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Jüdische Zeitung · 1918-08-30 · 35 (30.8.1918) · p. Seite 4

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Seite 4 unserer Ahnen, das Land unserer Zukunft, wieder aufrichten; wir müssen für unsere Kriegswalsen, die verlassenen Kinder unserer Helden, die Ruhm dem Vaterland und Ehre dem jüdischen Namen ge- . bracht haben, sorgen, um sie zu guten Juden, zu nützlichen Menschen heranzubilden, indem wir ihre weitere Ausbildung für produktive gewerbliche und landwirtschaftliche Berufe vorbereiten. Diesen beiden heiligen und heilbringenden Zwecken dient der OESfEFreichisEh-JDtiiSEtiE Opfertan. An alle Juden in Oesterreich ergeht der "Ruf, an einem der kommenden 10 Bußetage ■'2' rVT»TJ? “lü'n zwischen Rosch-Haschana und Jom-Kippttr (7. bis 16. September a. c.), einen ihren Verinosensverhältnissen angemessenen Geldbetrag als freiwilliges Opfer auf dem Altar der Bruderliebe zu bringen. Die Arbeit eines Tages, den durchschnittlichen Verdienst oder das Einkommen eines Tages im Jahre weihet Eurem Volke! Jeder, ohne Unterschied des Standes und Alters, tue mit. Ein Lösegeld t?£3 ”""£ sei es. das Ihr der Not Eures ' Volkes widmet! Juden! Das alte, vielgepriesene jüdische Solidaritätsgefühl muh wieder erwachen. Es ist höchste Zeit, an den Abbau der Leiden zu schreiten! Und die HiHe muB iffl Verhältnis zur Grüße des Unglücks stehen. Sorge jedermann, da# keiner sich der Schuldigkeit entziehe. Es gilt. Wunde« zu heilen, Tränen zu trocknen, Leid zu lindern! Juden, tut Eure Pflicht! Palästina wartet, Kriegswalsen warten! Gedenket des Opfertages! HfiDitn üis OtstBrr.-lfiflissiini Opfertagis:, Dr. Moritz Paditmann LObel Taube» Obmann. Sekretär. Llillei Badlan, lleinricli Bard, Ludwig Bato, Dr. Max Brod (Prag), Dr. Mayer Ebner (Czernowltz); Nathan Eidinger, Dr. Alfred Engel (Prag). Dawld Horowitz, Simche Jakob, Dr. Salomon Kassner (Czernowltz), Dr. Markus Krämer (Czernowltz), Erna Patak, Dr. Leopold Piaschkes, Dr. Leon Räch (Lemberg), Dr. Max Sprecher, Dr. Zwi Hirsch Syrop (Neu-Sandez). Adolf Stand, Reichsr.- Abg. Dr. Benno Stniucher, Staatsbahnrat Robert Stricker, Nathan Tartakower, Reichsr.-Rev. Rudolf Taussig, Rabbiner Dr. Osias Thon (Krakau). Dr. Elias Tisch, Dr. Samuel Wahrhaftig (Krakau). Wien, Ende EIul 5678. Adressen für Geldsendungen: Bankhaus Adolf Brecher, Wien, IX., Peregrinlgasse 1, Oesterr. Postsparkassen-Konto Nr. 16.601, „Zion“ Verband der österr. Vereine für Kolonisation. Palästinas und Syriens, Wien, II., Zirkusgasse 33, Oesterr. Postsparkassen-Konto Nr. 47.115. (Dieselben sind ausdrücklich mit dein Vermerk „Opfertag“ zu versehen.) . Zionistische Bewegung Gallzischer Parteirat Bericht über die am 18. August in Lemberg stattgefundene Tagung des Parteirates der zionistischen Landesorganisation in Galizien. Es erschienen Delegierte aus folgenden größeren Städten Galiziens: Lemberg, Kiakau, Stanislau, Tarnopol, Rzeszow, Jaslo, Czortkow, Gorlice, Sanek, Zioczow, Stryj tmd mehreren kleinen Städten. Der Referent Gg. Dr. Leon Reich besprach eingehend in seinem Referate die^Frage unserer national-politischen Forderungen, insbesondere im Hinblick auf die mögliche Verfassungsänderung in Oesterreich und disüm Entstehen befeln, daß die Zeitschrift in ihrer neuen Form zu ihren alten Freunden viele neue dazu gewinnen wird, sie beweist durch ihre Existenz und Verbreitung. daß sie einem wirklichen Bedürfeis der wachsenden jüdischen Jugendbewegung abgeholfen hat - . „Jing-galizischer Llach.