Jüdische Zeitung
- Journal
- Jüdische Zeitung
- Volume
- 12 (1918)
- Issue
- 44 (1.11.1918)
- Date
- 1918-11-01
- Page
- Seite 5 (sequence 5)
- Language
- German
- Belongs to
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Nr. 44 JÜDISCHE ZEITUNQ Seite 5 Pogrome in Pole*. Vergangene Woche, ex wiederholt Meldungen durch die Blätter, ix Warschau tätliche Ausschreitungen Kegen Je Joden stattgefunden haben. Die Warschauer Blätter bringen darüber ausführliche Berichte. Es wurden zahlreiche Juden auf der Gasse vom Pöbel überfallen, beraubt und geschlagen, jüdische Geschäfte demoliert und geplündert. Das zionisti- Zcntralkomitee für Polen hat bei der polnischen Regierung energischem Protest erhoben. Die polnische Regierung hat sich an die Gemeinide mit äeut Ersuchen gewandt, ihr das ganze Material zur Väüjgung zu stellenl Die Gemeinde hat sämtliche Protokolle dem Ministerium des Innern überstellt Max darf gespannt darauf sein, in welcher Form •Ke polnische Nation diese jüngsten Ereignisse vor der Welt wieder in Abrede stellen wird. Rußland * Zwanzigtausend Juden in Sibirien ix schlixuxster Not Dem Jüdischen PreBbüro In Stockholm wird aus London telegraphiert: Herr Samuel Mason, der von der Hebrew Immigrant Aidsoeiety in New-York nach Japan und Sibirien entsendet war, um die Lage der jüdischen Heims lasen und Emigranten zu untersuchen, ist von seiner Reise zurückgekehrt. Er berichtet, daß in Sibirien ailein sich 20.000 Juden befindeXi die in schrecklichster Not leben. Mit den von ihm mitgebrachten Hilfsmitteln konnte er x»r für einige Zeit das Elend von 2000 Personen mildern. Leider werden die amerikanischen Judex für diese Unglücklichen wie überhaupt für die zahllosen jüdischen Opfer des Weltkrieges und des Bürgerkrieges in Rußland bis auf weiteres ix Rußland nichts tun könnend denn ein weiteres Londoner Telegramm meldet uns: Die amerikanische Regierung hat die Ueberweisung von Hilfsgefdern nach Rußland für die Kriegsopfer verboten. Dieses verhängnisvolle Verbot wird offizfell mit der in Rußland herrschenden Anarchie begründet. Wie-bekannt, dürfen bereits seit Monate« keine Hilfsgelder aus Amerika nach Lithauen gesendet werden. Beide Verfügungen bedeuten den empfindlichsten Schlag für große Teile des jüdischen Volkes, die zur Erhaltung ihrer nackten Existenz auf die Hilfe der amerikanischen Judenbeit angewiesen sind. i *Pogromhelden an der Arbeit. Die bekanntem Pogro’mhelden Purischkewitsch und Pelikan sied ix Kiew aufgetaucht und betreiben dort eine reaktionäre, judenfeindliche Propaganda. England * Zionistischer Enipfsngsabend in London. Bas „Kopenhagener Zionistische Bureau“ berichtet: „Am 26. September gab die English Zionist Federation einen Empfangsabend zu Ehren der - Herren Isak Goldberg, des Spenders des Grandstückes für die Hebräische Universität. Israel Rosoff, des Vertreters des Zionistischen Zentralkomitees in Rußland, und Jacobus Kann, des Vertreters des Holländischen Zionistenverbandes. Die beiden ersteren sind unterwegs nach Palästina. Nahum Sokolow führte den Vorsitz. Die Ehrengäste erstatteten Bericht über die zionistische Tätigkeit in ihren Ländern, wobei sie sich mit der Politik der zionistischen Führer in London vollkommen solidarisch erklärten. Sie dankten im Namen der Zionisten ihrer Länder der englischen Regierung für viele Beweise von wahrer Freundschaft während der letzten Monate, besonders für die Erklärung Herrn Baifours und die Entsendung der Zionistischen Kommission.