Jüdische Zeitung
- Journal
- Jüdische Zeitung
- Volume
- 12 (1918)
- Issue
- 36 (6.9.1918)
- Date
- 1918-09-06
- Page
- Seite 11 (sequence 11)
- Language
- German
- Belongs to
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Nr. 56 I JÜDISCHE ZEITUNG Seite 11 Der Kursus ist zweijährig:. Er kann auch, von solchen besucht werden, die an der Abteilung I und II «nicht teilnehmen. Der Unterricht findet an allen Vormittagen mit Ausnahme des Samstags statt. Die-Unterrichtssprache ist deutsch. B) Abteilung I (für Kindergärtnerinnen): 1. Hygiene der frühen Kindheit; 2. Psychologie der frühen Kindheit; 3. Methodik des Kindergartens; 4. Methodik und Beschäftigungslehre des jüdischen, Kindergartens; 5. Praktische Uebungen im Kindergarten der Kurse. Der Kursus ist zweijährig. Der Unterricht findet an Nachmittagen statt. Er kann nur von solchen besucht werden, die zugleich an der allgemeinen Abteilung teilnehmen. Die Absolventinnen sind befähigt, an den öffentlichen Anstalten die Staatsprüfung abzulegen. « Für solche Hörerinnen, die ihre Praxis ausschließlich in Galizien auszuüben gedenken, wird bei genügender Anmeldungszahl ein einjähriger Kursus eingerichtet. C) Abteilung II (für hebräische Sprachlehrer). I. , 2., 3. Anstatt der allgemeinen Abteilung paralelle mit entsprechend höheren Anforderungen; 4. Methodik des hebräischen Sprachunterrichtes;. 5. Praktische Uebungen an der hebräischen Sprachschule. Der Kursus ist zweijährig. Er kann nur von solchen besucht werden, die zugleich an der allgemeinen Abteilung teilnehmen. Die Unterrichtssprache ist im allgemeinen hebräisch. Der Unterricht findet an allen Vormittagen mit Ausnahme des Samstages statt. ' Die Aufnahmsprüfungen finden am 10. und II. Oktober statt. Die gestellten Anforderungen sind vom 1. September an durch das Jugendamt zu erfahren. Als Dozenten an den Kursen werden wirken u. a.: Prof. Dr/ V. Aptovitzer, Dr. Siegfried Bernfeld, Adolf Böhm, Henoch Datenfeld, Dr. Joel Obermann, Moses Rath, Dr. Abraham Sonne, Dr. Wilhelm Stein, Privatdozent Dr. Harry Torczyner. Vormerkungen, Anfragen,. Mitteilungen sind zu richten an: Jüdisches Jugendamt, Wien, II., Zirkusgasse 33, das auch den vollständigen Prospekt versendet. Berichte und Korrespondenzen Der Opfertag und seine ersten Resultate. Das Interesse am Opfertag in der Provinz ist sichtlich nicht gering. Mehrere Komitees gaben bereits ihre Entstehung' bekannt und viele Einzelne schickten auch schon. Spenden ein. Aus Marienbad lief ein Bericht über den bisherigen Verlauf der dortigen Tätigkeit ein, der charakteristisch ist für die Umstimmung, die in den Kreisen, w eiche früher entweder unserer Sache feindlich gegenüber oder hievon abseits standen, vor sich gegangen ist Auf Iniative' des Herrn Karl Stand und Frau aus Lemberg wurde dort ein Komitee eingesetzt, welchem außer den Genannten Herr Fritz Buxbanm, Leiter der Mariieribader Flüchtlingsfürsorge, Herr Rudnik und Herr Rabbiner Dr. Diamant sämtliche aus Marienbad, und Herr Schönfeld aus Wien, angehören. Es wurde bald mit der Sameltätigkeit begonnen und auch zu diesem .Behufe eine Versammlung im Saale des Herrn L t i t n e r veranstaltet *' Unter den zahlreich erschienenen Versammelten bemerkte man u. a. Persönlichkeiten die Herren Universitäsprofessor Dr. Ehr mann und Nathan Ei dinger aus Wien, Rabbiner Dr. Diamant Kultuspräsident Woliner. Rabb- Friedmann aus Itzkany und Rabbiner Friedmann aus Husiatyn. Nach einer warmen Eröffnungsansprache des Herrn Fritz Buxbaum hielt Frau Stand ein gut durchdachtes Referat über den Fortschritt der zionistischen Bewegung und für die Sache des Opfertages. Dann referierte Gg. Herr Dr. Hi r s c h, Vizepräsident der Komotauer israelitischen Kultusgemeinda, über die gegenwärtige Lage der Juden, die nur Selbsthilfe erheische. Es sprachen ferner Herr Nathan Eidinger, Herr Rabbiner Dr. Diamant und zurri Schlüsse Herr Moses Rosenberg aus der Ukraina, welcher durch Schilderung der zionistischen Triumphe in Großrußland die Zuhörerschaft in Enthusiasmus versetzte. Während der Pause wurde ein Betrag von K 2000.