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Jüdische Zeitung · 1919-03-07 · 10 (7.3.1919) · page 1

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Journal
Jüdische Zeitung
Volume
13 (1919)
Issue
10 (7.3.1919)
Date
1919-03-07
Page
– (sequence 1)
Language
German
Belongs to
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X!1I. Jahrgang — Nr. 10 Ndtional~jüdifches Organ Redaktion und Administration: Wien II., Taborstraßs I Fernsprecher Nr. 45-325 Mit der Beilage: „Der jüdische Nationalfonds“ * / Vien, FraHag, den 7. März 1919 [Bezugspreis: Vierteljährig 6 B. ganzj. 24 K, Einzelnummer 50 h Postsparkassenkonto 133.404 Erez Israel dem jüdischen Volk Einstimmiger Beschluß Öer Friedenskonferenz -i •' Stockholm, 5. März (Tel. d. Jüd. Ztg.). Das Jüdische Pressbüro teit mit: Balfour sandte an die zionistische Delegation in Paris ein Gratulationstelegramm, worin er sie zur einstimmigen Annahme der zionistischen Forderungen seitens der Friedenskonferenz beglückwünscht. Paris, 28. Februar. Die „Agence. Havas“ verbreitet folgendes Kommunique: Im zweiten Teil der heutigen Versammlung des Zehner-Ausschusses wurde die Darlegung der amerikanischen, englischen, französischen und russischen Delegierten über den Zionismus gehört Sokolow - und Weitzmann hoben das Interesse hervor, das die Schaffung eines souveränen )ödi,sehen Staates in Palästina bieten würde; : **" Silvain Levi, Professor am College da France, bezeichnte das Projekt in fieser Form als tinzukömmlich und erklärte, eher dafür eintreten za wollen, daß Palästina* e ineArtnationaler Heimstätte werde, wo diejenigen Juden, die aus ihren gegenwärtigen Wohnländern wegen schlechter Behandlung auszuwandern wünschen, '«■Frieden leben könnten. Diese Lösung ist vor .kurzem auch von Bälfour und Pichon angeregt worden. Die christlichen und mohammedanischen Einwohner Palästinas würden sich wohl . ebne Schwierigkeiten einem europäischen Regime fügen, welches das Gleichgewicht zwischen den verschiedenen -Aspirationen zu erhalten vermöchte^ dagegen, würden sie sich der Vorherr- .schalt eines anderen, religiösen Elementes widersetzen. .. ■ ".* , Der vom jüdischen Volk der ganzen Wett * seti" Wochen mit Ungeduld erwartete Augenblick hat: sich erfüllt . Die zionistische Delegation ist; von den Friedenskonferenz empfangen worden, das zionistische Problem würde in zweistündiger. Konferenz eingehend behandelt und die zehn Männer, in deren,,Hand jetzt die größte Macht der Welt .gelegt ist haben einstimmig beschlossen, daß sie ' dem jüdischen Volk sein Recht zuteil werden lassen. ’ Palästina, das alte Judenland; wird wieder zur. Heimstätte für das jüdische Volk. Damit ist das Werk zionistischer Politik, das Werk von nicht viel mehr als zwei Jahrzehnten gekrönt worden. Die zionistischen Führer Sokolow und Weitzmann. die während der Kriegsjahre unermüdlich für die Idee der jüdischen Heimstätte tätig waren, haben den unauslöschlichen Dank des jüdischen Volkes erworben: Darüber hinaus aber soll in dieser Stunde nicht vergessen werden, daß unser gegenwärtiger Erfolg nicht möglich gewesen wäre, wenn nicht vor mehr als 20 Jahren der eine große Mann aufgestanden wäre, der ntit unvergleichücb ’* Blick das Wesen der Judenfrage und den fetzten Grund des zwei tausendjährigen Martyriums des jüdischen Volkes erkannt hätte: Der Zionismus war der Königsgedanfce Theodor Herzls. Er wurde verlacht, -geschmäht und leidenschaftlich bekämpft; sein eigenes Volk vermochte seine Größe nicht' zu fassen. Herzl ist am Wege gestorben, gebrochenen Herzens, alter mit angebrochenem, unerschütterlichem Glauben an die Wahrheit seines Weges. Nun soll sich Herzls Traum erfüllen. Der Jude, der jahrtausendelang gebückt und verschüchtert durch die Straßen des Ghettos schleichen mußte, wird wieder stolz^ und aufrecht auf eigener Scholle gehen können. Er wird durch eigener Hände Arbeit dem geliebten Boden abriingen, w|as er>züm--Leb,en-%raiicht;'?