Jüdische Zeitung
- Journal
- Jüdische Zeitung
- Volume
- 11 (1917)
- Issue
- 43 (2.11.1917)
- Date
- 1917-11-02
- Page
- – (sequence 1)
- Language
- German
- Belongs to
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National-jüdifdies Organ ■rschcint-wSchanllicIt einmal Redaktion :WianU, Zirkusgasse Nr. 33 Sprechstunden: Montag bis Freitag vo»2—4Uhr, Sonntag von 11—12 Uhr Manuskripte werden, wenn unverlangt, ohnecRfkkporto nicht zurfickgesandt Redaktionsschluß Dienstag um 7 Uhr Ferne |»r ec h-N um m er ■ 45-3-35 Mü der Beilage: Der Jüdifche Naiionalfonds Wien, Freitag 2.November 191717.Chesdiwai»5678 Einseinummer 24 Heüer Geschäftsstelle: Wien U/i, Zirkusg. 33 Geschäftsstunden: Montag bis Freitag von 9—12 u. 3—7, Sonntag von 9—12 Bezugspreise: Ganzjährig K10.— halbjährig K 5.—, vierteljährig K 3.— Anzeigen und. Beilagen nach Tarif Postsparkassen-Konto 133.404 Inlmlf» J. LSwy, Juda und die Friedenskonferenz. — Judenfrage n. Friedenskongreß. — Ad. Stand, „Moriah*. — Prof. Dr. A. Fürst, Saxa loquuntur lllliail. (Schluß), — Nationaler Gewissenszwang. — Sträfliche Störung Jüdischen Gottesdienstes. — Tagung der Jüdischen Jugend. — Aus der Jüdischen * Welt— Zionisten im Felde. — Berichte und Konespondenzen. — Ausweise. auBanMMnaMWBummowummmumnmmmunnwmmommmuBanu5..niiii.iiewwmannoiMuwmmBiswgwi 1 Mitteilung der Geschäftsstelle Infolge unvorhergesehener Auflösung unserer bfclrierigen Buchdriickerei konnte die „Jüdische Zeltung'f iin der vorigen Woche nicht erscheinen. Unsere Leser müssenden Ausfall mit den untrer-* mefdUchen tedmisidien Schwierigkeiten des Krieges entsdhtuldigen. AIs Ersatz werden wir eine, djer nächster» Nummern verstärkt ■ herausgeben. Von nun an wird unser Blatt von ririer anderen Dnddkerei hergestellt werden. ® Juda ,und die Friedenskonferenz; Von Julius Löwy, Wien. Der ehemalige russische ' Arbeitsminister. Skobelew, der-die russische Regierung auf der Alliiertenkonferenz in Paris vertreten soll, hat seitens des Arbeiter- und Soldatenrates Instruktionen erhalten, die sich in einem Punkt auchjmit der Frage der Juden in Rumänien befassen und für sie die Rechts** gleichheit änfordern. Es ist noch nidit ganz aufgeklärt, ob die russische -Regierung sich mit diesen Instruktionen des Sowjet identifiziert, zumindest ■ -liegt keine Bestätigung dafür vor. 'Aber der' Hauptausschuß des Soldatenrates ist •eineKörperschaft von Gewicht und ihr Wort fällt ’äuch-.-sicherlich' in Paris In die Wagsdiale. Man kann also fast mit Sicherheit annehmen, daß. wenigstens über einen kleinen Teil der Judenfrage auf dieser Konferenz gesprochen werden /wird. Das ist immerhin ein Schritt nach vorne und die Entente, die so viel von der Befreiung der kleinen Völker spricht, wird auf diese Stimme der russischen Demokratie hören müssen. Von da: bis zu-einem- Beschlüsse ist ja noch ein weiter Wegvund zwischen Beschluß und Ausführung liegt — die Friedenskonferenz der kriegführenden Staaten.; Ein, Widerspruch Rumäniens, das den Juden trotz der Unterschrift der Signatarmächte des Berliner Kongresses so oft das Wort gebrochen hat, wird jetzt leicht zu überwinden sein. Bliebe also nur -noch zu bedenken, welche Haltung die Mittelmächte beobachten werden. Wir