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Jüdische Zeitung · 1918-01-04 · 1 (4.1.1918) · page 1

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Journal
Jüdische Zeitung
Volume
12 (1918)
Issue
1 (4.1.1918)
Date
1918-01-04
Page
– (sequence 1)
Language
German
Belongs to
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Erscheint wöchentlich einmal Redaktion: Wien II/„, Zirkusgasse 33 Sprechstunden: Montag bis Freitag von 11—1 Uhr; Sonritagvon 11—12 Uhr Manuskripte werden, wenn unverlangt, ohne Rückporto n i ch t zurückgesandi Redaktionsschluß Dienstag um 7 Uhr Fernsprech-Nummer 45-3-25 National'jüdifches Organ Mit Öer Beilage: £& , Der Jüdische Nationalfonösl Anzeigen mer 30 Heller Wien 11/., Zirkusg. 33 den: Montag bis Freitag!—7, Sonntag von 9—11 eise: Ganzjährig K 14.— K 7.—, vierteljährig K 4.— und. Beilagen nach Tarif Wien, Freitag, 4. Jänner 1918120. Teweth 5678 Postsparkassen-Konto 133.404 Inhalt* Wahlen der jiül. Gemeinde in Petrograd — Zionistische Kofnerenz in Deutschland — Dr. Julius Becker: Die Türkei und der Zionismus — lllllCtll« Neueste Meldungen zur Palästinafrage — Presseschau — Ans der jiid. Welt — Rückkehr des Ahg. Breiter aus rnss. Gefangenschaft usw. Die Wahlen der jüdischen "Gemeinde in Petrograd Telegramm des Kopcti Ira jener Zionistischen Bureaus. Die Wahlen der jüdischen Gemeinderepräsentanten in Petrograd ergaben 35 Z Louis teil. 1 Poalezionisten, 8 Bundisten, 2 Vereinigte jüdische Sozialisten (d. h. Sejmisten und Territorialisten), 9 Orthodoxe, 8 von der Volkspartei (Dubrowisten), 5 von der Volksgruppe (Winawerpartei), 2 Unparteiische. Zionist. Konferenz in Deutschland Die Tagu.ig des Zentralkomitees der Zionistischen Vereinigung für Deutschland, die kürzlich in Berlin stattfand und an der außer den Mitgliedern des Zentralkomitees die Vertreter der Ortsgruppen der Vereinigung teilnahmen, wurde von Dr. H a n t k e . mit der folgenden Rede eröifnet: In schicksalsreicher Zeit haben wir Sie zusammengerufen, um gemeinsam über die Lage des Zionismus in Deutschland zu beraten und unsere Haltung gegenüber der Gesamtorganisation und auch ■ gegenüber dem deutschen Judentum festzustelleri. Palästina, drei Kriegsjahre hindurch von den Wirkungen des Krieges unmittelbar nicht betroffen, ist zum Kriegsgebiet geworden. Jerusalem, für die ganze Welt das Symbol des historischen Palästina, hat den Besitzer gewechselt. Beide Mächtegruppen erheben Anspruch auf den zukünftigen .Besitz des Landes. In diesem historischen .Moment, in dem seit Jahrhunderten wied'ei' einmal die : uralteDHeimäi- •^üek^jÜdi'scSeii’’ •Volkes Gegenstand völkerrechtlicher Traktate werden soll, ist es das gute Recht'und die heilige Pflicht der zionistischen Organisation, als der Vertreterin der nationalen und palästinensischen Tendenzen im Judentum, frei vor aller Welt die unauflösliche Verbundenheit des jüdischen Volkes mit Palästina, den unverjährbaren Anspruch unseres Stammes auf freie und ungehinderte kulturelle und wirtschaftliche' Betätigung in der Heimat der Ahnen und unseren unauslöschlichen Willen zu betonen, in Palästina von neuem einen .Mittelpunkt jüdischen Lebens zu schaffen. Was wir wollen, ist die Verwirklichung eines Gebotesder Humanität und der Gerechtigkeit. Ruhelös irrt das jüdische Volk seit Jahrhunderten über die Erde. Stets lebte es in -Gedanken an seine Heimat, an