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Jüdische Zeitung · 1918-05-17 · 20 (17.5.1918) · page 1

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Journal
Jüdische Zeitung
Volume
12 (1918)
Issue
20 (17.5.1918)
Date
1918-05-17
Page
– (sequence 1)
Language
German
Belongs to
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Sondernummer: Zum Jüdischen Jugendtag 60 »euer XII. Jahrgang. — Nr. 20 National-jüdifches Organ Redaktion und Administration: Wien II., Zirkusgasse 33 .Fernsprecher Br. 45-325 Mit der Beilage: „Der jüdische Nationalfonds“ Wien, Freitag, den 17; Mai 1918 — 7« Ssiwran 5678 Bezugspreis: Vierteljährig 5 K ganzj. 20 K. Einzelnummer 4'» U Postsparkassenkonto 133.404 Oesterreichischer Jüdischer Jugendtag Samstag, den -18« Mai« 7 Uhr abends: Großer Musikvereinssaal. Begrüßung des Jugendtages. Ansprache Dr. Martin Buber: Zion und die Jugend. 9 Uhrabends: Empfang der Gäste im Jüd. Jugendheime II. Ob.Donaustr. 91 Sonntag, den 19. Mai. Voimiitag-Silzung: Beginn 9 Uhr. Gr. Musikvereinssaal. Dr. S. Bernfeld: Programm einer jüd. Jugendbewegung. — Anschließend Generaldebatte- Nachmiitag-Sitjung: Beginn 5 Uhr. Fortsetjung der Generaldebatte. Montag, den 20. Mai. a) Ganztagwanderung in den Wienerwald. b) Für die Delegierten der Jugendgruppen: 9 Uhr früh im Jugendheime: Konstituierende Generalversammlung des Verbandes. Wanderer und- Delegierte treffen sich am Nachmittag. (Näheres Uber Zeit und Ort der Treffwandeitfng wird noch bekanntgegeben.) 8 Uhr abends: Abschied im Jugendheim. Teilnehmerkarten zu K 2.50 für die ganze Tagung und Gästekarten zu K 5.— (Galeriesitze) und K 8.— (Logensitze) sind in der Buchhandlung R. Löwif, Wien, I., Rotenturmstraße 22 zu haben. Alle Zuschriften, den Jugendtag betreffend,, gehen an „Jüdisches- Jugendheim“, Wien if., Obere DonaustraBe 9K- Wir werden sehen, ob uns schon die Jugend, die wir brauchen, nachgewachsen ist; die Jugend, welche die Alten mitreißt, auf starken Armen hinausträgt und die Vernunftgründe umsetzt in Begeisterung. Mit der schrecklichen Macht der Gewohnheit muß die herrliche Macht der Begeisterung ringen. Darum glaube ich, daß ein Geschlecht wunderbarer Juden aus der Erde wachsen wird. Die Makkabäer werden wiederaufstehen. Theodor Herz!, Der Judenstaat. Z.um Jugenötag Am Sonntag wird die jüdische Jugend Oesterreichs in Wien Zusammenkommen und über die Gründung eines Verbandes beraten, der die Interessen der jüdischen Jugend wahrensoll. Es wird eine mächtige, eindrucksvolle Kuitdgebung werden, die die Stärke des zionistischen Gedankens und des. jugendlichen Wollens darum wird. Leider wird der Jugendtag ein Bruchstück sein müssen; der größte Teil unserer jungen. Leute steht im Militärdienst; sehr groß ist die Zahl derer, die gefallen sind und 'nie mehr in: die Reihen ihrer Freunde zurückkehren werden. Es ist wahrhaitig keine Stunde besonderer Fröhlichkeit: aber es ist eine Stünde vermehrter Verantwortung und verdoppelter'-Arbeit. Die Jugend weiß heute selbst, deutlicher als-zuvor, daß die. Zukunft des Volkes von ihr abhängt. Sie will sich zu ernster Arbeit zusammenschließen. Die Tagung wird in sachlicher Beratung die Grundlagen dieses Zusammenschlusses schaffen. - . Es ist'nur natürlich, daß es bei iungen Menschen. die lebendig empfinden und selbständig denken,, mannigfache Differenzierungen, der Anschauungen geben muß. Vor dem Kriege gab esroft erhebliche Gegensätze innerhalb der zionistischen Jugend, die Trennung bestand nicht nur in geographischer, sondern auch in sachlicher Hinsicht. Heute aber muß anerkannt werden, daß alle Selbständigkeit der Ansichten und Arbeitsmethoden. die Vereinigung der Kräfte nicht hindern darf. Es kommt darauf an. den einheitlichen und unerschütterlichen Willen'der österreichischen jüdischen Jugend, ihr Leben gemäß ihren menschlichen und jüdischen Bedürfnissen zu gestalten, zum' Ausdruck zu bringen. Daher ist die Idee der Schaffung eines Verbandes auf das wärmste zu begrüßen. Es wird auch von Bedeutung sein, daß gerade die Jugend vor aller Welt dartut. daß sie in Oesterreich zuerst den Weg der