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Jüdische Zeitung · 1918-05-17 · 20 (17.5.1918) · p. Seite 7

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Journal
Jüdische Zeitung
Volume
12 (1918)
Issue
20 (17.5.1918)
Date
1918-05-17
Page
Seite 7 (sequence 7)
Language
German
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Nr. 20 JÜDISCHE ZEITUNG Seite 7 führt, doch nicht unbedenklich wäre. Man denke sich einen Bund freier Menschen, welche im Gefühle engen Zusammenhangs mit den inneren Tiefen des jüdischen Volkslehens und: im Bewußtsein . der religiösen Grundkräfte. desselben dieses religiöse Leben auch in seinen Formen schätzen und hegen und selber hiedurch zu entwickeln entschlossen sind, wobei die Stimme eines feinen Taktes jedem Einzelnen die Entscheidung gibt über das Mehr oder Weniger, über das Veraltende oder Neuzugestaltende und erst aus einer solchen freien Verbindung das Gemeinsame sich von selbst ergäbe — diese Entscheidung jedoch einer festorganisierten „Glaubenshüterschaft“ zu übertragen, ‘welche Zäune errichtet gegen das Eindringen alles Bedenklichen und' Gefährlichen und deren bindende Autorität in hierarchischer - Stufenleiter abgegrenzt ist, von dieser Organisation aber auch öhneweiters die richtigen Normen für die'Erziehtmg im jüdischen Geiste, auf der Grundlage von Bibel und Talmud, zu erwarten, der Gedanke überhaupt, den Menschen der Gegenwart durch eine äußere Organisation vor den sittlichen Gefahren der Umwelt zu schützen —scheint mir doch einerseits optimistisch gedacht in Bezug auf -die Möglichkeit einer solchen Organisation, denen Führer und Beamte von vomeherein Weise oder Engei seih müßten, und andererseits ohne diese Voraussetzung doch zu nahe an jene Bahnen heranzuführen, durch, welche eine gewisse an sich ja schätzenswerte, aber in ihrer Kulturlebemdjgkeit doch zweifelhafte deutsche Orthodoxie sattsam bekannt ist. Gewiß soll diese Kritik mehr 'die Organisation als-das Prinzip der Sache berühren. Wir sind ja heute glücklicherweise schon von dem Standpunkte abgekommen, Kultur und Religiosität unter der Kategorie des Gegensatzes zu betrachten. Sehen wir doch in Deutschland an dem Beispiele Fr. W. Försters in einer nicht nur religiösen, sondern auch, im Autoritätssinne . religiösen Persönlichkeit in einer die Zeitgenossen überragenden Weise gerade den echtesten Kulturwillen sich aussprechen. Manche von Birnbaums Irrtümern selbst können uns bei richtiger Perspektive doch wie Schatten erscheinen innerhalb der lichtvollen Tatsache einer durch alle Erscheinungen der Entartung von hüben und der Schwäche von drüben unbe-, irrten Zukunftsgläubigkeit. Denn wie allen tiefer religiösen Naturen erscheint ihm die Dimension •des wahrhaft Erlebten zu groß gegenüber den Dimensionen selbst der erschütterndsten Zeiiterfahrung. als diaß von der letzteren her ein dauernder Kleinmut berechtigt wäre. Ob und aut welche Weise der Birnbauiriische Aufruf weiter reichende Wirkungen üben wird!? loh idenke, daß auch wir „Westler“ nicht so überreich an religiös gerichteten Persönlichkeiten, aber auch nicht so überreich an so rückhalts- und rücksichtslos nach der Wahrheit gerichteten Naturen sind', um niohlt das Sturzbad einer leidenschaftlich erregten Kritik, auch wenn diese hie und da selbst in wesentlichen Dingen danebenschlägt, zu vertragen. - Was die Ostjudten betrifft, so wird der Weg zu den ganz im Religiösen' Wurzelnden nicht so notwendig, zu den im religiösen Scheinleben Erstarrten wohl kaum möglich sein, ebenso zu jenem doch sehr beträchtlichen Teile der Jugend, welche vom revolutionären Doktrinarismus der Umweit beherrscht oder stark beeinflußt sind. Wohl aber Hesse sich unter den Nationalisten überhaupt, wo noch brennende Sehnsucht nach tieferer Lebensbegründung und wahrerer Lebensführung ber fester Verwurzlung in den nationalen Idealen vorhanden ist, eine Art freier Anhängerschaft vermuten, vielleicht in anderer Weise auch eine solche unter zahllosen durch die Zerstörung und Zerwühiung ides Krieges noch mehr seelisch als physisch Entwurzelten erzielen. Vielleicht mag auch hier seine Art tragischen Glückes dem ewigen Kämpfer und Sucher treu bleiben. 