Jüdische Zeitung
- Journal
- Jüdische Zeitung
- Volume
- 12 (1918)
- Issue
- 28 (12.7.1918)
- Date
- 1918-07-12
- Page
- Seite 6 (sequence 6)
- Language
- German
- Belongs to
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Seite 6 JÜDISCHE ZEITUNG Nr. 28 Verein hebräische und palästinageogranhisclie Kurse erhält, an jedem Sonntag finden um 3 Uhr nachmittags allgemein zugängliche Vorträtre statt, eine Pessachfeier, Tschlenpwabend, Lag Beomerfeier und periodisch wiederkehrende musikalischdeklamatorische Veranstaltungen, bei denen Stücke von Scholem Aleichem, Schalom Asch, Perez,. Reisen. Bialik. Mendele Mocher Sforim usw. von Dilletanten aufgeführt wurden. Jüdische Volkslieder — bekannte und unbekannte — wurden vorgetragen. Das Ergebnis der Wahlen ist folgendes: Präsidium: Pacht. Lieblich und Scharfsohn. Sekretär: Schwadron. Bibliothek: Merkur. Kassa: Chawerali Zuer. Nationalfonds: Kurz und Motal. Hausadir.inistration: Hermelin. Rymanow. (Jüdisches Kriegswaisenheim:) Dank der hochherzigen Fürsorge des Wiener Vereines zur Rettung verlassener jüdischer Kinder Galiziens und der Bukowina, wie auch des Landes- Zentralkomitees. Sektion Lemberg, wurde hier ein Heim gegründet, in welchem 34 Kriegswaisen untergebracht, verpflegt und erzogen werden. Sonntag, den 30. Juni, wurde dieses Heim in Anwesenheit zahlreicher Gäste und Delegaten aus den benachbarten Ortschaften Sanok. Brzozow. Jaslo u. a. feierlich eröffnet. Die Gäste besichtigten die geschmackvoll und sauber eingerichteten Wolmräume. Unterrichts- und Speisezimmer und fanden nur Worte der Anerkennung und des Lobes für die genannten Vereine. Der Vorsitzende des Ortskomitees. Kultusvorstand Herr Seelenfreund wie auch der Leiter dieses Heimes Religionslehrer Schächner hielten feierliche Ansprachen. Ankündigung Die Tätigkeit der russischen Juden für Galizien. Samstag, am 13. d. M., %S Uhr abends, wird auf Veranstaltung der Sektion II des Zion. Zentral- Vereines Herr Dr. Friedr. Lander aus K i e w, Vertreter derKiewer undPetrogaderHilfskomitees' für Galizien und Bukowina, ehemaliger Kommissär für die Interessen der galizischen und Bukowinaer Juden beim Generalgouverneur Doroschenko in Czernowitz über die Hilfstätigkeit der russischen Juden für Galizien und die Bukowina während der russischen Invasion sprechen. Der Vortrag, der im Souterrain des Cafe „Zum roten Turm“, Ob. Donaustraße 95, statfindet, wird sicherlich sowohl wegen der Persönlichkeit des Vortragenden als auch wegen des Gegenstandes dem größten Interesse begegnen. Turnen und Sport Das Turn- und Sportfest in Wien. Das jüdische Turn- und Sportfest vom 23. Juni, dessen Veranstaltung die Kreisleitung'der w. ö. jüd. Turnerschaft übernommen hatte, erwies von neuem die Popularität der Turnerorganisation in den nationaljüdischen Kreisen, erbrachte, aber gleichzeitig den Beweis, daß das Gefüge.derselben allen Stürmen der Kriegsiahre zu widerstehen vermochte. Denn die Vorbereitungen zum Feste mußten wegen verschiedener Umstände innerhalb kurzer Zeit getroffen werden und dennoch war der Besuch beider Teile der Veranstaltung ein über alle Erwartung guter, die dargebotenen sportlichen und turnerischen Einzelleistungen aber dürften in ihrer Mehrzahl die qualitative Höhe jener der Friedensiabre erreicht haben. Das leichtathletische Meeting, das nachmittags auf dem zu diesem Zwecke besonders