Mannheim
Compact Memory

Jüdische Zeitung · 1917-12-07 · 49 (7.12.1917) · page 1

Scan of the page
Image: UB Frankfurt, Visual Library (IIIF)
Journal
Jüdische Zeitung
Volume
11 (1917)
Issue
49 (7.12.1917)
Date
1917-12-07
Page
– (sequence 1)
Language
German
Belongs to
journal issue
OCR quality
93% known words query
IRI
…/2438141-2438623-2438671--5552-2445541
Visual Library
page viewer of the UB Frankfurt

Mentioned entities

OCR text

6 entity mentions

- 4 XI. Jahrgang. — Nr. 49 Nalional-jüdifches Organ Erscheint wöchentlich einmal Redaktion Wien II/,, Zirkusgasse 33 Sprechstunden Montag: bis Freitag von II -1 Uhr, Sonnt ig von 11—12 Uhr 'Manuskripte werden, wenn unverlangt, ohne- Rück ’orto n i ch 1 zurückgesandi Reaabtionsschluß I’ienstag um 7 Uhr £errisprech-Nummer 45-3-25 Mit der Beilage: Der Jüdische Nationalfonds Wien, Freitag, 7. Dezember 1917122. Kislew 5678 Einzelnummer 24 Meller; Geschäftsstelle: Wien II/„ Zirkusg. 33 Geschäftsstunden: Montag bis Freitag von 9—12 u. 3-7, Sonntag von 9—11 Bezugspreise: Ganzjährig K 10.— halbjährig K 5.—, vierteljährig K 3;— Aizegen und Beilagen nach Tari Poatsparlca&sen-Konto 333*404 Inhalt*1" C-ianukahV—" D VI o uoidnammerriErez Israel. — Brandfis. — Der'Zionismus auf dem Marsche. — Die zioniati-che Konferenz in Polen. llllldlL, i_ Die jüdischen Kongresse. — Anfrage Klofac und Genossen. — Hepp hepp! Flüchtlinge hinaus! — Berichte und Kortespondenzen. — Ankündigungen. Chanukah Etwa? wie Hoffnung glänzt in den Lichtern, die in diesem Jahre an die Befreiung des jüdischen Volkes erinnern. Eine leichte, leise Hoffnung, daß dem Unterwühlen aller Kultur, dem Zertrümmern aller Gesittung doch in absehbarer Zeit ein Ende gesetzt werde. Aus dem Osten kommt diesmal da? Licht, wo die russischen Völker die Fesseln zerbrochen haben und durch leidvolle Kämpfe der Volksfreiheit zustreben. Der Freiheitsgedanke, der sich dort aus Blut und Kerkern emporgerungen hat, fließt, auf unsichtbaren Wellen rings in die Welt und keine Macht kann ihn mehr aufhalten. Nur eindämmen, im Schwung verlangsamen. Und überall, wo es unterdrückte Völker gibt, .wo Menschheitsgruppen unter.dem Druck der. Majori* Sierung seufzen, ist dieser Ruf in die Seelen gedrungen“ ijnd läßt sie auf horchen. Auch unsere Stunde wird schlagen. *' ' $ * - :«c Weißt du, jüdisches Volk, was du Warst? Erkennst du, was du bist? Ahnst du, was du werden kannst? An den'hellen Täg im Kisleiv in unserem Sonnenland (lenk heute, als Juda Makkabi in die Hauptstadt eingPK* a!s durch die engen Straßen der heiligen Stadt der Siegerschritt dröhnte, als das .Weihelicht (bn Tempel entsühnte, wo Jehovah durch den Anblick fremden Gelichters beleidigt worden-war. Ejn ruhiges, friedliches Volk warst du,' das die fjgjmat sich wieder eroberte. Aber innerer Zank näljjn dir" bald wieder den Halt und die Fremden kajjjpn immer wieder; Bis .die letzte Stunde heraufd§punerte. Seither du verflucht, jüdisches Volk, aus. fremden Brjjjjnen bitteres Wasser zu trinken. Trägst du der Knechtschaft Brandmal auf der Stirn, glüht dir <jie Schande in den Augen, gellt dir der Spott dpf Buben in die Ohren. Bist landfremd und wegjjjüd und flügellahm geworden, auserwähltes Volk'der Qual! Deine Kinder haben dich verstoßery, 4|e Mutter verleugnet, deren Herzblut sie tranken^ preisen die Ehre, daß sie wie ehedem Griecfj!.i|ige werden durften und schleifen den Königsbjahtp! jüdischer Ehre durch die Gosse. Und was wird, was kann die Zukunft bringen? Diese Frage steht vor 'uns. Es ist möglich, daß die Völker, wenn sie ziisammentreten, um den Haß von vier Kriegsjahren zu liquidieren, auch für uns etwas Gerechtigkeitsgefühl empfinden werden. Es ist möglich, wenn es auch verwunderlich wäre, denn wir sind bisher durch Aeußerungen solcher Art gerade nicht verwöhnt worden. Und wenn dieses Gerechtigkeitsgefühl uns in dieser oder-jener Form ein Stückchen. Freiheit, etwas Land unter die Füße, bringt, sind wir bereit? Das jüdische Volk in seiner; Gesamtheit bekennt sich nicht, darüber .müssen wir uns Klarheit geben, zur zionistischen