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Jüdische Zeitung · 1918-01-25 · 4 (25.1.1918) · page 1

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Image: UB Frankfurt, Visual Library (IIIF)
Journal
Jüdische Zeitung
Volume
12 (1918)
Issue
4 (25.1.1918)
Date
1918-01-25
Page
– (sequence 1)
Language
German
Belongs to
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XII. Jahrgang. — Nr. 4 National-jüdifciies Organ Erscheint wöchentlich einmal Redaktion: Wien IT/«, Zirkusgasse 33 Sprechstunden: Montag bis Freitag von 11—1 Uhr, Sonntag von 11—12 Uhr Manuskripte werden, wenn unverlangt, ohne Rückporto n i ch t zurückgesandt Redaktionsschluß Dienstag um 7 Uhr Fernsprech-Nummer 45-3-25 Mit der Beilage: Der Jüdische Nationalfonds Wien, Freitag, 25. Jänner 1918(12. Schewat 5678 Eeinzlnumfmer 30 Heller Verwaltung: Wien II/..,, Zirkusg. 33 Geschäftsstunden: Montag bis Freitag von 9—12 u. 3—7, Sonntag von 9—11 Bezugspreise: Ganzjährig K 14.— halbjährig K 7.—. vierteljährig K 4.— Anzeigen und Beilagen nach Tarif Postsparkassen-Konto 133.404 . . .. 'Gesinnungsgenossen! — N. W.: Zum Scltekelaufruf. — Georg Brandes: Das neue Judentum. — Die Lage in Sildpalüstina. — Dr. Mayer Ebner ltlllältl Die Juden in der suss. Uevolution, — Pressescliau. — R. St.: Judenhetze der Arbeiterzeitung. — Landesverband der israel. Knltusgemeimlen in Galizien. — Ein nation. Tagblatt in Lublin. — Szenen aus der Eröffnungssitzung des Parlaments. - Zion. Parteikonferenz in Krakau usw. Gesinnungsgenossen! Unsere Organisation hat durch den Weltkrieg tieie Verluste erlitten, aber sie lebt und wird leben. Jeder Gesinnungsgenosse, dem an der Existenz der Partei gelegen ist. wird seinen Schekel entrichten und auch damit die Lebensfähigkeit der Organisation bekunden. Das Judentum steht vor gewaltigen Entscheidungen. Die Hoffnung zweier Jahrtausende scheint wenigstens teilweise in Erfüllung zu gehen: die zionistischen Ideale erfreuen sich der Sympathien der Regierungen fast aller in Betracht kommenden Staaten. Noch nie sind wir dem Ziele so nahe gestanden wie jetzt, wenn wir uns stark erweisen. Das Judentum muß sich der großen Ereignisse würdig zeigen und einig hinter den Fahnenträgern seiner •erhabenen Ideale stehen. Schon durch den Hinweis aui viele zehntausende Schekelzahler können und werden wir alles durchsetzen. was das Volk will. Daher kommt dem Schekel eine gewaltige Bedeutung zu und ist es die elementarste Pflicht eines jeden Juden, einen Schekel zu kaufen. Der Zionismus vertritt jetzt nicht mehr einen Bruchteil des jüdischen Volkes. Das ganze Volk ist von der Bewegung ergriffen worden. Gesinnungsgenossen! Wir können nicht genug eindringlich aui die Notwendigkeit einer ungewohnten Schekelpropaganda hinweisen. Der Schekel stärkt materiell unsere Organisation und gilt zugleich als der Ausdruck unseres organisierten Willens. Das Judentum verlangt von uns derzeit nur geringe Opier. Die müssen wir bringen, wenn wir vor unserem Gewissen und dem Urteil der Geschichte bestehen wollen! Verzehnfacht den Verkauf der Schekel! Erfüllet Euere Pflicht! Adolf Stand m. p. Rudolf Taussig m. p. k. k. Reichsratsrevisor. Zum Schekelaufruf der Parteileitung Wir brauchen es nicht zu verhehlen, daß der Krieg unserer Organisation schwere Wunden ge- _sehlagen hat. Galizien wurde zum großen Teil verheert, seine Einwohner sind geflüchtet, in der Mehrzahl wirtschaftlich ruiniert. Unsere fleißigsten und besten Mitarbeiter mußten sich in den Dienst des Vaterlandes stellen, viele von ihnen sind gefallen. Das zionistische Leben versiegte. Und doch brauchen wir darum nicht verzagen: der zionistische Geist ist ungebrochen. Mehr als das! Unsere Idee hat einen weit größeren Teil der Bevölkerung erfaßt, als vor dem Kriege zu uns stand. Der Zionismus hat einen Zuwachs an Energien aufzuweisen, den wir heute gar nicht messen können. Wer‘s nicht glaubt, der sehe sich den Erfolg des Jüdischen Nationalfonds an! Daß es möglich wäre, in Oesterreich binnen einem Jahre mehr als eine halbe Million Kronen autzubringeii, das hätte man auch in