“ * Eine Geschichte des Zionismus. Das jüdische Korrespondenzbureau in Bern berichtet: Demnächst erscheint in Lonaon ein Buch über die Geschichte des Zionismus, verfaßt vom bekannten hebräischen Schriftsteller und Zionistenffihrer Nahum Sokolow und versehen mit einer Einleitung von Mr. B a 1 f o u r. Spanien * Gratulation spanischer Professoren. Anläßlich der Grundsteinlegung der hebräischen Universität in Jerusalem wurde Dr. A.S. Yahuda. Professor an der Universität von Madrid, von t Professoren an den acht spanischen- Universitäten bevollmächtigt, in deren Namen ein herzliches Glückwunschtelegramm an den Vorsitzendem der Zionistischen Kommission. Herrn Doktor Weizmann, zu richten. Palästina * General Allemby und die jüdischen Legionen. General Allemby richtete folgendes Telegramm an die Redaktion des Londoner „Jewish Chronicle“: „Empfangen Sie meinen wärmsten Dank für Ihre Glückwünsche, die ich meinen tapferem jüdischen Mitkämpfern übermitteln werde. Ich bin stolz darauf, daß diese tapferen Juden unter meinem Kommando stehen.“ Amerika * Der Parteitag der Poale-Zion In Amerika. Vom 12. bis 17. November tagt dem Jüdischen PreBbüro in Stockholm zufolge in Philadelphia der Kapitalist gesucht zur Verwertung der Erfindung einer Merschine zum Bauen von Mauern und Häusern. — Ausführliche Angebote unter »Maurer* an die Administr. der jüd. Zig. Parteitag der Poale-Zion Amerikas. Auf der Tagesordnung stehen u. a. die Fragen der Souveränität Palästinas, des Wiederaufbaues des Landes, der Organisation einer Arbeitsarmee für Palästina, der jüdischen Legion und des Roten Mögen Dovid. * Zionistische Propaganda in New-York. Ein Londoner Telegramm des Jüdischen Preßbüros in Stockholm meldet: Die Zionisten New-Yorks begannen eine großangelegte Propaganda, um in dieser Stadt 100.000 Mitglieder für ihre Organisation zu gewinnen. Die Propaganda setzte mit großer Energie ein und ist sehr erfolgreich. Der Vor- sitzende des Propagandakomitees ist der Advokat Morris Rotenberg. Krakauer Brief Die Einweihung der hebräischen Schule in Krakau Das neuerbaute, schöne Haus der hebräischen Volksschule in Krakau, mitten im jüdischen Viertel, wurde am 20. d. M. eingeweiht. Das hygienische, lichte und modern-eingerichtete Gebäude war mit Teppichen und nationalen Emblemen geschmückt Nach einem zehnjährigen Wandern durch verschiedene Lokalitäten zieht die jüdische Jugend in ihr eigenes Haus, in ihre eigene Schule ein. —■ Hebräische Lieder singend, kommt die Jugend in geschlossenen Reihen in den Hof der neuen Schule.' Der Hof Ist dicht gefüllt; die Führer und Gäste füllen auch die an der Schule gelegenen Gassen. Das Verdienst an diesem Fortschritt gebührt Herrn Salomon Leser, dem sein Sohn Dr. Max Leser zur Seite stand. Zehn Jahre der Arbeit, einer kleinen Sammeltätigkeit einer Aufklärung von Mensch zu Mensch bedurfte es, um bei den jüdischen Eltern das Interesse für eine eigene Schule zu wecken. Die Feier der Einweihung begann um halb 12 Uhr mittags mit der Uebergabe der Schlüssel durch das Baukomitee an Herrn Leser, dessen Vertreter Herr Pfeffer, der neuen Institution Glück und Gedeihen wünschte. Kultuspräsident Dr. Till es versicherte im Namen der Kultusgemeände eine weitestgehende Unterstützung und gab seiner Freude über die Enstehung der Schule Atfsdruck. Namens der Lehrerschaft dankte Herr Direktor Silberstein Herrn Leser und versicherte, die Lehrerschaft werde ihrerseits nicht Kraft und Arbeit sparen, um ein starkes, gesundes und lebensfrohes Geschlecht zu icrziehen. — Hierauf ergriff das Wort Herr Dr. Leser, um in einer längeren hebräischen Rede auf die Wichtigkeit dieser neuen Stätte der Erziehung hinzuweisen. Das Komitee wolle in seiner Arbeit nicht stehen bleiben, es sei nicht genug, eine Volksschule