Auffassung, Die Assimilation hat sich doch zu tief ip.; die Seelen gefressen, als daß über Nacht aus P Verneinern Bejaher werden sollten. Denn der Zionismus ist keine äußerliche Aenderung der heutigen. Situation, er ist eine Weltanschauung. Und vielleicht ist vieles am Zionismus in seiner Orgariisationsform, in seinen Lebensäußerungn aus der Assimilation entstanden und aus ihr zu erklären. I4pi, zum ,Zionismus zu kommen, müssen wir erst selbst Zionisten werden, müssen lernen: jüdisch,.iphjen. Den Geist der Bibel, der großen jüdische;) Literatur in uns aufnehmen, um das Wesen des- Judentums zu erkennen. ..... /.ir,;. Denn das ist das Wunde^,,.das sich vollzogen hat: Ueberall auf dem . Leidensweg des Judentums brennen die Chanukahljchter und erinnern uns an die vergangene Zeit Sie erinnern und trösten. Sie sagen uns, daß das Judentum, gebeugt, geknechtet und geschlagen, nie sich selbst verlor und nie den Mut sinken ließ. Die zerstreut und wegfremd waren, werden zurückkehren und die Mutter Rahel wird schlafen können. I_ Brandeis mit Vorbereitungen zur Friedenskonferenz betraut Laut telegraphischer Mitteilung des Kopenhagener Bureaus der Zionistischen Organisation meldet „J e w i s h A d v o c a t e“-“ (Boston) aus Washington: Bundesoberrichter Louis Brandeis ist von Präsident Wilson beauftragt worden, zusammen mit Oberst House die Materialien zu sammeln, die nach Beendigung des Krieges die Grundlage für die Friedensimterhandlungen Amerikas sein sollen. Oberst House wird die Informationen sammeln, die Westeuropa betreffen, Brandeis diejenigen, welche Fragendes nahen Orients behandeln. Diese Bestimmung Wilsons wird dahin gedeutet, daß der Präsident beabsichtigt, Amerika bei der Friedenskonferenz durch diese beiden Persönlichkeiten vertreten' zu lassen. Der Zionismus auf dem Marsche Stellungnahme der. Zionistischen Organisation zur Erklärung Balfours. Anläßlich der Erklärung Balfoitrs, betreffs der Zukunft Pa löst.'was bat das Kopenhagener. Bureau der zionistischen Organisation folgendes Telegramm an düs Letter der zionistischen Arbeit in England, die Herren N. Sokolow und Dr. Ch. Weizmann gerichtet: „Die Erklärung der britischen Regierung ist ein Dokument von weltgeschichtlicher Bedeutung und wird im Herzen der gesamten Jurfenheit den stärksten Wiederhall finden. Wiir beglückwünschen Sie zu dem großen Erfolge und hoffen, daß es unserer Organisation getingen wird, mit Zustimmung aller Völker und Regierungen zu verwirklichen, wonach das jüdische Volk sich seit den zweitausend Jahren sehnt Es wird niemals vergessen werden, welch großen Anteil Sie an dem erreichten Resultat gehabt haben, und wir sprechen Ihnen, unsere Bewunderung und Dankbarkeit auS. Kopenhagener Bure an der Ziomsctschen Organisation^ gez. Jacobson.“ " ' .Id '. '■ ' Das Haus Rothschild im Dienste des Zionismus» Auf einem Bankett, das zur Feser-öer englischen Regierungserklärung für dien Zionismus' albgehalten wurde und an dem als- Vertreter der zionistischen Leitung der Vizepräsident des engeren Aktionskomitees der zionistischen Organisation, Dr. Jeohiel Tschlenow und dfie Kernen Nahum Sokolow und Prof. Weiitzmann teilnalimen, gaben Lord Walter Rothschild und Baron James Rothschild (der Sohn des bekannten Palästünafreundes Baron Edmund Rothschild) die Erklärung ab, daß sie die ganze Macht ihres Hauses ®n dten Dienst dies "Zionismus stellen. Der Wiedereintritt Zangwills und der Ito in die Zionistische Organisation. Am 25. November fand in London eine große zionistische Demonstrationsversarnml’ung statt, um der Regierung riir ihre Erklärung Dank zu bekunden. Israel Zangwill sollte in dieser Versammlung sprechen und die oüizieUe Mitteilung machen, daß er und seine Partei (Ito) in die zionistische Organisation eüntreten. Der Kongreß des amerikanischen Verbandes für Arbeit und Demokratie in New-York hat folgende Resolution einstimmig angenommen: Der amerikanische Verband für Arbeit und Demokratie drückt als seinen innigsten Wunsch aus, daß Präsident Wilson dahin, wirke» daß der internationale Friedenskongreß, die rechtmäßige For- |fErez Israel"*) „Wer Städte schaffen will, muß Bauern schaffej).