Jüdische Zeitung
- Journal
- Jüdische Zeitung
- Volume
- 12 (1918)
- Issue
- 17 (26.4.1918)
- Date
- 1918-04-26
- Page
- Seite 4 (sequence 4)
- Language
- German
- Belongs to
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Seite 4 JÜDISCHE ZEITUNG ls'r. 17 und für die weiteren 3 Jahre je K 1200.— eingezahlt würden. Das zu investierende Kapital stellt sich somit auf etwa 16.000 Kronen und ich möchte ganz ausdrücklich bemerken, daß diese Summe nicht zu hoch gegriffen ist. Mit Recht weist Oettinger darauf hin, daß die Achusah nicht lediglich eine Pflanzungsgesellschaft sein, sondern die Gründung einer selbstständigen Kolonie ins Auge fassen soll und man muß ihm nur beipflichten, wenn er für jede solche Siedlung eine Mindestzahl von Kolonisten — etwa 100 — vorschlägt, da nur dadurch die bei jüdischen Gemeinwesen so beträchtlichen Gemeindekosten entsprechend aufgeteilt werden können. Wenn das Projekt derAchusah in diesem Maßstabe durchgeführt wird, so wird die Siedlung auch auf jene eine Anziehungskraft ausüben, die nicht allein auf die Erträgnisse der Wirtschaft angewiesen sind und denen infolgedessen ein kleiner Besitz genügen wird. Also vor allem Leute, die irgend eine Rente beziehen, dann Handwerker, so daß der Kreis der in Betracht kommenden Interessenten eine entsprechende Erweiterung erfahren wird, was für die ganze Gründung nur von Nutzen sein kann. Diese Ausführungen sollen lediglich eine Skizze darstellen, doch will ich hoffen, daß sie den Freunden der Achusah einige Anregung gewähren werden. Wiener Nachrichten Dr. Chajes — Oberrabbiner von Wien. Kurz vor Fertigstellung, des Blattes erhalten wir die Nachricht, daß Mittwoch Abend in der Sitzung des Kultusvorstandes Herr Dr. Z w i Perez Chajes, bisher Oberrabbiner von Triest, früher Professor am Collegio rabbinico in Florenz, ein rühmlichst bekannter Gelehrter und eine markante, von nationalem Idealismus erfüllte Persönlichkeit, zum Oberrabbiner von Wien gewählt worden ist. Wien. Versammlung des Zionistischen ■ Zentralvereines in’ Hietzing. Am 11. April sprach in einer Versammlung in Hietzing Herr Dr. Wilhelm Stein über das Thema: „Die Zukunft der Juden“. Es gelang dem Referenten durch seine klaren Ausführungen, die ein Bild des Werdeganges der modernen jüdischen Bewegung gaben, die Zuhörer zu fesseln. Eine Reihe von Anmeldungen war der Erfolg des Abends, was um so höher anzuschlagen ist, als es die erste Versammlung dieser Art in Hietzing war. Für die nächste Zeit ist wieder ein Vortrag geplant. Hebräischer Lehrerverband. Bei der jüngst abgehaltenen Generalversammlung des hebräischen Lehrerverbandes wurden gewählt: Herr Moses Rath zum Präses. Herr David Weinstein zum Sekretär. Herr N. Siegelbaum zum Leiter der Stellenvermittlung, ferner in den Vorstand Herr Prombaum und Fräulein Schuber. Der Vorstand faßte folgende Beschlüsse: 1. Es wird ein Stellenvermittlungsbureau eingerichtet mit der Aufgabe, Schulen und Kurse mit Lehrkräften zu versehen und Lehrern entsprechende Stellungen zu verschaffen. Alle Interessenten werden daher gebeten, sich an den Verband zu wenden. 2. Das Minimum an Honorar wurde mit K 5.— per Stunde festgesetzt. 3. Die hebräischen Lehrer beanspruchen die Gewährung von Sommerferien bei Bezahlung des vollen Gehaltes, und zwar 6 Wochen m Schulen und Kursen und 4 Wochen bei Privatunterricht. Bei Verweigerung dieser gerechten Forderung wird kein hebräischer Lehrer den Unterricht bei der betreffenden Partei nach den Ferien wieder aufnehmen. In Angelegenheiten des Verbandes wende man sich an David Weinstein. Wien II.. Stuwerstraße 50. in Sachen der Stellenvermittlung an Naftali Siegelbaum. Wien II.. Stuwerstraße 50. Todesfälle. Der jüd. akad. Juristenverein, Wien, hat einen schmerzlichen Verlust erlitten. Sein bewährtes Mitglied, einer der eifrigsten