Jüdische Zeitung
- Journal
- Jüdische Zeitung
- Volume
- 11 (1917)
- Issue
- 51 (21.12.1917)
- Date
- 1917-12-21
- Page
- Seite 3 (sequence 3)
- Language
- German
- Belongs to
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Nr. öl JÜDISCHE ZEITUNG Seite 3 stiachea Lager erkannte* «brigens den gewaltige* Wert der Verordnung an. Nichtsdestoweniger war im neutralen Ausland, insbesondere im jetzt feindlichen Amerika die deutsche Verwaltung so hingestellt, als ob sie ja nichts für die Juden täte. Sie gab außerdem den Juden volle Versamtnlungs- und Vereinsfreiheit Die Zensur ist sehr milde, viel milder als bei uns in Deutschland. Kurz, die deutsche Verwaltung leistete für die Jaden alles, was im Rahmen einer Okkupationslehörde möglich ist, die nicht nur den Augenblick betrachtet, sondern dem Landen welches sie besiegt hat auch für die Zeit nach der Okkupation eine gedeihliche Entwicklung gewährleistet Sie darf außerdem nicht unberücksichtigt lassen, daß ein großer Teil der polnischen Juden die nationalen Aspirationen perhorresziert. Was die deutsche Verwaltung für die Juden leistet geschieht ohne irgend einen. Anspruch auf politische Gegenleistung.“ Die Stellung Deutschlands zum Zionismus Major a. D. F. C. Endre* sprach am ii. M. in einer großen Versammlung der zionioiischen Ortsgruppe Frankfurt a. M. über den „Zionismus im Rahmen des Weltkrieges“. Nach einer Würdigung unserer Bewegung für das Judentum und der Persönlichkeit Herzls führte er a*s: „Bei der Beurteilung der politischen Aussichten des Zionismus sei besonders zu beachten, dal bei den derzeitigen politischen Strömungen in .der Türkei jede nationale Bewegung unterdrückt wird, die dem Pantürkismus im Wege sei, »d daher sei es auch für die Mittelmächte so außerordentlich schwer, eine offizielle Stellung zum Zionismus und zur Erfüllung des Baseler Proirammes zu nehmen. Das, was die englische Regierung durch Reden erreichen wolle, müssen die Mittelmächte durch Schweigen erreichen. Bei der Eroberung Palästinas käme es England darauf an, den Landweg von Aegypten nach Indien zu gewinnen. Deutschland habe aber an einer starken Türkei ein hohes Interesse, besonders wegen sei- »er wirtschaftlichen Interessen und daher auch ein unmittelbares Interesse an einer starken Bevölkerungszunahme Palästinas durch die Juden, die aus dieser türkischen Provinz sicher schnell ein stark aufnehmbares Hinterland machen würden, wodurch dann wieder die Türkei selbst zu einer stärkeren wirtschaftlichen Erschließung des ganzen Landes angeregt würde. Deshalb seien die Aussichten des Zionismus durchaus gut. Die Stärkung dieserBestrebungenvonseiten der Mittelmächte sei unerläßlich. Am Schluß seiner Rede richtete Endres einen Appell an die Loyalität der deutschen Zionisten, wobei er seiner Meinung Ausdruck gab, daß einerseits die Entwicklung der deutschen Regiefungsform in freiheitlicher. Richtung und die Teilnahme demokratisch orientierter Persönlichkeiten an dieser Regierung den Juden die Gewähr geben können, daß der Antisemitismus nicht zu einem Faktor der deutschen Politik werde, und daß andererseits die Erkenntnis von der Bedeutung des Zionismus, die auch in Deutschland immer weitere Kreise ergreifen wird und die auch bei der gegenwärtigen Reichsleitung vorhanden ist, den Juden die Gewähr gebe, daß die deutsche Politik sie bei der Abrechnung des Krieges nicht vergessen und ihnen helfen wird, ihre Heimat unter Verhältnissen zu gewinnen, die der Entwicklung der zionistischen Bewegung im Sinne des Baseler Programmes günstig sind.