'd!aß über seine Persönlichkeit hinweg, vorschauende Gedanken, von ihm sich lösend, in einer Zeit gewaltiger Uebergänge, ihren eigenen Weg zur Verwirklichung finden. oaoaoaoaoaoBoaoioacsio RUNDSCHAU Kundgebung der Schweizer Ostfüdischen Organisationen. 1 Das Jüdische Korrespondenzbureau in Bern berichtet: Die am 5. Mai 1918 vom Aktionskomitee der Ostjüdischen Organisation im Volkshaus in Zürich einberufene und von mehr als 600 Personen besuchte Volksversammlung hat nach Anhörung der Reden von Herrn Z. Abersohn, Dr. J. K1 a t z k i n und Dr. M. T r a u b folgende Resolution einstimmig gefaßt: 1. Sie erhebt vor-der öffentlichen Meinung Europas und Amerikas entrüsteten Protest gegen die jüngsten Judenpogrome’in Galizien; 2. Sie sieht in dieser pogromistischen Ausschreitung die Folge langjähriger Hetzen der polnischen Antisemiten und der systematischen Vergewaltigung der bürgerlichen und nationalen Rechte der zwei Millionen Juden in Polen; 3. Sie erblickt in diesen Hetzen und Pogromen den natürlichen Niederschlag eines auf Ausrottung und Vertreibung der seit 700 Jahren in Polen ansäßigen jüdischen Bevölkerung abzielenden Systems. Sie richtet ihre Anklage gegen dieses System umso nachdrücklicher, als das polnische Volk selbst auf Freiheit und Unabhängigkeit Anspruch erhebt, während es zu gleicher Zeit gegen die Freiheit anderer Nationen auf das Aeußerste ankämpft. 4. Im Angesicht des Friedensschlusses zwischen Rumänien und den Zentralmädhten bringt die heutige Versammlung noch einmal die schreckliche Lage der rumänischen Juden vor das Tribunal der Oeffentlichkeit: Sie protestiert gegen die vierzigjährige zynische Verleugn uung der die Rechte der rumänischen Juden verbürgenden Bestimmungen des Berliner Vertrages. 5. Sie protestiert im Besonderen gegen die während des Krieges und gerade in letzter Zeit an den Juden Bessarabiens und Rumäniens verübten Greueltat en. 6. Sie protestiert gegen die wehrlose Auslieferung der 300.000 Juden Bessarabiens an Rumänien. Die Versammlung wendet sich an die zivilisierte Menschheit mit den nachstehenden Forderungen: 1. Sie verlangt international garantierte bürgerliche und nationale Rechte für die jüdischen Massen in Polen und Galizien. 2. Sie fordert von den Garantiemächten, die die Unabhängigkeit Rumäniens unter der Bedingung der Gleichberechtigung der Juden gewährleisteten, daß sie Rumänien zur klauselfreien unbedingten Erfüllung der im Art. 44 des Berliner Vertrages übernommenen Verpflichtungen anhalten. 3. Sie verlangt für den Fäll der Angliederung Bessarabiens an Rumänien, daß internationale Garantien für die bürgerlichen und nationalen Rechte der bessarabischen Juden festgelegt werden. Cohn & Carlebach. In den nächsten Tagen werden m Wien die Herren Rabbiner Cohn und Carlebach erscheinen und werden in den orthodoxen Kreisen Propaganda für ihre politischen Bestrebungen machen. Es ist angbracht, die OeefentHchkeit darüber aufzuklären. wer diese Herren sind und was für eine Vergangenheit sie haben. Die beiden Rabbiner sind von dem deutschen Orthodoxenverband in Frankfurt a. M. zur Rettung der polnischen Juden nach Warschau geschickt worden. Sie haben dort jahrelang ihr Unwesen getrieben und haben ihr möglichstes beigetragen, um die ohnedies verwickelte politische Situation noch mehr zu verwirren und die Beziehungen zwischen den Völkern zu vergiften. Daß die polnischen Juden es nicht nötig haben, ihr Heil auch in religiösen Dingen von Frankfurt zu beziehen, steht wohl außer Zweifel. Aber die Herren Rabbiner haben unter dem Deckmantel religiöser Bestrebungen eine politische Propaganda entfaltet, die geradezu einen Verrat an den Lebensinteressen der polnischen