instandgesetzten Sportplatz der „Hakoah“ absolviert wurde, fand das besondere Interesse des Publikums durch den Umstand, daß sportliche Wettbewerbe unter Mitgliedern nationaliüdischer Vereine eigentlich selten stattfinden; bei diesen entfällt ja das Moment: Kampf der jüdischen gegen die nichtjüdische Partei, dagegen wird aber das subtilere Moment wirksam: der Kampf der Vereins-,.Traditionen“ gegeneinander und der Wettbewerb um die hohe Auszeichnung, als „Best“qualifizierte in der noch so jungen national-- jüdischen Sportbewegung zu den Bannerträgern der heutigen iuYigjüdischen Körperkulturbewegung zu zählen. Ueber die Ergebnisse der Kämpfe werden wir noch berichten. Zu den Uebungen des Schauturnens, bei welchem in Vertretung der zionistischen Organisation der Präsident des zionistischen Exekutivkomitees für Oesterreich. Herr Adolf Stand, ferner der gerade in Wien weilende Obmann des Makkabi- Lodz. Herr Bemann. erschienen sind, waren nebst den Wiener Turnern und Turnerinnen und allen nachmittags aktiv gewesenen Sportlern auch eine stattliche Anzahl strammer Schomrim und je eine Riege der stets wackeren Brünner Turner und Turnerinnen anketreten: daß speziell die Schomrim. deren sonstiges Betätigungsprogramm ganz ■ abseits vom Turnerischen liegt, sich so freudig, ja fast selbstverständlich zur Verstärkung der Turnerreihen bereitgestellt hatten, verdient besondere lobende" Erwähnung. Nach dem „Allgemeinen Aufmarsch“ begrüßte der Obmann des westösterreichischen Kreises. Herr Kien, die erschienenen Gäste, wobei er gleichzeitig vorerst in kurzen Sätzen das Programm der. jüdischen Turnerschaft und das Verhältnis des Turners zu Palästina darlegte, sodann die Ueberreichung der Ehrenpreise an die Sieger des nachmittägigen Meetings vornahm und schließlich seine Ansprache in einen Appell an die, Gäste zur tatkräftigen Mithilfe beim Wiederaufbau der Organisation ausklingen ließ. Ihm erwiderte darauf kurz Herr Präsident S.iand in seiner bekannten wuchtigmarkigen Art und ermahnte die jugendlichen Turner. Herzls Wort zu erfüllen: aus Judenjungen — junge Juden zu werden. Die Darbietungen fanden ungeteilten Beifall, der seinen Höhepunkt bei dem reizvollen ..Stabreigen“ erreichte, welcher von 4 Turnern und 4 Turnerinnen exekutiert wurde. In der Pause brachte ein Chor, bestehend aus einigen Mitgliedern des Schomer und des hiesigen Wanderbundes „Blau-Weiß“, zwei hebräische Lieder zum Vortrage, deren Melodien den Freiübungen als Begleitmusik gedient hatten, und erntete reichen Applaus: der mühevollen Aufgabe. diese Lieder noch knapp vor der Veranstaltung einzustudieren, hatte sich in liebenswürdiger Weise Herr Pr. Wolf unterzogen. Notizen Wieder-Eröffnung des Ober-Realgymnasiums in Storozynetz (Bukowina). Die Aufnahmsprüfungen in die I. Klasse finden am 15. und 16. Juli (vor den Ferien) und am 2. und 3. September (nach den Ferien) statt. Privatistenprüfungen und Aufnahmsprüfungen in die zweite bis achte Klasse 4. und 5. September. — Gediegener Unterricht in Hebräisch, Bibel und Talmud. Staatsgültige Zeugnisse. — Kriegsküche und gute Verpflegung im Ort. Jüdisches Archiv. Die Angriffe gegen die Juden werden immer stärker und drohender. Alle. möglichen Gelegenheiten, letzthin sogar feierliche Volkstage, werden benutzt — nicht nur, um die Juden als die einzig Schuldigen an den bekannten Kriegsmißbräuchen zu verläumden. sondern