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Jüdische Zeitung · 1918-02-08 · 6 (8.2.1918) · p. Seite 1

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Journal
Jüdische Zeitung
Volume
12 (1918)
Issue
6 (8.2.1918)
Date
1918-02-08
Page
Seite 1 (sequence 5)
Language
German
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Nr. 5 Beilage zur JÜDISCHEN ZEITUNG NUMMER 6 DER JÜDISCHE NATIONALFOND 8. II. — 1819 Mitteilungen des Vereines „KEREN KAJEMETH LEJ1SROEL“ SAMMELSTELLE FÜR ÖSTERREICH Herausgegeben im Aufträge der öst. Kommission des Jüdischen Narionaifonds, II/,, Zirkusgasse 33 Erscheint wöchentlich mit dem Ausweise der aus Oesterreich eingelangten Nationalfonds-Spenden Redaktionsschluß Sonntag vormittags. Später einlaufende Spenden werden erst im nächsten Ausweis veröffentlicht — Tel.45-3-25— Postsp.-Kto. 100.208 / WIEN ll/t. ZIRKUSGASSE NR. 33 Der „Jüdische^Nationalfonds“ ist dazu bestimmt, in Palästina Grund und Boden als unveräußerlich es Eigentum des iüdischenV.iikes zu erwerben. Vom V. Zionistenkongreß (19C1) gestiftet, hat er jetzt schon 8 Millionen * ronen Vermögen, bei stetigem Zuwachs, der im letzten Friedensiahre 0913) eine Million Kronen betrug Op schalom, die Friedenskolonie der Kriegslandspende*) Es war im April des Jahres 1915. Wild'tobte der Weltkrieg und wälzte immer neue Wogen der Verwüstung hierhin und dorthin über vordem blühende Länder. Das Elend vieler Tausendschaften jüdischer Flüchtlinge schrie zum Himmel und zu den Herzen ihrer glücklicheren Brüder, denen noch ein Dach über dem Haupte geblieben war. Ueber diesen drängenden Sorgen des Heute und Morgen schienen die färbe,iglühenden Ideale und Zukunftsbilder eines in Freiheit und Wohlstand prangenden Erez Israel verblaßt und es versiegte die üpferwilligkeit selbst für den Jüdischen Nationalfonds, dieser teuersten Schöpfung werkfrohen Nationaljudentums. Manch Kleinmütiger mochte da verzweifeln, ob auch nur die wenigen, im Laufe von Jahrzehnten mühsam aufgerichteten Grundbauten in Palästina solchen Stürmen werden widerstehen können. Damals riefen die Führer unseres Volksschicksais. zumal die im Haager Hauptbüro des J. N. F., das Gewissen der Gesinnungsgenossen auf._ daß sie sich doch ermannen und unseren tapferen Pionieren in Erez Israel beistehen, das Bestehende zu verteidigen und zu erhalten. Die Leiter der Landessammelstelle des J. N. F. ivi Oesterreich vernahmen diesen Ruf und gaben ihn pflichtgemäß an ihre Vertrauensmänner weiter — konnten sich aber damit nicht begnügen. Das alte Wahrwort vor Augen, daß zurückgeht. wer stillesteht, sagten sie sich, daß der Lebenswille und die Tatkraft unseres Volkes den Stürmen des Weltkrieges nicht nur trotzen müsse, sondern daß es — darüber hinaus — nunmehr gelte, diese Stürme als belebenden, vorwärtstreibenden Odem für unsere ureigenen Ziele zu verwerten. Sie sagten sich, daß die Leiden des Krieges gerade für die Juden aller kriegführenden Länder, wenn nur laut und eindringlich gedeutet, die Richtigkeit unseres nationalen Ideals und der unabweislichen Notwendigkeit seiner baldigen Verwirklichung auch dem blöderen Auge und stumpferen Herzen därtun müssen. Sie sagten sich, daß die Not und Schmach unseres Volkes keine Pausen ivt der Arbeit für die wahre, dauernde Hilfe duldet und daß herzhaften Mut nur wecken kann, der ihn selbst bekennt und . bewährt. So sagten wir uns und so sprachen wir zu unseren Vertrauensmännern in Oesterreich, indem wir die Parole der „K r i e g s 1 a n d s p e n d e“ ausgaben. Sie sollte, vom Weltkrieg gezeitigt, sich nach ihm benennen. Er hatte dies neue Elend gebracht und er sollte