Juden darstellt. Sie haben sich als Werkzeuge irgendwelcher Machtinteressen hergegeben, haben durch ihre liebedienerische Haltung, die stets zu Konzessionen bereit war. die polnischen Juden sowohl den Polen als auch der deutschen Verwaltung gegenüber in ein schiefes Licht gebracht Es genügt, zu erwähnen, daß die Herren sich gar nicht genug tun konnten in der Wiederholung der Versicherung, daß die polnischen Juden lediglich eine Religionsgemeinschaft (sc. nach deutschem Muster) darstellen und selbstverständHch auf Entfaltung ihres Volkstums keinerlei Anspruch machen. Sie haben die unwissenden orthodoxen Massen zu organisieren und gefügig zu machen versucht Sie haben, wenn es ihnen erforderlich schien, auch die schmutzigsten Mittel der Denunziation und Verbreitung albernster Schlagworte nicht gescheut. Diese Herren wollen nun in Wien erscheinen. Wir hoffen, daß sie hier kein leichtes Spiel haben werden und daß man ihnen einmütig den ihnen gebührenden Empfang zuteil werden lassen wird. Zionistische Bewegung. Kriegsbeitrag 1918. Wie im Vorjahre sieht sich auch heuer das Zionistische Zentralkomitee für West-Oesterreich genötigt für das Verwaltungsjahr 1918 einen Kriegsbeitrag einzuheben, der mit K 6.— jährlich festgesetzt wurde. Der Kriegsbeitrag ist von jedem organisierten Zionisten zu entrichten. Er kann auch ln Monatsraten von K —.50 eingezahlt werden. - Die festgesetzte Höhe von K 6.— bezeichnet nur ein Minimum. Das Z. K. rechnet damit, daß alle Gg„ die dazu in der Lage sind, einen höheren Kriegsbeitrag leisten werden. Alle Vertrauensmänner werden auigeiordert möglichst viele Gesinnungsgenossen für einen Jahresbeitrag von mindestens K 50,— zu werben. Unsere Organisation muß endlich materiell fundiert werden. Die großen Aufgaben,- die unser harren, können ohne entsprechend eingerichtetes Büro nicht erfüllt werden. Die Betriebskosten sind aber enorm gestiegen, während die Eingänge aus Parteisteuer etc. nicht erhöht wurden. Wir müssen also wie alle Organisationen und Verbände diese Kriegssteuer ausschreiben, um das Budget zn decken. Es bedarf nicht vieler Worte. Jedermann sieht ein, daß der Kriegsbeitrag eine absolute Notwendigkeit ist. Wir fordern alle Ortsgruppen und Gesinnungsgenossen auf, die Beträge ehe- . möglichst an uns einzusenden und bitten, uns durch rechtzeitige Entrichtung die Evidenzhaltung zu erleichtern und die Manipulation der Mahnung zu ersparen. Alle Ortsgruppen, die den Kriegsbeitrag 1917 noch nicht abgeführt haben, werden aufgefordert, dies ehestens zu tun. Zionistisches Zentralkomitee für West- Oesterreich. Wien, II„ Zirkusgasse 33. Notizen Gemfisebaukurse. Die Verwaltung der Garten-Kolonien der jüdischen Jugend in Krakau eröffnet am 19. d. M. praktische Gemüsebaukurse. Der erste Kurs dauert 3 Monate. Aufgenommen wird nur eine beschränkte Zahl von Teilnehmern im Alter von 17 Jahren aufwärts. Es sind zu entrichten: je K 5.— als Einschreibgebühr- und für die Benützung der Gartengeräte, sowie K 15.— pro Monat. Die Kurse finden täglich von 7 bis 10 Uhr vormittags oder von 5 bis 8 Uhr abends statt. Schriftliche Anmeldungen werden V. Listopadagasse Nr. 12, III. Stock, und persönliche Einschreibungen von 5 bis 6 Uhr nachmittags in der Kolonie am Rennplatz, hinter dem Dr. Jordan-Park, entgegengenommen. Jüdischer Volkskalender. Wir erhalten folgende Zuschrift: Ich gehe dran, zusammen mit dem Gg. Dr. Leon Reich den „Jüdischen Volkskalender“ (in jüdischer Sprache) wieder herauszugeben. Den politisch-wirtschaffliehen Teil wird Dr. Leon Reich, den literarischen werde ich redigieren. Der Kalender soll ein Bild des galizischjüdischen Schaffens geben. Deshalb ersuche ich sämtliche galizisch-jüdischen Dichter, Literaten und Publizisten, da mir deren Adressen unbekannt sind, sich mit mir in Verbindung zu setzen. Dr. Anselm K1 e i n m a n n, Lemberg, Jachowicza 15, II. St. Für das Opfer von Krakau wurden K 2,00.