Jüdische Zeitung
- Journal
- Jüdische Zeitung
- Volume
- 11 (1917)
- Issue
- 50 (14.12.1917)
- Date
- 1917-12-14
- Page
- Seite 4 (sequence 4)
- Language
- German
- Belongs to
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cieite 4 JUUSCHE ZEIT UN Ci Nr. 5U Zionistisches Zentralkomitee für West-Oesterreich Wien. Am 28. November und 4. Dezember d. J. ianden unter Vorsitz des Vize-Präsidenten, des fc. k. Reichsratsrevisors Rudolf Taussig, die satzungsmäßigen Sitzungen des Zionistischen Zentralkomitees iiir West-Oesterreich statt. Auf Grund der Berichterstattung -seitens des Vorsitzenden wurde der bisherige Stand der R e or gan i s a t i o'n s a rb e j t en ■einer abermaligen eingehenden Besprechung unterzogen und Dr. Wilhelm Stein aufgefordert, die Vorarbeiten zu der bezirksweisen Veranstaltung von Versammlungen mit aller Beschleunigung fortzusetzen, insbesondere mit den maßgebenden Gesinnungsgenossen in Döbling und' Favoriten in Verbindung zu treten. Dem Bureau wurde aufgetragen, eine genaue Liste der Vertrauensmänner von Wien und der Provinz vorzulegen, auf Grund ■deren in einer folgenden Sitzung die Liste der für eine Vertrauensmännerversammlung Einzuladenden festgestellt werden wird. — Rev. Tamssig referiert sodann üb.er den Beschluß des Exekutivkomitees, gemeinsame Diskussionen des Exekutivkomitees und Zentralkomitees über die einzelnen Programmpünkte des österreichischjüdischen Kongresses ^abzulialten, - deren Grundlagen von dem Mitgliede des Exekutivkomitees Dr. Salomon Kassner abzufassende Thesen bilden sollen. — Verschiedene Zuschriften in Angelegenheit der Behandlung von Flüchtlingen seitens einzelner Behörden und Gemeinden werden der geschäftsordnungsmäßigen Erledigung zugefübrt. — Adolf Böhm referiert über Personalangelegenheiten in der Landessammelstelle des Jüdischen Nationalfonds. Es wird vom Zentralkomitee mit Befriedigung zur Kenntnis genommen, daß als künftiger Leiter des Nationalfondsbureaus Gg. Dr. Karl At eis eis. in Aussicht genommen sei. — Schließlich gibt Rev. T a u s s i g auf Grund von ihm zugekommenen Berichten ein anschauliches Bild über die wirtschaftliche I£a g e unserer Institutionen und insbesondere •der Kolonien in Palästina während des Krieges. In der Sitzung vom 4. Dezember berichtet der Vorsitzende über die vorläufigen Ergebnisse der. Reise Dr. Sonnes nach Russich-Polen, die ein trauriges Bild der Lage der dortigen bedürftigen jüdischen Bevölkerung biete. Er teilt mit, daß das „Komitee zur Verteilung der amerikanischen Hilfsgelder“ in der Israelitischen Allianz auf Grund seiner Darstellungen die sofortige Absendung von K 50.000.— zum Ankauf von Kleidungsstücken und Schuhen für arme Kinder an die jüdischen Hilfskomitees in Kielce, Petrikau, Lublin und Radom beschlossen habe. Die Korrespondenz, die der Vorsitzende in Angelegenheit der Entsendung Dr. Bernfelds zur Unterstützung der Mission Dr. Sonnes in dem Okkupationsgebiete einerseits mit'*' Kopenhagen und andererseits mit dem E. A. C. führte, wird genelunigend zur Kenntnis genommen. — Endlich macht Rev. Taussig Mitteilung von einer Besprechung des R.