Jüdische Zeitung
- Journal
- Jüdische Zeitung
- Volume
- 12 (1918)
- Issue
- 2 (11.1.1918)
- Date
- 1918-01-11
- Page
- – (sequence 1)
- Language
- German
- Belongs to
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XU. Jahrgang. — Nr. 2 Nalional-jüdifdies Organ Erscheint wöchentlich einmal Redaktion Wien II/2, Zirkusgasse 33 Sprechstunden: Montag bis Freitag von 11—1 Uhr, Sonrtlagvon 11—12 Uhr Manuskripte werden, wenn unverlangt, ohne Rückporto n i ch t zuriickgesandi Redaktionsschluß Dienstag um 7 Uhr Fernsprech-Nummer 45-3-25 Mit Der Beilage: Der Jüdische Nationalfonds Wien, Freitag, II. Jänner 1918/27. Teweth 5678 Einzelnummer 30 Meller Verwaltung: Wien II/;. Zirkusg.* 33 Geschäftsstunden: Montag bis Freitag von 9—12 u. 3—7, Sonntag von 9—11 Bezugspreise: Ganzjährig K 14.— halbjährig K 7.—, vierteljährig K 4.— Anzeigen nnd Beilagen nach Tarif Postsparkassen-Konto 133.404 Inhalt* L-B.: Mauschel denunziert. - Deutschland und die Palästinafrage. — Neue Aeusserungen des Großwesirs. — Die außenpolitische Bedeutung llllld.il' (ier national-jüdischen Bewegung. — Dr. Rudolf M-nzel: Krieg und Nationalismus. — Dr. Mayer Ebner: Die Juden in der rnss. Revolution usw. Mitteilung der Verwaltung Wir haben mit der Versendung der Mahnungen zur Entrichtung rückständiger und abgelaufener Abonnements begonnen und erwarten, daß unsere sämtlichen Bezieher ohne Ausnahme ihre Bezugspreise in Anbetracht der ungeheuren Ausgaben; die jetzt die Herstellung des Blattes verursacht, unverzüglich eiusenden, damit wir nicht gezwungen sind, ein zweites Mal Rechnungen zu verschicken, oder gar, wenn diese erfolglos bleiben, die Zustellung des Blattes zu unterbrechen. Es ist sicherlich kein gutes Zeichen lür die Einsicht unserer Parteigenossen, daß nur ein Bruchteil von ihnen aut die „Jüdische Zeitung“ abonniert ist. Jeder verständige Gesinnungsgenosse muß diesen Zustand als unser unwürdig ansehen und wird mit uns sein Bestes versuchen, ihm ein Ende zu machen. Die Zahl unserer Leser hat im letzten Jahr den Friedensstand erreicht. Unter den herrschenden wirtschaftlichen Verhältnissen genügt das jedoch nicht, um das Parteiorgan auf gleicher Höhe zu erhalten. Wir wollen aber mehr. Wir betrachten unsere Presse als eines der wichtigsten Instrumente der Bewegung, um unseren Einfluß darzutun und den ihr gebührenden Einfluß auszuüben. Gesinnungsgenossen, allen voran Vertrauensmänner der Organisation! An die Arbeit! Herausgeber und Verwaltung der Jüdischen Zeitung. Mauschel denunziert 0!i, wie genau hat Theodor Herz! den Mauschel durchschaut: ..Mauschel höhnt, schimpft, xerieuaidct und denunziert. Demi Mauschel spürt, daß es ihm jetzt endlich an den Kragen geht . . . . verdächtigt alle, die nicht si'.ul wie er." Unser Manschei taucht in Ungarn auf. dessen .hidenheit — wie v. ir wissen — durch das Treiben gewissenloser volksfeindlicher Führer aus dem jüdischen Volkskörper ausgeschiedeit wurde und ietzt, jeden Verständnisses für ailgemeiu-jitdischc Fragen bar. gänzlich isoliert dastellt. Mauschel Nr. 1 tritt in der Gestalt des Vizepräsidenten der neologen israelitischen Landeskanzlei auf und nennt sich Franz M e z e v. Er läßt dieser Tage einen la'ugtnächtigen Artikel los und schließt mit folgenden Worten; ..Demi die ungarische .hidenheit brandmarkt-, den Kosmopolitisimis. verstößt ihn und brandmarkt ohne Parteiumerschied a! s Treulosigkeit insbesondere d e m ungarischen V a t e r1a n d e gegenüber den i ii d i s c h e 'it N a t i o n a I i s m u s." Somit verbeugt sich Mausdiel Nr. 1. geht ab und nun tritt Mauschel Nr. 2 auf. Er heißt Ludwig Szabolcsi und redigiert das in weiten Kreisen der jüdischen Bevölkerung sattsam bekannte „Egyenlöseg“. So höret doch, was er ain 29. Dezember schreibt: „Wir gehen uns die Ehre, unseren Feinden und Freunden tnitzuteilen, daß nicht wir das Telegramm abgehen ließen, das man anläßlich der Gründung des Judenstaates aus der ungarischen Hauptstadt nach Lausanne sandte, auch nicht die ungarische Judeiaschaft. und die es abgesandt haben, sind keine anständigen Juden. Wir erwarten mit Neugierde, daß die Untersuchung vor der breitesten Oeifentlichkeit an