Jüdische Zeitung
- Journal
- Jüdische Zeitung
- Volume
- 12 (1918)
- Issue
- 8 (22.2.1918)
- Date
- 1918-02-22
- Page
- – (sequence 1)
- Language
- German
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Naiionai'jüdifches Organ Erscheint wöchentlich elnnal Redaktion: Wien II/a, Zirkusgasse 33 Sprechstunden: Montag bis Freitag von 11—1 Uhr, Sonntag von 11—12 Uhr Manuskripte werden, wenn unverlangt, ohne Rückporto n i ch 1 zurückgesandi Redaktionsschluß Dienstag um 7 Uhr Eernsprcch-Nummer 45-3-25 Mit der Beilage: Der JüÖische Nationalfonds Wien, Freitag, 22. Februar 1918110. Adar 5678 Elnsnlnuannr 30 Hell*» Verwaltung: Wien.H/s, Zirkus?. 33 Oeschäftsstnnden: Montag bis Freitag von 9—12 u. 3—7, Sonntag von 9—11 Bezugspreise: Ganzjährig K 14.— halbjährig K 7.—, vierteljährig K 4,— Anzeigen und Beilagen nach Tarif Postsparkassen-Konto 133494 . . Ausschreitungen. —Ans dem Abgeordnetenhaus. -^Frankreich und der Zionismus. — Meldungen zur PaUstinafrage. — Presseschau.— Inhalt: Beileidsbezeugungen zum Ableben Dr. Tschlenow's. — Plenarsitzung des zion. Zentralkommitees in Rußland. — Aus der zion. Bewegung. — Von der V. J. 0. D. — Dr. S. Bernfeld: Ein allgemeines jüd. Pädagogium. — Aus der jüd. Welt. — Vertranensmännertagung der Wr. Zionisten usw jüdischer Nafionalverein in Oesterreich Samstag,den 23. Feber 1918 findet um 8 Uhr Abend im Saale des Hotel Continental II. Bezirk, Taborstraße Nr. 2 eine allgemein zugängliche VERSAMMLUNG statt. TAGESORDNUNG: — 1. Das Selbstbestimmungsredit der Völker und die Juden 2. Die nationale Organisation der österreichischen Juden REFERENTEN: Ing. Robert Stricker, Obmann des Jüdischen Nationalvereines Reichsrat9abgeordneter Or. ßeiUlO StraUCheT Der Saal wird um 7 Uhr geöffnet. —• Regiebeitrag 20 Heller. tS» Ausschreitungen gegen die Juden in Galizien Aus verschiedenen Städten Galiziens , gelangen, teilweise durch die Zensur beschnitten, Nachrichten über antijüdische Demonstrationen zu uns. In Krakau, Lemberg, Rzeszow wurden die Fensterscheiben jüdischer Häuser eingeschlagen und jüdische Bürger tätlich angegriffen; aufreizende Flugzettel, die in anderen Fällen unfehlbar der Staatsanwalt konfisziert hätte, wurden auf Oer- Straße,; in Aemtem, auf der Lembergcr Staatsbahndirektion, in Schulen verteilt. Besonders tat sich bei diesen Radauszenen die studentische Jugend hervor.; Das polnische V.olk erlebt jetzt eine Zeit schwerer undschmerzlicher Enttäuschung. Wir können 'das verstehen. Es sucht nach einem Ventil für seine Erregung. Doch wo ist der Schein von Berechtigung, die Juden zum Sündenbock zu machen? Wieso in aller Welt sind die Juden verantwortlich, daß im Frieden von Brest-Litowsk Chelm der-Ukraine zugeteilt wurde? Keineswegs berechtigt die Haltung der polnischen Juden zu solchem Vorgehen. Man ersehe aus einer Meldung, die die „Frankfurter Zeitung“ Vom 17. Februar aus Warschau bringt, wie auch die nationalgesinnte Judenschaft in Polen in polnisch-patriotischem Sinne Stellung nimmt: „Die jüdische Volkspartei (im Warschauer Stadtrat) schloß sich dem Protest der polnischen Nation an, weil die Entscheidung über das Schicksal von Land und Volk ohne eine Willensäußerung der Interessierten eine Vergewaltigung darstellt. Die zionistische Organisation*- erklärt sich mit dem Protest im Namen der souveränen Rechte des ungeteilten, und unabhängigen polnischen Staates .solidarisch.