Jüdische Zeitung
- Journal
- Jüdische Zeitung
- Volume
- 13 (1919)
- Issue
- 10 (7.3.1919)
- Date
- 1919-03-07
- Page
- Seite 5 (sequence 5)
- Language
- German
- Belongs to
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Nr. 10 Die Freie judische VolUshochschule in Berlin Aus Berlin wird uns geschrieben: Am 23. Februar wurde hier die Freie jüdische Volkshochschule eröffnet Damit ward eine langjährige Arbeit zum Abschluß geführt, die unsere Freunde seit mehr als zehn Jahren beschäftigt hat Die Volkshochschule soll eine Stätte sein, von der aus jedewissenschaftlich begründete Ansicht zu Worte kommen kann. Der Lehrplan des 1. Trimesters umfaßt neben den zionistischen Vorlesungen der Herren Strauß und Trietsch auch einen Kursus des Vertreters des Zentralvereines Dr. Hirschfeld' über die „Trennung von Kirche und Staat“, der natürlich zu ganz anderen Forderungen kommen wird, als sie unser im Zeichen des Kampfes um die „Jüdische Volksgemeinde“ geschaffenes Minimalprogramm enthält Träger der Anstalt ist ein aus so ziemlich allen jüdischen großen und kleinen Organisationen gebüdetes Kuratorium. Die eigentliche Leitung liegt in den Händen des geschäftsführenden Ausschusses. unter ' dessen sieben Mitgliedern derzionistische Kulturausschuß statutarisch durch zwei Mitglieder vertreten ist Für das erste Ge- ' schäftsjahr sind es Prof. Löwe und Dr. EKasberg. Die den.Lehrnlan und die Anstellung der Dozenten berührenden Beschlüsse können nur mit einer Dreiviertel-Majorität gefaßt werden. Der Lehrbetrieb wird in drei Trimester eingeteilt. Das erste begännt Ende Februar. Die Beteiligung seitens der Dozenten ist eine, sehr rege; hoffentlich wird das Interesse seitens der Hörer rächt minder groß sein. Die Gründung der Volkshochschule entbehrt rächt einer politischen Bedeutung. In der vergifteten-Atmosphäre, ln der sich das mnerjüdische Leben der deutschen Juden bewegt haben sich zum. erstenmale seit vielen Jahren die Verschiedenen, entgegengesetzten und zum Teil sich scharf bekämpfenden Richtungen und Organisationen zusammengefunden, um gemeinsam ein, Kultunwerk zu vollbringen. Es muß sich zeigen, ob nicht wenigstens auf dem rein geistigen Gebiet der wissenschaftlichen Belehrung die Möglichkeit eines fruchtbaren Zusammenarbeitens mit den Liberalen und Assimilanten vorhanden ist Wir werden auf der Hut sefa, daß die Volkshochschule ihrer Bestimmung, tendenziöses Wissen von Juden und Judentum zu verbreiten, treu bleibf. Wahrhaft tendenzfreie Wissenschaft die nichts beweisen und nichts bewirken will, ist lebendiges und im höchsten Sinne nationales Volksgut Die Freie Jüdische Volkshochschule wird entweder frei sein, oder sie wird nicht sein. Monistische Bewegung Der jüdische Verbindungstag Vom Präsidium des Verbindungstages erhalten wir nachstehenden Bericht: - Der Verbindiungstac. als gemeinsame Tagung der Wiener jüdisch - akademischen Verbindungen: lyria, Kadimah, Libanonia, Makkäbäa, Robur; Unitas und Zephira. hielt int Laufe des Monats Februar vier; Sitzungen ab. Nach Eröffnung^ und Begrüßung durch den Vorsitzenden L. H. Robitsche.k (Ivria). gedachte Dr. A. Brand (Ivria) mit innfgen Worten der im Kriege gefallenen jüdischen Verbindungsstudenten. Dr. F. Löhner (Kadimah) stellte hierauf unter allgemeiner Zustimmung die vcw den Verbindungen zuerst verfochtene Forderung nach unbedingter Anerkennung der jüdischen Nation auf. Dr. E. Stein (Urätas) referierte über die Organisation und den Arbeitsplan für die geistige und körperliche Betätigung als jüdischer Student und unsere Vorbereitung fün unsere späteren natio«- nalcn Aufgaben“. Der Referent betonte .die Notwendigkeit der intensiven körperlichen Betätigung, gleichzeitig irr. harmonischen Einklang mit einer