^r;\ifinl nicht'mehr ewig auf der Jagd nach dem fluchbeladenen Gord sein müssen, um nur die Sicherheit seines Lebens erkaufen zu können. Er wird nicht mehr verknechtet sein, sondern als freier Mann am eigenen Tische sitzen und sein Leben nach seinem eigenen Belieben, nach dem Gesetz seines eigenen Wesens entfalten können. Die Nachricht aus Paris wird auf der ganzen Welt, wo Juden wohnen, einen Rausch der Begeisterung und der Freude hervorrufen. Schon der Tag der englischen Erklärung war ein Festtag in der jüdischen Gasse. Das jüdische Volk dankt mit inniger Verehrung den Männern, deren zielbewußte Arbeit uns diesen politischen Erfolg gebracht hat. Es dankt auch den Freunden, welche durch ihr wohlwollendes Verständnis wahrhafte Großzügigkeit und! Weitblick bewiesen haben, vor allem Balfour und Wilson. Aber bei all dem sind wir uns bewußt, daß wir Palästina nicht als Geschenk der Großmächte empfangen, sondern als Erfüllung eines notwendigen Geschickes, an das zu glauben unser Volk nie aufgehört hat Wenn wir Palästina für uns verfangt haben, so geschah dies nicht .aus imperiaüstischer Eroberungssucht; unser Streben hat nichts gemein mit der Ländergier anderer Völker. Wir wissen, daß Palästina für das ganze Volk zu klein ist und daß es trotz der Verwirklichung des Zionismus überall auf der Weit noch Juden in der Zerstreuung geben wird; aber d!as ganze Volk wird Ln Zinn sein 'ideales Zentrum haben, die Stätte seines Geistes, die Stätte, wo jüdisches Wesen frei von Druck und fremden Einflüssen sich in seiner wahren Gestalt offenbart. Und die Juden der Zerstreuung, die durch das gemeinsame Zentrum verbunden sein werden, werden gleichzeitig ein Element der Verbindung der. ganze» .Menschengcmeänschaft sein. - Die durch Feindschaft, Eifersucht, Haß gespaltenen Völker werden an den Juden willige Heiter bei der Wiederaufrichtung der friedlichen und besseren Welfordnung imden. Der Zionismus bedeutet für uns nicht nur cBe Uebersiedlung nach Palästina, sondern auch für die Hierbleibenden <Be Aufrichtung an unserem eigenen jüdischen Weltidsat zu dem wir aus der zusammenbrechenden Welt des europäischen Kapitalismus unsere Zuflucht nehmen. Die Friedenskonferenz hat als Mandatar in der Weltgeschichte gehandelt Den Sinn unserer Geschichte müssen wir erfüllen. Die zionistische Konferenz in London Kopenhagen, 2. März (Tel. d. »Jüd. Ztg.“). Aus London wird telegraphiert: Die Konferenz der zionistischen Weltorganisation wurde Mittwoch, den 26- Februar eröffnet. Den Vorsitz führte das Mitglied des enge- . ren -Aktionskomitees Dr. Schmarja Lewin, - 1 der aus Amerika zur Konferenz nach London kam. Dr. Eder erstattete den Bericht über die -' politische, ökonomische und kulturelle Tätigkeit fieser Kommission. Julius Simon (Haag) referierte über die zukünftige organisatorische Arbeit bezüglich der Einwanderung und Kolonisation in Palästina. Auf Vorschlag des aus den Herren Je11 in. Simon, Hermann, Schochat, Farbstein, Barondeß und Berlin, bestehenden Arbeitsausschusses wurden sieben Ausschüsse gebildet, und zwar für Politik, für Finanzen, Organisation der zukünftigen Arbeit, Kolonisation. Auswanderung, Erziehung und ein Ausschuß für die Beratung der nationalen Forderungen in der Diaspora. Die Konferenz beschloß eine Resolution, in der die bisher geleistete Arbeit der zionistischen Führer mH dem Ausdruck der . 