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Jüdische Zeitung · 1918-08-23 · 34 (23.8.1918) · p. Seite 4

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Journal
Jüdische Zeitung
Volume
12 (1918)
Issue
34 (23.8.1918)
Date
1918-08-23
Page
Seite 4 (sequence 4)
Language
German
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Seite 4 JÜDISCHE ZEITUNG Nr. 34 caaoacaBoacdflcsacsaoaoMoao RUNDSCHAU Inland * Galizische Juden. Unter dem Titel „Italienische Erpressungen an unseren Gefangenen" wird offiziell aus dem Kriegspressequartier vom 191 August gemeldet, in welcher Weise die Italiener ihre Propaganda bei unseren Gefangenen führen. Es werden die Bestrebungen zur Schaffung verschiedener nationaler Legionen erwähnt. Dann heißt es bei Anführung der polnischen Legion: „ln die polnischen Legionen sind beinahe nur ehemalige Legionäre eipgetreteti: die m italienische Kriegsgefangenschaft geratenen k. u. k. Offiziere polnischer Zunge hielten dagegen fast alle an ihrem Eide fest. So haben sien in einem Polenlager von 1300 Mannschaftspersonen nur ganze 17 zur Legion gemeldet: 500 galizische Juden in diesem Lager sollen durch ihre Aufklärungsarbeit viel dazu beigetragen iiaben. daß die polnischen Mannschaften sich nicht ködern ließen." — Das sind dieselben „galizischen Juden", denen in Wien und dem ganzen österreichischen Hinterland das Leben unerträglich gemacht und gegen die. weil sie das Unglück hatten, daß ihre Heimat vom Feinde zerstört und sie vertrieben wurden, die beispielloseste Hetze von seiten aller möglichen österreichischen „Patrioten" betrieben wird. * Sechs Jahre Kerker für staatstreue Gesinnung. Von schätzenswerter Seite erhalten wir nachstehende Zuschrift: Die „Arb.-Ztg." vom 12. <i. M berichtet über einen interessanten Gerichtsfall, dessen Opfer Juden zu sein scheinen, wie wir aus den Namen der Beteiligten, wie aus der Behandlung, die sie erfuhren, schließen dürfen. Im Jahre 1914/15 leisteten die Journalisten'Ros n er und Kramer in Krakauschriftstellerischen Militärdienst Generalstabschef des Festungskommandos war Oberstleutnant Stanislaus v. Haller, an dessen dienstlichem und außerdienstlichem Benehmen den genannten Herren Verschiedenes auffiel, wie feindliche Haltung gegenüber deutschen Blättern, einseitige Handhabung der Zensur, Begünstigung einer russenfreundlichen Zeitung, Verkehr in einem polnischen Adelskreise, aus dessen Mitte ungünstige Nachrichten über unsere militärische Lage verbreitet wurden und der am Tag nach dem Falle Przemysls ein Champagnergelage beging. Rosner teilte seine Wahrnehmungen einem OBlt. Grafen Taaffe und weiterhin einem Generalstabshauptmann mit und die Sache kam zum Armeeoberkommando. Dieses leitete eine Untersuchung ein. Und das Ergebnis? Sowohl Graf Taaffe, wie Rosner und Kramer wurden angeklagt und Rosner wegen Beleidigung des Obstlt. v. Haller zD s'e c li s. .1 a h re n s c h weren Kerkers verut teilt.. Erst im Februar 1918 wurde ■Rosner und Kramer ihr Recht, indem die Verurteilung außer Kraft gesetzt wurde. Alles Nähere möge in dem ausführlichen-Beridite der A.-Z. nachgelcsen werden.