Friedenszeiten für das Jahr 1917 nicht vorauszusagen gewagt. Wir dürfen dieses Ergebnis als eine Folge der im Kriege gemachten Erfahrungen der Judenschuft Oesterreichs und als den Ausdruck ihres dadurch gewachsenen zionistischen Willens ansehen. Nun heißt es aber, den Parteiapparat zu voller Funktion zu bringen, den unserer Landsmannschaft und den des E. A. C. Die Ortsgruppen müssen wieder in Wirksamkeit treten. Sind unsere alten bewährten Gesinnungsgenossen nicht zur Stelle, müssen, da unsere Ueberzeugung Opfer heischt, iiir sie neue beherzt in die Bresche springen. Ereilich wird es vielfach an Personen fehlen, die eine Versammlung:)- ttr.E VcrtragäpröpuguEda treiben können. Dafür haben wir aber einen wertvollen Ersatz in den zionistischen Blättern, denen vor allem der Vorzug stetiger Beeinflussung zukuinint. Kein Mensch von Erfahrung schätzt die Bedeutung der Presse' für die Klärung von Problemen, ihre Macht; ülver die Gemüter ist gering! Tun auch wir cs nicht! Es ist nicht zu verkennen, daß viele, die durch zionistische Zeitungen von dem Siegeslauf gehört haben, den unsere Bewegung auf beiden Hemisphären angetreten hat, sich durch die Kenntnisnahme der Erhebung des Zionismus zu einem weltpolitischen Faktor bewogen sahen. In unser Lager zu kommen. " Mag ein geregeltes Vereinsleben auf Hindernisse stoßen, der Bildung von Arbeitsausschüssen, die sieh ein Beispiel an der Regsamkeit der N. F.-Kornrnissionen nehmen mögen, steht n i e h t s im Wege. Sie haben ein ungemein Das neue Judentum Von Georg Brandes.4) Der große dänische Schriftsteller, dessen ablehnende Haltung zum Zionismus uns immer geschmerzt hat, hat unter der Wirkung des Krieges den Weg zur nationalem Idee des Judentums gefunden. Die überragende Geltung, die Brandes in der europäischen Kul’Jur zukommt, .läßt das vorliegende Bekenntnis als ein bezeichnendes und interessantes psychologisches Dokument erscheinen. Daß der Sechsundsiebzigjährige heute noch solcher Entwicklung fähig ist, zeigt, wie unsere Idee, einem Magnete gleich, die besten Geister unwiderstehlich in ihren Bann zieht. D. Red. Das Judentum ist mir von meinem fünfzehnten Jahr bis zu meinem sechzigsten nur als Religion entgegengetreten. Ich habe in dem Judentum nichts anderes gesehen als eine Religion, und zwar eine Religion, die nicht die meine war. Ein Teil meines Lebens ist in antiklerikalen Kämpfen hingegangen, und mein Standpunkt dem ■Christentum gegenüber war der des freien Ge-' daiikeus; keinjüdischer Standpunkt. Die Juden Westeuropas, die dänisch, französisch, englisch, deutsch sprechen, haben (seit ihrer bürgerlichen Gleichstellung mit den übrigen Bewohnern des Landes) sich in der Rege! einfach *) Uebermittelt vom Jüd. Preßbureau in Stockholm. als Dänen, Franzosen, Engländer, Deutsche gefühlt. Wenn sie religiöse Ueberzeiigimgen hegten, machte dies der Nationalität keinen Nachteil. .Meine Ueberzeiigimgen waren aus Spinoza abgeleitet. und er wurde nicht allein von-den Christen verabscheut, sondern von der Synagoge ausgestosseu. So geschah es. daß ich mich nur dann als Jude fühlte, wenn ich Jude geschimpft wurde, aber das geschah freilich seit dem ersten Tag. meines öffentlichen Auftretens. Ich bin wohl in hundert literarische Polemiken verwickelt gewesen: aber mit einer Ausnahme hat kein einziger meiner Gegner verschmäht, sobald es ihm an Argumenten gebracht, meinen jüdischen Ursprung in Erinnerung zu bringen. So konnte ich unmöglich vergessen, daß ich Jude war. oder richtiger, daß ich als Däne weder in Dänemark, noclt im Auslände für voll genommen wurde. Das Wort Assirnilant existierte in meiner Jugend nicht. Ich habe es nicht gehört, bevor ich 50 Jahre alt war. Ich lehne es entschieden ab, zu den sogenannten Assirni'anten gezählt zu werden. Ich habe b:s zu meinem vierundzwanzigsten Jahr nie eine andere Sprache als Dänisch gesprochen: ich kann noch heute kein Wort hebräisch fielt bin in dänisch-nationalen Vorstellungen aufgewachsen. Ich habe von Hause aus sprachlich und kulturell nichts Jüdisches an mir gehabt. Die „Assimilation“ konnte mir nichts