'Anerkennung zur Kenntnis genommen wird. ' Sodann wurde die Plenarsitzung bis zur ' Rückkehr der Herren Dr. Welzmann. Sokolow und Ussischkin aus Paris vertagt Die sieben Ausschüsse werden in der Zwischenzeit bis zur 'Wiederaufnahme vder VoUkonferenz ihre Arbeiten beginnen; ' Die MreMebatte im Kultusvopsfand Demokratie unö Reaktion — Der Frieöe in feer Gemeinde — Die Entscheidung vertagt (Originalberichf der „JUd. Zig.“) Die Plenarsitzung der Kultusgemeinde am 27. Febr. bot ein ungewohntes Bild Die Debatte über die Wahlreform muß statutengemäß öffentlich sein und das Interesse der Bevölkerung an dieser Lebensfrage der Gemeinde zeigte sich an dem starken Besuch des Zithörerraumes, der bald so überfüllt war, daß kein Einlaß mehr gewährt werden konnte. W'enn der Tätigkeit der Kultqsgemeinde sonst so wenig Beachtung geschenkt wird, so liegt das eben daran, daß sie die wahren Interessen der jüdischen Bevölkerung ignoriert Der Kultusvorstand war beinahe vollzählig erschienen Die Stimmung war gespannt und wurde etwas ungemütlich, als die ruhegewohnten Herren den Lärm auf der Straße hörten, wo eine angesammelte Menge ihrem Unmut gegen das Gewaltregime in Schmährufen auf den Vorstand und auf die Wahlrechtsverderber Luft machte. Eie Vorgeschichte des zur Verhandlung stehenden Entwurfes ist unseren Lesern bekannt Nach dem Bruch der mit. dem jüdischen Nationalrat geschlossenen Vereinbarung hat das Vertreterkollegfum diesen Entwurf vorgelegt Die Debatte stand im Zeichen der von den jüdischnationalen Vorständen geführten Opposition, als deren Resultat festzustellen ist, daß der Vorstand sich doch scheute, die schmähliche Vorlage anzunehmen, und sie an eine Kommission zurückverwies, wobei das Vertreterkollegium, das sich durch diese Vorlage unmöglich gemacht hat, ausgeschaltet wird. In glänzender, vornehmer und sachlicher Rede leitete Dr. Ehrlich die Diskussion ein. Dr. v. Schwarz-Hiller hielt eine vortreffliche, von vollem Verständnis zeugende Rede, mit der wir baiirnhe ia alles Punkten übereänstinmien können. Nur wenn Schwarz-Hiller von der erziehlichen Wirkung des Steuerzensus sprach, so ist nicht emzusehen. warum diese Wirkung mit dem Wahlrecht in Zusammenhang gebracht werden soll. Auch wir sind für eine volle Ausübung des Besteuerungsrechtes der Gemeinde und für eine Herabsetzung der Steuergrenze. Aber das elementarste politische Recht, das Wahlrecht, darf von der Steuerzahlung nicht abhängig gemacht werden. Dr. Schreiber entwickelte Anschauungen über Demokratie, die geradezu grotesk und bei einem Juristen ganz unbegreiflich wirken. Er hat auch das Kunststück zuwege gebracht, allen Ernstes die gegenwärtige Gewaltherrschaft zu verteidigen und erging sich in Tönen der Begeisterung über die großartigen Leistungen der Kultusgemeinde. Dieser Herr hat nicht das geringste Verständnis dafür, welche Aufgaben eine jüdische Gemeinde in Wirklichkeit hätte, und geniert sich gar nicht, als höchstes Ziel eine geordnete Geidwirtschaft_ und Verwaltung hinzustellen, ohne zu fragen, was denn eigentlich verwaltet wird. Herr Dr. Schreiber leistete sich auch einige ganz ungewönliche Geschmacklosigkeiten, zum Beispiel, wenn er bei der Besprechung des Frauenwahlrechtes den katholischen Madonnenkult in die Debatte zog. Seine Behauptung, die nationalen Mitglieder hätten die Permanenzkommission gesprengt, wurde schon durch den ganzen Gehalt seiner Rede Lügen gestraft: denn mit Dr. Schreiber zn einem Einvernehmen zu kommen und seine Grundsätze zu diskutieren, ist allerdings für die nationalen Mitglieder unmöglich gewesen Der Vertrag hat aber auch ganz andere gelautet Auf

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