— gesammelt Insgesamt brachte das Komitee, hauptsächlich dank den Bemühungen der Damen Friedmann, bis jetzt die Summe von K 3000.— zusammen. In Sachen des Opf.ertages verdient Marienbad Nachahmung. - S. P. Das Begräbnis des Gaons vou Brest-Litowsk. In Otwozk in Polen starb R Chajiai Soloweit s c h i k, der Gaon von Brest-Litowsk, vielleicht der gelehrteste und populärste Rabbiner des Ostens. 18 Jahre hatte er die Jeschibah von Wolo- .sin geführt dann war er m die jetzt zersprengte „Brisker“ Gemeinde beruien worden. Nunmehr starb er, 65 Jahre alt. Die Gemeinde Otwozk, wo er starb, beanspruchte zunächst für sichdas Recht den großen Toten zu beerdigen, in einem „Din Tora“ wurde aber entschieden, dem Wunsche der Hinterbliebenen folgend, die Beerdigung in Warschau vorzunelimen, die Otwozker Gemeinde erhält das ehrende Recht für die „Reinigung“ zu sorgen. Das Begräbnis fand am 31-. Juli statt Vor der Reinigung hielten zunächst der Sohn des Verstorbenen R. Wehvele und sein Schwiegersohn R. Zwi Dow Glücksmann Trauerreden. Dann sprach der Nowodworer Raw R. Neufeld und nach ihm sprach der Radsiner Raw die Worte: „In deinem ganzen Leben hast du, großer Gaon, dich der Gedrückten und Leidenden angenommen, besonders. in den letzten Jahren dich für das verfolgte und gepeinigte Volk Israel eingesetzt Sei jetzt, grQßer Gaon, ein gerechter Fürsprecher aut jener Welt tür die, welche so viel auf dieser Welt zu leiden haben.“ In einem .Sonderzug, den die Gemeinde Otwozk beistelite, wurde der Leichnam nach Warschau überführt Am Praga-Bahnhof halten sich viele Tausende eingefunden; den Toten zu erwarten. Mitglieder talmudischer, sowie nationaler und Sportvereine hielten die Ordnung in der Masse aufrecht Um 4 Uhr nachmittags lief der Sonderzug ein. Der Sarg wurde von den Mitgliedern des Brisker Hilfskomitees als Repräsentanten der Brester Gemeinde übernommen, Rabbiner der polnischen Provinzstädte trugen ihn aus dem Zug zum Wagen. Vor dem Leichenwagen gingen die Schüler der Chadarim und Jeschiboth. Den ganze» Weg entlang bildeten viele Tausende von Menschen Spalier, die jüdischen Geschäfte waren größtenteils gesperrt Auf der Bielanskastraße wurden die Pferde des Leichenwagens ausgespannt rnJ der Wagen von dort an durch das Publikum gezogen. Am Grabe sprachen der Warschauer Rabbiner Perlmutter und der Schüler des Verblichenen R. Gutschechter, aber ihre Worte verklangen im Rauschen der Massen. Als der Sarg in die Erde gesenkt war, kam eine größere Gruppe Brester Bürger und überbrachten dem jüngsten Sohne des Verblichenen, R. Welweel, die Ernennung zum Brisker Raw mit den traditionellen Worten: „Masel tow, Reb Wehvele, fun haint an sent ihr Brisker Row“. Der neue Raw und das ganze Publikum brachen bei diesen Worten erneut in Schluchzen aus. (Weitere Bericht* mußten wegen Raummangel zuriickgesteiit werden.) Sprechsaal Wo bleiben die Feldrabbiner? Zu der in Nr. 28 unseres Blattes veröffentlichten Zuschrift aus dem Felde erhalten wir den nachstehenden Brief eines jüdischen Infanteristen: „Ich bin überzeugt, daß die Angaben richtig sind. Ich selbst bin sechs Wochen in einem Feldspital gelegen; jeden Tag ist der Feldkurat gekommen, von einem Fddrabbiner war nichts zu sehen. Wie glücklich wäre ich damals gewesen, wenn ich mit einem Rabbiner hätte sprechen können und ihm meine Wünsche, wenigstens nach einer jüdischen Zeitung, hätte sagen können. Eine andere sehr wichtige Sache ist auch folgende: Bei den Feldspitälern sind Heldenfriedhöfe und auch wo die Front weiter vorgeschoben ist; ich habe bemerkt, daß viele Juden, welche fürs Vater-* land gestorben sind, auf diesen Friedhöfen unter einem Kreuz begraben liegen. Da frage ich: Wo sind unsere Feldrabbiner? Warum werden jetzt nicht mehr Feldrabbiner äri die italienische Front geschickt? Es wäre Pflicht der Feldrabbiner, die Friedhöfe zu kontrollieren und sich mit den Armeekommandos in Verbindung zu setzen, damit jüdische Gräber als solche bezeichnet werden.