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Jüdische Zeitung · 1918-10-11 · 41 (11.10.1918) · page 1

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Journal
Jüdische Zeitung
Volume
12 (1918)
Issue
41 (11.10.1918)
Date
1918-10-11
Page
– (sequence 1)
Language
German
Belongs to
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•' * V. XII. Jahrgang — Nr. 41 t Redaktion und Administration: Wien II., Zirkusgasse 33 Fernsprecher Nr. 45-325 Naiional~jüdifches Organ Mit der Beilage: „Der jüdische Nationalfonds“ Wien, Freitag, den fl. Oktober 1918 Bezugspreis: Vierteljährig 6 B. ganzj. 24 K, Einzelnummer 50 h Postsparkassenkonto 133.404 Hontag, 14. Oktober, halb 7 Uhr Großer Konzerthaussaal . - VERSAMMLUNG - — „Das jüdische Volk und der Friede“ REDNER: Adolf Böhm, Adolf Stand, Reichsrats-Abg. Dr. Benno Straucher, Staatsbahnrat Robert Stricker, Dr. Osias Thon, Krakau Eintrittskarten im Zionistischen Büro, II., Zirkusgasse 33 und Buchhandlung Löwit, I., Rotenturmstr. 22 ■-..- An das jüdische Volk in Oesterreich! In schicksalsschwerer Stunde wendet sich das Exekutivkomitee der Zionisten Oesterreichs an das jüdische Volk. Der "Tag, an dem die Völker über den Frieden und die Neugestaltung der Welt verhandeln werden, darf uns nicht unvorbereitet treffen. Der. Gedanke der Demokratie und des Selbstbestimmungsrechtes der Völker hat in der Welt gesiegt. Die Idee der Vereinigung aller Völker zu einem Bunde der friedlichen Menschengemeinschaft, die zum ersten Mal von den Propheten Israels mit glühender Leidenschaft verkündet wurde, ist heute eine allgemeine Forderung geworden. Jedem Volk soll Gerechtigkeit zuteil werden, alle großen Mächte sind darin einig, die Freiheit der kleinen Nationen zu schützen. Das jüdische Volk, dessen nationale Existenz seit fast zweitausend Jahren bedroht ist und sein Volkstum allen Schwierigkeiten zum Trotz, bewahrt hat, hat auch in diesem*Krieg am schwersten gelitten. Seit zweitausend Jahren hat das jüdische Volk nicht mitgestaltend am Geschehen der Welt feilgeriömmeht nie ist 'es' iini seihen' Willengeirägi worden, auch sein eigenes Geschick ist von anderen bestimmt. worden. Lieberall haben die Juden sich diesem Abhängigkeitsverhältnis gefugt, in der Hoffnung, daß durch den Sieg des Rechtes und der Humanität die herrschenden Vorurteile beseitigt und die Stellung der Juden gesichert werden wird. Diese Erwartung beruhte auf einem tragischen Irrtum. Nicht durch Preisgabe der eigenen Art und des eigenen Lebens kann die Beziehung eines Volkes zu andern Völkern auf gesunde Grundlage gestellt werden, vielmehr nur durch eine Besinnung auf den eigenen Wert und die eigene Kraft ist eine ehrliche, friedliche Verständigung möglich. Die Juden, unter alle Völker zerstreut und überall nur kleine Minderheit, glaubten nie die Möglichkeit zu haben, als politische Einheit aufzutreten. Sie waren auf das Wohlwollen der Völker angewiesen, das ihnen nur in geringem Maße zuteil ward. Ueberall aber fanden sie Uebelwollen, das sich in Verfolgungen und Bedrückungen aller Art äußerte. Furchtbar haben sie darunter gelitten, nicht nur physisch und materiell, sondern auch seelisch und geistig. Sie wurden innerlich verkrüppelt, in ihrer Menschenwürde und Selbstachtung verletzt. Erst die Idee des politischen Zionismus hat das jüdische Volk wieder aufgerichtet. Juden Oesterreichs! Aus eurer Mitte ist der Mann hervorgegangen, der zum ersten Mal mit genialem Blick die Wahrheit erkannt hat, daß die Juden der ganzen Welt eine nationale Einheit bilden und als solche ein politischer Machtfaktor werden müssen, um ihr Geschick selbst in die Hand nehmen und durch eigene Anstrengung gestalten zu können. Das politische Ziel ist in unserem Basler Programm ausgesprochen: Der Zionismus erstrebt für das jüdische Volk die Schaffung einer öffentlichrechtlich gesicherten Heimstätte in Palästina. Dieses Programm ist heute von zwei Dritteln aller Juden angenommen. Der Zionismus ist infolge der Weltereignisse seinem Ziele so nahe wig noch nie. Das jüdische Volk wird als gleichberechtigtes Glied in die neue Gemeinschaft der freien Nationen eintreten. Eine Anzahl von Regierungen haben bereits die Erklärung abgegeben, daß sie die uralte Sehnsucht des jüdischen Volkes nach seinem Heimatlande, nach Erez Israel, vollauf würdigen und sie zu erfüllen gesonnen sind. Die Einheit des nationalen Judentums hat sich in diesem Völker zerreißenden Krieg glänzend bewährt. Die zionistische Organisation ist die einzige Internationale, deren Tätigkeit und Zusammenhang nicht unterbrochen wurde. Die Idee der Freiheit und Selbstbestimmung aller Völker haben die’ nationalen Juden Oesterreichs seir Beginn ihrer politischen Betätigung als Forderung für das Zusammenleben der Völker in unserem Staate aufgestellt (Krakauer Programm 1906)- Wir haben stets jene Juden bekämpfen müssen, die im Dienste eines fremdnationalen Chauvinismus standen. Nur durch den national jüdischen Gedanken können die Juden aus den vergiftenden Nationalitätenkämpfen gezogen werden. Die Freiheit und die Selbstbestimmung, die allen Völkern gewährt werden soll, fordern wir aber auch für unsere eigene nationale Entwicklung. Wir müssen unseren Willen zur Geltung bringen, damit er auch bei der" Neuordnung der staatlichen und nationalen Verhältnisse in Oesterreich gehört werde. Wir fordern unsere Anerkennung als Nation und Gewährleistung unseres nationalen Eigenlebens als nationale Minderheit innerhalb der österreichischen Völker. Wir fordern politische Rechte und eine politische Vertretung zum Schul? dieser Rechte. Wir fordern ferner eine radikale Umgestaltung der inneren Verfassung des Judentums entsprechend den Grundsätzen der Demokratie. Juden Oesterreichs! Der Augenblick ist gekommen, wo die Entscheidung über euer Schicksal in eure eigene Hand gelegt ist. Es ist ein Gebot der Stunde, daß alle kleinen Bedenken überwunden werden, daß private Interessen zurückgestellt werden ^und das ganze Volk einig und geschlossen für seine Ziele eintritt. Wir rufen euch auf, euern einheitlichen Willen kundzugeben. Unser Ziel kann nur durch unsere eigene Kraft erreicht werden und alle müssen an unserer Arbeit teilnehmen. Juden Oesterreichs! Wir fordern euch auf, euch der zionistischen Organisation anzuschliessen. die das Instrument des nationalen Willens ist. Exekutivkomitee der Zionisten Oesterreichs.

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