-A. Dr. Straucher mit dem Ministerpräsidenten Dr. Ritter von Sei dl er, die er mit anderen jüdischen Vertretern aus Galizien und der Bukowina in jüdischen Angelegenheiten hatte. Gleichzeitig teilt der Vorsitzende mit, daß für die nächste Zeit eine (inzwischen erfolgte, Anm. d. Red.) Audienz des R.-A. Dr. SVraucher gemeinsam mit Adolf Stand und Ob.-Ing. Robert Stricker in Aussicht genommen ist. — Schließlich berichtet Dr. W. Stein über den Fortgang der Katasterarbeiten, die unter Heranziehung der Vereine-auf eine möglichst.breite Basis gestellt werden. — Die Eintreibung des Kriegsbeitrages wird allen Gesinnungsgenossen dringend ans Herz gelegt An unsere neufen Abnehmer! Wie aus den Tagesblättern bekannt, arbeiten jetzt die Postsparkassenämter sehr langsam. Die Bezugsgelder laufen bei uns oft drei Wochen nach ihrer Absendung ein. Es unterliegt wohl keinem Zweifel, daß wir erst nach Empfang derselben die Besteller in unsere Versandtliste aufnehmen können. Die Geschältstelle. Berichte und Korrespondenzen Wien. Samstag, den 24 November 1. J. fand um halb 8 Uhr abends im Saale des „Hotel Post“ eine Friedenskundgebung der Wiener P o a I e Zion statt. Die überaus gut besuchte Versammlung wurde von H. Dawid mit einer zündenden Aufforderung zum Kampfe für den Frieden eröffnet In einer einstündigen Rede referierte Herr" Redakteur Singer über „Die sozialistische Friedensaktion und die jüdischen Forderungen“. 1 Das jüdische Proletariat sei immer frei von jedem Kriegsrauscli gewesen und gerade die jüdischen Sozialisten seien vom Zusammenbruch der „Internationale“ am schwersten getroffen, wiewohl ihnen von der „Internationale“ bis dahin nur selten Recht widerfuhr. Mit Genugtuung müsse iestgeStellt werden, daß beim ersten Versuch, die „Internationale“ wieder herzustellen, die spezifisch jüdische Forderung voll und ganz als Friedensforderung der gesamten Internationale aufgenommen wurde. Sogar den territorialen Ansprüchen des jüdischen Proletariates sei das Manifest des holländisch-skandinavischen Komitees gerecht geworden. Freilich dürfe man diese Forderung nicht mit einer jüdischen „Staats“-Idee verwechseln. Der Kampf für den Frieden muß gleichzeitig ein Kampf für Recht und Menschlichkeit, für Freiheit und Fortschritt sein. Deshalb müsse das jüdische Proletariat mit verdoppelter Energie den Kampf für den Frieden aufnehmen in der sicheren Ueberzeugung. daß, es ihm auch gelinge, jetzt für das jüdische Volk die volle nationale Gleichberechtigung und Freiheit zu erlangen. Langanhaltender Beifall belohnte die temperamentvollen Ausführungen. Unter Absingung der „Sphwuoh“ wurde die .imposante Kundgebung geschlossen. Wien. Dem soeben durch den administrativen Leiter k. k. Reichsratsrevisor Rudolf T a u s s i g zur Versendunggelangenden XXVIII. Tätigkeitsberichte des Armen-Ambulatoriums des zionistischen Zentralkomitees; für Kriegsilüchtlingc, II. Taborstraße 20 a,. entnehmen wir folgende Daten: In der Besuchszeit Vom I.—31. Oktober, bezw. 1.