“ In derselben Angelegenheit erhalten wir von einem iüdischen Offizier im Felde $e nachfolgende Anregung: In einer der letzten Nummern " der „Jüd. Zeitung“ wandte sich ein .jüdischer Offizier“ dar gegen, daß man unsere Feldrabbiner nie’ bei der Truppe sähe. Wie viel Schuld tatsächlich die Feld-. rabbiner' auf sich geladen haben, wie viel sie zu der Entfremdung der jüdischen Soldaten ihrem Glauben, ihrem Volkstum gegenüber dadurch beigetragen haben, daß sie höchstens an den hohen Feiertagen an die Front kamen und durch die rührende Naivität und Unerfahrenheit allen militärischen Angelegenheiten gegenüber einen — na, sagen wir — zumindest befremdenden Eindruck auf Jude und Nichtjude machten, davon will ich heute nicht reden. Der jüdische Soldat ist nirgends in so kompakten Massen bei den einzelnen^Truppenkörpern vorhanden, wie der Katholik, sodaß der israelitische Seelsorger, der sich seine Leute erst überall zusammensuchen muß, eine ungleich schwerere Arbeit hat, wie der katholische Feldkurat. Und nimmt man noch dazu, daß selbst Divisionen mit-starkem jüdischen Prozentsatz, wie z. B. die Wiener Division, keinen eigenen Rabbiner haben, so kann man die Schwierigkeiten, mit denen unsere Seelsorger zu kämpfen haben, leichter begreifen. Aber eben deshalb ist es Auigabe der einzelnen national gesinnten Offiziere, im eigenen Wirkungskreis und im eigenen Interesse, sowie im Interesse des Dienstes, einen Hauptteil der Arbeit zu übernehmen, die sonst die Feldgeistlichen zu verrichten haben* ln erster Linie die Einrichtung . von ■ Bethäusern, Aussuchen von Minjanim, Fürsorge für die Ermöglichung eines Gottesdienstes. Ich will von vomeherein gestehen, daß ich selbst erst vor ganz kurzer Zeit und eigentlich nur durch einen Zufall auf diese so naheliegende Idee gekommen bin. Ein Jude meiner Kompagnie hatte Jahrzeit und bat mich, beim Minjan dabei zu sein und vorzubeten; da sonst kein geeigneter Baaä tefillal da wäre. Mit Mühe und Not brachte er die zehn Mann zusammen und der Gottesdienst konnte abgehalten werden. Am nächsten Morgen hatte sich die Nachricht davon, daß man „beten“ könne, bei den benachbarten Kompagnien und . Batterien verbreitet und vielleicht 20 Mann erschienen zu Schacharith. Und am Abend noch mehr. Deutsche, ungarische, Wiener Juden. Alle baten: Wenn wir nur täglich beten könnten! Ich ging zum Feldkuraten, ließ mir einen Raum anweisen, eine Tafel daran nbsilTn’H und ohne Feldrabbiner war die .Feldsynagoge' entstanden. Diese Arbeit, diese Kleinarbeit müssen alle zionistischen Offiziere übernehmen: Im Feld und in der Etappe. Es ist ja nicht so schwer: Durch persönliche Nachfrage verschafft man sich die Zahl und die Namen der jüdischen Mannschaft innerhalb eines gewissen Umkreises und durch persönliche Intervention versorgt man einen Raum, wo die entsprechende Anzahl von Betern Unterkommen kann. Unbedingt nötig ist ein Vor- * raum zum Ablegen der Waffen und Ueberkleider mit einer Waschgelegenhat. Sehr angenehm ist es, wenn dieser Vorraum so groß ist, daß er als Erholungsort, als eine Art „Soldaten heim“ benützt werden kann, in dem jüdische Zeitungen, jüdische und hebräische Bücher u. dgl. den Soldaten zugänglich sind. Denn durch die Errichtung von Bethäusern ist Gelegenheit geboten, den israelitischen Soldaten zum jüdischen Soldaten zu machen. Wenn ich nun die bewußt jüdischen'Offiziere auffordere, ihren Kameraden das zu verschaffen, was ihnen am