es wenden: er sollte die Juden freiwillig und großmütig opfern lehren, auf daß der Nationalfonds neuen Grund in Palästina erwerbe und auf ihm" durch den Krieg heimlQS gewordene Juden als Landwirte in Erbpacht ansiedle. Hier sollten diese Pioniere für sich und durch ihr werbendes Beispiel dem ganzen heimlosen Judenvolk eine feste, dauernde Heimat erarbeiten! Und siehe, die Parole zündete. Zuerst draußen bei unserer unter den Fahnen stehenden Jugend im Feld und in den Garnisonen, bis sich allmählich auch die Getreuen im Hinterland, von solch edlen Vorbildern beschämt, wieder auf ihre Pflicht besannen. Von Woche zu Woche stieg so der Zufluß an Opfergaben. Bald blieb er nicht mehr auf den engeren Kreis der Parteigenossen beschränkt, sondern kam auch von Juden, die bisher kühl und fremd allem Jüdischen gegenübergestanden waren. Ermutigt durch solche Erfolge, trug die Wiener N. F.-Kotnmission die Propaganda für die Kriegslandspende nun auch in die ihr zugänglichen Nachbarländer, nach Ungarn und in die südslawischen Gebiete der Monarchie. Im Sommer 1916 fand sich die Kommission bestimmt. als\ vorläufigen Rechenschaftsbericht eine „Kriegslan-dspende“-SGTideniummer der N. F.- Mitteilungen „Erez Israel“ zu adieren. Darnach waren in den ersten 13‘A Monaten der Sammelarbeit (bis Ende Juni 1916) aus etwa 500 Orten der österreichisch-ungarischen Monarchie 141.000 Kronen eingeflossen. Diese Sondernummer enthielt als wertvollsten Beitrag eine Abhandlung des seit Dezennien im Dienste der jüdischen Palästinakolonisation bewährten Agronomen Ing. Jakob Oettinger. die mit nüchterner Sachlichkeit und deshalb umso überzeugender die technische Seite des Problems der Kriegslandspende darstelite. wie diese nämlich in Altneuland zweckmäßig verwendet werden muß, um dort möglichst vielelebens- und *) Aus dem soeben erschienenen „AImatt a c h zydowski“. der bei uns zum Preise von K 4.70 erhältlich ist. - entwicklungsfähige Kolonistenwirtschaften zu schaffen und zu sichern. Bekanntlich hat seither das N. F.-Hauptbiiro ein umfangreicheres Werk Oettingers. „Methoden irnd Kapitalsbedarf jüdischer Kolonisation irt Palästina“. herausgegeben, worin der Autor noch tiefer schürft, unseren Zukunftsbau noch fester fundiert. In jener Sondernummer aber finden sich auch schon Aeußerungen von Gedanken, welche, den materiellen, praktischen Kern der Sache kühn umrankend, dem stets auf das Höhere. Geistige gekehrten Sinn unseres Volkes kongenial erscheinen. So klingt der einleitende Auisatz in den Wunsch aus: „Das erste Dorf auf K. L. S.-Boden möge bald erstehen und schondurch seinen Namen den heißersehnten, neuerlangten Völkerfrieden begrüßen!“ Und in einem eigenen, mit hinreißeder Begeisterung geschriebenen Beitrag. „Bodenreform, Judentum und Friedensgedanke“, wies dort einer unserer Besten, der Dichter Max Brod. uns die hehre Aufgabe, dem blutenden Europa auf die schier trostlose Frage des Weltkrieges „eine jüdische Antwort“ zu geben, indem wir durch die Kriegslandspende auf die Verwirklichung von Jeschojahus „Vision des ewigen Friedens“ hinarbeiten. Brod schloß mit den innigheißen Worten: „Daß die Juden (aber hoffentlich nicht nur einzelne, sondern das ganze Volk) während dieses Krieges durch die Kriegslandspende den Grund zu einem Mustergemein wesen und damit zu ewiger Sicherung des Weltfriedens gelegt haben, diesen Ehrentitel möge einmal die Weltgeschichte uns heutigen Juden beilegen und er wird uns schöner schmücken als alle kriegerischen Ehrenzeichen. Nach ihm laßt uns streben, o meine ge,- liebten Brüder!