—30. November’wurden behandelt in der Ambulanz für: Augen 237, bezw. 249: Chirurgie 281 bezw. 174; Frauenkrankheiten/640 bezw. 526: Haut- und Geschlechtskrankheiten 48 bezw. 133: Interne I 449 bezw. 410; Interne II 124 bezw. 160: ■Interne III 530 bezw. 494; Kinder I 104 bezw. 57; Kinder II 70 bezw. 50; Nase und Kehlkopf 238 bezw. 166; Ohrenkrankheiten 60 bezw. 62; zusammen 27S1 bezw. 2481 Patienten. Seit Bestand des Ambulatoriums 110.938 Patienten.' Alielec. Nach vielen Bemühungen ist es einigen unserer Gesinnungsgenossen gelungen, einen Verein „Betli Jehudä“ ins Leben rufen. Das Gründungsfest fand den 18. v. M. im Lokal des Vereines in Anwesenheit von zirka 150 Personen aus allen Schichten der hiesigen Judenschaft statt Gg. stud. phil. J akob A s c h h e i m begrüßte alle Anwesenden aufs herzlichste und bemerkte, daß der Verein es sich zur Aufgabe stellte, unter seinen Mitgliedern jüdisches Nationalbewußtsein zu verbreiten. Stürmischer Beifall bewies, wie sehr der Redner den Versammelten aus dem Herzen gesprochen hatte. Gg. cand. med. Jechiel Ha Ipern aus Krakau legte in einstündiger jiddischer Rede das Wesen, die Hauptziele des Zionismus dar. Seine geistreichen Ausführungen machten einen sehr tiefen Eindruck. Stärker Applaus folgte den Deklamationen der Herren Salpeter und Holkänder.. Kollege Zucker las aus Schalom-AJejchem in künstlerischer Weise vor. Es folgte eine Schlußrede des Gg. Josef Holländer aus Tarnow über „Unsere Aufgaben im Kriege“. Der Redner beleuchtete in eindrucksvoller Weise die gegenwärtige Lage der Juden,und kam auf die-Leistungen der Zionisten zu ihrer Besserung zu sprechen. Er wies darauf hin, daß wir mit einer bloßen Geldspende unsere Pflicht lange noch nicht getan hätten, sondern .daß uns die ernste Lage unserer Brüder ein neuer Ansporn sein müsse, nicht zu rasten im Kampfe für Palästina. Er bedauerte, daß der Mielecer Mädchenverein kein zionistischer sei und besprach die „ Notwendigkeit einer zionistischen Frauenorganisation. Er. hob die großen Aufgaben hervor, die speziell den jüdischen Frauen an dem heiligen Werke der Selbstbefreiung in allen Kreisen des Volkes zuiällt, besonders durch ihren Einihiß auf die jüdische Erziehung. Unter stürmischen Hochrufen auf unsere Führer und Hatikwahgesang schloß dieser denkwürdige Abend, der in Mielec unvergeßlich bleiben wird. Wir danken /allen Gesinnungsgenossen, die uns zur Begrün- < düng des Vereines verholten haben,, insbesondere Herrn .Dr. Krengel, Herrn Rabbiner Dr. Osias Thon sowie den vorgenannten Kollegen. H a m o d i a. Radomysl. Schon seit jeher empfanden wir das Bedürfnis, einen jüdisch-nationalen Verein in unserem Städtchen zu gründen, um die Kultur unserer heranreifenden Jugend zu heben und ihr ein nationales ’ Bewußtsein einzupilanzen. Aber immer wieder wurde unsere Arbeit von den Zeloten bekämpft und im Keime erstickt. Jetzt aber, da wir einer neuen Zeit entgegengehen, hielten wir die Zeit für gekommen, ein solches Werk zu schaffen. Wie immer, stießen wir auch diesmal auf hartnäckigen Widerstand. Dank unserem Durchhalten ist es unseren Gegnern diesmal nicht gelungen, unser Werk zu stören. Besonders sind