Kämpfer für unsere Sache, ein lieber, immer hilfsbereiter Kollege, Herr Simon Günsberg, ist am 22. April vom plötzlichen Tode dahingerafft worden. Er trug wesentlich zum Ansehen und zur Förderung des Vereines bei. In den Reihen aller Gesinnungsgenossen, die ihn gekannt, wird ihm treues Andenken bewahrt werden. — Am 16. April starb der Schüler der VI. Klasse der Parallelklassen am k. k. Sophiengymnasium Maximilan A r o n aus Lemberg nach kurzem, schweren Leiden. Seine Mitschüler und viele andere Schüler der Anstalt setzen dem Dahingeschiedenen im heiligen Lande ein ewiges Denkmal durch eine ansehnliche Spende für palästinensische Zwecke. — E.-Fr. Unteri. Chaim Danon des b.-h. Feldj.-Baons. 1 ist im Gefecht in der Nacht vom 21. zum 22. November gefallen. Er war mit der silb. Tapferkeitmedaille 1. Klasse für hervorragende Tapferkeit vor dem Feinde dekoriert worden. Wien. Eine Barmizw ah-Feier im Knabenheime der Frau Anitta Müller. Vier Zöglinge des Heimes wurden am Samstag, den 6. April d. J„ konfirmiert. Samstag früh marschierten alle Zöglinge des Heimes, 34 an der Zahl, in den türkischen Tempel. Die Konfirmanden waren sehr gut vorbereitet und lenkten die Aufmerksamkeit der anwesenden Herren auf sich, besonders zeichnete sich der Zögling Tremmer, Gymnasiast der II. Klasse, aus. Die Ansprache an die Konfirmanden hielt Rabbiner Dr. Grunwald. Nachmittag fand im Heime, IX. Türkenstraße 9, eine Jause statt. Das Heim war mit Blumen geschmückt, an den Wänden waren sinnreiche Bibelsprüche angebracht, die von den Zöglingen in Quadratschrift geschrieben worden waren. Die Feier begann mit dem hebräischen Liede „Am echad hajinu, am echad iiehi“.' Darauf folgte eine hebräische Ansprache des Konfirmanden Tremmer und eine deutsche des Konfirmanden Eisner. Hernach' wurden hebräische und deutsche Gedichte von den Zöglingen vorgetragen. Mit der Hatikwah wurde die erhebende Feier geschlossen. Frau Anitta - Müller hielt an die Zöglinge eine schlichte, zu Herzen gehende Ansprache. Sie betonte darin die jüdische Treue und Liebe, sprach .auch vom heiligen Boden Palästinas und führte aus, daß auch fern von der jüdischen Heimat jeder sich ein Stück heiligen Bodeps schaffen könne. Ihre schönen Worte gipfelten darin, daß sich die Zöglinge als Juden, um diesen Vorzuges Willen, seien sie auch Waisen, nie einsam und verlassen fühlen dürfen. Sie forderte die Zöglinge auf, nicht nur durch den .Tempelbesuch ihr Judentum zu beweisen, sondern auch im Leben,durch ihre Handlungen. Zuletzt fand sie anerkennende Worte für den Lehrer J. Lehrmann, welcher sich mit dein hebräischen Unterrichte der Zöglinge befaßte und sprach ihre Zufriedenheit für seine Mühe und Erfolge aus. Der Schwester Cilla widmete sie herzliche Worte des Lobes für die Leitung des Heimes. Besonders herzlich dankte Frau Anitta Müller der Frau M, Cerf für ihre Mühe und mütterliche Sorge um das Heim. Die Konfirmanden bekamen von der israelitischen Kultusgemeinde je ein Sparkassenbuch mit K 30.—. Sie bekamen auch Uhren und noch viele andere Geschenke. Den 30. April: Vorlesung Otto A b c 1 e s. Bei dieser Vorlesung, welche der 1. Wiener jüdische Turnverein am 30. April im Festsaale des Ingenieur- und Architektenvereines. L, Eschenbachgasse 9. S Uhr abends, veranstaltet, wird Regisseur Egon Brecher Gedichte des Autors und ein Stück aus dem Zyklus „Krakauer Bilder“ zum Vortrage bringen. Opernsänger S. R u e r singt drei Lieder von Abeies, in der Vertonung von Robert Alexander. Der Komponist wird die Lieder persönlich am Klavier begleiten. Der Autor liest aus seinem Buche ..Tagebuchblätter aus der Flüchtlingszeit“. (Siehe Inserat.) Am 5. Mai findet eine Konferenz zur Förderung des hebräischen Sprachstudiums statt. Beginn 5410 Uhr vormittags im Hotel Continental, II., Taborstraße 2. U. a. werden sprechen: Herr Dr. Baron über die hebräische Sprachbewegung; Herr Rosenbaum und Herr Brück: Berichte über die bisherige Arbeit in Oesterreich; Herr Kestenbaum über Methode und Kritik unserer Arbeit; Herr Dr. Abraham Sonne: Die jüdische Jugend und die hebräische Sprache; Herr Dr. Heinrich Glanz: Wege zur hebräischen Sprache in Jugendbewegung und Schule; Karten ä K 2.