Einheit zwischen Ost und West gefunden hat. daß sie eine Scheidung zwischen Westiuden und Ostiuden nicht kennt. Für den jungen Juden gibt es nur den Kameraden und Gefährten, der von derselben Idee erfüllt ist und die gleichen Lebensziele hat. Eine Gemeinschaft soll geschaffen werden, innerhalb derer eine Gruppe die andere nicht befehdet, sondern ihr hilft, die nach außen als geschlossenes Ganze, mit legitimer Autorität, im Namen der aktiven, bewußten jüdischen Jugend auftretenkann. Ein solcher Verband wäre ein nicht zu unterschätzender Machtfaktor im jüdischen Leben. ' Das jüdische Leben, das im offiziellen Gemeindeiudentum versumpft, kann nur von innen revolutioniert werden’; mir von innen kann die Stagnation durchbrochen werden. Die Jugend, mit ihrer stürmischen Sehnsucht nach. Leben, mit ihrem Verlangen nach sinngemäßer jüdischer Erziehung, mit ihrem Willen zu freier jüdischer Entwicklung und eigenbewußter, nicht von Rücksichten auf andere bestimmter Lebensführung, die Jugend, deren Idealismus sich gegen die Bedenklichkeit alt gewordener schwächlicher Bürgerlichkeit auflehnt, sic allein kann die alten falschen 'Götzen stürzen und zu dem einen Gott den Weg wieder finden. Aber die Jugend muß autjr wissen. daß diese Revolutionierung nicht durch Deklamationen und Formulierung von Grundsätzen, sondern allein von ihrem Leben bewirkt werden kann. Sie muß ihr Leben von Grund auf umgestalten. Wenn sich die Jugend verbündet, wird der Widerstand der allzu Alten gebrochen werden. Wenn wir von ..lebe n" sprechen, sogilt cs. einem Schlagwort entgegenzutreteii.. das noch in jeder Jugendbewegung Schaden uiiö Verwirrung gestiftet hat: der falschen Auslegung des Wortes „sich ausleben". Wir meinen viicht einmal das gröbste Mißverständnis, das einfach unter Aus- Ieben ein völliges Sich-gehen-lassen versteht, sondern wir meinen, daß aus dem Bewußtsein sittlicher Verpflichtung dem Volke gegenüber iiir die Jugend auch eine gewisse Einschränkung ihres persönlichen Wunschkreises folgen muß. Sowie heute jeder iu’.ige Mensch, der dem Staate dient, ein Stück Leben, oft sein ganzes Leben dem Staate opfert, so muß die national gesinnte Jugend aus eigener Einsicht zu dem Streben gelangen, ihre besten Kräfte für das Volk einzusetzen und Persönliche Liebhabereien zugunsten der Bediirf-. -nisse des. Volkes zurückzusteüen. Das ist aber nicht so zu verstehen, dal! sinnlos die eigene geistige Ausbildung auigegeben wird, um nur den kleinen Bedürfnissen, des zionistischen Alltags zu genügen, vielmehr muß die unerläßlich notwendige organisatorische Tätigkeit mit ökonomischer Kräfteverwertung getan werden, darüber hinaus aber muß jeder einzelne dadurch, das Volk bereichern. daß er das Beste der ihm innewohnenden Kräfte für das Volk produktiv macht. Darum halten wir es für notwendig, daß ein System der Bildung der jüdischen-Jugend geschaffen w'erde. das heute leider noch völlig fehlt. Die jüdische Juxend schwankt heute zwischen der allgemeinen Schulbildung und der aus eigenem Antrieb t erworbenen. sehr unvollkommenen jüdischen Bildung hin und her. sie hat die Einheitlichkeit des Weltbildes aus den Elementen ihrer Bildung noch nicht gewo'.incn. Es wird eine Hauptaufgabedes künftigen Verbandes sein, im Verein mit kündigen Beratern ein solches System zu schaffen und in Wirklichkeit umzusetzen. Pflege jüdischer Kultur und Beherrschung der modernen geistigen Methoden und Inhalte muß eine tätige Neuordnung des jüdischen Bildungswesens schaffen. Nach diesem Bild wird dann vom Verband die Forderung gegenüber der Oefrentlichkeit erhoben werden. Der Verband w-ird ' die einzige Vertretung der jüdischen Jugend*sein; andere aktive Gruppen, die Jüdische Forderungen stellten, existieren nicht. Die jüdische und allgemeine Oeffentlichkeit wird über die vom dieser Vertretung erhobenen Forderungen nicht hinwegsehen können. Sie kann es nicht wagen, der zum Bewußsein ihrer selbst, zum . Bewußtsein des Ernstes der Zeit und der Aufgabe erwachten Jugend die Erfüllung ihrer begründeten Wünsche nach ernsthafter Umwandlung des jüdischen Erziehungswesens