sind da optimistisch und meinen, daß Deutschland und das In dieser Frage besonders gewichtige Oesterreich-Ungarn, aus gefühlsmäßigen wie insbesondere aus wirtschaftlichen Gründen bestrebt sein werden, das seit den» Jahre 1878 an den rumänischen Juden begangene Unrecht' endlich gut zu pachen. Die Instruktionen Skobelews. sind also auch von uns als der-erste Versuch1 eines Friedensprogrammes zu begrüßen, das eine vorläufige Grundlage zumindest für eine Friedensdiskussion Süden könnte. Hier tritt zum ersten Male , die Judenfrage, wenn auch, partiell, aus dem Nebel vertraulicher Besprechungen nicht-, legitimierter Körperschaften, in das helle Licht der Tagesordnung, einer verantwortlichen Kon* ferenz. Ungleich schwieriger gestaltet sich eine Ueberprüfung der vom holländisch - skandinavischen Komiteein dem: Friedensmanifest vom 18. Oktober ausgearbeiteten Vorschläge auf ihre Durchführbarkeit. In diesem Manifest sind, alle Forderungen, die die jüdische Nation zu stellen hat. Ihre Formulierung erfolgt darin in einer nicht ganz den-Gesetzen; politisch strenger Diktion entsprechenden Fassung. Aber das ist auch nicht die Aufgabe der Männer der sordisicheh Demokratie gewesen. Wir dürfen unseren Dank dafür aussprechen, daß das Komitee die Ver-, treter der zionistisch gerichteten Sozialdemokraten vorgeladen und angehört hat. Wir wollen dabei zum ewigen Gedächtnis^-vermerken, daß diese Vorladung entgegen dem Einspruch, der Herren Dr. Viktor Adler > und Sertz aaS** Wie» erfolgt ist. Das Manifest verlangt also „Selbstverwaltung der jüdischen Minderheiten“ in dem zu schaffenden Polen; ferner „internati onale Lösung des Judenproblems, persönliche Autonomie in den Distrikten» Rußlands, Oesterreich-Ungarns, Rumäniens und Polens, wo die Juden in geschlossenen Massen leben, und Schutz der jüdischen Kolonisation Palästinas.“ Hier sind sofort einige Fragen zn stellen: Was ist und wie weit erstredet sich der Begriff der Selbstverwaltung?. Was versteht man unter „persönlicher Autonomie“? Was ist: das: „Schutz der jüdischen Kolonisation“? Wifc wären ja imstande-, eine sehr genaue Definition dieser Postulate zu geben, aber wir wissen ja nicht, ob und wie sie die Gegenseite aufnehmen würde. Immerhin ist in diesem Manifest das jüdische Problem besser und weiter erfaßt als in den Petersburger Instruktionen. Wir können auch ein immer reger sich aussprechendes Interesse der Oeffentlichkeit an einer zionistisch orientierten Lösung der Judenfrage wahrnehmen. Es entspringt keiner Freundschaft für uns. Herzl hat dieses Interesse in seiner prachtvollen Rede auf dem' Uganda-Kongreß scharf gezeichnet: „Man will uns nicht drin haben oder man will uns draußen haben.“ Aber wir sehen uns dieser Tatsache gegenüber und müssen mit ihr rechnen, ohne die Beweggründe zu bedenken. Unsere Sache wäre es jetzt, eine Willensäußerung des gesamten Judentums herbeizuführen, unsere Forderungen festzustellen, uns mit den Regierungen Unserer Staaten in Verbindung zu setzen. Wir müssen deutlich sprechen: Wir verlangen die freie und ungehinderte Ansiedelung in Palästina im Rahmen der türkischen Staatlichkeit. Wir verlangen die Möglichkeit der freien und autonomen- Entwicklung des