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Jüdische Zeitung · 1919-01-03 · 1 (3.1.1919) · p. Seite 6

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Image: UB Frankfurt, Visual Library (IIIF)
Journal
Jüdische Zeitung
Volume
13 (1919)
Issue
1 (3.1.1919)
Date
1919-01-03
Page
Seite 6 (sequence 6)
Language
German
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fc:" Ü*r. k' £ jfc; Vv;. r « .. i? i j it : 1 > il > Ü "i IS ii-1 ■ll Seite 6 JÜDISCHE ZEITUNG legte. Letzterer wies mit überzeugenden Worten auf die unaufschiebbare Dringlichkeit der Organisation hin. Als Illustration erwähnte er u. a. auch folgende Tatsachen: Die aus der südungarischen Gemeinde Obecse vertriebenen Juden, die die Kultusgemeinden nicht imstande waren, zurückzuführen. wurden auf cm kurze Einschreitung des Temesvarer jüdischnationalen Bundes sofort nach ihrem Wohnort zurückgelassen, weil sie serbischen Behörden emgesehen haben. - daß es sich hier um die Verletzung des nationalen Rechtes handelt. In Kolozsvar überprüft ’ auf Intervention des ausgezeichnet wirkenden jüdisclmationalen Bundes für Siebenbürgen eine gemischte Kommission die Pr.gromiüüe. Der Referent wies ferner darauf hin, daß der ungarische Vertreter der tschechoslowakischen Republik Milan H o dzsa den bei ihm erschienenen Delegierten des Temesvarer jüdisclmationalen Bundes befragte, ob dieser als Jude oder als Mapyare .iür das oberungarische Judentum um Schutz bittet Sodann legte der Referent folgendes Programm vor: 1. Das Judentum Ungarns konstituiert sich alsnationale Organisation und fordert für sich die Sicherung der nationalen Minderheitsrechte. -2. Zur Sicherung der nationalen Minderheitsrechte muß ein jüdischnationaler Kataster -dienen. Auf Grund dieses nationalen Katasters wünschen die Juden so wie die übrigen Nationalitäten die gesetzliche Vertretung im Verhältnis zu der Scalenzahl der Juden in der Gesetzgebung. Regierung und Verwaltung. 3. Ein entsprechender Teil der kulturellen Ausgaben des staatlichen Budgets ist dem jüdischnationalen Bunde auszufolgen. welcher über deren Verwendung im autonomen Wirkungskreise verfügt; 4. An der Spitze des jüdischnationalen Bundes steht eine gewählte Kommission, welche sich als einzige politische Repräsentanz des Gesamijudentums des Landes betrachtet. 5. Der jüdischnationale Blind wird auf eine demokratische, im nationalen Geiste gehaltene Umgestaltung Bedacht nehmen.. 6. Der iüdischnationalc Bund ist allein berufen, hj allen das jüdische Volk betreffenden politischen, wirtschaftlichen und kulturellen Fragen zu entscheiden: konfessionelle Fragen und kulturelle Differenzen gehören nicht in den Wirkungskreis des jüdischnationalen Bundes. 7. Der jüdischnationale Bund macht sich jene Förderung des Gesaintjudentums zu eigen, daß in Palästina eine iüdischnationale Heimstätte gegründet werde. Die anwesenden führenden Persönlichkeiten der drei .Kultusgemeinden haben das Programm einstimmig angenommen und ihre Bereitwilligkeit zur gemeinsamen Arbeit erklärt Hierauf wurde auf Vorschlag des Direktor Dr. DesMei Gabor ein 50gliedriger Ausschuß des Teniesvarer jüdischnationalen Bundes und in dessen Schoße eine Exekutivkomitee aus 15 Mitgliedern gewählt Sowohl der Ausschuß als-auch das Exekutivkomitee besteht aus den führenden Personen der drei Temesvarer Kultusgemeinden und schart sich heute um die Fahne des nationalen Bundes das ganze Judentum Temesvars einheitlich ohne Ausnahme. Dieser Erfolg ist das Verdienst der auf der Höhe der Situation stehenden Führer des Temesvarer Judentums, in erster Reihe aber des sich in Tentesvar aufhaltenden Führers der zionistischen Weltorganisation Prof Dr. Marmorek. * der durch seine unermüdliche Tätigkeit nicht nur das Temesvarer Judentum zur. Beteiligung an der nationalen Arbeit bewogen, sondern es auch zustande gebracht hat. eine starke und begeisterte * Garde zur Weiterführung dieser