den Tag bringen werde, wer ... jene Tschechen waren, die. währenddem Hunderte von ungarischen Soldaten jüdischer Konfession auf italienischem Boden verbluteten, von Budapest aus über die Schweiz in Begleitung französischer Worte der englischen Regierung ihre schmutzigen Hände eutgegengestreckt haben. Wir wollen die zuständigen Behörden nicht beeinflussen in dieser Angelegenheit, mit der wir jede Gemeinsamkeit ablchnen. sind jedoch der Meinung, daß es übertrieben wäre, gegen die Täter die Anklage wegen Landesverrates zu erheben. Wie wir sie an den Fingerabdrücken zu erkennen glauben, dürften die Täter noch geistig-minderwertig sein und es gebührt ihnen nicht Kerkerstraie. sondern Besserungsanstalt oder Polizeiaufsicht.“ Jetzt schmunzelt Mauschel Nr. 2 und geht ebenfalls ab. ... Z« diesem Artikel haben wir nichts hinzuzufügen. ah' ‘aß heute in Ungarn da£ Wort ..Tscheche“ als das gemeinste Schimpfwort gilt und daß der obigen offenen Denunziation eine geheime voranging, indem es hieß, die Budapester Zionisten hatten anläßlich der Eroberung Jerusalems die englische Regierung telegraphisch begrüßt. Unsere Budapester Freunde werden mit den Angebern schon fertig werden, die verleumderische Denunziation selbst zeugt aber von einem erschreckend tiefen kulturellen nnd sittlichen .Niveau des ungarischen offiziellen Judentums, und da seine Führer von Zeit zu Zeit in Wien als Vertreter der ungarischen Judenschaft aufzutauchen pflegen und auch sonst Beziehungen zu den führenden Wiener jüdischen Kreisen unterhalten, möchten wir folgendes feststellen: Das genannte A n g e b e r b1a11 ist das offizielle Organ der ungarischen Filiale der Wiener Palästina-Hilfs- Kommission 1915. u'.id es sei. um eventuellen Richtigstellungen vorzubeugen, gleich hier darauf verwiesen, daß der Redakteur des ..Egyenlöseg" dem ungarischen Paliistinakomitec angehört und durin eine führende Rolle spielt — er erschien in dieser Eigenschaft auch in Wien — und daß sein Blatt mit dem Komitee in engster Fühlung steht, ln Nr. 49 vom 15. Dezember v. ist folgendes zu iesen: ..Das ungarländisehe Palästinakotnitee hat zur Erledigung der mit der Okkupation Jerusalems zusammenhängenden Fragen Donnerstag abends in der Redaktion des ..Egyenlöseg“ unter dem Vorsitze des Dr. AI. Lederer eine Sitzung abgehalten. Nächste Woche iindet eine gemeinsame Sitzung s Kumltccc mit de: unter Leitung des Präsidenten der orth. t.andeskanziei Adolf Frankl stehenden Palästinaorganisation statt, in der auch die politischen Momente des Ereignisses zur Besprechung gelangen werden. Den Standpunkt der ungarischen Jiidcitschait anläßlich der Eroberung Jerusalems hält in dieser Frage der Leitartikel unseres ausgezeichneten Hauptinitarbeirers Ernst Hezcv fest.“ Diese Meldung zeigt zur Genüge, wie es in der Hexenküche zugein. Die Herren sind zusammeugetreten. um die mit der ..Okkupation Jerusalems zusammenhängenden Fragen" zu beraten, auf gut deutsch: wie dem Zionismus, dem letzt die Herzen der Juden znfiiegeii und der gewaltige Fortschritte aufzuweisen hat. eins am Zeug zu flicken wäre. Der im Schlußpassiis ungezogene Aufsatz stellt denn auch einen niederträchtigen Hetzartikel gegen die zionistische Bewegung dar. Die für „Donnerstag abends“ unberaumte gemeinsame Sitzung des Palästiuakomitees und der Orthodoxen dürfte dann in der Besprechung „der politischen Momente“ die DeiumziatUv.i zur Folge gehabt haben. Die große j ii d i s c Ii e O e f f e n 11 i c hk c i t in Oesterreich, die der P a 1 äs t i n a - H ii i s k o m m i s s i o n 1915 bisher Hunderttauscnde anvertr a ul Ii a t. Ii a t angesichts dieser Tatsachen ein en Anspruch dar a u f. •/. u e r i a It r e n. w i e sich die Kommission zu den Vorgängen i n U u g a rn v e r h ä 11. Sie muß. um ihr moralisches Ansehen zu wahren, klipp und klar erklären, wie sie sich zu der Tatsache stellt, daß ihre ungarische Filiale sich eines Dennmiziantenblattes als offiziellen Organs bedient und an der gemeinsamen Hetze und Verlcumdungskampagne gegen die zionistische Bewegung tatkräftigst mitwirkt. Wir erwarten die klare Antwort der Palästina-Hilfskommission 1915! Es gibt aber auch noch