jüdischen. Gesellschaft»* lebens in Palästina und bieten dafür der Türkei hochkultivierte Arbeit, Bildung und Kapital. Wir verlangen die politische nationale Autonomie für die geschlossenen russischen Siedlungen in Rußland, Rumänien, Polen, Galizien und Bukowina; Aber bei diesen Forderungen versteht es sich von selbst, daß wir die Ansiedlung in Palästina einteiten werden in dem Augenblick, wo unsere leitenden Personen das bestimmen werden. Wir bleiben in den Positionen, in. denen wir stehen, so lange es uns paßt. Keine Macht der Welt wird imstande sein, uns Rechte zu nehmen, die wir uns in Jahrhunderte langer Arbeit erworben und jetzt blutig besiegelt haben. All’ unsere Arbeit, unser Sinnen und Dichten hat nur ein Ziel: Palästina. Aber wir vergessen nicht an die Friedhöfe in Ost- und Westeuropa, in deren fremder Erde unsere Lieben schlafen. Wir dürfen aber auch keine Sekunde an unsere Brüder in Persien, Tunis und Marokko vergessen. Auch sie bedürfen der Erlösung. 2>er 35ejuo her ,3ü&ifcfien 3eüuna fann lebe 2Bodje besinnen . „Moriah“ Vor uns liegt ein Jahrgang der „Moriah“. Im' Herbste 1916 Scharte irm sich. Wilhelm Berkelhammer einen Kreis von berufenen Publizisten, dje bereits, seit Jahren in polnischer Spräche für den Zionismus "Dienste leisteten und begann die Herausgabe der „Moriah“^ -Es war ein Verdienst, deren leicht war die Sache nicht Zu machen. Es War mitten im Kriege. Die Mitarbeiter standen entweder m militärischen Diensten.oder hatten sonst, da me ausnahmslos Kriegsflüchtlinge ’ waren, ffTit großen Schwierigkeiten zu kämpfen. Die Redaktion überwand diese. Schwierigkeiten und im November erschien bereite die erste- Nummer des 12. Jahrganges der ,yMoriah“. Berkelhammer knüpfte an die Tradiitionen der alten Redaktion an. Bald gelang es ihm, den: notwendigen - Kontakt nicht 'nur mit seinen Mitarbeitern;- sondern-auch mit den Tausenden..'seiner Leser zu finden. Und er hatte jetzU--dank, der politischen Lage. Leser nicht nur in Galizien, Sondern auch in den Von den Zentralstaaten neu eroberten Gebieten des Königreichs-Polen. Was die „Hasehiloach“ für die hebräischen Leser, was1 der „Jude“ für die deutschere Leser, das ist die „Moriah“ für die polnischen -Leser. Sie ist - die einzige Revue, die in polnischer Sprache erscheint und die der zahlreichen polnisch lesenden Judenschaft alles Wissenswerte auf dem Gebiete des sozialen, wissenschaftlichen, kulturellen und wirtschaftlichen Lebender- Juden mitteilt,; “Wenn-wir einen Rückblick über Hie zwölf Nimrinern des verflossenen 'Jahres werfen, fallen uns besonders Zwei Nummern lauf: es ist die Ach ad-Ha am-Nummer und die Kongreßnummer. Die;,Moriah“ versäumte es nicht, wie es auch andere, jüdische "Zeitschriften taten,- aus Anlaß des Jubiläums Achad-Haam* fhm‘ eine Nummer zu Widmen. In drei Artikeln Wird Achad- Haam gewürdigt. Einer der besten Achad-Haamschüler, der nicht nur seine Theorie kennt, sondern sie auch ausgebaut hat, Osias Thon, würdigt an leitender Stelle In ebenso tiefer wie enthusiastischer Weise die Bedeutimg Achad- Haaffls. Wie er ihn vor "zwanzig Jahren begrüßt hatte, als er aus seinen Büchern, wie ans einem! unerschöpflichen Borne 9er Weisheit die Grund-« Tagen des Zionismus