Agitation zu organisieren ~ Ein Erfolg in Friedek-Mistek Unsere Ge. in Friedek. die seit der Umwälzung der staatlichen Verhältnisse den Behörden gegenüber" mit aller Energie den nationalen Standpunkt vertraten, haben einen großen Erfolg zu verzeichnen. Die Narodnv vybory für Stadt und Land Friedek, die Vereinigung der Bürgermeister des Kreises, die sozialdemokratische und Agrarorganisation wenden sich ha einem gemeinsamen Aufruf an die Bevölkerung, iti dem es u. a. heißt: , ..Wir gewähren den Juden Freiheit und Gleichberechtigung, aber sie darf nicht zu unserem Schaden mißbraucht werden. Wir anerkennen die Juden als Nation und gönnen ihnen ihre. Selb-' stäodigkeit in ihrem eigenen Siaaie. So lange sie aber in unserem Staate leben, müssen sie einsehen. daß wir hier die Herren im eigenen Haus sind und daß wir nicht dulden können, daß jene, die vom Ertrage tschechischer Arbeit leben, weiter zu unseren Feinden gehören. Wir verurteilen ieden groben Antisemitismus, der in der Verfolgung der Juden uni in der Vernichtung ihres Eigentums gipfelt. Dadurch würden w.r nichts erreichen, wir würaeü uns dadurch lediglich die Verachtung der Kulturnationen zuziehen. Versammlung Ottakring—Hernals In den Hernalser Brauhaussälen fand Samstag eine Versammlung des zion. Zentralvereines statt, die eine in diesen Bezirken ungewöhnliche Beteiligung aufzuweisn hatte. Ueber 1200 Personen füllten den Saal bis aufs letzte Plätzchen, Hunderte konnten überhaupt keinen Einlaß fin-_ den. Die Reden von Dx. .Schallt, Ing. Strik-*" *'keT, Anitta Müller und Dr. Löhner wurden stürmisch bejubelt In der Diskussion erklärten sich zwei Redner, die vor der Versammlung unsere Gegner, wanrai, begeistert zu unserem Programm. * V- In den nächsten Tagen wird sich ein Bezirksverband für den XVL und XVII. Bezirk konstituieren, der die naiionae Organisation dieser beiden Bezirke durchführen wird. Montag, den 30. d. M. wurde im Cafe Jungmann, XVI., Ottakringerstraße. 37, ein Parteisekretariat errichtet welches Auskünfte; in allen .Bezirksangelegenheiten erteilt. Ebenso werden alle zur Erwerbung der deutschösterreichischen Staatsbürgerschaft notwendigen. Schritte kostenlos durch geführt. Sprechstunden täglich von 6 bis T Uhr abends. Eindrucksvolle Kundgebung in Graz Graz. Die empörenden Angriffe, die der Vorstand der Grazer Israelit Kultusgemeinde Herr Simon Rendi gegen . die national-jüdische Bewegung unternahm, besonders aber die niedrige Denunziation gegen das Ostiudentum, veraniaßte den .Grazer Jüd. Nationalverband am 15. v. M. im „Erzherzog Stephan“ eine Kundgebung zu veranstalten. die würdig und eindrucksvoll verlief. Nach einer einleitenden Begrüßung seitens des Obmannes Herrn Grüner, der auf den Zweck des Abends hinwies, sprach Herr Prof. Dr. Wilh. Stein aus Wien über die" Ziele der ntional-iüdischen Bewegung-im allgemeinen, wobei er das Programm des iüd. Nationalrates für Deutschösterreich entwickelte. Der Redner betonte unter der begeisterten Zustimmung der Versammlung die unlösbare Einheit der gesamten jüdischen Gemeinschaft Sodann sprach Herr Adolf Stand aus .Wien über den Werdegang und endlichen Sieg des zionistischen Ideals, das das ganze Volk zur völligen Erneuerung führen müsse; die endgiltige Realisierung des zionist. Projektes sei zu einer Angelegenheit der ganzen gesitteten .Menschheit geworden, die im Judentum einen der stärksten Stützen menschlicher Entwicklung sehen müsse. Die mit starkem Pathos vorgebrachten Ausführungen wurden wiederholt vom stürmischen Beifall den Zuhörer unterbrochen. Die Veftammlung die auch ein ganz stattliches Ergebnis -für den N. F. zeitigte, war ein voller Erfolg und schlug eine gewaltige Bresche ln die Stellung der Grazer Assimüanten. die sich entgegen der allgemeinen Aburteilung nur durch' eine ungesetzliche Auslegung desGemeindestatuts behaupten. Die Grazer Presse war bei dieser Versammlung vertreten, brachte