- Uns interessiert der Fall nur als typisches Judenschicksal. Wir können es eben niemandem recht machen. Schließen wir uns oppositionellen Parteien an, so sind wir zersetzende Elemente, Verächter der Autorität, ein edler Kunschak dichtet noch was dazu und will das Volk zum Pogrom führen Halten wir aber, wie dies die erdrückende Mehrheit unserer Volksgenossen vor dem Feinde und im Hinterlande.bewiesen hat, in aufopfernder Treue zum Staat, dann erschlägt man uns aus diesem Grunde auf hellichtem Markte in Krakau oder die Helfershelfer der edlen Schlachta schicken,, uns auf .Jahre, hinter Schloß und Riegel. Dies ist unser Schicksal' im .Galuth. Und doch sind es noch immer so wenige von uns. die den einzigen Weg zur.Befreiung, die Schaffung einer selbständigen freien Gemeinschaft, zu finden wissen. Dr. E. .1. ‘ Alldeutsches In Wien. Unter diesem Schlagwort wird uns,geschrieben: Wieu ist um ein Presseschandmal leicher.. Seit Montag, den 19. August d. .1.. erscheint, der. „Wiener Mittag“. In seiner ersten Nummer wehrt er sich im geiferndsten Pressejargon dagegen. - daß er ein: Organ, der .alldeutschen Schwerindustrie - sei; und rätder -Ärbeiter-Zeitmig. sich doch im Handelsregister nach den Besitzern des „Mittag“ zu erkundigen. Als ob im Handelsregister noch, nie ein. Strohmann protokolliertworden wäre. Die ganze Mache der Zeitung ließ mich das Gefühl nicht unterdrücken, daß die Jauche nur gewaltsam zurückgehalten sei und morgen — übermorgen zum Ausbruch kommen müsse. Und richtig: schon in der zweiten Nummer kam der von mir geahnte judenhetzerische Artikel. Den Salzburgern wird darin: recht gegeben, daß sie die Fremden verjagen. weil es .ja doch nur Fremde sind, „die es haben", und lebhaft bedauert, daß Wien seine Fremden „leider, leider“ nicht los werden könne, trotz aller Maßnahmen und Anordnungen und trotzdem die Heimat dieser Fremden bereits seit längerer Zeit wieder-frei sei. Denn, so schreibt das alldeutsche Organ: was macht schon die Entziehung der Flüchtlingsunterstützung' bei diesen Leuten aus. die im Ketten- und Schleichhandel Unsummen verdienen. — Rasch hat dieses Blatt seine Maske fallen lassen und Wien hat jetzt neben der „Reichspost" und- „Ostdeutschen Rundschau“ noch ein drittes lilaü zw Befriedigung seiner antisemitischen Insifykte. Daß die alldeutsche Schreiberei gerade unter den jetzigen nationalen Verhältnissen in Oesterreich ein Bedürfnis ist. kann niemand behaupten'. Aber ein iudenfresserischer Ton wird immerhin Anklang finden. + Hamabbit. * Der tschechische Antisemitismus. Unter dem Titel „Haß ringsum!“ schildert B. R. im Leitartikel unseres Prager: Bruderblattes ..Selbstwehr“ das Umsichgreifen des niedrigsten Antisemitismus im tschechischen Volk, selbst in der Intelligenz. Der Artikel wendet sich mit einer eindringlichen Aufforderung an die ^allmächtigen tschechischen F'ühre!. daß sie durch Aufklärung und Aufforderung zu ruhigem und gerechtem Denken die Massen von dem Wahn dieser Gehässigkeit zu verträglicher Gesinnung zurückführen. Die nationalen Juden verlangen, daß das aufstrebende tschechische Volk mich vor ihrer Art Achtung habe: andernfalls müßten auch die Juden in ihrem Verhalten zu den Tschechen die Konsequenzen ziehen c * Belehrung über. polnischen Antisemitismus. Anläßlich der Resolution der Wiener Kultusgenieinde stellt der Krakauer „Czas“ mit Genugtuung fest, daß darin yon dem Antisemitismus der westlichen Provinzen? Oesterreichs die Rede ist. Daraus will das polnische Blatt ableiteii. daß die Nachrichten über polnischen Antisemitismus und über die antisemitischen Judenexzesse in Galizien eine böswillige Verleumdung darstellen, die nur den Zweck hat. eine Rechtfertigung dafür abzugeben, daß in Galizien „unter Führung von in polnischer sowie in deutscher Sprache herausgegebeiten Organen" die jüdischen Massen „unter deutscher Fahne' gegen die Polen marschieren. Der „Czas“ empfiehlt daher: den galizischen Juden, der deutschen Jndenhetze stets eingedenk zu sein, umnicht , den avitipolnischen Strömungen zum, Opfer zu fallen. — \Vir'hoffen. daß die galizischen Juden, die es am eigenen Leibe spüren, nicht erst belehrt sein müssen, wo der Antisemitismus steckt, weder vom „Czas“ ixjch von Wien aus. Ungarn * Zur rumänischen Judenlrage. Die Landeskanzlei der iingarläiidichen Juden hat an den Minister des Aeußern Olafen Burian eine*Adresse gerichtet, in welcher sie namens der ungarischen Judenschaft der österreichisch-ungarischen Regierung dafür daiikte.J‘daß sich ihre Vertreter anläßlich des Friedensschlusses niit Rumänien so wartu.für die Gleiehbejechtigung der rumänischen J udr.Cein.ge^c.tztJia|föl., l.