“ Seither ist ein Jahr und noch Monat um Monat vorübergezogen. : doch das Wüten des Völkermordes hat sich nicht erschöpft. Neue Länder und Nationen sind in den flammenden Wirbel gezerrt, neue Millionen an Gut und Blut verschwendet, weitere unschätzbare Werte an Gesittung und Kultur vernichtet worden. Doch umso inbrünstiger der Schrei der ge- Quälten Menschheit nach endlichem, dauerndem, ewigem Weltfrieden! Diese Sehnsucht wird sich über kurz und lang — allen Hindernissen zum Trotz — Bahn brechen und an uns'Juden, den Zuschwerstbetroffenen, den Zunächstberufenen, ist es, unseren, des jüdischen Volkes Friedenswillen würdig zu bekunden, jene Friedenssehnsucht zu erfassen und aufbauend, beispiei- und richtunggebend zu gestalte.n. Die materiellen Vorbedingungen sind heute so gut wie gesichert. Die Sammlungen für die K. L. S. haben im abgelaufenen Jahr ihren befriedigenden Fortgang genommen. Aus der Donaumonarchie allein sind schon an 350.000 Kronen, aufgebracht und es besteht kein Zweifel, daß die Million, welche die Wiener Sammelsteile als Kaufpreis für den Boden der ersten Kolonie bereitzustellen sich erbot, zur Zeit der Grundsteinlegung da sein wird. Ist doch die Liebe zum J. N. F„ dessen die K. L. S. nur ein Teil ist. so erstarkt, daß ihm Oesterreich allein im Jahre 1917 schon Vz Million beisteuert also das 40fache jener 12.000 Kronen, welche das erste Sammeljahr 1902 - unter der Aegide des großen Werbers HerzI aufzubringen vermöchte. Und der Delegiertentag• der deutschen Zionüstert. welcher Ende Dezember 1916 in Berlin tagte, hat die Parole der K. L. S. aufgenommen und auch für die Gesinnungsgenossen des Deutschen Reiches zur Pflicht gemacht Aus Holland, wo unsere Partei sich zunächst der Aufgabe widmete, die jüdische Not des Augenblicks zu lindern. liegt wenigstens die bündige Zusage vor. daß die K. L. S im Programm des nächsten Delegiertentages ihren Piatz finden wird. Unsere Freunde in Nordamerika jedoch litt es nicht länger, bei der Not des Tages zu verweilen und sie sind ivt ihrer großzügigen Art dabei, nebst neuen 50 Millionen Kronen für diesen Zweck weitere Millionen für den Pionierbeitrag herbeizuschaffen. Der Pionierbeitrag aber stellt sich als die glücklichste Ergänzung unserer K. L. S. dar. Denn dient diese der Erlösung des Bodens zwecks seiner Vergebung an jüdische Hände, so soll der Pionierbeitrag die besten dieser Hände, nämlich jene der tatenfrohen und opferwilligen, doch besitzlosen und darum wenig kreditfähigen Arbeiter und ihre Genossenschaften mit dem nötigen Werkzeug bewaffnen, mit Hacke und Spaten. Pflug und Winzermesser. Roß und Wagen, kurz, mit dem toten und lebenden Inventar. Und was vollends die neubefreiten Juden Rußlands iür die Wicderauirichtung „Altneula'.ids“ zu leisten bereit und imstande sind, das verheißen uns die von ihnen — trotz Krieg und Revolution — gesammelten Hunderttausende an N. F.-Spenden! Das Hauptbüro schließlich hat sich die Sache der K. L. S. längst zueigen gemacht. Nicht bloß, daß es bereit und entschlossen ist. die iür diesen Zweck speziell gewidmeten Gelder — nach Friedensschluß — mit jenen des Pionierbeitrages, der Hausspende usf.. nach einheitlichem Plan Zusammenwirken zu lassen, hat es neuerdings den Juden aller Länder auierlegt. den Fried eh sscheck zu zeichneti und ferner durch die Schaffung der Naehlahspende mit dem Einheitssatz von 5000 Kronen zum Ankauf von 100 Dunam Boden für je eine Kolonisteniamilie den jüdischen Gemeinden und reicheren Einzelpersonen Gelegenheit geboten, die Idee der K. L. S. großzügig zu gestalten. So wird jeder Zionist, ieder aufrechte Jude den kommenden Frieden entweder mit einer K. L. S. von 50 Kronen, bezw. eines