das Land, in' dem es seine Großtaten getan, seinen Namen sich geschaffen hat. Nie vergaß es die-Verheißungen, die ihm die glorreiche Rückkehr in Aussicht stellten. Wohl haben die Errungenschaften des 19. Jahrhunderts den Juden 'allmählich die Teilnahme an der europäischen- Geisteswelt ermöglicht, und das Judentum wird sich der innigen Verknüpfung mit den Schöpfungen der modernen Kulturnationen stets bewußt bleiben. Aber zugleich haben diese Errungenschaften ihm die Kraft gegeben, unter Ueberwindung oberflächlicher Auflösungstendenzen die .Arbeit für die Erhaltung des eigenen Wesens aufzunehmen. Ein bewußter jüdischnatrönäler Wille erwuchs und als sein stärkster organisatorischer Ausdruck die zionistische Organisation. Vom ersten Tage ihres Bestehens ab sah die zionistische Bewegung ihre Aufgabe in der Wiederbelebung eines palästinensischen Judentums, in der Neuschaffung des alten Zentrums des jüdischen Volkes, um die Ruhelosigkeit des jüdischen Geistes zu überwinden, uni dem jüdischen Volke wieder ein normales Volksdasein zu ermöglichen. Der Zionist will so seiner Pflicht gegenüber dem jüdischen Volke genügen. Er ist sich aber bewußt, damit auch der Menschheit zü dienen. Alle Völker haben ein Interesse daran, daß eines der ältesten Glieder der Völkerfamilie, ein Volk hoher Moral und starker Intelligenz, wieder die Möglichkeit erhält, seine .Geistesgaben in freier kultureller Tätigkeit zu entwickeln, seine Kräfte auf eigene nationale Aufgaben ■ zü konzentrieren. Diese Auffassung vom Zionismus haben wir auch im Weltkriege ohne Schwanken aufrechterhalten.. Der einzelne Jude dient seinem Vaterlände mit allen seinen. Kräften, das jüdische Volk als . solches hat an dem Weltkriege keinen Anteil.' Es hat daher das Recht, vor allen Völkern und vor allen Regierungen sein Programm aufzustelicu und seine Forderungen zu erheben. Auch der deutsche Zionist begrüßt deshalb mit Befriedigung die Erklärung der englischen Regierung und konstatiert mit Genugtuung, daß zum erstenmal eine Großmacht das Recht der Juden auf nationale Entwicklung in Palästina amtlich anerkannt hat. Die Ratgeber der englischen Regierung haben es auch verstanden, ihrer Erklärung eine Form zu geben, die dem neutralen Charakter der jüdischen Volksbewegung Rechnung trägt. Um so mehr zählen wir darauf, daß nunmehr auch alle übrigen Großmächte die Berechtigung unserer friedlichen Arbeit in Palästina anerkennen und der jüdischen Einwanderung freien Raum' schaffen werden. Als einen bedeutsamen Schritt auf diesem Wege dürfen wir die Erklärung des Ministers des Auswärtigen der österreichisch-ungarischen Monarchie begrüßen, daß die österreichisch-ungarische Regierung dem Zionismus sympathisch gegenübersteht und bereit ist, die zionistischen Bemühungen bei der türkischen Regierung zu unterstützen. Die deutsche Regierung hat während der gesamten .Kriegsdauer die jüdische Siedlung in Palästina zu schützen getrachtet. Ihrem Eingreifen verdanken wir es, wenn in ernsten - und besorgnisreichen Momenten das jüdische Kolonisationswerk in seiner Grundlage unerschüttert geblieben ist. Wir hoffen fest, daß dieses so tatkräftig bewiesene Wohlwollen uns für die Dauer erhalten bleiben und zu einer, grundsätzlichen Anerkennung und Förderung der jüdischen Bestrebungen führen wird. Die palästinensische Judenheit hat sofort nach Ausbruch des