Jüdische Zeitung
- Journal
- Jüdische Zeitung
- Volume
- 12 (1918)
- Issue
- 25 (21.6.1918)
- Date
- 1918-06-21
- Page
- Seite 5 (sequence 5)
- Language
- German
- Belongs to
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JÜDISCHE ZEITUNO Seite 5 Nr.. 25 Das Exekutivkomitee der Zionisten Oesterreichs tritt im Vereine mit der Wiener Kultusgemeinde, der Allianz und der Großloge der B'nai B‘rith neuerlich mit der Aufforderung an die jüdische Oeffentlichkeit heran, möglichst große Summen für diesen Zweck zur Verfügung zu stellen. Kein Jude, der noch ein Gefühl der Zugehörigkeit zu Erez Israel hat, möge es versäumen, mit aller Energie die Sammlung für das Palästinahilfswerk zu betreiben. Zionistische Bewegung Kriegsbeitrag 1918 Das zionistische Zentralkomitee erinnert alle Gesinnunisgenossen, die es noch nicht getan haben, den Krieg beitrag für das Jahr 1918 ehestens an das Zentraibureau in Wien, II. Zirkusgasse 33, abzuführen, damit nicht eine langwierige Evidenzhaltung erforderlich ist. Die Rückstände für 1917 sind seitens der Ortsgruppen und Distrikte unverzüglich abzuführen. Eingang. An Kriegsbeitrag 1917 ging noch ein: Vom Zionistischen Distriktskomitee für Böhmen: Jüdischer Frauenverein Prag K 42.50; Volksverein Prag 19.—Jüdischer Klub Präg 12.—; Beamten- Verein Prag 10.50; Max Hoffmann, Prag 3.—; Dr. Felix Kornfeld 3.—; Volksverein Pilsen 24.—; Volksverein Aussig 129.—; Dr. Fantes, Landskrön 3.—; Ing. Pollacsek, Leitmcritz 1.50; Volksverein Teplitz 51.—; A. Stransky, Sadska 3.—; Naschauer, Karlsbad 1.50; Mautner, Beneschau 3.—; Dr. Margulies, Leitmeritz 3.—; Dr. Bruck, Braunau 1.50; Klein,. Posteiberg 3.—; Liebstein, Prag 3.—; Brüder Taussig, Csalositz 3.—; Dr. Bergmann. Pardubitz 3.—; , Volksverein Dobris 18.—; Volksverein Tetschen-Bodenbach 21.—; Ing. Thein, Kralup 1.50; Summe: K 363.—. Für das Palästina-Hilfswerk. Wir erhalten folgende Zuschrift: Im Hinblick auf die furchtbare Notlage, in der sich ein großer Teil unserer palästinensischen Brüd;1befindet, hat die „Jiid.-akad. Verbindung Emunah“ beschlossen, einen „Opfermonat“ in der Zeit vom 15. Juni bis zum 15. Juli. 1. .1. . festzusetzen, dessen Erträgnis für die notleidenden Palästinenser verwendet werden soll. Jedes Mitglied der Verbindung ist verpflichtet, entweder einen einmaligen größeren Beitrag oder während der Dauer des Opfermonates die Beträge, die es durch Verzicht auf den Besuch von Theatern, Kaffeehäusern u. a. m. erspart', für das liilfswerk zu spenden. Schon die erste Sammlung, die im Kreise der Mitglieder der Verbindung veranstaltet worden ist, hat den Betrag von nahezu 500 Kronen ergeben. Da die Verbindung überzeugt ist, daß die Jugendorganisationen vor allem berufen und geeignet sind, eine energische und erfolgreiche Aktion im Interesse der in höchster Not befindlichen Palästinenser durchzuführen, fordert die Verbindung alle anderen Jugendgruppen dringend auf, sich dem Beispiel der „Emunah“ anzuschließen. Die. Erklärung der italienischen Regierung zu Gunsten des Zionismus. Die Erklärung, die der italienische Botschafter in London Herrn Nahum Sokolow übermittelt hat, hat folgenden Wortlaut: „Im Aufträge Sr. Exzellenz des Barons Son- :n i n o, des Ministers des Auswärtigen Seiner Majestät, habe ich die Ehre, Sie davon in Kenntnis zu setzen, daß die Regierung Seiner Majestät die Erklärung bestätigt, die durch ihre Vertreter in Washington, Haag und Saloniki bereits abgegeben wurde: daß sie nämlich alle Anstrengungen machen wird; um die Errichtung eines jüdisch-nationalen Zentrums in Palästina zu erleichtern, wobei verstanden werde, daß dies die rechtliche und politische Lage, die die Juden in allen Ländern genießen, in'keiner Weise beeinträchtigen wird.