“ Aus der jüdischen Welt AUenbys Einzug ln Jerusalem. Lloyd George erklärte im Unterhause, er habe eine Depesche vom 11. Dezember erhalten, worin ihm General A11 e n b y mitteilt, er hätte heute um 12 Uhr den Einzug in die Stadt Jerusalem gehalten. „Ich war“, berichtet der General, „von meinem Stab, den Kommandanten der französischen und italienischen Abteilung, den Attaches Frankreichs. Italiens und Amerikas begleitet. Die Bevölkerung empfing mich gut. ln der Nähe der heiligen Orte wurden Wachen aufgestelit. Mein Gouverneur trat mit den Vertretern der Einwohner des griechischen Bekenntnisses in Beziehungen. Die Omar-Moschee und das umliegende Gebiet wurde unter mohammedanische Kcmtrolle gestellt.“ BonarLaw erklärte in derselben Unterhaussitzung, daß die englischen Operationen in Mesopotamien und Palästina keine Eroberungszüge seien, sondern nur der. Sicherung der engtischen Stellung dienensollen. Eine englisch-jüdische Konferenz. „Jewish Chronicle“ berichtet, daß der nächsten Sitzung des BoardofDeputies folgender Antrag von Dr. Samuel D a i c h e s vorliegen wird: Der Board möge die Einberufung einer englisch-jüdischen Konferenz beschließen, mit der Aufgabe, eine eigentliche politische Basis für die Behandlung der großen Aufgaben des jüdischen Volkes auszuarbeiten. Eine interessante Judendebatte. Der Stadtrat in Lomza hatte bei der Behandlung des Budgets für städtische Schulen eine ernste, aber sehr interessante Judendebatte. Der polnisch-nationale Bankdirektor Skarzyqskt verlangte nämlich die Streichung der Subvention für das dortige jüdische Privatgymnasium des Dr. Qoldlust — 5700 Mark — mit der Begründung, daß ein katholisches Gymnasium vorhanden sei, welches ageS Jüdische Kinder aufnehmt Separate jüdische Behranstalten hätten in Polen überhaupt keine Existenzberechtigung. Er bemerke eben in der Presse, dal die Juden in Polen eine nationale Idee zu entwickeln beginnen. „Diese muß aber von dem nun nach langer Sklaverei zu neuer nationaler Blüte gelangenden Polen energisch bekämpft werden. Die Juden sollen fn Polen volle bürgerliche Gleichberechtigung genießen, aber keine besonderen Rechte als Ganzes.“ Der deutsche Bürgermeister erklärte dann im Namen des Magistrats, daß die Schulen überall konfessionell sind. In Deutschland sind separate Schulen für Katholiken und für Evangelen, auch besondere Schulen für Konfessionslose. Der zweite Bürgermeister, Advokat Lach-owitz, ein Fortschrittlicher, sagte, er würde nie den Mut aufbringen, einen derartigen Antrag zu stellen, wie es Herr Skarzynski getan hat Die Juden bilden 60 Prozent der Bevölkerung und sollen mit ihrem Gelde nur christliche Schulen erhalten und rein christliches Lehrpersonal, während ihnen nicht erlaubt sein sollte, eigene Schulen zu haben. Das polnische Gymnasium ist übrigens ebenso ein privates Institut, wie das jüdische des Dr. Goldlust Der jüdische Ratsmann hat natürlich sein Schärflein beigetragen. Bericht über die zionistische Konferenz. Der Referent für jüdische Angelegenheiten beim polnischen Staatsrat hat einen ausführlichen Bericht über die jüngst abgehaltene zionistische Konferenz in Warschau zusammengestelit und schildert ln ziemlich objektiver Weise die einzelnen Gruppen wie Misrachi, Merkas und Zionisten- Demokraten. Auch die Sprachenfrage ist ganz genau dargestellt, sowie adle wichtigsten Referate. Allgemein entwirft der Referent ein Bild der zionistischen Entwicklung und weist auf den großen Einfluß hin, den die Zionisten überall infolge ihres allweltlichen Charakters erlangt haben. Eidesleistung auch in hebräischer Sprache. Wie ,Kiewska Mys 1“ berichtet, hat die Stadtverwaltung in Kremenczug bei der Eidesleistung der neugewählten Ratsmänner dieselbe in russischer, polnischer, ruthenischer und iidischer Sprache vorlesen lassen. Die zionistischen Ratsmänner verlangten auch eine Vorlage