dem Wiener Kongreß des Jahres 1813 in London wieder eine allweltliche Tagung der zionistischen Organisation zusammengetreten. Bange, schwere Jahre hat die zionistische Organisation hinter sich. Als wir in Wien beim 11. Kongreß unsere Freunde aus aller Welt herzlich ' willkommen heißen konnten, da wußten wir nicht, daß zum erstenmal seit Begründung der Organisation die statutenmäßige Einberufung des nächsten Kongresses im Jahre 1915 unterbleiben wird. Und al$. der Krieg ausbrach, als die verderbliche Kriegsbegeisterung die Völker wie eine Hypnose erfaßte und auch die Juden unwillkürlich mitgerissea wurden, da konnten Skeptiker nicht umhin, zn zweifeln, ob die zionistische Weltorganisation überhaupt fortbestehen knne. Das Zusamnjengehrigkeitegefübl, das Volksgefühl des jüdischen Volkes, hat sich stärker erwiesen als alle anderen Bindungen; Die Zionisten wußten; daß ihre Brüder in den feindlichen Staaten, mit denen sie bfe zum Kriegsausbruch in engster Arbeitsgemeinschaft verbunden: waren; timen verbünden bleiben und ihre Brüder bleiben, wenn auch jede Möglichkeit des Verkehrs durch Jahre unterbrochen ist Die Einheit der zionistischen Weltorganisation ist unerschüttert geblieben. Die zionistische Bewegung hat einen nie geahnten Aufschwung genommen, m, alten Ländern diesseits und jenseits der Schützengräben hat sich niijüdischen'Volk derselbe*" Prozeß der Nationalisierung vollzogen; er führt unaufhaltsam zur Vereinigung aller Teile des Volkes. Welch ein Gefühl muß die Teilnehmer desr Londoner Konferenz erfüllt haben, als sie einander in London wiedersahen! Noch sind nicht alle führenden Zionisten zusammengekommen. Bei dieser Konferenz fehlen manche der Führer, welche in den letzten Jahren bei zionistische* Tagungen nicht wegzudenken waren. Insbesondere Deutschland und Oesterreich sind nicht vertreten und auch aus Rußland konnten angesichts der herrschenden Verhältnisse nur wenige kommen. Schon hat aber die Konferenz den Beschluß gefaßt, daß in allernächster Zeit eine Sitzung sämtlicher Mitglieder des großen Aktionskomitees stattfiiiden soll. Bezüglich des nächsten Kongresses wurde noch nichts bestimmt; man muß wohl auch zunächst die Entwicklung der äußeren Weltlage abwarten, insbesondere eine Besserung der Verkehrsverhältnisse, bevor man an die Einberufung des zwölften Kongresses denken kann. Immerhin muß das neue Aktionskomitee, das jetzt provisorisch in London gebildet wurde und der Bestätigung durch den Kongreß bedarf, die Einberufung des Kongresses sobald als nur irgend möglich ins Auge fassen. Auf dem Kongreß wird die Einheit der Organisation wieder in großartiger Manifestation in Erscheinung treten. Eie Verlegung des. Zentralbureaus und des . Sitzes der Leitung von Berlin nach London ist eine logische Folge der Ereignisse. Der Schwerpunkt der zionistischen Arbeit lag ohnedies zumindest während der zweiten Hälfte des Weltkrieges offensichtlich in London. Die Organisierung wird auch weiterhin ein wesentlicher Bestandteil der Arbeit bleiben. Jetzt, wo die Bewegung unerwartet große Dimensionen angenommen hat, wird sich die Notwendigkeit erweisen, eine Revision der alten organisatorischen Grundlagen vorzunehmen. Ob auch eine formelle Erweiterung des Baseler Programms nötig sein wird, kann einer späteren Diskussion Vorbehalten bleiben, bis die politische Lage geklärt ist Di» territoriale Gliederung in Landesverbände wird aus technischen Gründen in irgend einer Form wohl aufrecht erhalten bleiben; daneben aber wird die Teilung der Organisation nach sachlichen Gesichtspunkten. zweifellos eine immer größere Rolle spielen, sobald die Arbeit konkret wirdl Es ist nicht möglich, daß rn einer Organisation, welche staatsäbnliche Gemeinschafts-