nötigsten ist: ein jüdisches Zentrum, ein jüdisches Hehn im Felde, wenn ich von ihnen verlange, durch ihr Beispiel zionistisch zu wirken, ohne Rücksicht, wie der Einzelne in religiösen Fragen denkt, so tue ich es deswegen, daß die Schmach aufhöre, daß monatelang kein jüdisches Wort, kein hebräisches Wort an die Ohren unserer Soldaten klingt; damit das einigende Band des Judentums sich auch um die schlingt, die auf Vorposten stehen, in Gefahr, dem Volksganzen verloren zu gehen — um die iüdischen Soldaten im Felde. W. W. * Die neue Fleischverordnung. ln einer Zuschriit aus orthodoxen Kreisen werden wir darauf aufmerksam gemacht, daß die neue Verordnung des Amtes für Volksernährung vom 11. August 1918, RGBl. Nr. 300, betreffend die Einschränkung des Verkaufes von Fleisch eine unnötige Härte enthält, indem ab 19. August an den fleischlosen Tagen nicht wie bisher nur der Genuß von Fleisch, sondern auch das Zubereiten von Fleischspeisen verboten ist. Für den orthodoxen Juden ist die Einführung von 3 fleischlosen Tagen statt 2 nicht von Belang, da er ohnedies auch jetzt schon nur mit Mühe 16 dkg pro Woche erhielt und die Wohltat der übrigen Bevölkerung, Schweinefleisch, gesalzenes Fleisch, Speck, Wurst und Blutwurst genießen zu können, ihm nicht zugute kommt. Daher hat er ohnedies 5 fleischlose Tage. Dagegen trifft es ihn schwer, daß nun auch die Zubereitung von Fleisch am Freitag verboten ist, so daß er nicht einmal die Möglichkeit bat, das Stückchen Fleisch, das er bekommt, für den Samstag zuzubereiten und an diesem Tage zu genießen. Der Einsender regt daher an, daß seitens der orthodoxen iüdischen Organisation Schritte unternommen werden, um diesem Umstande abzuhelfen. * Alle Bb. und A. H. der zion. akad. Vereinigung „Techijah“ in Brody werden ersucht ihre Adressen dem Bb. stud. jur, Abraham Pames, Brody, Ringplatz, anzugeben. F. d. V.: Dr. M. L. Czaczkes. Lese- und Redehalle Jüdischer Hochschüler ln Wien. Wir bitten alle Bb. Bb., uns umgehend ihre Adressen sowie die ihnen bekannten Adressen der anderen Bb. Bb. imtzutedlen. damit wir ihnen Vereinsabzeichen usw. zugehen lassen können. Alle Zuschriften sind zu richten an I. U. C. Jakob Weiser, Wien, IX., Servtengasse 13. Für die prov. Leitung: I. U. C. Kurt S a x 1. I. U. C. Jakob Weiser. Hebräischer Lehrerverband. Der Vorstand 4 des Verbandes der hebräischen Lehrer in Wien* hat beschlossen, als Minimum des Untierrichtshonorars monatlich K 45.— iür jede Wochenstunde zu beanspruchen. Aus der Gefangenschaft. Einj. Freiw. Zgsfr. Mordechai Albrecht aus Radautz (Bukowina) teilt allen Freunden und Bekannten seinen neuerlichen Lagerwechsel (Sansepolcro, prov. Arezzo, Italia) mit, wünscht ihnen ein glückliches Neujahr und bittet seine Bb., Bb. um Bekanntgabe ihrer Adresse. Für die Abbrändler von Brzezany ist bei uns eingegangen: Sammlung Jakob Halpern and Josef Pomeranz, Wien - K 100.-- Briefkasten der Redaktion Coresch, Fiume. Es freut uns, daß Sie unser Leitartikel über die „Krisis des ungarischen Judentums“ ungemein interessiert hat, besonders da Sie, wie Sie schreiben, in Fiume eine in VertaU ' begriffene Kultusgemeinde vor den Augen haben, die mustergültig für alle anderen ungarischen Ässimilanten-Gememden ist Wir sind auch mit dem Inhalt Ihrer Zuschrift ganz einverstanden; da wir fedoch über die darin angeführten Tatsachen bereits mehrfach berichtet haben, müssen wir leider auf eiuen vollinhaltlichen Abdruck verzichten. Wir werden aber stets gern Berichte von Ihnen entgegennehmen. ■r. „Kriegsflüchtling“. Auch aus Klattau erhalten wir eine Zuschrift, in welcher über unmenschliche ‘-Härte bei der Behandlung von Kriegä'lüchtlingeu geklagt wird. Die Zuschrift ist uns ein neuerlicher gj Beweis, daß man bei der Behandlung kriegsßi geschädigter Staatsbürger Unterschiede nach der Nationalität macht.