Mehrfachen hievon, zum Ankauf von Land oder mit einem Pionierbeitrag zur Sicherung seiner Bebauung würdig begrüßen und hiedurch unserer Friedensarbeit einen mächtigen Impuls, einen irischen Auftakt geben. . Nun scheint es mir an der Zeit, einige Scimtte weiter zu gehen, um das Werk der K. L. S. noch enger mit der Idee des VölkeririeiSens zu verquicken. So soll der Name der ersten Kolonie, welche alsbald nach Friedensschluß aus Mitttein der K. L. S. gegründet wird, schon heute — von unserer zuständigen Behörde — iestgelegt werden. „Or schalom“. Lieht des Friedens schwebt mir als treffender Name schon seit langem vor. Denn nicht nur eine Stätte des Friedens für die darin geborgenen Kolonisten soll es sein, sondern mehr ein Licht des Friedens iiir die anderen Juden dort draußen im Galuth, ihnen dien Weg zur uralten Heimat zn leuchten, und nicht zu.etzt ein Licht des Friedens für alte Völker der Erde, sie auizuklären. wie hoch wir Juden den Geist überdie Macht; den Wetteiier rriedsamer Arbeit über die Gewalttaten nationalen Hasses steilem Vielleicht wird! unsere Friedenskolonie ani dem NF-Boden von Hattin. hoch über dem Hartensee, Wurzel schlagen, auf jener blutgetränkten Wallstatt, wo die vereinigten Ritterscharen des Okzidents mit dem Heer Salaheddins, des Emirs über den Orient zusammerrtraien. Vielleicht auch wird „Or schalom“ auf anderrn. von der Geschichte geweihten Plan sich erheben. Schon sehe ich auf den Höhen rings um die auibliihende Ortschaft ernst und doch freundlich einen ewig grünen Waid sich breiten. Denn längst zu einem mächtigen Wald wird der „Weltkriegsltain“ geworden sein, für den schon jetzt Sie Spenden 'Zur Ehrung der in diesem Kriege gefallenen jüdischen Helden so reichlich Hießen. Und dlie Bäume des Wäldes, tiefsinnige Denkmäler für Soldaten der deutschen und französischen, der österreichischen und russischen, der türkischen und englischen Armee werden dprt friedlich ineinanderrauschen und kräftigenden Duft über die neue Stätte al!jüdischer Arbeit und altjüdiischer Ideale ausströmen, werden durch ihre Früchte das Werk der Lebenden, der fernsten Nachfahren fördern und segnen. Am Jahrestag des Weltfriedens aber wird seiner in „Or Schalom" mit solch veraumvortungsvoltem Verständnis, mit solch dankbarer Inbrunst gedacht werden Wille kaum irgendwo in der Welt. Unsere dortigeh Kolonisten, selbst vom Frieden neugeboren, sollen auch seine Priester sein! Wie sie die Bäume ihres Hekienwaldes hegen und pflegen, so auch die Idee der Verbrüderung und werktätiger Liebe, der dieser Wald Ausdruck leiht. Am Jahrestag des . Weltfriedens wird es in „Or Schalom“ eine große Seeleuieier geben, ein wahres, trostreiches Haskaroth neschamotli iiir die vielen Toten des Völkermorden«. Da werden die Eltern. Geschwister und Freunde, die Kinder und Enkel der Gefallenen aus allen Ländern herbeipilgern. um an der wehen Freude dieser Feier Anteil zu haben. „Or schalom“ wird ein Walliahrts- . onfc -im schönsten Sinne des Wortes werden, für tausende und abertausende zu ernsten und hohen j. Gedanken gestimmte Waller. Und sie werden sich van ihren Herzens-; regungen dem W,’ohl der Gesamtheit zugelenkt i? fühlen und von ihrem irdischen Gut neue Bäume . > zur Ehrung ihrer Toten, zur Ausbreitung des ,* mahnenden, segnenden Waldes pflanzen, neue Hufen 'und Häuser für neue jüdische Siedlungen rings um den Wald stiften. »r. Ja, sie werden der Friedensidee des jiidi- Itischen Volkes in „Or schalom“ noch manch an- “deres würdiges Heim gründen. Museen mit Er- Gedenket des jüdischen Nationalfonds

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