Jüdische Zeitung
- Journal
- Jüdische Zeitung
- Volume
- 11 (1917)
- Issue
- 30 (27.7.1917)
- Date
- 1917-07-27
- Page
- Seite 5 (sequence 5)
- Language
- German
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jumampr; z.ei.i.uhot T573U aaie o % ist zur Genüge bekannt, Daß aber der Genuß rituell gekochten Essens dem „liberalen“ .Juden Gewissensbeschwerden verursachen könnte,“’ - ist neu. Auf diese Feinheit ist der Justizrat B.r e s- 1 a u e r in Berlin gekommen-. ‘Er hat 'den formellen Antrag gestellt, im Krankenhause "der jüdischen Geineinue eine Abteilung für nifhtrituelle Verköstigung einzurichten! Aus der jüdischen Welt Ausweisung österreichischer Juden aus Posen «nd Oberscblesien. Die sozialdemokratischen Abgeordneten Bauer und Scheideinann haben an den Reichskanzler folgende Anfrage gerichtet: Seit längerer Zeit werden aus der Provinz Posen in der letzten Zeit auch aus dem! Regierungsbeizirk Breslau die österreichischen Staatsangehörigen jüdischen Glaubens, ungeachtet ihrer jahrzehntelangen Ansässigkeit, tadellosen Führung und bestgeordneten Daseinsverhältnisse, ausgeanesen. Sind dem Reichskanzler diese Zustände bekannt? Denkt er dagegen einzuschreiten? Der gastfreundliche Bezirksverein* Der Üeutschnationale Bezirksverein Wiener - Landstraße hat — wie die „Ostdeutsche Rundschau“ aut 21. Juli meldet — in seiner Ausschußsitzung vom 19. d. M. unter andern den folgmden Beschluß gefaßt: „Behufs Entlastung der emeinde Wien rücksichtlich der Versorgung der bodenständigen Bevölkerung mit Nahrungs- und HeiZmitteln ist es dringend geboten, die galizisdien Flüchtlinge soweit als möglich nach Westimd Mittelgalizien abzuschieben. Diese Leute können in Galizien leichter versorgt \yerden als in Wien, weil sie dort den Wiener Hilfsquellen näher sind und überflüssige Bahntransporte erspart werden können Der Wiener Markt würde außerdem von preistreiberischen Elementen entlastet! Angenommen es gelänge, nur 100.000 Flüchtlinge a’bzuschieben, so bedeutete _ dies, nur 3—4 Kilo Lebens- und Heizmittel auf den Kopf gerechnet eine tägliche Ersparnis von 30—40 Waggons, das sind 2 Eisenbahnzüge, die der Stadt Wien zugute kämen oder anderen Zwecken dienstbar gemacht werden könnten.“ Ein besonderes Dezernat für jüdische Angelegenheiten soll nunmehr wie im Generalfouvernement Warschau auch im Verwaltungsereiche des Oberbefehlshabers Ost errichtet ■werden. Wie verlautet, soll dasselbe unserem Gg., dem bekannten jüdischen Maler und Radierer Hermann Struck, der sich bisher im militärischen Dienste an uer Ostfront befand, übertragen werden. Die Warschauer „Agudas Haorthodoxim“ richtete vor kurzem ein Memorial an den polnischen Staatsrat, in welchem gefordert wurde, als Beweis, daß man den Juden Polens die bürgerliche Gleichberechtigung verleihen werde, schon jetzt alle Beschränkungen aufzuheben. Darauf antwortete der Vizekronmarschall: „Die Zuwendung der , Agudas-Haorthodoxim“ vom 2. d. M. habe ich den 10. d. M. in der Sitzung des Ausführungsamtes des zeitweiligen Staatsrates vorfelegt, der das Departement für Glaubenssachen eauftragt hat, gemeinschaftlich mit dem Justizdepartement einen Bescheid auszuarbeiten. Sobald der Staatsrat einen bestimmten Beschluß gefaßt haben wird, werde ich nicht zögern, ihn der Agudas-Haorthodoxim mitzuteilen. Gez. Vjzekronmarschall Josef Mikulowski-Pomorski. Jüdische Schulen in Polen. Der Staatsrat hat auf Anfragen des Generalgouverneurs von Lublin betreffs die Schulen der jüdischen Bevölkerung m seiner Sitzung vom 7. d. M. beschlossen^ 1. Falls Wünsche in genügender Anzahl von jüdischen Eltern geäußert werden, sollen jüdische Klassen geschaffen werdenvin denen der Sabbath gefeiert und der Sonntag für den Religionsunterricht bestimmt wird. 2. Chedarim, Talmud- Thoras und andere religiöse Schuten sollen aTs Privatschulen anerkannt werden, mit der Bedingung, daß die polnische Sprache und Elementarfächer in polnischer Sprache an denselben unterrichtet werden; sie sollen der Schulaufsicht unterworfen werden. 