vorzuenthalten. Die Jugend w-ird erklären, daß sie die beleidigende Karrikatur des gegenwärtigen jüdischen Unterrichtes steil nicht mehr bieten läßt. Darin ist schon angedeutet, was ein e i n- Jt ertlicher Verband als Ausdruck der mündig gewordenen Jugend bedeuten könnte. Darüber hinaus wäre noch daraui hinzuweisen, daß die Jugend außer der Verfolgung ihrer eigensten Interessen auch für Ehre und Schutz des Volkes einzustehen hat. Es ist bekannt, wie in der Frühzeit des jüdischen Nationalismus die Jugend oft genötigt war, ihre Furchtlosigkeit in der Verteidigung der jüdischen Ehre zu bewähren. In jüngster Zeit hat unsere Jugend gelegentlich der hinterhältigen Ueberfälle auf die Juden in Galizien gezeigt, daß sie nicht mit sich spielen läßt. Sie wird auch weiter auf der Wacht sein. Aber sic wird darob nicht vergessen dürfen, daß ihre wichtigste Arbeit ''nicht in irgendwelcher Abwehr besteht. sondern in der Linie der produktiven Mitarbeit am Neuaufbau der Gemeinschaft. Für uns selbst etwas sein, nicht anderen imponieren, das muß die Losung unserer Jugend sein. Die jüdische Jugend Oesterreichs iiar sich ein stolzes Ziel gesetzt. Sie wird eine Probe ihrer Leistungsfähigkeit und ihrer Reife zu bestehen haben. Wir wissen, daß sie vom Geiste der Verantwortlichkeit erfüllt ist, der sie diese Tagung in ernster Stunde einberuien ließ. Wir begrüßen die Tagung der jüdischen Jugend, wir begrüßen ihren Zusammenschluß als Manifestation ihres unerschütterlichen Lebens- und Tatwillens. Programm einer jüdischen Jugendbewegung Leitsätze von D r. S1 e g f r i e d B e r n i e 1 d. Vorbemerkung: Der Verband der jüdischen Jugendgruppeit Oesterreichs wird znnächst praktische, konkrete Arbeit zu leisten haben; er hat der jüdischen Jugend zu dienen, ihr die Lösung ihrer Wichtigsten unn schwierigsten Aufgaben zu erleichtern. - In seinem Rahmen können die verschiedensten Anschauungen und Gesinnungen sich auswirken.' Aber eine seiner Aufgaben ist, die Möglichkeit für die Synthese der entgegengesetzten Strömungen in der Jugend zu schatten, indem er unter anderem schriftliche und mündliche Aussprachen über Gehalt. Aufgabe und Formen der Jugendbewegung organisiert. Zu diesem Zwecke formuliert Dr. Bernfeld seine eigenen Anschauungen in den folgenden Thesen, die er Sonntag, den 19. Mai begründen wird. Wir hoffen, daß sie eine geeignete Grundlage für eine fruchtbare, grundsätzliche Diskussion abgeben werden. I. Die Aufgaben des einzelnen iungen jüdischen M e n s c h^e n. 1. Seine Grundgcsinnung sei bezeichnet durch die folgenden Formeln: a) Das jüdische Volk bedarf der wirtschaftlichen und kulturellen Selbständigkeit, um die ererbten Werte in lebendiger Entwicklung zu steigern und sie in seinem Dasein zu verwirklichen. b) Die jüdische Jugend bedarf in diesem jüdischen Volk der wirtschaftlichen Freiheit, des Rechtes auf eigene geistige Bestimmung und Verantwortung, der entscheidenden Mitbestimmung auf allen anderen Gebieten, soweit ihre Einsicht und ihr Wille reicht. 2. Als seine persönliche- Aufgabe erkennt er in diesem Zusammenhänge: a) hingebende Versenkung in die Sprache, in das Leben, in die Kulturwerte des Judentums: b) Verwirklichendes Leben in seinem Sipn: Leben in Wahrhaftigkeit, Gerechtigkeit und Unbedingtheit. Ein Leben, das sich in allen kleinen und großen persönlichen und sachlichen Alltäglichkeiten äußert: im Verkehr mit den Menschen; in den Anschauungen über die menschliche Gesellschaft; c) dem Volke bei seinen gegenwärtigen Notwendigkeiten zu dienen, sowohl durch die eigene Bildung im Menschlichen, als auch durch die bewußte Mitarbeit an den Gegenwartsauigaben der Volksemeuerung. 3. Bei dem entscheidenden Akt der Berufswahl stellt er seine persönlichen, wirtschaftlichen und bürgerlichen Wünsche zurück, gegenüber den nationalen und kulturellen Notwendigkeiten des Volkes und der Idee, der sozialen Gerechtigkeit. ff. Forderungen einer solchen Jugend gegenüber der Gesamhei Die Gesamtheit muß solches Streben ihrer Jugend unterstützen und I indem sie ihr schafft:

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