Vertiefung in «He Errungenschaften der jüdischen Kultur, das Erlernen der hebräischen Sprache. «He Notwendigkeit, Palästina aus eigener Anschauung keimen und werten zu lernen, und betonte unter andenem die Notwendigkeit des gesellschaftlichen Boykotts der Getarnten — unserer größten Schädlinge. Dr. R, Koch (Ivria) machte im Sinne des Referates Dr. Stein praktische Vorschläge. Hierauf lotete eine lebhafte Diskussion, welche sch ihft der Kritik des bisherigen Lebens der Wjfcner jüdischen Verbindungen und mit der Notwendigkeit von Neuerungen, die durch die gegenwärtige Lage bedingt ist beschäftigten. Unter anderem wurde der Antrag E. F e 1 i x (Robur) angenommen. wonach, die Verbindungen regelmäßige Seminarabende über jüdische Geschichte. Ziohistskia und Nationalökonomie äbhalten. — allmonatlich wird vom Seniorenkonvent (gemeinsames Exekutivongan der Wiener iüdisch-akadcanischen Verbindungen) ein Diskussionsabend veranstaltet der sämtlichen Aktiven Gelegenheit bieten wird, dias in «len einzelnen Verbrnriungsseminaren erworbene Wisseii zu ergänzen urid zu vertiefen. . Dr. .1. Berger-(Makkabäa) referierte über die Verhältnisse an den Wiener Hochschulen: er ' wendete sich entschieden untefr allgemeiner Zustimmung des Verbandstages gegen den ungerechten Numerus clausus, der unter dem Diktat der deiitscitraffikalen Studentenschaft, der sich die deutschliberaien Verbindungen angeschlossen haben, zustande gekommen ist. desgleichen fand ..der Redner allgemeine Zustimmung mit der Forderung zum weiteren Kampf gegen die noch immer* bestehenden Waidhorner .Beschluß. Dr. Bergei; erinnerte daran, .«laß «he Verbindungen «He einzigen Juden gewesen sind. «Ee dem'Kampfe um die iüd*- sehe Ehre Und um die Wahrung der akademischen -Freiheiten koasequest geführt kabelt An dte Ats- JÜDISCHE, ZEITUNG 1 . - .-ui.niu v ■— führtasea des Referenten schloß sich ehre lebhafte Debatte, in der sieh die im V-erbindugstag vereinigten VerbittdimsreiR eiignütig zum Festhalten an dem Prinzip der Wehrhaftigkeit der jüdischen Verbindungen bekannten. Der Verbindungstag wendete sich einmütig gegen den unbegründeten Beschluß des akademischen Senates, welcher unter Pression der deutschradikälen Studentenschaft den üktischen Verbindungen das Recht, ihareStudentischea Farben und Abzeichen auf akademischen Beiden zu tragen, entzogen hat. Der Verhtndungstag entschloß ach diesbezüglich zu einer tmergischeu Aktion bei den maßgebenden Stellen. H. G r ü n s.p aas (Libanonia) referierte über seinen Plan: Der Schaffung enter Weltorganisation sämtlicher zionistischer Akademiker. Der Verbindnmgstag beschloß per acclamaitionem die Annahme des Entwurfes Grünnspann und übernahm gleichzeitig die vorbereitenden Arbeiten. Dr. W. W eidmann (Zephira) referierte über die Stellungnahme der Verbindungsstudenten zur übrigen jüdischen Studentenschaft Auf Vorschlag des Referenten wurde sämtlichen Mitgliedern der im Verhindungstag vereinigten Verbindungen der Eintritt in «iie „Judäa“ obligatorisch gemacht. Zur Förderung des Kontakts der Verbindungen mit . der Parteileitung wurden die Herren Dr. J. Körner (Ivria) und Dri J. Eckstein (Libanonia) nominiert Eine Reihe von internen Fragen wurde einer Kommission zugewiesen. Der Verbindungstag. der in Hinkumt in jedem Semester tagen wird, schloß seine Sitzung mit folgender Resolution: „Die im V. J. V. organisierten Korporationen wollen ihre Mitglieder zu Männern erziehen, die im Bewußtsein der nationalen Einheit des jüdischen Volkes entschlossen sind, im Sinne des Basler Programms ihre besten Kräfte für eine Erneuerung des jüdischen Volkstums einzusetzen, indem sie sich entweder an dem Aufbau des jüdischen Gemeinwesens in Palästina beteiligen oder, durch äußere Verhältnisse