in hebräischer Sprache; welche trotz heftiger Proteste der Bundisten auch gewährt wurde. Jüdische Gruppe Im russischen Vorparlament. Die offiziellen Vertreter der Juden im russischen Vorparlament haben eine spezielle jüdische Gruppe zu Informationszwecken gebildet, bei der auch einige Delegierte als Vertreter von nichtjüdischen Parteien sind, wie M. Winawer, S. An-ski und andere. Russische Pogroms. Das jüdische Preßbureau meldet neue Pogromunruhen in den Gouvernements Mohilew, Kiew und Wolhynien unter besonderer Beteiligung der Soldaten und der Roten Garden. Ein besonders gräßlicher Pogrom habe in der galizischen Grenzstadt Brody stattgefunden. Ein Jude als Chef des: PreSbüros des ungarischen Ministerpräsidiums. Dr. Heinrich Gandä, ein angesehener Advokat und Publizist Budapests. Chefredakteur der „Ungarischen Korrespondenz“, wurde von Wekerle mit dem erwähnten Amt betrajut. Jüdisch-soziale Kurse in Krakau Angesichts der schweren Schädigungen, die der Krieg besonders für die Judenheit Galiziens und der Bukowina, sowie des benachbarten Königreiches Polen zur Folge hat, gehört die Gründung und Erhaltung wirtschaftlicher, humanitärer und kultureller Institutionen zu unseren dringendsten Aufgaben. Die Bewältigung der unerläßlichen Arbeiten auf den Gebieten der Jugend-, Säuglings-, Armen- und Krankenpflege, des gesamten Bildungswesens, wie auch auf wirtschaftlichem Gebiete, die Ueberführung brotlos gewordener Juden zu Handwerk, Industrie und Landwirtschaft, die Ausbildung der Jugend — dies alles erfordert die äußerste Anspannung unserer Kräfte. Leider zeigt es sieb, daß wir nicht über ausreichend geschulte Persönlichkeiten verfügen. Es fehlt uns nicht an arbeitswilligen jungen Helfern, die sich in aufopferungsvoller Weise in den Dienst ihres Volkes stellen wollen, aber ihnen fehlt die Ausbildung, um wirklich positive Arbeit leisten zu können. Jede schlecht organisierte und unzweckmäßig begonnene Arbeit schädigt sich selbst. Um diesem Mangel abzuhelfen, hat es das Unterzeichnete Sekretariat auf sich genommen, von Mitte Dezember bis Mitte Jänner vorläufig folgende Ausbildungskurse für Teilnehmer aus Gaiizie* und Polen in Krakau zu veranstalten. A. Soziale Kurs* für Sekretäre und Sekretärinnen. I. Erfahrungen in der Kriegsiürsorge, Fehler der sozialen Arbeit, Soziale Zukunftsaufgaben, Anitta Müller, Wien; a) Jugendfürsorge: 1. Kindergärten. Kinderhorte; 2. Beschäftigungskurse, Jugendheime und Jugendwerkstätten, Regine Zimmermann; 3. Gemüsegärten und Halbkolonien, Ztv.-Ing. P. Goldwasser; 4. Turnen, Wandern und Sport, Heinrich Leser. b) Fürsorge für Erwachsene: I. Arbeitsheime, 2. Lesehallen, Bibliotheken, 3. Toynbeehallen, Ziv.-Ing. P. Goldwasser; 4. Tee- und Suppenanstalten, Volksküchen, Dr. S. Nichtberger, Chrzanöw. c) Hygiene; 1. Wöchnerinnen-, Säuglings¬ und Kmderfürsorge, Chir. Dr. Jan L a c h s; 2. Ambulatorium, Wohnungsfürsorge, mad. Dr. Julian Lustgarten. - Nationaljüöische Buchhandlung . R. LOWIT, Wien l>, Roteniurmstraße 22. Empfehlenswerte Geschenkwerke Des Jlzchok Leib Percz CHASSIDISCHE GESCHICHTEN Gebunden K 8.— Jizchok Leib Perez OIE GOLDENE KETTE Luxusausgabe K 25.— Hugo Zuckermann GEDICHTE Gebunden K 3 60 Soeben ist erschienen: Archiv für jüdische Familienforschung, 2. Jahrgang. Nr. 1 - 3, K 3.— - Nationaljüöische Budihandlung R. LOWFT, Wien l>, RoIenlurmslraOe 22. II. Soziale.Wirtschaft: 1. Die soziale und wirtschaftliche Verfassung Galiziens mit besonderer Berücksichtigung des jüdischen Elements, Handelskammer-Sekretär Dr. Rudolf B e r e s; 2. detto Polens, Dr. Ignatz Schipper; 3. Berufsfragen, Dr. Rudolf Beres; 4. Arbeitsvermittlung, 5. Arbeiterversicherung, Dr. Wilhelm Goldblatt; 6. Rechtsschutzbureaus, Dr. Adolf Armhaus; 7. Wirtschaftliche Organisationen: Gewerkschaften, Genossenschaften, Konsumverein* (Ref. Vorbehalten). III. Vereins- und Verwaitungswesen: 1. Vereinsrecht und Statuten, Dr. Simon G r ü n f e I d; 2. Verwaltungsrecht und Preßgesetz, Dr. Heinrich Silberstein; 3. Statistik, 4. Organisationswesen, Ziv.