“ Zu dieser starken Erklärung ihrer Verbundenheit mit dempolnischen Volk haben sich . die über alles Maß hinaus drangsalierten Juden erhoben. Freilich darf die Stelle, daß „eine Entscheidung üben das Schicksal Von Land und Volk v.ohne eine Willensäußerung der Interessierten eine. Vcrgewaltigphg 'darstellt“ als die wesentliche Motivierung darin nicht übersehen werden. .Bei ' aß ihrer Treue zu Staat und Bürgerschaft werden sich, die. Juden stets ihrer Volksindividualität bewußt bleiben und-alle aus ihr fließenden Rechte mit unerschütterlichem Willen fordern. .•'Pressen müssen die Polen'eingedenk sein und bleibefi., Dann -werden sie den . einzig möglichen Standpunkt zu^der Judenfrage gewinnen. Auch im "politischen Leben verzahnen sich die Triebräder der Geschehnisse. Die Polen sind heute mehr denn je auf die Sympathien der Kulturwelt angewiesen. Sie mögen sich deshalb nicht weiter diskreditieren. Solche Vorfälle wie die letzten in Galizien werfen einen drohenden Schatten voraus. Aber die Juden sind nicht wehrlos der Gewalt ausgeliefert und allen Schutzes bar. Aus dem Abgeordnetenhause In der Sitzung des Abgeordnetenhauses vom 19. Februar brachten die Abgeordneten Doktor Straucher, Kuranda und Genossen an den;Ministerpräsidenten eine Interpellation, betreffend ^die wirksame Sicherstellung der vollen bürgerlichen und politischen Emanzipation der Juden in.Rumänien ein. Nach Aufführung der bezüglichen Bestimmungen. des Berliner Vertrages vom 13. Juli 1878 und nach Konstatierung, daß die rumänische Regierung diesen Vertrag auf die gröblichste und perfideste Art gebrochen habe, kommen die .Interpellanten zu der Auffassung, daß die Judenfrage von allen nationalen Fragen die internationalste sei. Es wird schließlich angesichts des Umstandes, daß gerade gegenwärtig Friedensunterhandlnngen der Zentralmächte und namentlich unserer, der k. u. k. österreichisch-ungarischen Regierung mit der königlich-rumänischen Regierung stattfinden, an den k. u. k. Ministerpräsidenten, der verfassungsmäßig berechtigt ist, auf die auswärtige Politik unserer Monarchie Einfluß zu nehmen, folgende Anfrage gerichtet: Ist Seine Exzellenz bereit, bei Sr. Exzellenz dem Herrn ic. u. k. Minister des Aeußern schleunigst dahin zu intervenieren, daß bei den besagten Friedensunterhandlungen mit der königlich rumänischen Regierung in. Verfolg der Stipulationen des Berliner Staatsvertrages und bezw. der im Artikel 44 desselben feierlich verkündeten vollen Rechtsgleichheit aller Staatsangehörigen und Volksstämme nunmehr die volle bürgerliche und politische Emanzipation der Juden in Rumänien unzweifelhaft und bedingungslos testgelegt und zu deren verzugslosen Durch- Jührung nach abgeschlossenem Friedensvertrage wirksame Kautelen und Garantien geschaffen werden? — Unterfertigt ist die Interpellation außer von den Antragstellern noch von den Abgeordneten: Breiter, Dr. Ofner, Reizes, Lukaszewicz, Dr. Liebermann, Hock, M. Friedmann, Ganser, Dr. v. Löwenstein. * In derselben Sitzung wurde ein Antrag des Abg. Dr. Straucher und Genossen, betreffend die endliche Aufhebung der Hofkanzleidekrete vom 29. Oktober 1814 in Angelegenheit des Verbotes des Gebrauches der jüdischen (hebräischen) Schrift und Sprache \ zur Verteilung gebracht. Er lautet: „Noch in der 10. Sitzung vom 26. Juni 1917 habe ich an Ihre Exzellenzen, die Herren Minister der Justiz, des Innern und der Landesverteidigung eine den gleichen Gegenstand behandelnde, eingehend motivierte, die“ Aufhebung der vorzitierfen veralteten Hofkanzleidekrete — die «nach meiner Auffassung durch den Artikel XIX des Staatsgrundgesetzes vom 21. De- . zember. 