die. Verdienste der Frl. Rosa und Helene Kartagener, Anna und Amalia E i s 1 a n d, hervbrzuheben, deren aufopfernden Bemühungen und organisatorischen Fähigkeiten wir unseren Verein „Zirei Zion“ verdanken. Steyr. Im Saale der Kukusgemeanide. findet jeden Donnerstag eine Zusammenkunft mit Vorträgen statt Am 29. November sprach Henr Siegfried Weber über „Die körperliche Renaissance der Juden“. Der ziemlich gmtbesuchte Vortrag wurde mit Beifall aufgenommen. Wesen des großen Mangels an Raum ersuchen wir unsere Korrespondenten um möglichst kurzgefaßte Berichte. <r*' Ankündigungen Allgemeiner Jüdischer Arbeiter-Verein Poale- Zion, Wien, II. Sfefaniestraße 2/34. Samstag, am 15. d., halb 8 Uhr abends, findet im Hotel Post, I. Fleischmarkt 24, eipe Chanukah-Feier mit folgendem Programm statt: 3. Festrede, Gen. Singer. 2. Deklamationen, Gen. Juris. 3. Vorlesung, Herr Haber. 4 Klaviervortrag mit Gesang. (Jüdische Lieder.) Entree 50 Heller. — Sonntag, 16; d.. 3 Uhr nachm-, XX. Rauscherstraße 5, Restauration Keßler, Agitationsversammlung. Tagesordnung: 1. Der Inhalt des Sozialismus. 2. Die Aufgaben unserer Organisation. Referenten: Gen. Dawid und Genossin S c h 6 r r. Sonntag, 16.‘ <L, 5 Uhr nachm, wird im Vereinslokale eine Versammlung abgehalten. Tagesordnung: Unsere Parteikonferenz in Krakau. Referenten die Gen. Dr. Resner und Singer. Makkabäerfeier der jüdischen Jugend. Sonntag, den 16. d. M., findet eine gemeinsame Wanderung der jüdischen Jugend nach den Steinbrüchen Sieverings statt. Bei Anzündung von Holzblöcken wird nach Verrichtung des Gebetes eine kurze deutsche und hebräische Ansprache an die Jugend gehalten. Treffpunkt pünktlich um halb 4 Uhr nachmittags' Endstation Sievering oder um 3 Uhr Endstation Pötzleinsdorj. Auf Zuspätkommende wird nicht gewartet. Hatchijah, akacL Vereinigung für hebr. Sprache. Sonntag, den 16. d..M. findet im Saale, II. Praterstraße 9, um halb 8 Uhr abends ein . Vortrag des Chawer Kesten bäum über „Chanukah“ statt. Hebräisch sprechende Gäste willkommen. Vortrag im Beth-fiamidrascb, II. Rembrandtstraße 34 p. Sonntag, den 17. d., um 5 Uhr spricht Herr Josef P e r 1 b er ge rüber „Juden und Judentum“. Das passendste Chanukah-Geschenk eine . •' Kriegsanleihe Versicherungspolizze! Was ist Kriegsanleihe-Versicherung? 1. Zeichnung von Kriegsanleihe. — 2. Abschluss einer Lebensversicherung auf den Er- und Ablebensfall. ttr i _„ « „t.Inr-onciQ Jeder gesunde Mann! Jede gesunde Frau! — Auch eingerückte Personen jVCr kann Sich versichern lassen» im Hinterlande, in öer Etappe, an öer Front, ohne Zuschläge. i I Wann ist die Kriegsanleihe-Versicherung fällig? Im Falle des Ablehen»- sofort, sonst nach Ablauf von 12 Jahren! Versicherungen bis K 5000.— Ohne ärztliche Untersuchung. . ■ Prämien für je 1000 K Noitiinale VII. Kriegsanleihe: jährlich K 66, Vsjärl. K 33‘50, ^jährlich K 17.20. Eignet sich vortrefflich als Versicherung zugunsten des nizzz „Jüdischen Nationalfonds”. Vertreter überall gesucht.—Prospekte“und Auskünfte bei der Geschäftsstelle des „ANKER”, Wien, II 3 Zirkusgasse 33 ) 9antnalllSiitn.l — TaI. AB32S.