“ ^Das „Kopenhagener Büro der Zionistischen Organisation“ hat aus Anlaß der Veröffentlichung dieser italienischen Regierungserklärung zu Gunsten des Zionismus folgendes Telegramm an die italienische Zionistenföderation gerichtet: „Wir beglückwünschen Sie aufs wärmste anläßlich der vom italienischen Botschafter in London soeben mitgeteilten offiziellen Versicherung der italienischen Regierung, daß sie ihr Bestes tun wird, um die Errichtung eines jüdisch-nationalen Zentrums in Palästina zu erleichtern. Wir begrüßen es mit dankbarer Genugtuung, daß Italien, das seiner jüdischen Bevölkerung von jeher vollständige Freiheit und Gleichberechtigung nicht nur im Gesetz, sondern auch tatsächlich gewährt hat, nunmehr auch den zionistischen Zielen seine Förderung verheißt, deren vollständige Verwirklichung mit Zustimmung aller Völker und Regierungen’das jüdische Volk in naher Zukunft zu erleben hofft. Kopenhagener Büro der Zionist. Organisation: Jacobson.“ Arbeitsgruppe der jüd. Studentenschaft Oesterreichs. Wie an anderer Stelle ersichtlich, veranstaltet der Wiener iüd. Turnverein gemeinschaftlich mit den uns angeschlossenen Gruppen: „Schomrim“ und „Blau-weiß", Sonntag, den 23. Juni ein großes Turnfest. Wir ersuchen alle bei uns vertretenen 18 Vereine mit ihren 1000 Mitgliedern korporativ zu erscheinen. Für das Exekutivkomitee: Wiznitzer. Schomrim-FerienkoJonie Wir erhalten folgenden Aufruf mit der Bitte um Veröffentlichung: Die Leitung der „Schomrim“-Organisation gründet in den Karpathen eine Ferienkolonie zwecks Heranbildung von Leitern. Die Kosten betragen pro Person ungefähr K 300.—. Es werden daher diejenigen Gg., die in ihren Städten (in Galizien und in der Bukowina, in weichen Gymnasien vorhanden sind) eine Schomrim-Organisation begründen möchten, aufgefordert, uns sofort zu verständigen, wie viele ältere, würdige Gymnasiasten auf die Kolonie zu kommen gedenken. , Gleichzeitig ersuchen wir diejenigen Herren Gg., die geneigt wären, als A e r z t e für eine Woche in unsere Kolonie zu kommen, daß sie' uns geil, promptest ihre Adressen angeben möchten. Zugleich bitten wir um Angabe der Zeit, in welcher sie zu uns kommen könnten. Wir bringen auch unseren im Militärdienst stehenden Brüdern zur Kenntnis, daß in der Kolonie selbst (bei T u r k a a./Str.) ein Führe r t a g stattfinden wird. (2. bis 5. August.) Diejenigen, die hinzuzukommen gedenken, möchten uns . sofort ihre genauen Adressen angeben, damit wir ihnen rechtzeitig alles Nähere brieflich mitteden können. Die Leitung der Schomrim-Organisation für Galizien und die Bukowina. Die Adresse unseres Sekretariats: S. Horowifz, . Wien, IX. Hahngasse 15/20. Isaak Eisig Geller Einen überaus schweren Verlust hat die Buczaczer jüdische Jugend plötzlich erlitten. Im Alter von kaum 22 Jahren fand am Sonntag, den 16, d. M.. unser teuerer Freund und Gesinnungsgenosse Isak Eisig Geller durch Absturz von der „Hohen Wand" einen frühzeitigen tragischen Tod. In demselben verlor die jungjüdische Bewegung einen ihr mit Leib und Seele ergebenen Anhänger. Der jüdische Jugendtag sali ihn erst vor kurzem als begeisterten Teilnehmer in seiner Mitte. Wir. die ihm näher standen, betrauern in ihm einen treuen Freund, unser Turnverein „Hakoach" ein arbeitsames Verbandsmitglied und die zionistische Organisation in Buczacz einen ihrer eifrigsten Mitarbeiter. Wir wollen sein Andenken treu bewahren und ilirh durch die Stiftung eines Gartens im Herzlwald ein ewiges Denkmal iin Lande seiner Träume schärfen. Buezacz, Tainus 5678. Saul Weinreb. Personalnachricht. Oblt. i. d. R. Josef Klinghofer, gew. N. F. K. in Sniatyn, ist mit dem Silb. Signum laudis ausgezeichnet worden. Berichte und