geschaffen zu haben,; dieitere Tätigkeit werde darauf hinzielen, ein hebräisches Gymnasium, eine Bürger- und Handelsschule und Handwerkerstätten zu errichten. Das Verständnis der Juden- . heit müsse da sein und wird auch mit den Erfolgen der Volksschule kommen und die Arbeit des Komitees fördern. Der Vorsitzende des zionistischen Lokalkomitees, Dr. Feldblum, betonte, daß die Schule eine unparteiische ist und bleiben wird, sie will nicht nur die Jugend in hebräischem Geiste zu ganzen Menschen erziehen, sie wird eine Vorbereitung sein zum Leben auf eigener Scholle in Erez Israel. — Einer der ersten Zöglinge stud. gymir. Leinkram dankte in einer hebräischen Ansprache dem Komitee wie der Lehrerschaft. Die Feier endete mit einer hebräischen Ansprache des Lehrers Mifelew. . Die Gäste besichtigten dann die herrlichen Räume der neuen Schule. * * Signum temporis. Wie ich aus Hochschülerkreisen erfahre, fand vor einigen Tagen eine Hochschüler-Versammlung statt, wo als Vertreter des Senats Prof. Dr. Godlewski jr. fungierte. Die versammelte akademische Jugend fasste udter anderem folgende Resolution: „Die akademische Jugend verlange von den polnischen Vertretern an der Friedenskonferenz die Unterstützung der Forderungen nach Schaffung eines tschechischen, südslavischen und jüdischen Reiches. Die akademische Jugend verlangt von der polnischen Regierung, sie solle den Minderheiten, Littauen, Juden und Deutschen alle bürgerlichen und personalen (I?) Rechte gewähren.“ Es ist ein „Zeichen der Zeit“, daß die akademische Jugend, die immer den Einflüsterungen der National-Demokraten Folge gab und ihren chauvinistischen Standpunkt billigte, auch für das Recht des jüdischen Volkes eintritt Sie sieht den Bankerott ihrer Verschweigungstaktik und will einen ehrenvollen Rückzug antreten. Bemerkenswert ist aber, daß kein polnisches Blatt die Stelle der Resolution, die von den Juden spricht, wiedergab; glauben die Herren noch nach den Erklärungen Wilsons, die Judenfrage in Polen sei durch „Totschweigen“ zu lösen? Sie irren sich gewaltig. Die national-jüdische Jugend und zwar, die zionistische Verbindung „Haschachar“ _ und die sozialistische^ „Zwiazek“ haben ihrerseits Deklarationen abgegeben. . < Wieder „Protest-Juden“. Am 15. d M. fand eine geheime Besprechung, ein Konventikel der Gemeinderäte, jüdischen (?) Vertreter der Handelskammer wie einiger Kultusgemeinderäte mosaischer Konfession statt Nach einer Debatte erachteten es die Herren als ihre Pflicht, gegenüber der Deklaration der Jüdisch- Nationalen mit irgend einer Gegendeklaration an das polnische Volk heranzutreten. Die Redaktfoa derselben wurde einem speziell eingesetzte« Redaktionsausschuß anvertraut Die Herren spielen mit Feuer. In der Zeit wo jedes, auch das kleinste Volk sein Schicksal in die eigenen Hände nimmt und seinen Willen in Massenversammlungen kuiidgibt, erlauben sich die Herren mit „geheimen Konvenfikeln“ auf eine unverschämte, jedes Scheines der Berechtigung bare Weise das Verlangen des jüdischen Volkes zu unterdrücken. Die Herren sind nicht die Vertreter des jüdischen Volkes, sie wissen von seine« Leiden und Hoffnungen nichts, darum Hände weg von Angelegenheiten des jüdischen Volkes! Alass. Zionistische Bewegung Zionisten! Das Exekutivkomitee der Zionisten Oesterreichs hat folgende Beschlüsse gefaßt: 1. Sämtliche zionistischen (national-jüdischen)* Agenden werden vereinigt und Ihre Führung einem Vollzugsausschuß, bestehend aus den Gz. Adolf Böhm. Natan Eidinger. Adolf Stand. Ing. Robert Stricker unterstellt. 