“ Demnächst erscheint im Volksverlage B. Fett, Debica der Kalender „Jing-galizischer Liach 5679“ in jüdischer Sprache; redigiert durch Dr. Leon Reich jind Dr. Anselm JOeinmann und versehen mit einem Umschlagblatte und 3 Vignetten des jungen akademischen Malers Artur Koinik, sowie mit dem Bilde des Dichters Jakob Mestei, derzeit Oberleutnant im Felde. — Das sehr interessante und inhaltsreiche Buch wird entliallen: a) Gedichte von Jakob Mestei, M. Chmelnicki, Uri Zewi Grünberg. David Königsberg, Melech Rawitsch, Moses Fenihof, Eisig König, D. S. Jaköbowicz u. a.; b) Novellen und Erzählungen von D. J. Siibcrbusch, IsaakFernhof, Imn-Wittkower, RubenFahn, A. M. Fuchs, Anselm Klcmmann, Jakob Rappaport u. a.; c) publizistische Aufsätze von Dr. Leon Reich, Adolf Stand, Dr. Natan Birnbaum, Dr. Abraham Korkis, Dr. Meier Geyer, Ch. Neiger, LöbL Taubes, N. M. Gelber u. a. — Sämtliche jüdische Zeitungen werden um Nachdruck dieser Notiz ersucht. - Peter Nansen über das Judentum. In der „Wiener Morgenzeitung“ veröffentlicht S. Fan einen Essay über den kürzlich verstorbenen dänischen Dichter Peter Nansen, dein wir folgende interessante Stellen entnehmen: Peter Nansen war der Sohn des _Pfarrers. Ferdinand Peter Nikolai Nansen und ein Enkel des bekannten dänischen Juden Nathansdbn. Nansen hat sich seiner jüdischen Abstammung immer mit Stolz gerühmt und war auch im Gegenteil zu anderen Judenstämmliugen einer der größten Judenfreunde. Als der JÜDISCHE ZEITUNG - ._Nr. 35 griffeneu selbständigen Staaten im Osten, wo Juden in kompakten Massen leben. Der Referent befaßte sich auch des Näheren mit der politischen Konstellation der Juden für den Fall einer Teilung Galiziens und wandte sich schließlich dem Problem : einer Programmrevisian zu. Zu dieser letzteren Frage ergriffen auch das Wort zu besonderen Referaten die Gg. Dr. A. Korkis, Dr. W a 1 dmann, Dr. E. Schmorak, um die in der politischen. Kommission .zutage getretenen Auffassungen. auseiiianderzti setzen. Nach einer teilweise sehr lebhaften und durchaus sachliche« Diskussion, in dereii Verlauf die überwiegende Zahl der Teilnehmer das Wort ergriff, legte der Parteirat entschiedene V e’ rwahrung dagegen ein. daß man übeT den Kopf der nahezu eine Million zählenden Judenheit über die.Zukunft Galiziens Entscheidungen vrirbereitet und nahm folgende Beschlüsse an: Der zionistische -Parteirat erklärt, daß er dem Baseler Programm gemäß die nationale Einheit aller Juden der Welt. anerkennt und für die Lösung der Judenfrage in ihrer Totalität die Erreichung einer öffentlich-rechtlich gesicherten Heimstätte für das jüdische Volk in Palästina anstiebt In Erwäguflg aber, daß die Juden in den Diasporaländern eine von den anderen Völkern verschiedene Gemeinschaft mit eigenen politischen und kulturellen Interessen bilden und die Erhaltung und Stärkung des Judentums auch in der Diaspora .anstreben, nimmt der Parteirat folgende Entschließungen an: ' Der am lt>. August in Lemberg tagende Parteirat der zionistischen Organisation in Galizien stellt mit Entrüstungfest, daß die. gesamten. Forderungen, der nationalen J udenheit nach Sicherstellung ihrer staatsbürgerlichen, insbesondere ihrer politischen uiuL - kulturellen Rechte noch immer unberücksichtigt geblieben sind. •‘11. Der Parteitag verwahrt sich entschieden gegen die wirtschaftliche Beeinträchtigung der jüdischen Bevölkerung in der Aktion um die Wiederaufrichtung Galiziens und warnt gieichzeilg die maßgebenden Faktoren in ihrem eigenen, aber auch im Interesse der Staatsordnung vor einer weiteren Duldung der antisemitischen Propaganda, die allmählich in Gewaltsamkeiten umschlägt und nicht nur die Juden einer Katastrophe entgegenfulirt, aber auch, das Ansehen des Staates in der ganzen; Kultur weit schädigt DI. Der Parteitag erachtet die Verwirklichung des Gedankens nationaler Autonomie in Oesterreich als den einzigen Ausweg aus dem Chaos