-Stej)ittet^aucli. »jhifdt - strenge Kontrolle ^daiSber gu V/äctfenF daß die nt~. mänische Regierung ihre der Monarchie gemachten Zugeständnisse in der.ludenfräge 'einhält und nicht durch Verschleppungen ' und hinterhältige Auslegungen das Resulta-f der im Namen’ der Gerechtigkeit und Menschliciikeit geleisteten Arbeit der k. u. k. Regierung beeinträchtige. Die Adresse ist vom Präsidenten Moriz M e z e y und Vizepräsidenten Dr. Franz M e z e y gezeichnet. Polen * Die Frage der nationalen Minoritätsrechte. Während den Juden von den Polen auch die aller-- bescheidensten Forderungen nationalkultureller Art versagt werden, muß der Staatsraat den recht umfangreichen Wünschen der deutschen Minderheit. die kaum ein .'Drittel der Zahl der Juden erreicht, aus begreiflichen Gründen entsprechen. Die jüdische Presse in. Polen beschäftigt sich eingehend mit deutschen Forderungen und steht denselben wohlwollend gegenüber. Sie begründet'ihre Stellungnahme damit.' daß alle Rechte, die eine- Minderheit erhält, unbedingt auch den anderen Minderheiten nützen.?Es' sei kein Zweifel, daß die Deutschen ihr Ziel erreichen werden. Hierin liegt gleichzeitig ein wichtiges Argument gegen die inneren Feinde, die-, da behaupten, daß für den Juden nationale Rechte überflüssig oder sogar schädlich seien. Jetzi wird es deutlich, daß ein gebildetes und kulturelles, Volk nationale Rechte fordere. Die Tatsache, daß die Deutschen nationale Rechte bekommen, ist auch in anderer Hinsicht wichtig. Wenn die Polen dieselben Rechte anderen Nationalitäten versagen, so werden sie die Deutschen mit Gewalt in,die Rolle einer privilegierten Minderheit' drängen, iVas selbstverständlich vom prinzipiellen. Standpunkt sowie aus anderen Gründen für die polnischen Interessen unerwünscht ist. Deshalb müsse sie, als'Beweis für die Berechtigung der jüdischen Forcierungen nach innen und außen dienen. England * Baliour über den Zionismus. Gelegentlich des 70. Geburtstages B a 1 f o u r s hatte Herr Naluti.i S o k o 1 o w namens des zionistischen Büros in London dem Staatssekretär ein Glückwunschschreiben gesandt. Hierauf ging folgende Antwort von Herrn Balfour ein: ..Es war für mich eine Ouelle tiefer Befriedigung, daß ich in der Lage war. mich an den Bemühungen zu beteiligen, eine nationale Heimstäite für die Juden in Palästina zu errichten und Sie können von meiner ständigen Bereitwilligkeit, diese bewundernswerte. Sache zu fördern, versichert bleiben.“ Palästina * Grundsteinlegung der hebräischen Universität In Jerusalem. Dem Kopenhagener Zionistischen Bureau wird aus London telegraphiert: „ln feierlicher Weise hat die Grundsteinlegung für diehebräische Universität am Scopusberg in Jerusalem stattgefunden. Eine größere Anzahl englischer, französischer und italienischer Militärs mit General Allenby an der Spitze nahmen an der Feierlichkeit teil. Sämtliche jüdischen Organisationen von Judäa waren vertreten. Die ägyptischen Juden entsandten eine Sondermission.