2. Der Vollzugsausschuß steht unter der Kontrolle der ordnungsgemäß gewählten und zusammengesetzten zionistischen Behörden und ist Ihnen verantwortlich. Zur Vereinheitlichung und raschen Durchführung aller nötigen Aktionen wird ihm unbeschränkte Vollmacht'gegeben, über Kräfte und Mittel der Organisation nach Bedarf zu verfügen. 3. Alle Zionisten werden aufgefordert, den Anordnungen des Vollzugsausschusses unbedingt nachzukommen. Das Exekutivkomitee der Zionisten Oesterreichs. Westösterreichisches Zentralkomitee. Distriktskomitee für Innerösterreich. Zionisten! Ais Vollzugsausschuß der zionistischen Behörden übernehmen wir mit heutigem Tage die Leitung sämtlicher zionistischer Agenden. Zur Durchführung aller notwendigen Aktionen werden wir eine Vereinheitlichung und Zusammenfassung des ganzen Parteigetriebes vornehmen. Wir haben von den zionistischen Behörden die weitgehendsten Vollmachten erhalten, insbesondere die Disposition über die Kräfte und Mittel der Partei und das Recht der Besteuerung. In dieser Zeit des welterschütternden Umsturzes können die Rechte und Interessen des Jüdischen Volkes nur gewahrt werden, wenn in den Reihen der Nationalluden unbedingte Einigkeit; straffste Disziplin und willigste Opferbereitschaft herrscht. Wir fordern Euch auf. alle Anordnungen, die wir zu treffen nötig finden werden, insbesondere die Heranziehung aller Gesinnungsgenossen zur - Mitarbeit, unbedingt und unverzüglich zn befolgen. Wir selbst wollen unser Bestes tun. um die uns gestellten Aufgaben zu lösen. Der zionistische Vollzugsausschuß: Adolf Böhm. Natan Eidinger. Adolf Stand, Ing. Robert Stricker. Das Sekretariat: Dr. Sieziried Bernfeld. Dr. Karl Melsels. Dr. Robert Weltsch. Wiener Nachrichten Massenkundgebungen des Jüd. Nationalvereines in Oesterreich. Es war wohl der erste Versuch, in Wien an demselben Abend einige jüdische Massenversammlungen zu veranstalten, doch der Erfolg übertraf alle Erwartungen. Die Tausende Leute, die alle vier Säle gefüllt und weit über die Gasse hinaus sich gestaut haben, bilden einen Beweis des politischen Interesses der jüdischen Massen Wiens und ihre Entscheidung für die nationalen Forderungen des Judentums. Die Versammlungen begannen zur selben Zeit in allen vier Lokalen und trotz riesigen Andranges wurden alle Redner mit größter Aufmerksamkeit angehört und unter ungeheurem Jubel die Resolution, die die Anerkennung der jüdischen Nationalität, die nationale Autonomie der Juden und die Demokratisierung der Kultusgemeinden angenommen. Bemerkenswert ist, daß an allen vier Versammlungen je ein Vertreter der Poale Zion und der jüdisch-sozialdemokratischen Partei die Erklärung abgaben, daß sie im gegenwärtigen Kampfe der jüdischen Nation mit der jüdisch-nationalen und zionistischen Partei Zusammengehen werden. Außer den angekündigten Referenten sprachen noch Herr Nebenzabl in der Brigittenau, und Herr Dr. Schiffmann im Hotel Post. Als Vorsitzende fungierten die Herren Markus und Advokat im Bayrischen Hof, Dr. PoUak und Geller im Hotel Post, Ing. Ackermann in der Jaroschauer Bierhalle und Sitzmann und Picker im Cafe Kürth. Das großartige Gelingen dieser wahrhaft imposanten Kundgebung des Wiener Judentums ist zum großen Teile_ der Propagandakommission der Sektion II. des Zionistischen Zentralvereines und des Herrn Chaim Koffler, die sich zum Nationalerem opferwillig zur Verfügung gestellt hat, zu verdanken. Die Organisierung und Leitung aller Versammlungen ruhte in Händen des Sekretärs des J. N. V. Dr. Finkeistein. Jüd. Kulturverein „Zukunft“. Samstag, den 2. November 1. J. findet im Cafe zum Roten Turm, Wien, II., Obere Donaustraße 99, um H8 Uhr abends, ein Vortrag des Herrn cand. iur. Kalman