Jüdische Zeitung
- Journal
- Jüdische Zeitung
- Volume
- 12 (1918)
- Issue
- 7 (15.2.1918)
- Date
- 1918-02-15
- Page
- Seite 1 (sequence 6)
- Language
- German
- Belongs to
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Seite 1 Beilage zur JÜDISCHEN ZEITUNG Nr: 7 NUMMER 7 tafe—-- DER JÜDISCHE NATIONALFOND 15./II. — 1918 Mitteilungen des Vereines „KEREITkaJEMETH LEJISROEL“ SAMMELSTELLE FÜR ÖSTERREICH Herausgegeben im Aufträge der öst. Kommission des Jüdischen Nationalfonds, ll/„ Zirkusgasse 33 Erscheint wöchentlich mit dem Ausweise der aus Oesterreich eingelangten Nationalfonds-Spenden Redaktionsschluß Sonntag vormittags. Später einfaufende Spenden werden' erst im nächsten Ausweis veröffentlicht - Tel.45-3-25—Postsp.-Kto. 100.208 WIEN 11/,. ZIRKUSGASSE NR. 33 DerJüdische'National-fonds“ ist dazu bestimmt, in Palästina Grund und Boden als unveräußerliches Eigentum des jüdischenVolkes zu erwerben. Vom V. ZionistenkongreB (19C1) gestiftet, hat er jetzt schon 8 Millionen Kronen Vermögen, bei stetigem Zuwachs, der im letzten Friedensjahre (1913) eine Million Kronen betrug Der Jüdische Nationalfonds im Jahre 1917 Die Spendeneinnahmen des Jüdischen Nationalfonds im Jahre 1917 betragen nach Ländern geordnet: Rußland 475.312 Rubel. Oesterreich 520.025 Kronen; davon aus Oesterr. Okkup. Polen 72.463 Kronen Nord-Amerika 73.502 Dollar, . Deutschland 149.368 Mark, Polen und Litauen: deutsche Okkupation 83.692 Mark. ' Holland 28.767 Florin, England 1396.1.10 Pfund Sterling, Argentinien 13.378 Pesos, Canada 4056 Dollar, Ungarn 18.526 Kronen, Süd-Afrika 639.8.4 Pfund Sterling, Südslavische Länder 14940 Krot neu, Bulgarien 13.846 Levas. Schweiz 11.572 Francs, Belgien 8329 Francs, Frankreich (inkl. Tunis) 6978 Francs, Aegypten 255.11.4 Pfund Sterling, Griechenland 6425 Francs, Ostasien 160.—.— Pfund Sterling, Schweden 2542 Kronen, Dänemark 2447 Kronen, Australien 82.10.6 Pfund Sterling, Neuseeland 52.13 Pfund Sterling, Italien 697 Lire, China 20.—.— Pfund Sterling, Brasilien 192 FL, Spanien 300 Francs, Norwegen 85 Kronen und diverse Länder 460 Francs. Das ergibt zu den Kursen vom 31. Dezember 1917 zusammen 1,747378 Francs. Nach den Friedenskursen ergeben diese Beträge 2,730.011 Francs. Da ein größer Teil der Spenden vorerst nicht realisiert wird, sondern in den Landeswährungen deponiert bleibt, so ist das Ergebnis noch nicht als endgültig anzusehen. Bei einer eventuellen Erholung der Währungskurse nach dem Kriege könnte die Kursdifferenz zum Teil an den JNF. zurückfließen. Die Einnahme des Kriegsjahres -1917 istein deutlicher Beweis, daß der Nationa'fonds sich einer außerordentlichen Popularität erfreut, ja sogar die beliebteste Institution im jüdischen Volke genannt werden darf. Bereits im Frieden (1913) hatte der JNF. hauptsächlich aus kleinen Spenden der minderbemittelten jüdischen Massen, eine Jahreseinnalime von einer Million Francs erzielt. Das Ergebnis des Jahres 1917, welches eine Verdopplung diesem Summe brachte, ist umso beachtenswerter, als die Spenden zum größten Teile den vom Kriege am schwersten heimge- . suchten Gegenden entstammen. In letzter Zeit beginnen. durch die .großen: für die Zukunft Palästinas entscheidenden Ereignisse des Weltkrieges veranlaßt, auch die kapitalkräftigen jüdischen Kreise dem JNF. ihre Sympathien zuzuwenden. So