—, für Mitglieder der angeschlossenen Jugendgruppen K 1.50 im Jugendheim, II., Obere Donaustraße 91, im Zionistischen Zentralbureau, II., Zirkusgasse Nr. 33 und bei R. Löwit, I., Rotenturmstraße 22. Jüd. Jugendtag am 18-/19. Mai. Der Kartenverkauf zum Jüd. Jugendtag findet in Guttmanns Hofmusikalienhandlung und in der Buchhandlung R. Löwit, I. Rothenturmstraße 22, statt. Gästekarten zum Preise von 8 und 5 K. Teilnehmerkarten 2.50 K. Vier Vorträge über Palästina. Herr Dr. Glanz wird in den Vereinigten Zionistischen Sektionen der Juristen und Mediziner vier Vorträge über Palästina halten. Der erste Vortrag. „Historische Geographie, Auchäologie und Topographie Palästina“, findet am 4. Mai 1918 im Lokal der Rede- und Lesehalle. IX.. Türkenstraße 9. um VtZ Uhr nachmittags statt Lese- und Redehalle. Samstag, den 27. A p r i 1 1918. %3 Uhr nachmittags, findet im Lokal IX., Türkenstraße 9, eine Sitzung der Vereinigten Zionistischen Sektionen statt Tagesordnung: 1. Der jüdische Kongreß. 2. Vortrag aus jüdischer Geschichte. Gäste willkommen. Jüd. Akad. Verbdg. „Emunah“ Bielitz. Mitglieder treffen sich von nun ab am Mittwoch und Samstag um 8 Uhr abends im Jüd. Jugendheim, Wien, II., Obere Donaustraße 91. Samstag sind auch Gäste gern gesehen. Wien. (Akad. Vereinjüdischer Mediziner.) Am 10. März fand die Generalversammlung des akad. Vereines jüdischer Mediziner für das Sommersemester 1918 statt. Aus dem, Berichte des Obmannes ging hervor, daß der Verein im Wintersemester 1917/18 355 Mitglieder zählte und deren Wunsche entsprechend in drei Sektionen, eine rein fachliche, eine zionistische und eine Vergnügungssektion zerfiel. Die drei Sektionen haben im vergangenen Semester eine rege Tätigkeit entwickelt. So machte die fachliche reiche Neuanschaffungen an medizinischen Werken und Hilfsmitteln und veranstaltete Fachkurse, die von vorgeschrittenen Kollegen und Aerzten geführt wurden. Die zionistische Sektion machte es ihren Mitgliedern zur Pflicht, die hebräische Sprache zu erlernen. Schekel zu zahlen und eine Selbstbesteuerung für den Nationalfond vorzu-- nehmen. In regelmäßigen Konventen wurden von Mitgliedern Referate über zionistische Fragen, aus der jüdischen Geschichte und Literatur gehalten. Die Sektion sorgte auch für die Abhaltung größerer Vorträge, für die sie bedeutende Wiener Zionisten gewonnen hat. Die Vergnügungssektion sorgte für gesellige Zusammenkünfte, für Vortragsabende und Ausflüge. — Der Verein war in der Zentralstelle jüdischer Jugendgruppen und in der Arbeitsgruppe der jüdischen Studenten für das Palästinahilfswerk vertreten und nahm an allen Veranstaltungen dieser Institutionen teil. — Die Einnahmen waren verhältnismäßig groß und wurden für die Anschaffung medizinischer Werke und zur Gründung einer zionistischen Bibliothek verwendet. 4. Mai 1918. (Versammlung im IX. Bezirk.) Der Zionistische Zentralverein veranstaltet am Samstag, den 4. Mai 1918, 8 Uhr abends, im Cafe City (Ecke Berg- und Porzellangasse), eine Versammlung, bei welcher Herr Dr. Otto Abeies über das Thema: „Die Juden Oesterreichs und die Forderungen des Augenblicks“ sprechen wird. Gesucht wird Sch. M. Efron, der sich bis Ausbruch des Krieges in Luna, Gouvernement Grodno, befand, von Sima Efron, Kinereth bei Tiberias, Palästina. Eventuelle Nachrichten zu senden ans Zionistische Bureau in Wien, II. Zirküsgasse 33. Personalnachricht. Unser Gg. Dr. F. Waschitz hat seine Advokaturskanzlei in Lemberg, Kollataja 