1867 schon längst hinfällig und außer Kraft gesetzt sind — betreffende Anfrage gerichtet, ohne jedoch bisher die Aufhebung des Verbotes des Gebrauches der jüdischen (hebräischen) Schrift und Sprache oder der besagten Hofkanzleidekrete erwirkt oder überhaupt eine Antwort auf diese Anfrage erhalten zu haben. Da aber die formelle Geltung der vorzitierten Hofkanzleidekrete ebenso ungerecht unbegründet, als für die Judenschaft kränkend und nachteilig ist und es völlig unbegreiflich und unfaßbar erscheint, daß der Gebrauch einer bei einem 14 Millionen-Volke geltenden Schrift und Sprache, dazu einer solchen, in der die allen Religionen heilige Bibel und die Psalmen abgefaßt sind, verboten sein soll, beantragen die Unterzeichneten: Das hohe Haus wolle beschließen: Die Hofkanzleidekrete vom 22. Oktober 1814, Nr. 1106, J. G. S.r und vom 19. Februar 1846, Nr. 938, J. G. S. werden aufgehoben und außer Kraft gesetzt. — Wien, 29. Jänner 191S.“ Diesen Antrag unterfertigten neben dem Antragsteller die Abg.: Hormuzaki, Dr. Wladimir Baczinskyj, Dr. Kolischer, Semaka, Spenul, Dr. Steinhaus, Baczynskyj, Stern, Loewenstein, S. Wityk, Ernst Breiter, One&il, Rauch, Kedzior, Stefanyk, Serbu, Lukaszewicz, Lawruk. Frankreich und der Zionismus Kopenhagen, 17. Februar (Telegramm des Zionfetischen Bureaus). Die Föderation der französischen Zionfeten drahtet: Die französische Regierung veröffentlicht eine oiiizieiie Note betreffs des Empfanges von SokoLow durch den Minister. Pichon. weicher erklärte, .daß zwischen Frankreich und England betreffs eines Jüdischen Palästina vollständiges Einverständnis herrsche. * Kopenhagen, 1<L Februar (Telegramm des Zionistischen Bureaus). Anläßlich der offiziellen Erklärung der französischen Regierung drahteten wir der Föderation, der französischen Zionisten: Wir beglückwünschen sie und Nahum Sokofow herzllcbst zur Deklaration der französischen Regierung, die vom jüdischen Volke mit Dankbarkeit aufgenommen werden wird. Es gereicht uns zur besonderen Genugtuung, daß auch das französische Volk mit seinen großen Traditionen für Recht und Freiheit die Berechtigung der zionistischen Bestrebungen feierlich anerkennt, die, wie wir hoffen, im Einverständnis mit allen Kulturnationen in naher Zukunit volle Verwirklichung finden werden. Kopenhagener Bureau. Jacobson. Meldungen zur Palästinafrage Frankreich und der Zionismus. Anläßlich der Erklärung Balfours veranstaltete die zionistische Föderation Frankreichs eine Demonstrationsversammlung, die von mehr als 2000 Personen besucht war. Der Minister des Aeußern, Pi chon, der englische Botschafter in Paris, Lord Bertie o f T h a m e, die Liga der Menschenrechte, Albert Tho mas, Montet, der französische Schriftsteller S p i r e u. a. “ richteten Begrüßung^ schreiben und Telegramme an die Versammlung. Armenische. Sympathien für den Zionismus. Anläßlich der Erklärung Balfours betreffs der Zukunft Palästinas erhielt das provisorische zionistische Exekutivkomitee in New-York warme Sympathiekundgebungen von zahlreichen armeni- «• f