im Goluth iestgehalten. sich der jüdischen Volksarbeit widmen und dabei mit der kulturellen Entwicklung des neuen Judenlandes im Einklang bleiben. Wir glauben dieses Ziel der Erzietemg exreichen zu können in Korporationen, die. aufgebaut auf Disziplin und sozialem Sinn, ihre Mitglieder zu engen Lebensgemeinschaften umschließen. Als unsere vornehmste Aufgabe betrachten wir die Erziehung unserer Mitglieder: I. zu unbedingter Uateronhaupg der persönlichen Interessen unter das Interesse der Gemeinschaft und zu weitgehender Opfer Willigkeit gegen* über der Gemeinschaft. 2. zu entschlossenem 'und unerschrockenem Eintreten in jeder Situation zur Ehre und zum Wohl des1 jüdischen Volkes.1 3. zu einem Leben, das der sozialen' Ethik des Judentums entspricht Warnung vor übereilter Auswanderung nach Palästina Die italienische W a f f a u s t i 1lstandskommission in Wien teilt mit, daß gemäß einer bei ihr eingelaufenen Depesche in Italien an mehreren Orten jugendliche Zionisten aus Zentralesuropa angehalten wurden, die nach Palästina ahswandem 'wollten. Die Weiterreise dieser jungen Leute ist im gegenwärtigen Augenblick nicht zu bewerkstelligen und' die italienischen Behörden warnen daher vor derartigen übereilten Versuchen. Die Einwanderung nach Palästina wird erst dann möglich sein; bis das Zionistische Bureau in London eine diesbezügliche Verlautbarung erläßt Bis dahin ist jede Ausreise zwecklos. Es wäre sehr bedauerlich wenn durch die'günstigen Nachrichten vom Friedenskongreß unsere Freunde sich zur Ungeduld verleiten ließen. Die Kolonisation kann nur planmäßig vor sich gehen, jede planlose Einwantierung muß unbgdlmgt verhindert werden. Das zionistische Memorandum an die Friedenskonferenz Stockholm. 5. März. (Tel. d. iüd. Ztg.) Das Jüdische Preßbureau meldet aus Paris: Die Fort- - Setzung der Verhandlungen mit der zionistischen Delegation fand am 1. März statt - Weizmann sprach englisch. Sokolow französisch. Ussijchkin hebräisch. Dazu bemerkt „Times“, daß seit Jahrtausenden die hebräische Sprache bei der Friedenskonferenz zum erstenmal wieder im politischen Verkehr gehört wurde. Das von den Zionisten überreichte Memorandum umfaßt vierzehn Seiten, hat eine blauweiße Titelseite und ist vom 3 Februar datiert Das Dokument beginnt mit einer historischen Einleitung, enthält die Regierungserklärungen über die Errichtung einer jüdischen Heimstätte und die Resolutionen des amerikanischen Judenkongresses. Hierauf folgen «He zionistischen Vorschläge. § 1 besagt: Die vertragsschließenden Parteien anerkennen das historische Recht des jüdischen Volkes auf Palästina und das Recht der Juden, in Palästina ein nationales' Heim wieder aufzubauen. § 2 behandelt die Frage der Grenzen Palästinas. § 3 verlangt daß die Souveränität über Palästina dem Völkerbund übertragen werden und England als Mandatar des Völkerbundes besteilt werden soB. § 5 stellt die Forderung, in Palästina derartige politische, administrative und ökonomische 'Bedingungen zu schäften, welche «He Eric hi ung eines a a- Seite «> tionalen Heimes für das jüdische Volk und Schaffung einer Autonomie des jüdischen Gemeinwesens ermöglichen, wobei klar verstanden wird, daß nichts getan werden soll was die bürgerlichen und religiösen Rechte der bestehenden nichtjädischen Gemeinde» oder die Rechte und «He politische Steilung «Jer Juden in den anderen Ländern beeinträchtigen könnte. Der Mandatar soll «He jüdische Immigration and die Bildung einer geschlossenen jüdischen Siedlung fördern. Sprechsaal Die Wahlagitation, Wir erhalten ioteende Zuschrift: Wien. 2. März 191*. Sehr geehrte Redaktion der „Jüdischen Zeitung“. Wien, In Ihrer werten Zeitschrift. Ausgabe vom 21. Februar, heißt es getegentfa'ch eines Berichtes über