Weltkrieges unter der Führung •zhKjJsüsciie? •SS*«»':-**: -Tat tV* I^oypjität. gegenüber der Landesregierung bewiesen und Ihre' Entschlossenheit dokumentiert, ihr Schicksal endgültig mit der Zukunft ’ Palästinas zu verbinden. Die Entwicklung der jüdischen Siedlung wird Palästina zu einer blühenden Provinz machen, die erfüllt von Loyalität gegenüber der Regierung und dankbar für gewährte innere Freiheit im Rahmen des Reichsganzen nur Aufgaben höchster Meiischheitskultur ihre Kräfte widmen wird. Wir rechnen daher mit größter Bestimmtheit darauf, daß auch die türkische Regierung der Bedeutung der jüdischzionistischen Arbeit für die Entwicklung Palästinas sich nicht verschließen, die augenblicklich' bestehenden Hindernisse für die jüdische Einwanderung beseitigen und die national-kulturelle Entwicklung des palästinensischen Judentums Sickerstellen wird. Wie sich bei den Regierungen ein wachsendes Eingehen auf die zionistischen Bestrebungen zeigt, so können wir auch bei den Völkern selbst beobachten, daß die Judenfrage nunmehr als eine nationale aufgefaßt und Palästina als ecr ochlunpunkt jüdischer Entwicklung begriffen wird. Die Presse sämtlicher Länder zeigt das schnelle Anwachsen dieser Erkenntnis. Als etwas bisher ganz Neues möchte ich hervorheben, daß auch unter den sozialistischen Parteien Dank der Aufklärungsarbeit der Poale Zion die Anerkennung der jüdischen Nation sich durchsetzt und. Verständnis für das Palästinaprogramm des jüdischen Volkes geschaffen'werden konnte. Nur eine volle Aufklärung der öffentlichen Meinung, nur die allge- ' meine Anerkennung des nationalen und palästinensischen Charakters der jüdischen Frage durch die Völker selbst kann dem Zionismus die Atmosphäre wahren Gedeihens schaffen. Wir begrüßen daher freudig diese Entwicklung, welche unter dem Einfluß gesteigerter Politisierung der Welt auch das jüdische Problem in das richtige Licht gerückt hat. Der Zionismus war sich stets bewußt, seine Forderungen im Namen des jüdischen Volkes aursteilen zu können. Niemals konnte ein Kenner der jüdischen Volksseele zweifeln, daß das uralte Palästinaideal von den Zukunftshormungen des gesamten Judentums, getragen wird. Eine formelle Vollmacht konnten wir allerdings nicht aufweisen. Der Weltkrieg hat das jüdische Volk aus seiner Dumpfheit gerissen und es seiner Eigenart bewußt gemacht. Die Befreiung;des .russischen Judentums vom Joch des Zarismus hat" der großen jüdischen Masse auch die äußere Möglichkeit gegeben, ihre Meinung öffentlich zu dokumentieren. Und überall hat die Masse in erster Reihe das tief in ihr wurzelnde Bedürfnis gezeigt, ihr Bekenntnis zum jüdischen Volke|zu betonen. ihre Liebe zu Palästina, ihre Entschlossenheit, an den historischen Idealen des * Judentums festzuhalten. Die Wahlen zum e © © © © © » © EINLADUNG za «ier VE RS A Hfl Dü LU NG des Zionistischen Zentralvere'ises am Samstag, den 12. Jilnner 1918 um V;8 Uhr abends im Festsaale lies Hotels ,Bayrischer Hof*. Wien, II., Taborstraße 39. Referent: Löbl Taubes Thema: ,Palästina und der Krieg“ „Hatechijah“, hebr.-akaü. Vereinigung veranstaltet Sonntag, 22. Tewe h (6. Jänner 1918) um 7 Uhr abends im Festsaale des Hotel „Continental“ H. Taborstraße 4 die GEDENKFEIER zu Ehren des-jüngst verstorbenen Nestors der neuhebräischen Literatur MEND. MOCHEK SFARIM (Schalom Jakob Abramowitz). Die Gedenkrede hält Herr Dr. Abraham Sonne. Das Reinerträgnis ist der neuzugründenden literarischen „Mendele-Stiftung“ gewidmet. Eintritt K 2.