immerwährenden Nationalitätenhaders und 'der immer mehr sich ■ ziispkzenden Siaatskrise. ln konsequenter Durchführung dieses Systems anläßlich des Umbaues der Staats- oder Landesverfassung fordert der Parteitag: Die verfassungsrechtliche Anerkennung der jüdischen Nationalität als einer öffentlichen Körperschaft, berufen zur Ausübung der Rechte im Sinne des durch die national-personale Autonomie garantierten Selbstbestimmungs- und Selbstverwaltungsrechtes. . Der jüdisch-autonomen Gemeinschaft gehören alle, als Juden geborene Bürger. an, insoferne nicht durch gesetzlich vqrgeschriebcaie Form der Austritt aus dieser Gemeinschaft erfolgt ist In den Wirkungskreis der autonomen jüdischen Gemeinschaft fallen, nebst den konfessionalen, vornehmlich Angelegenheiten der jüdischen Kultur, wie; das Erziehungs-, Schuliind Volksbildungswesen, überdies die Pflege sozialer Wohlfahrt, sowie Organisierung wirtschaftlicher Arbe'fc Verfasser eine Enquete über die Judenfrage nach dem FriedensscHluß veranstaltete, erhielt er von Peter Nansen einen sehr sympathischen Brief, in welchem der Dichter drei Wochen vor seinem Tode schreibt: „Bis vor kurzem ist mir die jüdische Bewegung, das. heilige Land als modernen Judenstaat wiederzubekommen, wie ein schöner Traum erschienen . ,. Ich habe ebenso wie mein Großvater M. L. Nathansohn stets an der Meinung festgehalten, daß die Juden bleiben sollen, wo sie sind, und sich mit den anderen Bürgern vermischen sollen, dann wird.' schon die sogenannte Judenfrage’ verschwinden . . . EMe_Zeäten aber haben sich geändert und auch meine Meinung ist eine ganz andere geworden. Von ganzem Herzen wünsche ich, daß das Judentum in sein altes heiliges Land zurückkehren soll, obwohl ich weiß, daß dadurch die europäische Kultur eiucn Teil ihrer besten Kräfte verlieren wird . . .“ Hebräisches Quartettspiel. Im Jüdischen Verlag, Berlin W 15, erschien ein hebräisches Quartettspiel „Ha-ir“ (Die Stadt), zusammengestellt von J. Lubman-Chabib, gezeichnet von Artur J o a b. Das Spiel besteht aus 48 Karten) die 12 Quartette bilden zusammengellörende Gruppen von Gegenständen, jede Gruppe trägt die zugehörige hebräische Bezeichnung, z. B. Schlafzimmer, Küche, Schule usw., darunter die'Namen der vier Gegenstände, den auf der Karte abgebildeten in roter Schrift. So wird es den Kindern, sofern sie nur hebräisch lesen können, ermöglicht. im Spiele sich einen Schatz von Vokabeln aus. dem täglichen Leben anzueignen. Diese Methode wird sich sicher bewähren und das Spiel kann daher allen Eltern und Lehrern., die ihre Kinder hebräisch lernen lassen .wollen, bestens empfohlen werden. Die Ausstattung des Ganzen ist gut gelungen. IV. ' ' Da die vorstehend erwähnten nationalen Rechte der Judenheit als unverjährbare Forderungen gelten müssen allüberall wo die. Juden in Massen woluien, verlangt der Parteirat Im Falle einer neuen Staatsbildung identisch mit den Forderungen der in den neugebfldeten Randsraten des Ostens wohnhaften Juden von den in Betracht' kommenden Faktoren die Gewährleistung der autonomen nationalen Rechte. v. . Der Parteirat billigt die Schritte, welche die Wiener ‘ Exekutive bei dier österreichischen Regierung zwecks Anerkennung der jiid. Nationalität unternommen hat Im letzten Punkte der Tagesordnung erstattete der Vizepräsident des Exekutivkomitees Dr. E. Schmorak einen eingehenden Bericht über die bisherige Tätigkeit der Exekutive, welche von der Partei mit Genugtuung zur Kenntnis genommen wurde. Die Tagung, die^urrter dem Vorsitze der Gg. Dr. Abr. KornJtäUser ujfd Dr. Hausmann einen sehr würdigen Verlaut nahm, dauerte Von 10 Uhr früh bis 12 Uhr mitternachts. Zu diesen» offiziellen Bericht erhalten wir in letzter Stunde noch : nachstehenden Bericht unseres Korrespondenten: Lemberg. 