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Jüdische Zeitung · 1917-08-24 · 34 (24.8.1917) · page 1

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Journal
Jüdische Zeitung
Volume
11 (1917)
Issue
34 (24.8.1917)
Date
1917-08-24
Page
– (sequence 1)
Language
German
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m IX Jahrgang — Nr. 34 National-jüdifdies Organ Erschein: wöchentlich einma Redaktion:.WienIl,Zirküsgasse Nr. 33 Sprechstunden: Montag bis Freitag von 2—4 Uhr, Sonntag von 11—12 Uhi . Manuskripte werden, wenn unverlangt, .ohne Rückporto'nicht' zurückgesand! Redaktiönsschluß Dienstag um 7 Uhr Fefitsprech-Nummer 43>3-25 Mit der Beilage: Der Jüdifche Nationaif onds Wien, Freitag, 24. August 1917 / 6. Elul 5677 Elaialnummer 24 Heiter Geschäftsstelle: Wen II/,. Zirkusg. 33 Geschäftsstunden: Montag bis Freitag von 9—12 u. 3—7, Sonntag von 9—12 Bezugspreise: Ganzjährig K10.— halbjährig K 5.—. vierteljährig K 3.— Anzeigen und Beilagen nach Tarn Postsparkassen > Konto 133.404 leelial^ -Kriegsbeitrags-Aufruf. — W.-g., Die Reichen mehren sich. — Die Juden in,der Bukowina. — Literarische Nachrichten. — Flucht und Heimkehr tnilctll ». Der zionistische Distriktstag in Prag.Aus Palästina. — Aus der-,Jtid. Wett. — Zionisten im Felde. — Berichte n. Korrespondenzen u. a. m . M^^^BHBMnmMHi^Hi^H^M^nBsnnnHMnMnnsBMSsssnnnnsHnsnsrtimnHnBMS ' Gesinnungsgenossen! - Das westösterreichische Zentralkomitee hat für, das jahr.1917 die Einhtibung eines Kriegsbeitrages in der Höhe von mindestens K 3,—beschlossen. Seit JGiegsbeginn hat unsere Organisation ^durch Aufnahme einer Reihe von Kriegshilfsmaßnahmen— wie Armenambulatorium,..Rechtsschutzbüro u. dgl. — eine erhöhte Tätigkeit entwickelt, indes ihre regel- : tnjUSigen Einnahmen durch Parteisteuern fast völlig versiegten. So war sie auf die Opferwilligkeit eines kleinen Kreises von Zionisten angewiesen, ein Zustand, der für eine Organisation von der Größe der zionistischen unhaltbar ist - Während die Spenden für den Nati.onal- - fond. einen, ungeahnten Aufschwung genommen jfiaben,standdie Organisation selbst ohneMiftel. In-Deutschland, wo schon im Frieden jeder . Ziptdst _ nach Kräften;regelmäß>ige Beiträge -.ttr.Wdie Organisation beisteuerte, ist gleich. .JiperstenKriegsjahrein obligatorischer Kriegs- < beitrag eingehoben worden. Die deutschen Zionisten sind sich klar. bewußt, _ daß die Organisation so lange zur Ohnmacht ver- -dammti lstuibis sie nicht finanziell., genügend fundiert ist Es :ist,z.Ucrhoffen, daß auch in Oesterreich diese Erkenntnis sich endlich einmal Bahn brechen wird. Die aAufgaben, die wir zu lösen haben, . sind -viel, umfangreicher und schwieriger als je zuvor. Vor allem gilt es, die Organisation selbst,, deren Gefüge im Kriege sich gelockert hat, wieder, fest aufzurichten und die großen - Fortschritte, weiche in der Verbreitung unserer Jdee^ wahrzunehmen sind, für. sie zu. nutzen. Presse und Propagandamittel müssen ausgebaut, das Sekretariat durch ständige Kräfte - besetzt werden u. a. m. .Wir erwarten, daß jeder Zionist auf diesen . Aufrufbin -und ohne. jede, weitere Aufforde- - ruhg den Kriegsbeitrag für- 1917 einsenden Jwlrd.; De^Betrag von K 3.— ist in Anbetracht dessen, .daß die' Organisation sehr . viele Unt bemittelte^umfäß^.nur als Mindestbeitrag stipulierf worden. Das Zentralkomitee erwar- 'b^Adaß5jeder”.Zionist,„dem es. möglich ist, - ‘mehnibeizusteuerni dies tun wird. „Wien,, im August 1917. ~ K. k.f Reichsratsrevisor Rudolf Taussig "* dm& steilvertr. Präsident des Zion. Zentralkomitees . fflrWcstöstenreich.;.. Die^Krie^sbeiträge'^sl7- Zenhaikomiteefür Westösterreich sind mit dem Kennwort .^Kriegsbeitrag“: andas Postscheckkonto . des^Yerbändes, ,5Ziöh“ Nr.