nehmen. Ich bin so alt, daß ich das Jahr 1848 erlebt habe. Als ich 1849 in die Schu'e geschickt wurde, ging der große, befreiende Sturm noch über Europa. Jüdische Schüler waren damals in den Schulen nicht allein nicht weniger angesehen, Ailgem. Jüd. Arbeiterverein (Poale Zion) 11., Stefanieslraße 2., Tür 34. Samsfag, den 2. Feber 1. J. um V28 Uhr abends finde! im Festsaale des Hotel Continental (II., Taborstraße 6) ein großer : JiOisdier bieOer-HbenO* unter Mitwirkung des Herrn Oberkantors Morgenstern, der Opernsängerin hrl.Sydonia Ada Schwarz, des Opernsängers Herrn Zabinski und des iiid. Arbeiterchors, unter Leitung des Herrn Dirigenten Reissmann,sie». Karten zum Preise von: K 5.—, K 3.50, K 2— und Kl — sind zu naben : in d r Buchhandlun» ß. I., ßolemurmstralte 2.’, im K Ifee Marienbrücke <!., ßoienturmst alte 31 (, im Modesalon Schon-, U , Las-ingleimerplatz 2 und allabendlich in unserem Vereinslokale. großes und dankbares Tätigkeitsfeld vor sich. Es gilt die Treuen zu sammeln, die Saumseligen mitzureißen, die Gleichgültigen auizustaciseln, die Unwissenden zu belehren. Der innige innere Zusammenhang zwischen Verbreitung der Parteipres.se, Wachstum des Natiunaliotids und Höhe der Scliekeleingänge schafft das f o r in u 1 e Programm: aus der Wechselwirkung dieser drei Tatsachen den größtmöglichen Nutzefickt herauszuholen. In Galizien, dem am schwersten geschädigten Kronland, ist man schon hoffnungsvoll in großem Stil an den Wiederaufbau der Organisation gegangen. Die anderen Provinzen müssen •aachfoi’.es:. Unsere Vertrauensmänner werden ihre daraufhinzielenden Bemühungen z i e I b ew u ß t und zielstrebig unter Beachtung der modernen organisationstechnisehen Gesichtspunkte von Arbeitsteilung' tmd Arbeitsvercinigung auf— nehmen, indem sie sich den Ausspruch unseres unsterblichen Führers Theodor H e r z 1 vor Augen halten: ..Organisation ist der Beweis der Vernünftigen in einer Bewegung!", damit unsere Leitung über die Mittel vertilge, um ihren verantwortungsvollen Pflichten in vollem Umfange naclikoniiiien zu können, und die Partei als Ganzes die Stoßkrait gewinne, deren sie zur Lösung ihrer * politischen und finanziellen Aufgaben bedarf. Das Exekutivkomitee erwartet, daß sielt alle Gesinnungsgenossen der großen historischen Zeit, in der sich unsere Schicksalswende vollzieht. bewußt sind und sich ihrer würdig und gewachsen zeigen. N. W. sondern eher bevorzugt, weil tnan altes Unrecht au ihnen gmniaehen wollte. Weder von Lehrern noch von Kameraden habe ich das Geringste gelitten. Nie habe ich persönlich das Judentum als ein Volkstum betrachtet. Ich teilte die Ansicht Reit a n s, die er :'o den Achtzigerjahren in seinem Buche „Le Judaisme" als Antwort aut den Antiseinit'sinus entwickelte, daß das Judentum eine Religion ist. aber nicht eiue Rasse bezeichnet. Renan zeigte, wie viele nichtsentitische Elemente in den Stamm Aufnahme gefunden haben, wie die Inden. Westeuropas, zunt Teil von Franzosen (?) abstammeml. die Osteuropas, zum Teil von Chazaren, die vor tausend Jahren die indische Religion amiahmen. Renan erk'ärte die jüdischen Typen aus der Einwirkung des Ghettolebens, ln unseren Tagen, schrieb ich (1905). haben gelehrte tmd scharfsinnige Forscher, wie der französisch schreibende G o 1 d s t e i n. die enorme Blutirischung nachgewiesen, aus welcher im Altertum der hebräische Stamm Itervorging. und in der späteren Zeit sind die Forscher am meisten geneigt. die Juden durchaus nicht für Semiten zu halten. Die Reinheit der Rasse ist jedenfalls ein Gaukelbild. Noch jetzt bin ich völ'ig sicher, daß es keine jüdische „Rasse" gibt. Wenn ich mich lauge gegen die Vorstellung gesträubt habe, daß die .iuden eine „Nation" bilden, so lag es daran, daß man sonst durch Nation ein gesammeltes Ganzes versteht, das, wenn auch nicht Immer gemeinsamen Wohnsitz, doelt gemeinsame Sprache hat. In Westeuropa, das ich allein kannte, vereint keine gemeinsame Sprache die Juden, und in Ost- Qrganisiert die Propaganda für die' Jüdische Zeitung!

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