— im Felde gesammelt durch Feldwebel Julius Gottlob unter jüdischen Offizieren und Unteroffizieren. — Sammlung des Frl. Anna Winkler aus Kolomea, derzeit in Wien, K 191.60. Berichte und Korrespondenzen Pilsen. Auch hier haben die Hungerkrawalle jüngst in Judenkrawalle ausgeartet. Die Menge zog am Samstag während des Gottesdienstes zur Synagoge, warf Steine in die Fenster und nahm eine feindliche Haltung ein mit der lächerlichen Begründung, im Tempel sei Mehl versteckt. Selbst als eine Deputation der Exzedenten selbst durch die Synagoge geführt wurde und der Menge mitteilte, daß dort nichts zu finden sei, hieß es, die Leute seien von den Juden bestochen worden. Erst durch herbeigerufene Militärassistenz wurde die Menge zerstreut. Troppau. Am 7. Mai d. J. hielt Gg. Dr. Jeschmer im zionistischen Vereine „Jeschurim“ ein Referat über den „alljüdischen Kongreß in Oesterreich“. Er setzte den zahlreich erschienenen Zuhörern die derzeitige Lage der Judenschaft in Oesterreich auseinander und die Umstände, welche zu dem Gedanken der Einberufung führten. Er präzisierte dabei den Standpunkt der Zionisten dabin, daß ein solcher Kongreß nur dann einen Zweck haben kann, wenn er auf jüdisch-nationaler Basis beruht. Das Auditorium zeigte lebhaftes Interesse für die Ausführungen des Referenten, der großen Beifall erntete. Bobiatyn. Am 20. April veranstaltete die hiesige Jugend eine Abschiedsfeier zu Ehren des scheidenden N. F.-Kommissärs S. Mann (Schlüsselfeld) aus Sanok. Cesatto. (Pessach im Felde.) Hier wurde eine Osterküche für die jüdischen Soldaten unter Leitung des Gg. Feldwebel Huppert des I.-R. 56 veranstaltet. Es beteiligten sich beinahe 100 Mann. Mehrere kamen direkt aus den Stellungen. — Am Sederabend versammelten sich die Soldaten in dem von der k. k. Intendanz zugewiesenen Lokale. Gg. Meir Jawetz, der täglich aus den Steilungen kam, begrüßte die Teilnehmer und hielt eine Ansprache und schloß mit dem Appell, daß sich alle Anwesenden den Reihen der Jüdischnationalen anschließen mögen. Hierauf wurden 22 Schekalim verkauft und über 40 Kronen für die Evakuierten Palästinas gesammelt. Am nächsten Tage marschierten alle jüdischen Soldaten geschlossen nach Ceggia zum Gottesienste. Herr Feldrabbiner Gg. Dr. Grünwald hielt eine kraftvolle Predigt. Lemberg. Am 4. April 1. J. fand im geräumigen Saal des hiesigen ukrainischen Nationaltheaters ein feierlicher'Pessachabend, veranstaltet durch die rührige Studentenverbindung „Theodor Herzl“ statt. Nach einer Ansprache des H. Thaler Leopold ergriff Herr Wolf das Wort, um in einer schwungvollen Rede die Bedeutung des Pessachfestes für die Wiedergeburt des jüdischen Volkes zu würdigen. Vorträge der Gedichte Biaiiks, Ch. C.' Manne‘s und Rosenfelds in hebräischer und polnischer Sprache durch Frl. Hütter, Frl. Roth und H. Hiß waren eine harmonische Ergänzung der Worte der beiden Redner. Die musikalischen Leistungen der Frl. Wohlmann, Frl. Wadel, H. Pfeffer und Phih'pp bildeten eine angenehme Abwechslung. Ein recht ansehnliches Reinerträgnis wurde für den jüdischen Nationalfond, für den eisernen Fond der Organisation „Szomrim Zirej- Zion“ für das jüdische Kinderheim in Lemberg und endlich für die Bibliothek der Verbindung „T. H." bestimmt. ZarkL Lag Bomer, am 30. April L J. haben wir zugunsten der Tschlenow-Kolonie einen Fähnchen und Zeichen-Tag angeordnet. Es war ein voller moralischer und materieller Erfolg zu verzeichnen. Brzezany. Am 5. Mai veranstalteten die Schomrim in Brzezany eine Tschlenow-Gedenkieier in der großen Synagoge. Die nachher veranstaltete Sammlung ergab die Summe von 300 K. Linz. Dem zionistischen Volksvereine ist es gelungen, für den 12. Mai Herrn Dr. Siegfried Bernfeld für einen Vortrag „Die Erziehung zum Zionismus“ zu gewinnen, der sehr gut besucht war und glänzend verlief. Nach dem Vortrage fand eine eingebende Aussprache mit dem Wanderbunde

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