‘ 47.115jeu senden. Erlngscheiine ljegeh,. der .Wiener Auflage der dtes- . - V,bi%ehUichen'Niun!rieribei-‘ . ' Die Zeichen mehren sich , Die Zeichen einer gerechten. Würdigung der zionistischen Zukunftsbestrebuugcn nt der Presse mehren sich.Nicht in der österreiddsdren, die "sich mit Ausnahme der antisemitischen nach wie vor mit einer seltenen Zähigkeit ausSchweigt. Dagegen haben reichsdeutsche Blätter :fon Bedeutung seit Kriegsbegiim das zionistische Pr;. gramm warm befürwortet. Dem Aufsatz 'des „Reichsboten“ ist der sympathische 'Artikel „Der Kampf um Palästina“ von C. A. Bratter in der „Voss. Ztg.“ vom 1, August gefolgt. Heute können wir auf Zwei weitere au tötender Stelle, in der sozialdemokratischen Leipziger „Volksstimme“ und dem amtlichen Kreisblatt für den. Regiertmgsbezirk Düsseldorf, dem „Düsseldorfer General-Anzeiger“, beide am! 8. August erschienen, verweisen. . Aut der zionistischen Konferenz id Rußland wurde von einem Maximal- und einem Minimalprogramm der Zionisten gesprochen. Die Maximaliördeiungen werden durch die Zionisten der Ententeländer vertreten; sie haben nicht nur ernstliche Erwägungen, sondern auch schon veiheissende Zusagen der alliierten Regienmgenerreicht. Man muß diese Versprechungen ^durchaus! ernst nehmen; Bratter . führt aus, daß nicht vage Schwärmerei, -sondern sehr zielbewußte praktische Interessen den Beweggrund des Verhaltens •der amerikanischen und englische« Regierungen bilden., Wilson gedeaktlfqrrff.seialntetesse. an denzkmistlscben Palästmabestprimngen die Stimmen, ddr in altöx Sdiichteu zicmisiertea Juden i Amerikas zu gewinnen.,. Um dimjbetr acht liehen Teil zur demokrafedhe^^^ib^^^rfien, berief er schon tnüher drei werktätige Zionisten in hohe Stellungen, M o r g e n t h a u und EI k u s z!u Botschaftern/B r a n d ei £femn MitgliedHes fobersten Bundesgerichtes. England will sich über Palästina den Weg inach Indien sichern,'Die Beherrschung Palästinas ist der letzte Sdmtt einer* langes Reihe von politischen Aktionen: , „England versucht nun auch hier mit der Ausnützung bereits vorhandener Strömungen führ seine Zwecke * zu operieren; Und 'Wenn es in Analogie mit der geptänten Schaffung* eines arabischen Khalifafs, durch die Föideiung1’ der jüdischen Bewegung Palästina für sich gewinnen will; So ist das ein 'Beweis für cue Wichtigkeit, die England dieser Bewegung beitegt. Daß es sich dabei um Eine kolonisatorische Bewegung handelt, wurde' Schon oben auSgeführt. Von diesem Gesichtspunkt aus muß deshalb zil ihr Stellung genommen werden,- wen« deij englischen Plänen erfolgreich begegnet werden soll. Die Forderung des „Reichsbotea“, Deutschland solle sich selbst an^die Spitze cfleseirBewe^ gung stellen, enthält darum einen weltpolitisch richtigen Kern, wenn der „Reichsbote“ auch vermutlich die Sache - anders gem«int "hat. Man, Wird selbstverständlich, umin der für Deutschland wichtigen, palästinafrage klar zu : sehen und richtig zu.hudeln, ihre Verquickung mit mnerpolitischen Angefegenhdteii ’idbetso volfständig vermeiden müssen^ wie dies in. England geschieht Die apgedeutete PalästinapoHfik wird in.England-, selbstveretindlicb nicht. mir von Sol-. chen Juden vertreten. ’diA Selbst.ZtoniSteQ. Sind, oder, nur von solchen Nidrtjuden, die Antisemiten . sind. Immerhin nwß^ Msagt werdeh.' daß. die eigentlich zionistischeAuffassung der 'Palästinafrage den Interessen des Vierbimdes ebenso entspricht, - wie di« englische Umdeutimg Wesen Interessen widerspricht. - Die zionistischen Siedlungsbestrebungen bezwecken selbstverständlich ' keine Losreißung Palästinas vom türkisdien Reich, sondern wollen sich im, Rahmen dieses Reiches und auf Grund einer starken Interessengemeraschalt mit ihm entwickeln: Der Plan dagegen, den ' England und die Vereinigten Staaten ln Palästina verfolgen, ist ein Teil-des gegen das -türkische Reich gerichteten Zerstörungsprogramm's 'der beiden - angelsächsischen Mächte.