die Wahlen in die Nationalversammlung, daß die_ .Agitation am Wahltage von der Studentenschaft und den Mädchenvereinen“ besorgt wurdet, Als Agitationsleiter der jüdisch-natJonule:n Angestellten (vom jüdischen Harnflungsgehnfenverband) erlaube ich mir zu bemerken. daß auch jüdische Handelsangestellte steil sehr eifrig au der Agitation beteiligten un«i — de sie im Wahlkreis Nordost bekannt sind — wesentlich zu dem Gelingen der Arbeit beitrugen. Uebrigens haben auch viele jüdische Gewerbetreibende. Kaufleute und Angehörige von freien Berufen an der Wahlagitation regen Anteil genommen. indem ich zur Steuer der Wahrheit um Aufnahme dieser Zeilen bitte, zeichne ich uüt ZkynsKruß Bemard Grünhut. n„ Große Stadtgutgasse 34 * Indem wir «lieser Zuschrift gern Raum gebeut, bemerken wir. daß unsere Erwähnung der Studenten- und Mädchen vereine keineswegs erschöpfend sein sollte, vielmehr haben auch ein« Reihe anderer Organisationen, z. B. der Verei* „Zion“, die Turn- und Sportvereine imd eine unübersehbare Zahl von Einzelpersonen in - aufopferndster Weise mitgearbeitet. Es ist nicht möglich. alle zu nennen: der Erfolg, den wir errungen haben, ist der beste Dank an alle, die dazu hefegetragen haben. Die Wahliond-Sammelaktion. Alle Gesinnungsgenossen und Parteifreunde, welche Saat* melbogen oder -Blocks für den Wahlfond übernommen haben, wenden dringend ersucht. «Be für diesen Zweck, gesammelten Geldbeträge ehestens an Herrn Schnitzer (in Firma Löwy & Schrätzer. IL. Ferdinandstraße 13) Kassler des Wahlkontitees ab rühren zu wollen. Ebenso werden «He Wahtsprengelleiter daran erinnert daß das Agitationsmaterial an den .Jüdischen Kataster“. II.. Taborstraße 20a abzuliefem Ist .Das Wahlkomitea Der gemeinsame jüdische Hochschulausscfauf. der die Exekutive des Gesamtverbandes jüdische* Hochschule* „Judäa“ darstellt. bat sich in seiner Sitzung vom 23. v. M. folgendermaßen konstituiert: Lilienfeld (Obmann). Frau Dr. Ornstein (I. Stellvertreter); Rotstein (2. Stellvertreter). Grzyb (Schriftführer). Glück (Kassier). Di« Referate werden wie folgt verteilt: Wirtschaftsreferat VogeL SkinLg. Kulturreferat Dr. Hammer, Organisationsreferat Hofmana Bibliothek F1 e s c h. Die Sitzungen des Hochschulausschusses finden jeden Montag 4 Uhr nachmittags im Sekretariat. IX._ Millnergasse 33/IV. statt. Ankündigungen Vereinigung jüdischer Exportakatiam&er. Samstag, den 8. März. 6 Uhr. spricht; Dr. Nagler im . VerenKheint, IL. Obere Donaustraße 111, Mezzanin, über . „KolonlsattonsDrobleme Palästinas“. Gäste willkommen. Verein «Zierä*. Wien, veranstaltet Mfltfif) . «teil 17. Märe eane Purimfefer im große» Konzewhause» 1IL, Lotbringerstraße. Ans dem Programm heben wir hervor: Festrede des H. Adolf Stank ferner Liturgische Gesänge, Volkslieder (hebräisch und jidisch), Arien (hebräisch), Volkslieder (jiräsch), Vorlesung aus Schülern Aleichem und Turnerische Vorführungen. Begmn präzise halb 6 Uhr abends- Karten (K 2.— bis K 2a—) sind zu haben im Verein „Zion“, IL. Glockengasse 30 und in der Buchhandlung Löwit. 1-, Roten turmstraßer. „Der jüdische Verein „Nord-Ost“ veranstaltet am 9. Märe 1919 in «len Festsälen des Hotel 'Zaatinental, IL, Taborstraße 4, eine Wohltätigkeits- Akademie unter Mitwirkung nam harter Wiener Bühnenkünstler mit anschließendem Tanzkränzchea. Beginn 5 Uhr. Karten ä K 4— bed A. Singer, IL. Kieme Sperigasse 8, W. Kreindkx, IL, Obere Donaustraße 69 und an der Abendkassa. —- . Samstag, den 15. März um 5 Uhr kn Saale de» Hotel Bayrischer Hof große Purim-Maskeu- Red*ate.“ Großes Kiwier-Ptmmtefc Der- „Jwdfccfe Kiraferirciräde?4 varaiMtjtht trä* «fe ^Vorjahre zu CbamtkaS, auch tonet ah Fwfcn «$» ' großes Kinderfest, das durch satär toSBtewitoirc' lotetföti&gs Pr«*gräma* «tot