schöpfte, so begrüßt er ihn heute als den alten imcl ewig jungen Meister unserer Idee, der bejahrt, aber lange noch nicht alt ist, das Jubiläum feiert und trotzdem! noch nicht erledigt ist, der nicht nnr geschichtliche, sondern auch eine aktuelle Bedeutimg im Judentum hat. Chaim Tartakower schreibt über die Bedeutung Achad-Haams in der hebräischen Literatur. Wilhelm Berkelhammer würdigt Achad-Haam als . Führer des modernen Zionismus. Besonders gelungen ist die Kongreßnummer der ,-jMoriah“. Aus--Anlaß des 20. Jahres seit der Einberufung des 1. Zianistcnkongresscjs äußern sich berufene Federn über dieses historische Ereignis,- würdigen seine Bedeutimg, schildern den Verlauf des Kongresses; sagen "die vermutlichen Konseqnenzen voraus und drücken ihre Wünsche und Ansichten, über die ‘Entwicklung, der - Idee aus. In einem äußerst enthusiastischen Artikel; betitelt „Nach 20 Jahren“, äußert sich Wilhelm Berkelhamme "über die Bedeutung des Kongresses. Er sagt richtig, daß der Kongreß lange nicht, wie es so manche vermuten und wie auch anfangs Herzl glaubte; der Beginn der zionistischen Bewegung war. Nicht nur der Kongreß war es nicht, sondern -nicht einmal das 19. -Jahrhundert ist -das erste der zionistischen- I Bewegung. -Noch im- 17. Jahrhundert trieb die | starke Sehnsucht zur Rückkehr crum 'jüdischen 1 Lände Don Josef Nassr, den jüdische» Fürsten zu Naxos, Zu einer agitatorischen Tätigkeit an. Im Jahre 1777 begaben sich nach, Palästina.' Rabbi Israel aus Plozk, Mendel aus Wittebsk und Abraham- Katz aus KaliSch und forderten von dort aus die .gesamte "Judenschaft zur Neukolonisierung des' alten Landes auf. Und so geht es weiter. Im Jahre '1854 kam S. Eft. Luzatto, im Jahre 1861 Rabbi Hirsch Kalischer, dann Heß, Grätz, Pinsker, Mohilewer, Birnbaum, bis die stärkste Persönlichkeit erschien, Theodor Herzl, und die Gedanken seiner Vorgänger in Taten umzusetzen begann; über diese Taten spricht Berkelhammer in eleganter, angenehmer, anregender, überzeugender Form. Wilhelm) Stein schreibt eine historische Arbeit über den Zionismus vor "Herzt. David T r i e t s c h schreibt über die palästinische Frage auf den Zionistenkongressen. Er bemängelt es mit Recht. ,daß_ die Kongresse Palästina, trotzdem dasselbe ein integrierender und wesentlicher Bestandteil des Zionismus ist, nicht die gehörige Bedeutung “beigemessen haben. Wir Tesen mit besonderem Interesse den Aufsatz diesesberufenen Palästinamannes und wünschen mit ihm, daß die nächsten Kongresse Palästina mehr Raum wjdmen. ‘Die Palästinafrage muß im Zentrum Tier Debatte stehen, muß Ausgangspunkt und Endziel unserer Anstrengungen sein. Wir lenken die Aufmerksamkeit unserer Leser besonders auf diesen ausgezeichneten Artikel und glauben, daß er nach dem Kongresse besonders aktuell sein wird. Osias Thon schreibt über die jüdische Jugend vor dem Kongresse und in der heutigen Zeit. Der Mann, der bereits selbst Jubiläen feiert, hat die Jugend länge noch nicht hinter sich. Regsam und elastisch, wie er geistig ist, ist er es "auch seelisch und physisch; nicht nur, daß er den Kontakt mit der Jugend nicht verloren hat, er steht bei ihr; in ihr, leitet sie und läßt sich von ihr leiten. Der Poale-Zionist Max Rosen-