4, eröffnet. Zionistische Bewegung Die Palästinakommission angelangt. Haag (J. C. B. — Tel. d. „J. Z“). Die von der englischen Regierung entsandte Palästina- Kommission traf am 10. April in Jerusalem ein und wurde im Gouverneurpalast feierlich empfangen. Zugegen waren der Gouverneur, Bürgermeister, Mufti, der griechische,Archimandrit, der ■ armenische Erzbischof, Gemeindevertreter und Notabein der Stadt. Der 11. April wurde als Feiertag erklärt; am Skopusberg fand eine große Volksversammlung statt, in der Prof. W e i zmann an die über 4000köpfige Menge eine hebräische Ansprache hielt. Er dankte der Regierung für ihr Verständnis für die jüdischen Bestrebungen; ein glückliches, blühendes Palästina könne nur durch Juden aufgebaut werden. Die Versammlung jubelte Weizmann mit Begeisterung zu. Die jüdische Presse begrüßt einhellig das Eintreffen der Kommission. Kopenhagen, 22. April 1918. (Tel. d. „J. Ztg.“) Die zionistische Kommission traf am 6. April in Jaffa ein und wurde von Vertretern aller Organisationen und Vereine herzlich begrüßt. Dr. Weitzmann hielt eine enthusiastisch aufgenommene Ansprache in hebräischer Sprache. Die Kommission wurde vom Militärgouverneur empfangen, der seine Sympathie mit dem Zionismus ausdrückte. Am 10. April traf die Kommission in J er u s a 1 e m ein und wurde vom Militärgouverneur Oberst Storres und Vertretern der Jerusalemer Stadtverwaltung, darunter Mufti und Bürgermeister, der griechischen Archimandrie und anderen Notabein im Gouverneurpalast empfangen. Am folgenden Tag, der als jüdischer Feiertag erklärt wurde, fand eine große Demonstration auf dem Skopusberg statt, wo die jüdische Universität errichtet werden soll. Nach mehreren Begrüßungsansprachen sprach Dr. Weitzmann hebräisch; er drückte die feste Ueberzeugung aus, daß von dieser Stätte eine neue moralische Kraft ausgehen werde, die das ganze jüdische Volk heben würde. Weitzmann sprach der englischen Regierung seine! Dankbarkeit für die Regierungserklärung zugun, sten des Zionismus aus, dankte insbesondere Lloyd George. Balfour und Allenby. Namens der Regierung antwortete Major Ormsby Gore; ein freies und glückliches Palästina kann nur vom jüdischen Volk aufgebaut werden, welches harmonisch mit den übrigen Völkergruppen arbeiten werde. Die Kommission eröffnet demnächst ihre Büros in Jerusalem und Jaffa. Dr. Hantke in Wien. In der vergangenen Woche weilte das Mitglied des EAC. Herr Dr. Hantke mehrere Tage in Wien und hatte mehrere Unterredungen mit den leitenden Persönlichkeiten unserer Bewegung. Dr. Hantke nahm auch an Sitzungen des EK. und des wö. ZK. teil und erstattete Bericht über die Arbeit der obersten zionistischen Leitung, der mit Befriedigung entgegengenommen wurde. Der Zionismus . und die Mittelmächte. Das „Meissner Tagblatt“ vom 4. d. M. und die „Berliner Abendpost“ .vom ll.vd. M. bringen ausführliche Aufsätze über den Zfönismus und seine weltpolitische Bedeutung. Beide Zeitschriften treten warm für eine Förderung der zionistischen Bestrebungen' durch die Zentralmächte ein und betonen, welches Interesse die Mittelmächte an einer blühenden türkischen Provinz Palästina haben, die nur von Juden geschaffen werden kann. Linz a. Donau. Die kompetente Stelle in aßen zionistischen Fragen ist für Linz und Umgebung nunmehr der „Einzelverein Linz des „Zion“-Verbandes der österreichischen Vereine für Kolonisation Palästinas und Syriens“. Es wollen daher alle Korrespondenzen an diese Adresse (Linz, Franz Josefplatz Nr. 29) gerichtet werden. Das Postsparkassen-Konto lautet Nr. 169.437. „Wiener Morgenzeitung“ JiidischesTagblatt für Politik, Volkswirtschaft u. Literatur Abonnement: monatl. K 4.—, viertel]. K 12.—. Redaktion und Administration: Wien. II., Taborstraße 52 — Telephon 48.082. Organisiert die Propaganda für die Jüdische Zeitung!