werden seitens einzelner wohlhabender Juden Stiftungen zugunsten des JNF. gemacht. Auch Subventionen seitens jüdischer Korporationen, wie Logen, Gemeinden usw. sind nunmehr zu erwarten. w . Trotz seiner kaum zehnjährigen Wirksamkeit hat der JNF. in der Entwicklung der neuen jüdischen Siedlung in Palästina eine immer größere Bedeutung gewonnen. Die Auffassung wird immer allgemeiner, daß angesichts der großen Siedlungsarbeiten, die nach dem Kriege in Palästina bsvorstehen, den Jüdischen Nationalfonds bedeutende Aufgaben erwarten. Er wird berufen sein, durch Erwerb großer Ländereien vor allem die Koionisierüiüg der k^pitalsschwachen und unbemittelten Massen zu emjpglichen. Dazu werden freilich die Einkünfte des'ronds ein Vielfaches der bereits erreichten Summe ergeben müssen. ' Vom Jüdischen Nationalfonds Ende Dezember 1917 Wat in Berlin eine ■ Konferenz der deutschen Vertrauensmänner dies Jüdischen Nation a 1 f o n d s stattgefunden, um zu beraten, auf welche Weese für die in nächster Zukunft an den Nationalfonds herantretenden großen Aufgaben bedeutende Kapitalien beneitzustellen seien. Die Konferenz beschloß, zu diesem Zwecke in erster Linie den F-riedensscheck des JNF. eu propagieren, wobei erwartet wirdl daß jeder Spender einen, sauer finanziellen Leistungsfähigkeit entsprechenden Betrag zeichnet. Eine wichtige Konferenz zur Förderung des Jüdischen Nationalfonds hat ebenfalls Ende Dezember Sm London .stattgefunden. Beinahe alle zionistischen Vereine Londons und sehr viele der Provinz haften Delegierte entsendet. Den Vorsitz führte Nahum. Sokoi o w, der darauf hkiwieß, daß der JNF. für die Zukunft Palästinas eine der belangreichsten Rollen zu spielen haben werde; im Hinblick auf die letzten Ereignisse ruhe auf den Juden Englands die besondere Pflicht, das früher Versäumte gutzumacBfcn und den Fonds in jeder Hinsicht zu stärket Darauf gab Ing. Agr. J. Oett.inge r eine Uebersicht'der Siedlumgsaufgaben des JNF. . während der "nächsten Zeit und erläutert® seinen bekannten Plan der Gründung von zunächst 30 Kolonien mit 3000 landwirtschaftlich tätigen Familien mit dem Aufwand von 75 Millionen Francs, wovon 25 -Millionen vom JNF. für den Boden beizutragen wären. Zur Förderung dieses Plaues empfahl er eine Agitation für die „Nachiah“, d. h. eine Spende von 100 Dunam (den durchschnittlichen Bodenanteil einer Familie) iin Betrage von 5000 Francs. Die Konferenz nahm . schließlich ti. a. die folgenden Resolutionen einstimmig an: 1. Das Hauptziel des Jüdischen Nationaliouds soll der Erwerb von Land in Palästina und. die Nationalisierung des erworbenen Landes sein, um wenigstens teilweise die Nachteile und! Gefahren-' des privaten Landeigentums zu verhindern. 2. Der Jüdische Nationalfonds ist zu einem machtvollen Instrument der jüdisch-nationalen Bewegung auszugestalten, zu dem Zwecke, die 'palästinensische Kolonisation, so weit sie .durch private Initiative erfolgt, in nationalem Sinne zu regulieren. 3. Alle zionistsche Vereine habenfür die Hauptidee des Nafionalfones — den Erwerb von Land als Nationaleigentuni — Propaganda zu machen. Weiter wurden folgende Beschlüsse geiaßt: Es sollen einmal jährlich drei Monate vor der Konferenz der zionistischen Föderation -eine Konferenz des Jüdischen Nätionalionds abgehalten und Berichte der J. N. F.