Korrespondenzen Radautz. Am 8. Juni 1. J. veranstaltete die zionistische Jugendorganisation „Kadimah“ in Radautz einen bunten Abend, dessen Reinerträgnis für die evakuierten Juden Palästinas bestimmt ist. In seiner Begrüßungsrede schilderte der Senior der Verbindung, Herr Jakob Druckmann, mit bewegten Worten die Leiden der Evakuierten Palästinas. Hernach kamen Einakter. Rezitationen und Liedervorträge zur Aufführung. Um das Arrangement machten sich die Herren Julie Baumgarten und Isidor Krämer besonders verdient. Linz. Am 31. Mai d. J. fiel Gg. Lt. Emil Rosenbluni eines schweren Artillerieregiments, ausgezeichnet mit dem Signum laudis, der bronzenen Tapterkeitstnedaiile und dem Karl-Truppenkreuz, an der südlichen Piave einem Granatvolltretier zum Opfer. In ihm verlieren die Linzer Zionisten einen ebenso treuen wie aufrichtigen Anhänger der Bewegung. Znaiim. Am 30. Juni, 5 Uhr nachmittags, findet eine Theodor Herzl-Gedenkfeier statt, bei der Sr. Ehrw. Herr Rabb. Prot. Dr. J. Kahan die Festrede halten wird. Näheres in den Znaimer Zeitungen. Das vorbereitende Komitee. Nowytarg. Wir erhalten folgende Zuschrift: In der Nummer 21 der Jüdischen Zeitung erschien ein Bericht, unterzeichnet durch die Kommission des Jüdischen Nationalfonds in Nowytarg, in welchem die Tätigkeit der. Leitung der hiesigen jüdischen Lesehalle „Beth Hamikrah“ einer scharfen Kritik unterzogen wurde. Da der obige Bericht auf falschen Informationen beruhte, fühle ich mich verpflichtet, die dort vorgebrachten Vorwürfe, zu widerruten, speziell den Vorwurf, daß die Bibliothek „in nicht geeignete Hände fiel“ und „die Leitung aus dieser Bibliothek eine fast assimilatorische Bibliothek gemacht hat“. Auf nähere Informationen gestützt, kann ich im Gegenteil mit Vergnügen feststellen, daß die gegenwärtige Leitung ihrer Aufgabe am besten entspricht und durch ihre aufopfernde und mühevolle Tätigkeit zur Entwicklung der Bibliothek in jeder Richtung beigetragen hat. wofür ich der Leitung im Namen der Kommission den herzlichsten Dank ausspreche. Der N.-F.-Kommissär. In Nr. 20 entgegnet Berthold Viertel auf Kuh‘s Aufsatz. Er geht tiefer und untersucht das paradoxe Wesen dieses Parasitendaseins, das sich nach der Methode erhielt, daß es Abwehr und Anpassung in allen denkbaren Kombinationen spielen ließ. Viertel lehnt die Formel Kuh‘s. der die Juden :äls ein Volk geborener Frondeure ihrer Bestimmung nach gelten lassen will, ab und deutet an. daß der Sinn des Lebens des jüdischen Volkes ein anderer ist. Allerdings wird, um aus dem Chaos einen Weg zu finden, Selbstbestimmung die unerläßliche Voraussetzung. „Der jüdische Geist ringt heute in der Beurteilung der Weltkrise nach Selbstheit: unter Schinerzen hebt er sich gegen die Ideologie Kriegseuropas ab. strebt seine jüdische Idealität mitten im Chaos zu behaupten, zunächst sich über sein eigenes Weltgefühl überhaupt klar zu werden. Selbstbestimmung heißt,, ein Selbst haben und es durchsetzen, ein Selbst werden, indem man es durchsetzt.'. . . Es gilt das erkannte -und bewußt gewollte Selbst. Das Judentum muß sein Selbst national, politisch, sozial, wirtschaftlich, geistig, religiös bestimmen. Das heißt hier fast entdecken und gründen! ... für das Judentum muß es heißen: Verhindert man Pogrome durch Selbstheit — gut. Ereegt mau sie durch Selbstheit — soll es uns unserem Selbst gewiß nicht entfremden.“ Viertel sieht in Kuh‘s Worten einen Protest gegen das naive Parasitendasein des Judentums, das durch Pogrome — aufgerüttelt werden kann. Aber dm Gegensatz zu Kuh. der mit diesem Gedanken spielt, weiß er selbst in Worten, die von innerstem Beteiligtsein zeugen, den schmerzvollen und mühevollen Weg zur Bewußtwerdung des Volkes, das seine Kräfte für die Tat der Selbstentdeckung und Befreiung sammeln muß. .