auch — um die jüdische Jugend als Drückeberger hinzustellen, während in Wirklichkeit Hunderttausende unseres Stammes an allen Fronten des Vaterlandes kämpfen und kämpften, bisher zu vielen Zehntausenden von Opfern an Toten und Verkrüppelten stellten und eine nicht geringere Zahl für tapferes Verhalten vor dem Feinde ausgezeichnet wurde. Wer nicht will, daß diese niederträchtigen Verleumdungen ohne Widerrede und unwiderlegt von Fälschern in das Buch der Geschichte eingetragen werden, wer die Gefahr ermessen kann, die aus Gewährenlassen für die Judenheit und den jüdischen Nationen erwachsen kann, unterstütze das Jüdische Archiv in Wien materiell und durch zweckentsprechende Mitteilungen. Jeder teile die genauen Namen (samt Truppenkörper und Begleitumstände) der gefallenen, verwundeten und ausgezeichneten, sowie der überhaupt im Felde stehenden Juden, die ihm bekannt sind, unverweilt dem Jüdischen Archiv, Wien, II. P r a t e r s t r a ß e 43 mit I Sprechsaal der Rabbiner in die Hand drückt, sind ihm Boten einer Gemeinschaft, die sich aus der Ferne um ihn kümmert und sür ihn sorgt: er hört aus dem Gebete die trauten Worte wieder, die er daheim sprach- und hörte. Der jüdische Offizier, wenn er noch jüdisch fühlt, hat immerhin seine jüdische Zeitung.abonniert, kauft hie und da ein Buch oder trifft überall in der Etappe Gesinnungsgenossen. Der jüdische Soldat oder gar der Kriegsgefangene ist ganz verloren und sein Judentum wird ihm in der Dauer des Krieges ein entschwindender Traum Heute steht der größte Teil unserer Truppen an der italienischen Front. Im Nordosten konnte die Armee auf Feldrabbiner verzichten. Da gab es überall Juden genug, an die der jüdische Soldat Anschluß finden konnte. Anders an der italienischen Front. Hier muß das Judentum in Gestalt seines Seelsorgers an 'den Soldaten herantreten. Aber an der Gebirgsfront mit ihren wenigen Kommunikationen gestaltet sich der Dienst überaus schwierig, bei größter Selbstaufopferung, von der ich Beispiele sah. braucht der Rabbiner Monate, um alle seine Soldaten zu besuchen. Wir hören hier draußen von Feldrabbinern bei Militärkommanden im Hinteriande. Kann ihre Arbeit nicht von anderen Rabbinern getan werden? Gehört der Feldrabbiner nicht vor allem ins Feld? Weder unserem Ansehen bei der Armee im Felde noch der inneren Förderung des Judentums kann es nützlich sein, wenn diese traurigen Zustände andauern und die allgemeine jüdische Desorganisation sich auch darin zeigt, daß die Armee nicht mit der genügenden Zahl von Rabbinern dotiert werden kann. Darum, alle Feldrabbiner, meldet euch an die Front! Ein jüdischer Offizier. Vom vorbereitenden Arbeitskomitee des zu gründenden „Verbandes jüdischer Kriegsteilnehmer und durch den Krieg Geschädigter“ erhalten wir folgende Zuschrift mit der Bitte um Veröffentlichung:: . Sofort nach Beendigung des Krieges soll ein „Verband jüdischer Kriegsteilnehmer und durch den Krieg Geschädigter“ seine Wirksamkeit beginnen. i . Als seine Zwecke sind der Oeffentlichkeit bereits bekannt gegeben worden: 1. Rechtschutz der Mitglieder bei allen aus den Kriegsverhältnissen sich ergebenden Ansprüchen an den Staat und sonstige Verpflichtete. 2. Vertretung der Interessen der Mitglieder gegenüber Wohlfahrtsinstitutionen aller Art. 3. Maßnahmen um den Mitgliedern den Wiedereintritt in den bürgerlichen Wirtschaftskreis zu ermöglichen. 