verständnisvolle, ausfülirliche Berichte, die in Graz sehr aufklärend wirkten. Am Vormittag dieses Tages hatte die Einweihung des iüd. Ju'denheimes stattgefunden, bei der die beiden Wiener Gäste zündende Ansprachen an die versammelte Grazer jüd. Jugend hielten. Am 16. d. M. fand schließlich noch ein Vortragsabend im Jugendheim statt. bei der Herr Ad. Stand in meisterhafter Weise seine persönlichen Erinne-- rungen an Theodor Herzl erzählte, während Herr Wille Stein von der Bedeutung des. Judentums für die ..Weltkultur“ in sachlicher Weise sprach. . Konferenz jüdischnationaier Institutionen Polens. Am 26. Dezember fand in Warschau eine “Konferenz jüdisch-nätionaler Institutionen Polens statt. Ueber dreihundert Vertreter verschiedener sozialer und politischer Gruppen, Gemeinden und Kulturräte waren anwesend. Zionistische Bewegung Ein Schreiben der belgischen zionistischen Föderation. Das Komitee der Föderation der Zionisten aus Belgien in Scheveningen richtete am 10. Dezemberam die Herren Weizmann und Sokolow ein Schreiben, worin unter Hinweis auf die gegenwärtigen hochpolitischen Aktionen, sowie auf das demokratische Grundprinzip des Zionismus, die Herbeiführung „einer allgemeinen Verständigung der Zionästen aller Länder über die konkreten Forderungen für die Wledlerseßhaftmachuiig der Juden im Lande der Väter“ verlangt wird. Jaworzno. Am 25. November fand die Grümdungsversammlung des zionistischen Vereines „Hatchijah“ statt, an dfer sich alle Schichten der jüdischen Bevölkerung zahlreich beteiligten. Herr Simon Bruckner aus Modtzejow (Polen) sprach über „Zionismus als Phantasie, als Ideal und als "Wirklichkeit“. Schließlich wurde ein zwölfgliedriger Ausschuß gewählt Oderfurt Dank hauptsächlich der Bemühung des Herrn Ingenieur Baumeister Viktor Sonnenschein ist es hier gelungen, das Interesse für unsere Bewegung: zu wecken. Am 21. Dezember 1918 fand eine überaus zahlreich besuchte Versammlung statt in welcher Herr Ing. Staatsbahnrat Emil. Fried über Zwecke und Ziele der zionistischen Bewegung sprach. Das große Interesse des Publikums und seine Zustimmung bewiesen schon die Notwendigkeit einer zionistischen Organisation in Oderfurt Es ist sehr bezeichnend, daß sogar einige Assimüanten die Beitrittserklärungen unterschrieben. Der von dieser Versammlung gewählte vorbereitende Ausschuß hat bereits seine Tätigkeit aufgenommen, um die Vorarbeiten zur Konstituierung des Volksvereines „Zion“ rasch zu eerledigen. Die begeisterte. Jugend geht auch hier mit leuchtendem Beispiel voran. ... Die Adas Jisroel Schiffschul sendet uns folgende Kundgebung zur Veröffentlichung: „Angesichts der Bestrebungen, die Grundlage der Organisation der Judenschaft vöHig umzugestalten, geben die Unterzeichneten Vertreter der giaubenstreuen .Lcdenschaft Wiens . nachfolgende" Erklärung ab: ' ■ Durch unsere Abstammung, durch unsere mehrtausendjährige Geschichte und insbesondere durch unsere heilige Religion sind wir Juden eine allen anderen Völkern gegenüber geschlossene Volksgemeinschaft, zu der wir treu und unerschütterlich stehen. Diese Tatsache ist uns selbstverständlich und imbestreitbar, daß wir es nicht nötig erachte«, das besonders zu betonen. Wir leben" hier' im Staate Deutschösterreich, dessen treue und hingehende Bürger wir Juden sind und sein wollen: und dementsprechend verlangen wir als solche den vollen gleichen und durch nichts beschränkten Genuß aller Staatsbürgerrechte unmittelbarfür jeden einzelnen. Keine Körperschaft hat, ohne hiezu beauftragt zu sein, das Recht, im Namen" des gesamten Judentums das Wort zu führen oder für dasselbe- Forderungen zu stellen. Die glaubenstreue (orthodoxe) Judenschaft war während der zweitausendjährigen Goluszeit (Zerstreuung) allein -die Trägerin und Erhalterin des Judentums und wird es auch weiter stets bleiben. Wir verlangen daher, daß bei allen Vorarbeiten für die Neugestaltung - der Kultusgemeinde die von uns namhaft gemachten Vertreter beigezogen werden (ähnlich wie bei den Vorbereitungen für das G. U. über die Regelung d. Rechtsverb. d. J. vom Jahre 1890). Wir verlangen, daß bei der Umgestaltung der Kultusgemeinde die berechtigten Forderungen, der giaubenstreuen (orthodoxen) Juden die volle Berücksichtigung finden, indem ihnen der angemessene Teil der von ihnen geleisteten Abgaben rückvergütet wird und das Recht der selbständigen Besorgung aller ihrer religiösen Bedürfnisse,-wie Schechitah, Mikwäh etc., und insbesondere die Regelung und Beaufsichtigung ihres Religionsunterrichtes in allen Stufen eingeräumt wird. (Eine Stellungnahme behalten wir uns vor. Die Red.) Voranzeige Ein jüdisch-politisches Tagblatt in deutscher Sprache Ab Mitte Jänner erscheint in Wien die „Wiener Morgcuzeitung“ als erstes jüdischpolitisches Tagblatt in deutscher Sprache. Damit \vird eine allseitig seit langer - Zeit überaus schmerzlich empfundene Lückeausgefüllt werden. Wenn der jüdische Nationalgedanke, der sich in den ententistischen Ländern während des Krieges zu einer ungeahnten Bedeutung entfalten konnte, in den deutschsprachigen Ländern immer noch mit den primitivsten Hindernissen zu kämpfen hat, so ist lediglich das Fehlen einer eigenen Tagespresse sowie die ablehnende Haltung gerade der von den Juden und Judenstämmlingen beherrschten Zeitungen Schuld daran gewesen. Nunmehr werden wir wie in anderen Ländern so auch im deutsprachigen Gebiet ein eigenes Orr gan haben, in welchem wir vor der breitesten Oeffentlichkeit unsere nationalen Interessen vertreten und "überdies vom jüdischnationalen Standpunkt aus zu allen wirtschaftlichen, politischen und geistigen Fragen des öffentlichen Lebens Stellung nehmen können. Zahlreich einlaufende Vorausbestelluugeii zeugen von dem großen Interesse,- welches man dem Blatte bereits jetzt entgegenbringt. Kein Jude darf versäumen, "rechtzeitig zu abonnieren. Redaktion und Administration befinden sich Wien II., Taborstraße 1-3. Ankündigungen Jüdischer Nationalverein. Der jüdische. Nationalverein veranstaltet zwei Versammlungen mit der einheitlichen Tagesordnung: ..AktueHe jüdische Fragen“, und zwar: 1. Am Samstag, "den 4. Jänner 1. J., im großen Saale des Kasino Zögernitz. XIX., Döblinger Hauptstraße 76, um 5'A Uhr nachmittags. Referenten: Frau Gemeinderat Anitta Müller, Oberrabbiner Dr. H. P. Chajes und Schriftsteller Dr. Otto Abeies. 2. Am Mittwoch, den 8. d. M., 5 Uhr nachmittags, in den Eichensälen, X., Favo- - ritenstraße 71. Referenten: Ing. Robert Stricker. Adolf Stand und DawLd Nebenzahl. Verein iüdischsozialistischer Akademiker „Cheruth“. Wien.' Montag, den 6.-Jänner 1919. um 6 Uhr abends, findet im Saale der Retchshallen (Dorotheervasse 6—8) ein Vortrag des Herrn Dr. Max Rosenfeld über das Thema „Der Kampf für autonome Formen des jüdischen Lebens“ mit anschließender Debatte statt. Jüdisch-akademischer Kulturverband ..Jabne“. Sonntag, den 5. d. M.,“ findet im Lokale II., Glockengasse 30/12. um 10 Uhr vormittags ein Vortrag des Herrn Dr. Goldstern über das Thema „Die Perspektiven der jüdischen Legislative“ statt. VI. Vortrag Oberrablnner Dr. Chajes findet Donnerstag, den 16. Jänner 1919 im Saale des n.-ö. Geiverbevereihs, I. Eschenbachgasse 11. um -halb 7 Uhr abends statt. Thema: Die Ren aissä ncepäpste und die Juden. Karten im Vereinslokale der jüdischen Rede- und Lesehalle, IX. Türkenstraße 9, an Wochentagen von 3 bis 4 Uhr nachmittags und in der Buchhandlung R' Löwit, I/Rotenturmstraße 22. , "; Vorträge Rabbiner Dr. Feuchtwang. Im Zyklus der Vorträge der Lese- und Redeßalle jüdischer Hochschüler wird Rabbiner Dr Feuchtwäng an 4 Abenden über das Thema „Sitte und Brauch bei den' alteu Hebräern“: sprechen. Erster nff ~^berKomm*duui^m»~. Pascha war allgemein wegen seiner Grausam- ~ ’ 'Bpiiiiiiijn"'-'

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