* i» Im 1. Juniheft der „O esterreichi- •schen Rundschau“ schreibt unser Gg. Heinrich M a r g u 1 i e s einen interessanten und beachtenswerten Aufsatz über „Der Weltkrieg und •die immanenten Gesetze der Geschichte.“ Es ist die weitere Ausführung einer Geschichtsauffassung. die Margulies schon in Anwendung auf das jüdische Altertum in der Broschüre „Der Kampf zwischen Suez und Bagdad im Altertum“ zu Grunde gelegt hat und die von der hohen Ein-5«! Schätzung wirtschaftspolitischer und machtpolitischer Grundkräfte ausgeht. Dieser Aufsatz ist für uns vor allem darum von Interesse, weil versucht wird, aus dieser Geschichtsauffassung auch für den Zionismus Konsequenzen zu ziehen. * Die „Neuen Jüdischen Monatshefte“- haben eine Sondernummer Hermann Cohen gewidmet, der ja zu den Begründern und Herausgebern der Zeitschrift gehörte und wiederholt in ihr Aufsätze über jüdische Religion veröffentlichte. Das Doppelheft (Nr. 15/16. Mai 1918) enthält folgende Beiträge: Hermann Cohen: Die Religion der Vernunft aus den Ouellen des Judentums. — Professor Dr. Ernst Cassirer: Hermaim Cohen (Grabrede). — Geheimer Regierungsrat Professor Dr. Paul Nato r p: Nachruf an Hermann Cohen (Grabrede). — Dr. Jakob Klatzkin: Hermann Cohens Philosophie des Judentums. — Dr. Benzion Kellermann: Die religionsphilosophische Bedeutung Hermann Cohens. — Professor Dr. Karl Joel: Zur Erinnerung an Hermann Cohen. — Dr. Franz Rosenzweig: Der Dozent. — Dr. Bruno Strauß: Cohen-Biographie.- * Die illustrierte Monatsschrift „Donau- 1 a n d“*), durch deren Begründung Oesterreich endlich eine erstklassige Revue erhalten hat, die gleichwertig neben die alteingeführten deutschen Zeitschriften treten kann, enthält in jedem Heft zahlreiche Aufsätze, die einen Ausschnitt aus dem. Leben in unserer Monarchie bieten, ferner hi-, storische, biographische und künstlerische Beiträge. fölkloristisches und ethnographisches Material, zahlreiche Illustrationen und Kunstblätter. Im belletristischen Teil, der ebenfalls reichhaltig *) Verlag J. Roller & Co., Wien. Preis des Jahrganges 30 K, Einzelheit 3 K. ist, steht neben einer Anzahl Gedichte und Novellen meist österreichischer Autoren ein großer Roman „Die Rotte Korahs“ von Hermann Bahr. Es ist ein Wiener Roman, in dem das Judenprobleni eine große Rolle spielt. In den bisher erschienenen drei Fortsetzungen nimmt die Diskussion über die Judenirage einen breiten Raum ein. Fran zHeitlinger. Leutnant des Kriegsamtes, ist der extreme Antisemit, Ferdinand — die eigentliche Hauptperson — sozusagen gemäßigter Antisemit; ihm gegenüber der der jüdische Arzt Dri Beer, der sich gegen das Verbot des Generalstabsarztes ins Feld melden will, weil er als Jude mehr als seine Pflicht zu tun habe, und der in langen, nicht sehr sympathischen Reden, deren Geist schon von Shyiock stammt, die Schuld der Christen an der jüdischen Entartung proklamiert. Der Fortsetzung des Romanes wird man mit Interesse entgegensehen, wie überhaupt der weiteren Folge dieser Zeitschrift. jüdischer NofionalHoiendep redigiert von Otto Abeies und Ludwig Batö Reich illustriertes zionistisches Jahrbuch mit publizische» und belletristischen Beiträgen unserer ersten Autoren. 3. Jahrgang (5678) Preis K 4.20 2. „ (5677) „ „3.20 Nur noch geringer Restbestand auf Lager! Zu beziehen vom Verlag „Jüdische Zeitung*. Wien II.. Zirkuagassc 33, Postspark,-Konto 152.942 Desgleichen sind noch Exemplare des ersten Jahrganges des Jüdischen Nationalkalenders (5676) vorhanden. — Zu bestellen bei der BflGll&aillilUng B.LQWit» Hilll I., «otenturmstr.22 Diese. Bücher sind in jeder zionistischen —- Bibliothek unentbehrlich