“ Bratter weist Zum Schluß darauf hin, daß diesen Plänen Englands unter seinen eigenen Bundesgenossen Gegner erstehen dürften. Frankreich hält an seinen Protektoratsansprüchen auf 1 die Katholiken Syriens und Palästinas nach wie vor fest, Rußland durchsetzt Palästina mit Kirchen und Klöstern, Hospizen und Geistliche^ und strebt nach dem Besitz des eisfreien Hafens Alexandrette. Aehnliche Gedankengänge finden wir auch in dem „Das Davidsregiment“ betitelten Leitartikel der „Volksstimme“: „In Deutschland hat man die Bedeutung dieser Dinge (der zionistischen Palästinafrage) noch lange nicht genügend erkannt. Vielmehr sieht man im allgemeinen in dem Bestreben nach einem jüdischen Nationalgebilde in Palästina entweder eine törichte Utopie oder eine Gefährdung der katholischen Interessen oder gar eine Intrigue gegen die Unversehrtheit des türkischen Reiches. Nichts von dem ist richtig. "Wer flie starke nationale Kraft des Judentums für eine Utopie erklärt, mit dem ist nicht zu rechten. Eine Gefährdung der katholischen Interessen hinfanzuhalten, ist nicht gerade Sache des Deutschen Reiches, im . übrigen ist isfe aber auch bloß eingebildet. Ebenso eingebildet ist die Gefährdung der Türkei. Die -Zionisten streben bisher noch nicht nach der Errichtung eines unabhängigen Reiches in Palästina. sondern wünschen dort nur national-kuPhirelle Autonomie als türkische Untertanen, so ■etwa, wie die Deutschen Böhmens und Mährens nach einer ähnlichen Autonomie als Staatsangehörige der Donau-Monarchie streben. Es ist nicht*’ ersichtlich, warum, die Juden in dieser Steflung-; nafitee eine Aendenmg eintreten lassen sollten, wenn 'rie nicht . durch fehlerhafte Maßnahmen der Mittelmächte der Entente geradezu in die Arme getrieben Werde». Bisher sind Solche Fehler noch nicht geschehen, und hoffentlich wird wachsende Einsicht auch künftig davor schützen. Das sollte man doch nicht vergessen, 'daß im Grunde die Türkei selbst ein großes Interesse daran hat, daß die zionistische Kolonisation Palästinas in der Art, wie sie früher imd auch jetzt noch von den' Zionisten selbst geplant war, verwirklicht werde. Zu ihrer wh-tschaftficherf Kräftigung bedarf die Türkei in allererster Linie einer starken Vermehrung ihres Menschenbestandes. Soweit Einwanderung als Quelle dafür in Frage komm!, kann der Lage der Sache nach nur jüdische Einwanderung wirklich etwas feisten. An dieser. Stärkung der wirtschaftlichen: Grundlagen der Türkei hat aber wiederum Deutschland mit seinen Verbündeten ein Lebensmferesse, das wir auf diesen Blättern so oft dargelegt haben, daß wir es nicht im einzelnen zu wiederholen' brauchen. In diesem Interesse finden sich Deutschland und seine Bundesgenossen eng vereint mit Rußland: tmdr dem künftigen Polen, die nur'auf diese Welse eine allmähliche Lösung ihrer Jutfenfrage erhoffen können. Diese drückt sie. ja schwer ’ genug, auf ihre Bereinigung müsse« beide Staaten großen Wert legen. Gleichzeitig aber haben wir gesehen, daß die beiden noch übrige« europäischen Festlands-Großmächte, nämlich Frankreich uridltälien, in dieser Fragein einem unversöhnlichen Gegensatz zu England stehen. So 'finden wir auch hier wieder die Solidarität der . europäischen Festlandsstaaten |*egeiiüber den ' überseeisch gerichteten Angelsachsen deutlich und 'klar1 aufgezeichnet.“ Der dritte Artikel „Der deutsche Weltkrieg und die Judenfrage“ im’ „Düsseldorfer G’e- 1 neral-Anzeiger“ sieht den Ausgangspunkt' der national-politischen jüdischen Forderungen in den Vereinigten Staaten, wo sie ihren ersten AusdrtiCK in der gewaltigen Kongreßbewegung gefunden;haben. Eine bedeutende KraftSteigenmg des Judentums habe die russische Revolution im Gefolge gehabt. Sie hat die bisherige Zentraltrage ,die Befreiung der russischen Judenheit, mit einem Streiche gelöst und Raum füür die weltpolitischen zionistischen Ziele geschaffen. III I W«« jftttfItItp'l11Hlw HUIlti #

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