20. August 1918. Die Vertrauensmännerkonferenz der zionistischen Laßdesorganisation. welche bekanntlich im Frühling 1. J. in Lemberg getagt hatte, überließ unter anderem dem damals heugewählten provisorischen Exekutivkomitee die Revision des politischen Programms und bestimmte, daß das durchberatene und ausgearbeiteie Elaborat binnen einer achtwöchigen Frist einem Parteirate vorzuiegen sei. in- Ausführung dieses Beschlusses befaßte sich die aus der Mitte des breiteren Exekutiv-: komitees gewählte politische Kommission, bestehend aus fünf.Mitgliedern, in einer Reihe von Sitzungen sehr eingehend mit der gründlichen Durchberatung des politischen Programms. Als Frucht dieser Beratungen wurden nun dem für den IS. August 1. J. einberuienen erweiterten Parteirate, auf dessen Tagesordnung der Hauptpunkt: ..Revision unseres Programms und Stellungnahme zu aktuellen politischen Fragen“ stand, drei Entwürfe von politischen Programmen zur Diskussion vprgelegt, welche' einerseits ein vollständiges Desinteressement der zionistischen Landesorganjsatio'fl als solcher an der sogenannten Goluspolitik forderte (Dr. A. Korkis). anderseits aber neue theoretische, auf dem Kriterium einer jüdischen Volksgemeinschaft-an Stelle einer jüdischen Nationalität basierende Grundprinzipien der , Landespolitik in Oesterreich (Dr. W a 1 d m a n n) vorschlugen oder eine Erweiterung des Krakauer Programms, bezw. eine Modifizierung (Dr. Schmorak) und Spezifizierung der nationalen Forderungen des galizischen Judentums (Dr. Reich in seinen Thesen zum Referat) anstrebten. Als Referent wurde von der politischen Kommission Gg. Dr. Leon Reich designiert. In einem anderthalbstündigen glänzenden Referate, welches er mit eiuer jiddischen Ansp/ache einleitete, befaßte sich der'“Redner mit den oben skizzierten drei Hauptrichtungen und ging sodann zur Darlegung seines eigenen Standpunktes und zur Begründung seiner Grundtheseu ' und Spezialforderungen über. Sehr richtig führte er aus. daß wir von der Aufstellung von „Verlegenheitspostulaten“ endlich - zur Formulierung von grundfesten. von langer Hand vorbereiten und auch für die kommenden Generationen geltenden national-politischen Postulaten übergehen müssen. Gg. Dr. Reich beleuchtete ferner die politische Situation im Judentum und seine Aussichtsmöglichkeitei’. und wandte sich zuin Schluß der polnisch-ukrainischen Frage im Zusammenhänge mit 9 ln den nächste» Tagen erscheint: i liidisihw Hationalhalender | fllmanaA auf das Jahr 5619 (i. jtirguji). 3 Redaktion: Otto Abeies und Ludwig Batö. Liste der Mitarbeiter: Otto Abeies, Viktor Ch. Arlosoroff, Ludwig Batö.Z. F. Finkeistein, Ludwig August Frankl, Adolf Friedemann, (Eugen Hoeflich, Heinrich Loewe, Hermann Kadiscfa, Salomon Kaßner, Heinrich Margulies, Mendele 1 Mocher Sforim, Jakob Ottinger, Marek Scherlag, ' Adolf Stand, Osias Thon, Augusta Weldler-Steini berg, Sch. Zemach und Hugo Zuckermann. Die Illustrationen stammen von folgenden Ktinstlern: Josef Budko, Jakob Löw, Abel Pann . und Hermann Struck. Ferner enthält das Buch Kernworte zur Judenfrage von: Achad Haam, Ch. N. Biatik, Georg Brandes, Martin Buher, Theodor Herz), Heinrich Margulies, Max Nordau, Osias Thon und E. W.Tschlenow. Umschlagzeichnung von Josef Büdko. Preis'bei Vorausbestellunjg: X 5*20 einschl. Porto u. Buchhändlerzuschlag. Versand erfolgt nur gegen Hcehnshms oder Vorausbezahlung. | fcrltg:- „]iÄ Ztifuas“. , Zitopa 8r. H „Wiener Morgenzeitüng“ Jüdisches Tagblatt für Politik, Volkswirtschaft u. Literatur Redaktion und Administration: Wien, II., Tabor- . Straße 52 — Telephon 48.082, 5

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