“ — Weiters wird hierüber berichtet: Offiziere der englischen, französischen und italienischen Abteilungen in Palästina. General Allenby und der französische * Konsul Coulondre wohnten der Grundsteinlegung am 27. Juli bei. Proi. Weizmann hielt eine Ansprache. und las Kundgebungen von B a 1 f o u r und P i c li o n vor, die ins Hebräische übersetzt', von der Versammlung mit großer Begeisterung begrüßt wurden. Abordnungen der palästinensischen und der ägyptischen Juden waren ert schienen. 12 Steine, symbolisch für die 12 Stämme Israels, wurden gelegt, der erste von Dr. Weizniann. die anderen von Vertretern der verschiedenen jüdischen Berufsstände in PalästinaJ und der Diaspora. Die neue Universität soll Lehrstühle für alle Künste und Wissenschaften, auch eine für arabische Sprache erhalten. Das Grundstück, das hierfür schon vor dem Kriege angekauft war, liegt nicht in Jerusalem selbst, sondern in der Nähe der Stadt auf dem Berge Scopus, dem Oelberge. Zionistische Bewegung Organisation der Arbeitskreise Die zionistischen Vereine und Ortsgruppen werden aufgefordert, sobald als möglich die Ressortteilung innerhalb des Vereinsausschusses durchzufiihren. Es sind außer den iibiichenVereinsT funktionären Referenten insbesondere für Palästinaarbeit sowie für Kultur- und Erziehungsfragen zu bestellen. Die betreffenden Referenten sind dann von dem Verein in den-Ar b ei t s kr ei.s . f ü r P a 1 ä s t i na,, bezw. in deiuA r b e i.t s k r e i s für jüdische Erziehung zu entsenden und dem Zionistischen Büro in Wien bekanntzugeben. Es können auch an einem Orte mehrere Mitglieder des Arbeitskreises bestellt werden oder sich aninelden. Jedoch muß darauf Wert gelegt werden, daß nur solche Mitglieder dem Arbeitskreis beitreten, welche wirklich gewillt sind, auf dem betreffenden Gebiete zu arbeiten. Das Arbeitsprogramm wurde in den diesbezüglichen Verlautbarungen des Zionistischen Zentralkomitees in der „Jüdischen Zeitung" Nr. 24 und 32 bekanntgegeben. Es ist erwünscht, wenn bei jeder Anmeldung hinzugefügt wird, für welches Gebiet der betreffende Vertrauensmann besonderes Interesse hat oder vor allem zu arbeiten wünscht. Der Vertrauensmann fungiert gleichzeitig als Geschäftsträger der betreffenden Abteilung des Zionistischen Büros und als Vertreter der Wünsche des Vereines oder der Ortsgruppe dem Z. B. gegenüber. Es wird gebeten, die Anmeldungen so schnell als möglich vorzunelimen, damit im Herbst bereits mit der Arbeit auf allen Gebieten begonnen werden kann. ■ Zionistisches Zenträlbüro. V Wien II., Zirkusgasse 33. Hebräische Lehrer aus Palästina. Die Studiengruppe des Zionistischen Büros ' in Wien wäre in der Lage, das Engagement von hebräischen Sprachlehrern aus Palästina zu vermitteln. Angesichts des großen Bedarfes an Lehrern, der s;ch insbesondere in einer lebhaften Nachfrage aus verschiedenen Städten äußert, welcher bei dem herrschenden Mangel an sprachlich und pädagogisch hinreichend geschulten Kräften nicht immer naciigekomnicn werden kann, ist anzuneknien. daß diese Gelegenheit von vielen Städten begrüßt werden wird. Da die Heran-: Ziehung der Lehrer mit ziemlichen Schwierigi v ■ . I . ■ -■ . - Der Zionistische Zentral-Vereint (Sektion II) veranstaltet an den hohen Feiertagen 2 MIN JAMIN (Gottesdienste) 2. lm VEREINSLOKALE, II., Glockengasse 30. •tfc * zu Gunsten des „JÜDISCHEN NATIONAL }1 1. Im großen Saale des „HOTEL POSTV 2. 1., Fleischmarkt 24* mit modernen stimm^ 2 begabten, orthodoxen Funktionären. . J Wir-erlauben uns hiemit, alle unsere Mitglieder u. Gesinnungsgenossen einzuladen, an diesem Gottesdienste teilzunehmen 2 Karten sind zu haben: lm Vereinslokal, Glockengasse 30 Von 9Uhr früh bis 9 Uhr abends; ab 1. September an der Tageskassa des ..Hotel Post“.

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