andere Fäden, die die Budapester Herren an Wien knüpfen. So hat das Verleumderblatt in Wien Mitarbeiter, darunter aufrechte und national gesinnte Juden, die wir nicht nennen wollen, weil wir zu ihrer Ehre annehmen müssen, daß sie über die wahre Sachlage durchaus nicht unterrichtet sind. Wir geben der sicheren Erwartung Ausdruck, daß sic sielt mit Abscheu von diesem angenehmen Preßprodukt abwenden werden. Und falls die Herren Mezey. Szabolcsi. und wie die Herrschaften alle heißen, sich als ..Vertreter der ungarischen Judenschaft“ noch einmal nach Wien heraufwagen sollten, wird die jüdische Oeffentlichkeit es nicht unterlassen, ihnen einen gebührenden Empfang zu bereiten. Für Denunzianten gibt cs bei uns im iiidischen öffentlichen Leben keinen Platz! L. B. 8 EINLADUNG za «1er VERSAMMLUNG des Zionistischen Zentralvereines am Samstag, den 12. Jänner 1918 um Vj8 Ehr abends im Festsaale des Hotels,Bayrischer Hof". Wien. II., Tahorstraße 39. Referent: Löhl Taubes Thema: -Palästina und der Krieg1* i Deutschland u. die Palästinafrage Der stellvertretende Staatssekretär des Auswärtigen Amtes Freiherr von dem Busse h c hat Prof. Dr. \V a rbnr g und Dr. H a n t k e sowie Prof. Dr. Oppenheimer. Dr. Friedem a n n und Proi. Dr. S o b e r il h e i m vom „Komitee für den Oste.i“ empfangen und ihnen folgendes erklärt: „Wir würdigen die auf die Entwicklung ihrer Kultur und Eigenart gerichteten Wünsche der jüdischen Minderheiten in den i.ändern, in denen sie ein stark entwickeltes Eigenleben haben, bringen ihnen volles Verständnis entgegen und sind zu wohlwollender Unterstützung ihrer diesbezüglichen Bestrebungen bereit. Hinsichtlich der vom Judentum, i.isbcsondcrc von den Zionisten, veriolgtcii Bestrebungen in Palästina begrüßen wir daher die Erklärungen, die Grnfhvesir T;;l a j c Pascha kürzlich abgegeben fiat, insbesondere die Absicht der kaiserlich osmanis^iiea Regierung, gemäß ihrer den Juden stets bewiesene!', freundlichen Haltung die autbiiiheiKic jüdische Siedlung in Palästina durch Gewährung freier Einwanderung und Niederlassung in den Grenzen der Aufnahmefähigkeit des Landes, örtlicher Selbstverwaltung entsprechend den Landesgesetzeu und freier Entwicklung ihrer kulturellen Eigenart zu fördern.“ NeueAeußerungen des Großwesirs Der in Berlin weilende türkische Großwesir Talaa t Pasc h a empfing am 5. Jänner mehrere Pressevertreter und äußerte sieh u. a. über das Verhältnis der Türkei zu den Juden: „Es gibt noch eine andere Angelegenheit, die mir sehr am Herzen liegt und hinsichtlich deren die Oeffeutliclikeit vielfach irregeführt wurde. Das ist das Verhältnis Jer Türkei zu den Juden, ich lege das größte Gewicht darauf, auch auf deutschem Beden zu betonen. daß die Stellungnahme der türkischen Regierung immer gegen die jüdischen Untertanen vom wärmsten Wohlwollen getragen war. ich steile nicht an. zu erklären, daß unter allen nichtmohaiiiinedaniseiien Elementen der Türkei die Juden die wärmste Vaterlandsliebe und die zuverlässigste Hi'.tgabe an den osmanisehen Staatsgedanken bewiesen haben, und in der Türkei steilen den Juden alle Wege zu den Staatsämterii niien. Wir werden uns nie ein Mißtrauen gegen die Juden einimpien lassen. Auch für die indische Bevölkerung Palästinas haben wir unser Möglichstes getan. Wir haben den unerschütterlichen Glauben, daß ganz Palästina, auch die heute durch die Engländer besetzten Gebiete, türkischen Oberhoheit verbleiben wird. Selbst d™Panst wird eines Tages zur Einsicht kommen müssen, daß auch vom Standpunkt der christlichen Interessen uie Souveränität ehier neutralen andersgläubigen Macht das Günstigste isr. Die Reibungen unter den christlichen Sekten würden sonst zu den größten Unzukömmlichkeiten iiihren. Sobald aber Jerusalem wieder der Türkei gehören wird, wird die die Frage der jüdischen Bevölkerung im ganzen türkischen Reiche in der Weise regeln, die sicherlich allen ihren Wünschen entsprechen wird.“ öl* I* > t Yf f f trAUU ttttttttt® oo Der Bezug der oo Jüdischen Zeitung kann jede Woche beginnen oi U i' iT iT «T «T,T J |T, •i 'i 'l 'i *1 'i *1 *1 ’l1 tmMMWMM® Gesinnungsgenossen! Werbet für die Jiid. Zeitung neue Abnehmer!