3. Das Bildungsdepartement wird angewiesen, jüdische Religionslehrer für die Schulen vorzubereiten. Zu einem jüdischen Kongreß in Polen ruft M. F r i s c h 1 ä n d e r in der jüdischen Zeitung „Moment“ vom 20. Juli auf. Em jüdischer Sotdatenrat. Einen solchen zu schaffen, wurde auf einer Versammlung 'jüdischer Soldaten, Offiziere. Sanitätsmannschaften und Aerzte beschlossen. Er macht sich die Bekämpfung antisemitischer Tendenzen vor allem im Heere und kiiturell-jüdische Arbeit zur Aufgabe. Der Vertreter des Moskauer Arbeiter- und Soldatenrates sprach sich gegen die Bildung eines jüdischen Soldatenrates aus; der Kampf gegen den Antisemitismus liege schon im eigenen Interesse der jetzigen Regierung; um den kulturellen Bedürfnissen entgegenzukommen, könne eine Kultursektion dem allgemeinen Arbeiter- und Soldatenrat angegliedert werden. In einer heftigen Debatte schlossen sich die Bundisten diesen Ausführungen an, während Poalezionisten und Sejmisten für einen jüdischen Soldatenrat eintraten. — Vorläufig wurde ein provisorisches Präsidium ge schaffen und die ersten Punkte der Statuten angenommen. Das Gesetzesprojekt des finnischen Senates) für die Umgestaltung der Lage der Juden in Finnland enthält folgende Punkte: 1. Die russischen und fremden Bürger jüdischen Glaubens la Finnland haben die gleichen Rechte wie die übrigen russischen und fremden Bürger und können auf die nämliche Art wie diese naturalisiert werden. 2. Die finnischen Bürger jüdischen Glaubens haben das gleiche Recht, öffentlichgesellschaftliche und staatliche Stellen einzunehmen wie die finnischen Bürger evangelischlutheranischen Glaubens. 3. Bezüglich des jüdischen Gemeindelebens verbleiben die bisherigen oder hoch erscheinenden Gesetze für das religiöse Gemeindewesen übernaupt in Kraft. 4. Ehen zwischen jüdischen und nicnt-jütischen Personen dürfen nach dem betreffenden Gesetze geschlossen werden. 5. Beim Ablegen eines Eides schwört der Jude: „lm Namen Gottes und seines ieillgen Schutzes.“ D^s Gericht kann bestimmen, daß der Schwur in der Synagoge im Beisein der Gerichtsmitglieder abgelegt wird. Nahtun Sokolow berichtet über seine Unterhandlungen. Das jüdische Korrespondensbüro erhält aus London die folgende telegraphische Mitteilung: Das Mitglied des E. A. C. ist von seiner politischen Mission nach London zurückgekehrt. Auf tiner Versammlung in .London erklärte Sokolow, daß seine Verhandlungen mit der französ» sehen und italienischen Regierung den gewünschten Erfolg gebracht haben. Die französische Regierung hat die Versicherung gegeben, daß sie nicht bloß das Recht des jüdischen Volkes auf Erez Israel anerkenne, sie hege auch aufrichtige Sympathien für den Gedanken einer Renaissance der jüdischen Nation in ihrem alten Heimatlande. — Auch die italienische Regierung hat, an der Verwirklichung 'des jüdischen Ideals mitzuhelfen, versprochen. — Der jüdische Gemeindebund von Italien hat die offizielle Vertretung der zionistischen Interessen bei der italienischen Regierung übernommen. Die Kehrseite der englischen Zionsfreundhchkeit. Aus London wird drahtlich gemeldet, daß die „Moming Post“ sich gegen die Ernennung des Lord Montagu wendet; weil er Jude sei. Neben seiner Liebe zum Geburtslande sei der Jude seiner Nation treu ergeben. Es wäre daher nicht ratsam, in die Regierung zu viele Juden aüfzunehmen. Keine Mißhandlung der Juden in Palästina. Dem Aftonblad zufolge hat die Regierung der Vereinigten Staaten vor Sniger Zeit die schwedische_ Regierung telegraphisch ersucht, die angeblichen Mißhandlungen der Juden in Palästina an Ort und Stelle untersuchen