>!’§gjtdern.Franz Oppenheimer dieses ejrWirtschaftsgeschichte dem Zionistenß!‘ rfi Erinnerung gebracht hat, ist es zum Jjjlppßren (Grundsatz unserer Palästina- WbelV 'jjdwbrden: denen, die landwirtschaftliche Arbeiter" werden wollen, den Weg zur Erreichujig der Existenz als selbständige Bauern zu weisen,'zu ebnen, von Hindernissen frei zu machen und frei zu halten und ihnen seine Zurücklegung jtach'Möglichkeit zu erleichtern, wobei auch das von/der preußischen Ansiediungskommission bereits aufgestellte Prinzip als zweifellos richtig anerkannt wird, daß der Ansiedler der beste ist, der durch“ die Ansiedlung selbst wirtschaftlich und gesellschaftlich aufsteigt. Wie ist dies jedoch zu erreichen? — Ist es zunächst richtig, daß der landwirtschaftliche Kleinbetrieb “ und Kleinbesitz diejenige Wirtschaftsform ist, der die Entwicklung zudrängt, wie die einen behaupten,: oder ist auch in der Landwirtschaft' eine Besitz- und Betriebskonzentration zu gewärtigen, wie die anderen "^.Mitteilungen des Hauptbureaus des Jüdischen 'Nationalfonds, II. Heft, Mai 1917. Zu beziehen vom JNF. in Wien, IE/1, Zirkusgasse 33. Preis 2 Kronen. Voraussagen? Vermag tatsächlich in der Landwirtschaft nur der selbständige ‘ Familienbetrieb des kleinen Bauern in wirtschaftstechnischer Hinsicht die höchstmögliche Entfaltung der Produktivität zu garantieren und in sozialer Hinsicht die Möglichkeit der Ausbreitung besitzloser Menschen in Gestalt von Lohnarbeitern'auszuschließen oder eignet sich hiezu der genossenschaftliche Zusammenschluß besser? — Soll man’in.Konsequenz; der einen oder anderen Ansicht steh etwa damit begnügen, durch genossenschaftliche Gesamthaftung einer Anzahl Landarbeiter und Bauernsöhne eine ausreichende Kreditbasis zu schaffen, um jedem derselben den Erwerb eines eigenen Anwesens zu ermöglichen? Oder ist es mit Franz Oppenheimer zu empfehlen, auf Pachtstellen sitzende und daher der Vorteile des Kleinbetriebes, besonders. seiner Arbeitsintensität teilhafte bisherige Gutstaglöhner zu einer Genossenschaft zusammengefaßt um ein Großgüt herum ansäßig zu machen, das sie unter Ausnützung des Großbetriebes, besonders. der Arbeitsteilung und-. Kapitalsintensität, gemeinsam bearbeiten? — Eine restlose Beantwortung all dieser brennenden Fragen kann nur die Zeit' selbst bringen. Wir haben daher auch folgerichtig alle bisher bekannten Wege zu dem oberwähnten Hauptziele eingeschlagen. — Nichtsdestoweniger läßt sich schon heute rein theoretisch' aus den vorhandenen Ansätzen mehr oder weniger sicherer Schluß auf die Zukunft ziehen, insbesondere können bei einer theoretischen Klarstellung die Mittel herausgefunden werden, um der Entwicklung vorzubauen. Einen hervorragenden Beitrag zu diesen theoretischen Vorarbeiten bildet das zweite Heft von „Erez Israel", welches sich diesmal vorgenommen hat, die Frage der genossenschaftlichen Siedlungsmethode zu behandeln. Fünf Zionistenkongresse mußten verstreichen, ehe die von unserem großen Führer Theodor Herzl kraft seiner genialen Intuition auf ihre Bedeutung hin für die zionistische Kolonisation erkannte und angeregte landwirtschaftliche Produktivgenossenschaft in Angriff genommen worden ist. Man konnte sich nur zögernd zu einem „sozialistischen Experiment“ entschließen, dessen Mißlingen noch dazu angeblich von vorneherein sicher war. Man argumentierte nämlich ungefähr folgendermaßen: Der Großbetrieb läßt sich; nicht durch einen den Produktionsprozeß beherrschenden maschinellen Apparat und durch eine spezialk sierte Arbeitsteilung in seiner gesamten Richtung binden und bis ins Einzelne automatisch regeln. Der beständige Wechsel' der klimatischen Verhältnisse, die Empfindlichkeit, der Organismen und. besonders des lebenden Inventars, die Bestimmung der täglichen Arbeitsverrichtungen, der Verteilung

Text as recognised by OCR (ABBYY FineReader), without corrections. Entity mentions: TagMe (2021); their positions were matched to this text again.