-Konferenz der Tagung der zionistischen Föderation unterbreitet werden. Es sollen öffentliche Versammlungen im ganzen Lande mit dem Thema „Die -Aufgaben des Jüdischen- Nationalfonds“ veranstaltet werden. Eine besondere Agitation für den Naitdonalfondis soll in den Kreisen der Wohlhabenden ausgenommen werden. . Zum Schlüße wurde ein Antrag des Direktors der. zionistischen Paläsfinabank, D. .L e v o nt i n, daß an die Aufbringung eiiner Mindestizalil von 1000 „Nachlahs“ oder 5 Millionen Francs — zum Erwerb von Boden für die landwirtschaftliche' "Ans!edlung“vtfn"'l000 Famili en ~— geschritten werde, von der Konferenz angenommen. - Jechiel Tschlenow-Hain Bei der* letzten Sitzung des Vorstandes des J. N. F. für Oesterreich hielt der Vorsitzende- Stellvertreter Adolf Böhm dem ’ kürzlich verstorbenen Mitglied des engeren A. C. E. W. Tschlenow einen -warmen Nachruf. Der Vorstand beschloß einstimmig, zur Ehrung des Andenkens des verstorbenen Führers ein Aufruf zur Stiftung eines E. W.Tschlenow-Haines im Herzlwalde zu erlassen. Was Tschlenows vorzeitiger Verlust für unsere Bewegung, insbesondere in dem gegenwärtigen Zeitpunkte schwerwiegender Entscheidungen bedeutet, ist schon an entsprechender Stelle in diesem Blatte hervorgehoben worden und bedarf keiner Wiederholung. Er war einer der Pioniere unserer Idee, einer der wenigen, die sich in den Dienst der Sache ganz und vorbehaltlos stellten, ihr alles widmeten, Zeit,. Vermögen und Arbeit, ihr Alles opferten. Wie ein pflichtgetreuer Soldat'starb Tschlenow auf dem Posten, in Ausübung seiner wichtigen Mission,- die ihm die Leitung unserer Organisation anvertraute. Auf allen Gebieten des jüdischen und zionistischen Lebens war Tschleiiow unermüdlich tätig. Mit besonderer Liebe hing er an unserem Volksschatze und an allem, was mit der Verwirklichung unserer Bestrebungen in Palästina züsammenhängt. Als Obmann der russischen Sammelstelle des J. N. F. leistete er für ünseren Volksschatz die Pionierarbeit in Rußland zu einer Zeit, wo diese Arbeit seitens der Regierung verpönt und verboten war. Seinen Bemühungen ist e? zum größten Teile zu verdanken, wenn trotz enormer Schwierigkeiten unser Volksschatz in Rußland so popularisiert wurde, wie' in keinem anderen Lande. In Wort und Schrift war er stets für den J. N. F.- tätig. Die erste Broschüre über den J. N. F. iri russischer Sprache stammte aus seiner Feder. Sein Werk, war es, wenn nach Ausbruch der Revolution in Rußland im Laufe einiger weniger Monate mehr als eine Million Kronen für den J. N. F. gesammelt werden konnte. Wir fordern unsere Vertrauensmänner und Freunde auf,;sich an der beschlossenen Ehrung Tschlenows zu beteiligen und sogleich überall eine Aktion für den Tschlenow-Hain einzuleiten. Wir sind überzeugt, daß" das Denkmal, welches die österreichischen Zionisten dem verstorbenen Führer errichten werden, der Größe der Verehrung und der Liebe, die wir alle für ihn empfinden, entsprechen wird. Sammelstelle des J. N. F. für Oesterreich. Versicherung zugunsten des Jüdischen Nationalfonds Die sehr, wichtigen Aufgaben, welche der Jüdische Nationalfonds nach dem Kriege wird durchführen müssen, lassen es notwendig erscheinen, ihm weit größere Summen als bisher zur Verfügung zu stellen. Mit den bisher angewandten Sammelmit-teCn können wir dieses Ziel allein nicht erreichen. Diese Erwägung hat uns veranläßt, die Versicherung zugunsten des Jüdischen Nationalfonds in intensivster Weise zu propagieren. Zu diesem Behufe haben wir mit -der Gesellschaft, für Lebens- und- Rentenversicherungen Der Anker in Wien — einem erstklassigen Versichierungsinstifiite — ein Uebareinkommen getroffen, auf Grund1 dessen unsere Sammelstelle durch eine „Abteilung für Versicherungen“ erweitert wurde, der die Durchführung dieser Aktion obliegt. Von einem Fachmanne im Versicherungswesen geleitet, wird sie — •dessen sind" wir sicher — das gesteckte Ziel — dem Nationalfonds Millionen zuzuführen — gewiß erreichen, wenn unsere Nationalfondskommissäre, welche es dank ihrer mustergültigen und hingebungsvollen Arbeit ermöglicht haben, daß die Einkünfte dies Jüdischen Nationalfonds aus Oesterreich sich in den letzten Jahren vervielfacht haben, auch diesem Sämmelzweige ihre wertvolle Unterstützung angedeihen lassen werden. D ie - Ve rsicher un g i ii r den J üdischen Nationalfonds soft an dlte Stelle der Sei bs tb es t e u e r u n g treten, dla1 hiedurch dle-m Jüdischen Nationalfonds eine größere Summe unter allen Umständen gesichert bleibt. . ... - -■ - . Auf Grund der Vereinbarung in.it dem „Anker“ wurde die Prämie für die Na'iionalfoiK'isVersicherungen herabgesetzt und zwar auf K 63.— für je K 1000.— Versicherungssumme (gegenüber K 66.— bei den allgemeinen Kriegsanteiheiversicherungen). Die Versicherung kann auf Bargeld oder auf österreichische Kriegsanleihe beantragt werden und wird bis K 5000.— ohne ärztliche Untersuchung abgeschlossen. Die Prämie ist in beiden Fällen die gleiche. Ausnahmsweise werden solche Versicherungen auch bis K 10.00G ohne ärztliche Untersuchung entgegengenommen. Doch -ist in solchen Fällen eine Versicherung mit ärztlicher Untersuchung vorzuziehen, da liiefür günstigere Bedingungen festgesetzt sind. (Fallende Prämien mit garantierter Dividende.) Diesbezügliche Prämienaurstelilungen werden auf Wunsch berechnet. Die Prämie beträgt für beide Versicherungsarten für K 1000.—: jährlich halbjährlich K 63.— -K 32.20 für K 500.—: jährlich halbjährlich K 32.50 K 16.10 vierteljährlich K 16.40 vierleijährlich K 8.20 monatlich K 5.60 monatlich. K 2.80 Um die Propaganda für die - Nationalfondsversicherung zu erleichtern, wenden Aufrufe ausgegeben. ■ . - Propagandamaterial und Anmeldeformulare stehen in beliebiger Anzahl zur Vertilgung. Mit Zionsgruß Jüdischer Nationalfonds, Sammelstelle fiir Oesterr. Abteilung für Versicherungen. Im Gedenken (Zu Benno Rosenstrauchs Todestag.) Am 15. Februar 1. J. jährt sich zum ersten Mal der Todestag unseres lieben Benno Rosenstrauch. ln liebevoller Erinnerung lebt Benno Rosenstrauch in den Herzen seiner Suczawaer Mitarbeiter und seiner akademischen Organisation ,-,Tikwah“ fort. Ueber diesen engen Kreis der un- ’ mittelbaren Mitarbeiter hinaus ist unserem Freund ein Ehrenplatz in der Organisation des jüdischen Nationalfonds sicher, dem er von seiner Gymnasialzeit bis zu seinem letzten Atemzug als Leutnant in seiner Schaffenskraft in treuer Ergebenheit sich widmete. Diesem zionistischen Kämpfer sollen nicht allein Worte der Erinnerung, sondern Taten jüdischer Dankbarkeit gewidmet sein. . . Die Benno Rosenstrauch nahestehenden Ge- Gedenket unserer Pioniere in Palästina!