zu lassen. Die schwedische Gesandtschaft in Konstintinopel, die mit der Ausführung des Auftrages betraut wurde, ««Kiarr nun in einem amtlichen Bericht, alle Angaben über Niedermetzelungen von Juden in Palästina, die jetzt oder früher während des Weltkrieges stattgefunden haben sollen, seien unrichtig. Tatsächlich seien keine Gewalttaten gegen die jüdische Bevölkerung Palästinas vorgekommen. Die schwedische Regierung hat dem amerikanischen Gesandten in Stockholm das Ergebnis mitgeteilt, — Djj» Lage der Evakuierten bleibt nichtsdestoweniger recht bedrängt und auf die Hülfe' der gesamten Judenschaft angewiesen. Zum Studium des Palästina-Problems und zur Vorbereitung der Verwirklichung eines jüdischen unabhängigen Palästinas, das auf der Friedenskonferenz errichtet werden soll, hat Wilson eine Kommission ernannt. Die Kommission besteht aus dem ehemaligen Botschafter Morgen t h a u. aus dem Professor der Harward- Universität Frankfurter und aus dem Zionisten L e v i n Epstein; sie soll nach Europa gereist und bereits angekommen sein. Persönliche Nachrichten Vor einiger Zeit starb in Prag — fern von der Heimat — unser Gesinnungsgenosse Herr Jonas Glase 1, Beamter der Sparkasse der Stadtgemeinde Sereth (Bukowina). Der Verstorbene, der zu den Gründern der Jüd. nat. akad. Verbindung „Makkabäa“ gehörte, deren alte« Herr er war, erfreute sich infolge seiner 'Charaktereigenschaften. besonders in jüdischen Kreisen. größter Beliebtheit. Ein ehrendes Andenken ist ihm gesichert. A. R. Samstag, den 4. August d. J. (Sabbath Nachmu) um 9 Uhr vormittags findet im Isr. Tempel in der Seitenstättengasse 'die Bar Mizwa- Feier des stud. Realgym. Gideon Kami nka, zweiten Sohnes des Sekretärs der Isr. Allianz; Rabbiner Dr. Armand Kami nka statt. Unser Gg. Herr Hof- und Gerichtsadvokat Dr. Leonhardt Ekstein hat seine Advokaturskanzlei in Wien, I. Salvatorgasse 10, I. Stiege, II. Stock, eröffnet. Samstag, den 2. Tbarouz (21. Juli) fand in der Aula der Wiener Universität die Promotion des Chawer und dzt. Nassi der Hebr.-akad. Vereinigung „Hat'chijah“ Wien, Schalonr Baron yim Doktor der Philosophie statt Berichte und Korrespondenzen Berlin. Das Äktionskoiriitee 'hat etwa Vor einem Jahre den „M ischmar“ geschaffen, eine monatliche Kriegssteuer für die zionistische Organisation, die sich aus Beträgen von M. 10.—, bezw. K 12.— zusammen«etzt, um der Leitung die notwendigen Mittel znr Durchführung der organisatorischen und politischen Aufgaben zu gewähren, ohne die alle anderen Arbeiten undurchführbar sind. Eine große Reihe von Gg. hat sich bereitwillig an der Zeichnung solcher und höherer Monatsbeiträge beteiligt. Die zionistische Bewegung steht durch die Aenderung der politischen Verhältnisse in Rußland und die allgemeine Anerkennung des Natjonalitätenpriattfps nach Eintritt des Friedens vor neuen Möglichkeiten, über deren Tragweite man heute gar nichts Voraussagen kann. Deshalb wendet sieh das A. C., bauend auf die Einsicht der Parteimitglieder, an alle Gg. mit dem Mahnruf, dem „Mischmar“ neue Mittel zuzuführen, um d.e Bewegung in diesen sev.wierigcn Zeiten in Fluß halten z„ können. Wien. Der von der Israelitischen Allianz uer -in. Generalversammlung erstattete Jahresbericht liegt nunmehr im Druck vor. Die Tätigkeit des Vereines konzentrierte sich in der Hauptsache auf die Flüchtlingsfürsorge. Di? Kriegshilfsaktionen in einem umfassenden, wenn auch durch die Größe der Not unzureichendem Maße waren nur möglich durch die Geldüberweisungen des Joint Distribution Comitee In New York. Der amerikanische Fonds der Allianz hatte Ende 1916 die Höhe von 10 Millionen Kronen überschritten. Für die Verteilung dieser Unterstützungen wurde ein erweitertes Komitee geschaffen, dem neben Vertretern anderer Organisationen unsere Gg. Gg. k. k. 