—, Studenten Kl.-. Vorverkauf: Zionist. Zentralbiiro, II., Zirkusgasse 33 und in der Buchh. Löwit, 1., Rotenturmstraße 22. jüdisch-amerikanischen Kongreß, die unter dem Druck der öffentlichen Meinung erfolgte Einigung aller bürgerlichen und sozialistischen Parteien der russischen Judenheit auf ein-jüdisch-nationales und palästinensisches Programm, das Paiiistinareferendunrr'fft 'Pölert. hias aaberördtiukchc Aawaeh». i der , zionistischen Organisation in allen diesen Ländern jüdischer Massensiedlung, die amerikanischen Mil- Iionensammlungen für Palästina, sind ebenso viele Beweise für die Stimmung des jüdischen Volkes. Das Vertrauen, das die jüdische Masse in die zionistische Bewegung als der zielbcwußten organisatorischen Verkörperung ihrer Zukuiritshoifnungen setzt, darf uns mit Zuversicht erfüllen. Es legt uns aber auch ernste und schwere Pflichten auf. Die täglichen Sorgen der Masse, ihr Kampf ums Dasein, ihre Angst vor der geistigen Entfremdung ihrer Kinder, müssen unsere Sorge, unser Kampf, unsere Angst werden. Neben der Arbeit für Palästina müssen mehr als bisher die Probleme der jüdischen Diaspora, die brennenden Fragen der jüdischen Eigenart, in den Vordergrund treten. Unsere Aufgabe wird es sein, alle diese Fragen im Hinblick aui das palästinensische Ziel, -im Geiste eines wirklich zionistischen Nationalismus zu lösen. Das deutsche Judentum steht hier vor einer großen Aufgabe. Denn gerade ihm wird die Zukunft mit Recht die Verantwortung auibürden. wenn die jüdische Frage in Polen, in Litauen und in Rumänien einer organischen Lösung nicht zu^eführt werden wird. Und wir deutschen Zionisten haben die Pflicht, alles zu versuchen, um dieser Aufgabe, die dem deutschen Judentum zugefallen ist. zu lösen. Mancher Anfang ist in den letzten zwei Jahren getan. Vieles bleibt noch durchzuiübren. Zu den Widerständen von außen gesellt sich die Abneigung so vieler jüdischer Kreise in Deutschland, das polnisch-jüdische Problem in seinem nationalen Charakter zu begreifen. Wir bedauern auf das lebhafteste, daß die nationalen Wünsche der Juden in Polen gerade von deutsch-jüdischer Seite immer wieder durchkreuzt werden. Deutsche Orthodoxe und Liberale haben hier ein unnatürliches Bündnis geschlossen und führen — ohne es zu wollen — die Geschäfte kleiner, dem Judentum entfremdeter jüdischer Kreise in Warschau. In dem . Augenblick, in dem zum erstenmal im polnischen Volke sich ein leises Verständnis für die Bedürfnisse der Juden zu regen scheint, muß ernstlich vor dem Versuch gewarnt werden, dem polnischen Judentum eine ihm wesensfremde Entwicklung aufzunötigen. Das jüdische Leben hat in diesen drei Kriegsjahren eine schnelle und radikale Entwicklung durchgemacht. Krieg und Revolution haben der jüdischen Masse das Bewußtsein ihrer Eigenart gegeben und. ihre Verbundenheit mit Palästina gestärkt. Der Kampf um die bürgerliche Gleichberechtigung ist im entscheidenden Punkt beendet. In weiten Kreisen ist die Angst, Erfolge, in der Gleichberechtigungsfrage durch offenes Bekenntnis zum jüdischen Volke zu gefährden, geschwnnden. Die Entwicklung der Welt zur Demol Ohne Presse keine Bewegung! — Agitiert für die Jüdische Zeitung?

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