4. Vertretung der Interessen der Gesamtheit jüdischer Kriegsteilnehmer und durch den Krieg Geschädigter — namentlich auch Wahrung ihres Rufes und ihrer Ehre — gegenüber der Gesellschaft. Es ergeht an alle jüdischen Offiziere und Mannschaften der dringende Appell, dem vorbereitenden Arbeitskomitee des oben genannten Verbandes ihre Beitrittsabsicht schon jetzt zu melden. Eine einfache Korrespondenzkarte resp. Feldposkarte unter Angabe des Namens, Berufes (Randes) und der genauen zivilen (und militärischen) Adresse genügt. Der Text der Mitteilung braucht nur einige Worte zu enthalten, etwa: „Ich beabsichtige, sobald ich wieder dem Zivilstande angehöre, dem zu gründenden Verbände jüdischer Kriegsteilnehmer und durch den Krieg Geschädigter als Mitglied beizutreten.“ Wer mehr tun will, etabliere sich als Werber selcher Beitrittserklärungen, indem er die Absendung der betretenden Karten veranlaßt oder selbst die Anmeldungen in Listenform einsendet. Bleibe keiner zurück! Es gilt die Schaffung einer Selbsthilfe-Organisation von noch nicht dagewesener Stoßkraft! Es gilt die Wahrung der jüdischen Ehre! Die Anmeldungen sind an D r. jur. KarlMeisels, Wienl., Ebendorferstr. 3 zuadressieren. . 5678 H Aw—Juli m 1918 m s n 5 14 M 6 15 D? 7 16 M M 8 17 D F t£ 9 10 18 19 asa nj?wn Fasten, Zerst. des Tempels N' 11 20;n2 )En:"ü pnnxi Wir gratulieren herzlichsl unserem Freunde Herrn Heinrich Schönweiter zur Verlobung. Hermann Raab, Wilhelm Wernstein, Zmigrod. Ein tüchtiges Schreibmaschinenfräulein wird vom Jüdischen Nationalfonds, II., Zirkusgasse 33, gesucht. f Armen- Ambulatorium des Zionistischen Zentralkomitees für Kriegsflüchtlinge Wien, II. Taborstraße 20 A Unentgeltliche ärztliche Behandlung von mittellosen Kriegsflüchtlingen ohne Unterschied der Nationalität oder Konfession oo oo Wo bleiben die Feldrabbiner? Von geschätzter Seite erhalten wir nachstehende Zuschrift aus dem Felde: Weiß unser jüdisches Hinterland davon, welcher Mangel an Feldrabbinern an der Front herrscht? Weiß man. daß dieser Mangel unseren Soldaten im Schützengraben, und in der Etappe bitter fühlbar ist? Jedes Regiment, jedes Spital hat seinen Feldkurafen. Der jüdische Soldat muß Wochen. Monate warten, ehe der eine (!) Seelsorger zu ihm kommen kann, der einer ganzen Armee zugewiesen ist. Man unterschätze den Wert der' Stunde nicht, welche der Feldrabbiner mit seinen Soldaten verbringt. Sie bringt unserem Soldaten das Gefühl von Heimat in seine Einsamkeit. das jüdische Buch oder die Zeitung, die ihm Ordination täglich. — Sonn- * und Feiertage ausgenommen V-- - Cafe zum Roten Turm Wien II., Obere Donaustraße 99 an der MarienbrUcke Neues Stamm-Caf6 der Zionisten Rasieppulvep „Ludwigpin"* Gesetzlich geschützt einzig in der Art, nimmt den stärksten Bart in einigen Minuten — ohne Messer, ohne Seife — vom Gesichte ab. Zn haben in zwei Stärken. Nr. II tur mittelstarke, Nr. III für starke Bärte. Vs Kilo K 8.—. lange ausreichend. In Wien erhältlich in der Drogerie „SANA“, Karmeliterplatz I und Drogerie Jörgl. Taborstraß«. Provinzvers&ndt durch die Erzeugung Parfümerie W1LH. LUDWIG, S0PR0N (Ung.) Silbcrg. 19. Wiederverk. gesucht. MOSES R ATH’S ■== Lehrbücher der hebr. Sprache a) 13ÖJ7 nsw Lehrbuch der hebr. Sprache für Schul- und Selbstunterricht mit .Schlüssel und Wörterverzeichnis. 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