'Reichsratsrevisor Taussig, Stand und Obering. Stricker angehören. Angesichts aes Versiegens der Hilfe aus Amerika hcr:t die Allianz Förderung ihres Werkes durch inländische Juden in ausgiebiger Weise. Der Bericht enthält detaillierte Angaben über dje Aktionen in der ganzen Monarchie. Besonderes Interesse werden die statistischen Daten über die Verteilung der jüdischen Flüchtlinge erregen, deren Gesamtzahl schätzungsweise 200.000 beträgt, wovon etwa ein Fünftel, d. s. 40.000 Personen, in Wien und N.-Oe. sein mögen. Graz. Anläßlich des Todestages Herzls fand im Turnverein „Makkabbi“ Samstag, a<_ 7. d. M., im großen Saale des Kaufmannshauses ein Vortrag des Gg. Herrn Dr. V i i h e I m Stein aus Wien statt. Trotz der vorgeschrittenen Jahreszeit war der Besuch befriedigend, insbesondere sahen wir viele nur während der Kriegszeit in Graz wohnende Juden. Unter dem Titel „20 Jahre Zionismus“ schilderte Dr. Stein in formvollendeter Weise die Entwicklung unserer Bewegung, besprach die jetzige Lage und die Aussichten lürdie Zukunft. Der Vortrag hatte sicherlich viele der Anwesenden, die bis dahin unserem Gedanken ferne standen, der Sache näher gebracht. Anschließend fand eine Besprechung statt, zu der nur Gg. eingeladen waren, die .aber doch von einem großen Teil der Gäste besucht wurde, ein Beweis des tiefen Eindruckes, den Herr Dr. Stein hervorzurufen verstand. Es wurden die aktuellen zionistischen Tagesfragen und unsere Stellungnahme zur Kultusgemein«., besprochen. Zum erstenmal nahm hiebei der in Graz weilende Herr Dr. Leon Reich;« Mitglied des großen A. C„ Gelegenheit, das Wort zu ergreifen und seine zündende Rednergabe in in den Dienst unserer Sache zu steilen. Die Wirkung seiner Rede war gewaltig. Herr Dr. Reich versprach uns seine tatkräftige Teilnahme an der Reorganisation des Vereines „Zion“, dem ein großer Teil der Anwesenden^ beitrat. ln gehobener Stimmung schloß der Abend mit dem Absingen der .Hatikwah“. Am darauffolgenden Sonntag, 8. d. M„ widmete Herr Dr. Stein den Vormittag dem Besuche des „Z i onistischen Mädchenverbandes“ in seinem neueröffneten Vereinslokal; nachmittags fand ein Ausflug unserer Männer- und Damenabteilung in die „Einsiedelei“ statt, an dem Herr Dr. Stein mit unserer Jugend in engste Fühlung trat und die Methoden und Richtlinien unserer Arbeit in allen Einzelheiten erklärte. Abends fand im Kaffee Radetzky eine Zusammenkunft' der neuangemelderen MiigfieJer des Vereines „Zion“ mit Herrn Dr. Stein statt, die ebenfalls zu regen Gedankenaustausch führte und den Anlauf für eine erfolgreiche Herbsttätigkeit der Grazer Zionisten gewährleistet. Es wurde ein neuer Ausschuß gewählt, die Versendung von Aufrufen beschlossen. Herr Dr. Stein hat sich zweifellos ein unvergängliches Verdienst um die Bewegung in Graz erworben; seine Anwesenheit gewann uns viele neue Anhänger, gab uns neue Impulse. Hoffen wir, daß die Saat der vielen Arbeit nun auch in Graz zu reifer Frucht gedeihe. Brünn. Am 10. d. M. fand im Vereinshaus des Zionistischen Mädchenbundes „Mirjam“ eine Herzlgedenkfeier statt, die von der Präsidentin, Frl. Irma .,Spi tz eröffnet wurde. Vertreter sämtlicher jüdischer Organisationen waren anwesend. Herr Rud. Zeisel, eines der hervorragendsten Mitglieder des Brunner Stadttheaters, las mit künstlerischem Verständnis nach einem gutgewählten Programm ausgewählte Stücke von Herzls Schriften. Ausweis des Wiener Zionistischen Büros Für das PalastinahiWswerk. Eingegangen beim Zionistischen Zentralkomitee für Westöstenr. Bisheriges Ergebnis K 1102348 K 1127.—; P. Baxsach, Lublin 294.40; Reinertrag der Herzlfeier 113.—; Smrnlg. RUO. Leo Stopper beim 4/58 Feldbaon. Fetdp. 52S. Spez. nächst. 100.—; Dr. Jesaia Feig, Feidp. 358. (Spez. nächst.) 84.50; Smrnlg. Zgsf. Julius Gottloby ti Neu Rattdnitz, unter d. jüd. Offizieren u. