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Jüdische Zeitung · 1918-02-15 · 7 (15.2.1918) · page 1

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Image: UB Frankfurt, Visual Library (IIIF)
Journal
Jüdische Zeitung
Volume
12 (1918)
Issue
7 (15.2.1918)
Date
1918-02-15
Page
– (sequence 1)
Language
German
Belongs to
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wmsm&m XII. Jahrgang. — Nr. 7 Nalional-jüdifches Organ Erscheint wöchentlich einmal Redaktion: Wien II/S, Zirkusgasse 33 Sprechstunden: Montag bis Freitag von 11—1 Uhr, Sonntag von 11—12 Uhr Manuskripte werden, wenn unverlangt, ohne Rückporto n i ch t zurückgesandi Redaktionsschluß Dienstag um 7 Uhr Fernsprech-Ninnmer 45-3-25 Mit der Beilage: Der Jüdische Nationalfonds Wien, Freitag, 15. Februar 1918/3. Adar 5678 Einzelnummer 30 Hehler Verwaltung: f Wien II/., Zirküsg. 33 Geschäftsstunden: Montag bis Freitag von 9—12 u. 3—7, Sonntag von 9—11 Bezugspreise: Ganzjährig K 14.— halbjährig K 7.—. vierteljährig K 4;— Anzeigen und Beilagen nach Tar Postsparkassen-Konto133.404 « . I. An die ukrainische Volksrepublik — Die Beerdigung Dr. Tschlenows. — Polnische Wirtschaft. — R. E. Weiß: Josef Popper-Lynkeus. — mnalt: Nachrichten aus Polen. — Berichtigung. Das Hilfswerk für Polen. — Juden! Zionisten! — Meldungen zur Palästinafrage. — Tagung der orth. Organisationen in Frankfurt a. M. — S.F.: Noch einige Worte zur orth. Konferenz. — Aus der jüd. Welt. — A.B.: Sportklub „Hakoah“, Wien usw^ i An die Regierung der ukrainischen Volksrepublik Ein Begrüßungstelegramm der nationalen Judenschaft Oesterreichs. Als erster unter allen Staaten hat die ukrainische Volksrepublik die Juden praktisch als Nation anerkannt. Die Juden haben in der ukrainischen Konstituante einen Sitz und als sichtbarer Ausdruck ihrer Gleichstellung als Volksindividualität trägt ukrainisches Papiergeld auch eine hebräische Inschrift. Der frühere Ministerpräsident W i n i t s c h e u k o und andere Kabinettsmitglieder begrüßten die englische Paläsbnadcklaration mit lebhaftem Anteil. Winitschenko stellte sie in dieselbe Reihe der politischen Ereignisse wie die Wiedergeburt Polens und der Ukraine. Anläßlich des Friedensschlusses drängte es daher die nationale Judenschaft Oesterreichs, der Regierung der Ukraine ihre Genugtuung auszusprechen, daß sie die Forderungen der Gerechtigkeit den Juden gegenüber erfüllt hat. Die organisierten Nationaljuden Oesterreichs haben aus diesem Gefühle heraus am 12. Februar folgende Depesche an die Regierung der ukrainischen Volksrepublik gesandt: ' Die national organisierte Judenschait Oesterreichs entbietet der ukrainischen Volksrepublik die herzlichsten Friedensgrüße und wünscht dem neuerstandenen Freiheitsstaate kraftvolles Gedeihen. Das große ukrainische Volk hat von seiner hart errungenen Freiheit den edelsten Gebrauch gemacht, indem es den in seiner Mitte lebenden Minoritätsvölkern uneingeschränkte nationale Rechte und den gebührenden Einfluß in der Volksregierung gesichert hat. Es hat damit eine feste Grundlage für‘eine friedliche Zukunft und gesunde Entwicklung des neuen Völkerstaates geschaffen. Mit Freude haben die Juden der ganzen Welt die Kunde begrüßt, daß ihre Brüder in der Ukraina als vollberechtigte Nation anerkannt und ihnen alle Eigenrechte eines freien Volkes gewährleistet wurden. Sie haben mit bewegtem, dankerfülltem Herzen Kenntnis davon genommen, daß die ukrainische Volksregierung das Recht der Juden auf eine freie nationale Entwicklung in ihrem alten Heimatlande Palästina in einer besonderen Entschließung ausdrücklich anerkannt hat. Die ukrainische Volksrepublik hat sich durch diese Handlungsweise die Sympathien aller volksbewußten Juden gesichert, insbesondere die Dankbarkeit der national organisierten Judenschaft Oesterreichs, welche unentwegt dahin arbeiten wird, daß zwischen der ukrainischen Republik und ihrem Vaterlande Oesterreich ein dauerndes, für beide Teile ehrenvolles und ersprießliches Freundschaftsverhältnis geschaffen werde. Für das Exekutivkomitee der Zionisten Oesterreichs: Adolf S t a n d m. p. Reichsratsrevisor T a u s s i g m. p. Für den Jüdischen Nationalerem in Oesterreich: Ing. Robert S t r i c k e r m. p. Die Beerdigung Dr. Tschlenows Telegramm der Jüdischen Zeitung. Kopenhagen, 10. Februar. Die Beerdigung von Dr. Tschlenow fand am Mittwoch, den 6. Februar mittags in London statt Eine Reihe hervorragender Persönlichkeiten nahmen an der Beerdigung teil, darunter Sir Mark Sykes und Sir Ronald Graham als Vertreter des Ministeriums des Aeußern, ferner Lord Fi tzmaurice, der frühere Unterstaatssekretär im Ministerium des Aeußern. und der russische Generalkonsul. Es sprachen am Grabe die Herren Dr. Hertz und Oberrabbiner Dr. Gast er. Die „Hatchijah“ und der .Verein für hebr. Sprache u.Kultur“ veranstalten gemeinsam ein? große hebr. Matinee die Sonntag Vormittag am 17. Februar in der „Neuen Wiener Bühne“ stattfinden wird. Programm: 1) Chor.-Dirig. Frau Dr. Glanz-Sohar 2} Festrede des H. Dr. Jehoschua Thon aus Krakau: „Das neue Judentum und seine Zukunft“ 3) Chor 4) Aufführung des hebräischen Schauspiels: „Hachasdimonaim haktanim“ von K. L. Sil man. Der Reinertrag ist für die Gründung einer neuen Hebräischen Zeitschrift bestimmt. Karten-Vorverkauf: Buchhandlung R. Löwit, I., Rotenlurmslraße 32, 1- Schlesinger, 1.. Seitensthltengaffe 5. Zionistisches Zentralbüro. II., CirkusgafTe 35, und Cafe Marienbrüche (Samstag v. S‘4-) 1 Uhr Abend). Polnische Wirtschaft Bittere Nachrichten kommen wieder aus Polen. Wir lasen neulich, daß der Ministerpräsident. daß die maßgebenden Stellen sich für eine wohlwollende Haltung, sozusagen für ein freundliches Verhalten zu den Juden ausgesprochen haben. Diese neue Freundschaft ist jetzt in Warschau von den Polen zum -Ausdruck gebracht worden: Der Magistrat hat den Stadtverordneten 11 s k i zum Direktor des Nahrungsmittelamtes ernannt. Herr llski war es, der durch seine rohen und gemeinen Beschimpfungen der Juden das Niveau der Warschauer Stadtrats- Verhandlungen aut den Tiefstand wüster Pogromszenen hinabdrückte, Herr llski ist es, der zum Prototyp des dummen und dafür um so gefährlicheren, durch keinerlei Erwägung von Vernunft und Anstand gehemmten, in seinem letzten Ende totschlägerischen Judenhassers (das Wort Antisemit reicht da lange nicht mehr) geworden ist. Und diesen Herrn llski beschert uns jetzt die Einsicht und die Friedensfreundlichkeit der Warschauer Gemeindevertreter zum Direktor des städtischen Nahrungsmittelamtes. Man muß wissen, was das heißt. Dieses Amt hat fast autonome Vollmachten über die ganze Nahrungsmittelversorgung Warschaus. In seiner Hand liegt es, wer verkaufen darf und wer nicht, von ihm hängt ab. wer zu essen haben wird und wer nicht. Schon jetzt ist die Zahl der jüdischen Fleischer und Bäcker in Warschau dezimiert. Man hat sie systematisch ausgeschlossen, wo es sich um die Einrichtung Josef Popper-Lynkeus (Zu seinem achtzigsten Geburtstag.) Von Robert Emil Weiß. In einer stillen Nebengasse Hietzings wohnt der nunmehr achtzigjährige Gelehrte, ein Sohn unseres Volkes, der berufen, war, der Menschheit e|n Werk zu schenken, das nichts geringeres bezweckt, als die soziale Frage auf eine einfache, klare Weise zu lösen. Das wichtigste Verdienst Josef Poppers besteht aber darin, daß er diesen Plan, „jedem Individuum von Staatswegen einen anständigen Lebensunterhalt zu sichern“, eingehend berechnet und als ausführbar einwandfrei bewiesen hat. Für sein Monumentalwerk „Die allgemeine Nährpilicht als Lösung der sozialen Frage“ gilt' nicht der Vorwurf der Utopie, den man z. B. H e r z 1 machte, als er „Alt-Neuland“ 'vorausahnend und voraussehend schrieb. Eine merkwürdige Gemeinsamkeit besteht zwischen Josef Popper-Lynkeus und Theodor Herzl. .Beide beschäftigen sich mit der Judenfrage. — Schon 1886 gelangt Josef Popper in seinem Buche „Fürst Bismarck und der Antisemitismus“ (Verlag Hugo Engel-Wien) zum Schlüsse, daß nur das Fehlen eines eigenen Staates die Ursache der . Jüdemiot sei. „Der wahre Grund dieses jedes Rechtsgefühls baren Hochmutes (des Antisemitismus. D; R.) liegt in der historischen Tatsache, daß die Juden seit so langer Zeit nirgendwo auf dem ganzen Erdball einen selbständigen Staat besitzen . . . Man stelle sich aber vor, es existiere oder entstünde heute irgendwo ein jüdischer Staaf. Sofort wäre eine Art völkerrechtlichen Respekts vor dieser „irgendwo“ existierenden politischen Macht vorhanden . . . Aus diesen und manch anderen Gründen ist es jedoch eine äußerst anregende Betrachtung, sich in seiner Phantasie einen heutigen jüdischen Stahlt vorzustellen; ich glaube, selbst Alles, was uns die Vereinigten Staaten von Nordamerika zeigen, würde noch verblassen gegen das, was man dort zu sehen bekäme.“ (Seite 122/123.) Dieses Buch, das im täglichen Kampfe gegen den Antisemitismus dem Juden eine »-echt nützliche Waffe bedeutet, ist im Jahre 1886 selbstverständlich unbeachtet geblieben. Der Plan eines Judenstaates galt damals für eine verrückte Idee. Heute, wo die Mehrheit unseres Volkes und auch Nichtjuden über den Judenstaat anders denken, verdient dieses mit Liebe geschriebene und noch immer aktuelle Buch die gebührende Beachtung. Wer es liest, wird manchen Hieb geschmeidiger parieren können. ■ Ebenso wie Hörzl, beschäftigt sich Josef Popper- Lynkeus sehr intensiv mit der sozialen Frage und bespricht den grandiosen Plan einer „Allgemeinen Nährpilicht" bereits 1878 in seinem Werke „Das Recht zu leben und die Pflicht zu sterben“. Vierzig Jahre arbeitet er an dieser gewaltigen Idee, baut sie bis ins kleinste Detail aus, um 1912 mit seinem großen Werke „Die allgemeine Nährpflicht als Lösung der so- ' zialen Frage“ die Menschheit auf die heilvolle Möglichkeit hinzuweisen, jeden Menschen durch eine gerechte und einfache Staatseinrichtung vor unverschuldeter Not zu bewahren. Dem Zionisten erscheint aber jene Tatsache besonders denkwürdig, daß die Art, in der sich Herzl den Judenstaat organisiert dachte, wesentliche Uebereinstimmungen mit der Idee einer „Allgemeinen Nährpilicht“ zeigt. Die Einrichtung von staatlichen Arbeiter-Armeen („Judenstaat“), die Arbeits-Dienstpflicht für beiderlei Geschlechter inder „Neuen Gesellschaft“ und die Organisierung derselben („Alt-Neuland“), die Einführung eines Siebenstundentages („Judenstaat“) und viele andere Einrichtungen dachte sich Herzl für einen auf sozialer Gerechtigkeit fußenden Judenstaat. Alle diese Einrichtungen, die’bei Herzl bloß angedeutet sind, finden wir in der „Allgemeinen Nährpilicht“ genau ausgerechnet und was uns In Anbetracht der nahen Verwirklichung des Judenstaates am wichtigsten erscheint, was Herzl bloß vorschlägt, hat Josef Popper als durchführbar bewiesen. Diese Tatsache ist für uns ganz besonders wertvoll. Denn die Zeit scheint vielleicht nicht mehr ferne, wo unser Aktions-Komitee oder eine andere jüdische Behörde sich mit der Frage beschäftigen wird: Wie wollen wir das soziale Leben in Palästina gestalten? Die Antwort auf diese Frage bedarf einer sorgfältigen Erwägung. Das eine aber wissen wir schon heute, daß wir die sozialen Zustände, beziehungsweise Mißstände Europas auf keinen Gesinnungsgenossen! Laßt Euch Propagandamaterial des J. Z. kom

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