-fog. P. Goidwasser. Die Technik in der Verwaltung uni Leitung solcher Institutionen wird den Teilnehmern in besonderen gemeinschaftliche* Uebungen vorgetührt werden, so daß jeder Einzelne darin ausgebildet wird, derartige Institutionen nach jeder Richtung selbständig zu leite*. B. Pädagogisches Seminar für Lehrer und Kindergärtnerinnen: 1. Einleitungsvortrag, Rabbiner Dr. Osias Thon; 2. Jugendkunde, Dr. Siegfried Bernfeld, Wien; 3. Pädagogik, Methodik, Lehrmittel. Prof. Dr. Alfred E a-g-e 1, Prag; 4 Kinderlieder, Jakob Quittner; 5. Kindergärten (eventuell 2—3 Monate). Berthe Stalowska. Aufgenommen wird nur eine beschränkte Amzahl von Hörern im Alter von 18 Jahren aufwärts. Vorträge finden mit Ausnahme Freitag* täglich ab 4 Uhr nachmittags statt. Die Vormittage sind für gemeinsame Uebungen und Besichtigung 'von einschlägigen Institutionen reserviert Es sind zu entrichten K 5.— bei der Anmeldung, sowie ein Spesenbetrag von K 20.— für je einen Kurs und Monat Umgehende Anmeldungen erbeten. Anfragen sind zu richten an das Sekretariat für jüdisch-soziale Arbeit, KTakau, Stradom 23, I. Stock. Gründung des „Vereines jüdischer Schrebergärten“ in Wien Dieser Tage ist ein neuer Verein ins Lebe* getreten, der versucht praktische Gegenwartsarbeit mit praktischer Zukunftsarbeit zu verbinden. Der „Verein jüdischer Schrebergärten" will jüdische Kinder beiderlei Geschlechtes von 9 Jahre» aufwärts sammeln und auf von der Wiener Ge- : meinde hiezu überlassenen Gründen unter Leitung von Aufsichtspersonen Schrebergärten errichte* lassen. Für die Kinder bedeutet das Bewegung is frischer Luft. Behütung vor den Gefahren der Gasse. Gewinnung manueller Geschicklichkeit und Befreundung mit der Natur: für deren Eltern einen gewiß nicht überflüssigen Beitrag zur Küche und für uns die Hoffnung, daß so manches Kämt aui fremder Erde ieint, wie es dereinst in unserem Vateriande den Schößling Sn die Erde legen soll. So können und sollen alle in dem Zwecke des Vereines gewinnen. Das hiezu jedoch größere Mittel nötig sind und diese nur durch ausgiebige Beteiligung von Mitgliedern und deren Eintritt in den Verein geschaffen werden können, beda.i keiner Auseinandersetzung. Die Statuten des Vereines, sowie die Bedingungen, unter welcire» Kinder als Schrebergärtner aufgenommen Wertteil, können jederzeit den Interessenten mündlich oder schriftlich gegen Anfrage beim „Verein Jüdischer Schrebergärten *, Wien, 11, Zirkusgasse 33 übermittelt werden | Lt. Mordechai Brecher"} Am 16. September d. J. fiel in der 11. Isonaoschiacht im Alter von 28 Jahren der Lehramtskandidat Mordechai Brecher, A. H. des jüd.-naf. akad. Vereines „Emunah“ in Czernowitz. Was von dem Pflicbtbewußtsein der jüdischen Offiziere anerkanntermaßen überhaupt gilt, traf bei diesem aufrechten Sohn seines Volkes im vollsten Maße zu. Die folgende kennzeichnende Tatsache möge nicht mit dem Toten begraben werden. End» August 1914 bekam der damals noch Einl.-Frciw. Infanterist Mordechai Brecher, da er an einem schweren Magenieiden erkrankt war, einen Urlaub von 4 Wochen für Czernowitz. Einige Tag» später überraschte uns die Invasion des Feindes. Die Stadt wurde besetzt, ohne daß wir rechtzeitig hätten flüchten können. Als aber das Ende de* September nabte, bemächtigte sich de* Beurlaubten, der fast di» ganze Zeit mit mir w- Agitiert für den Bezug des neuen Jahrgangs!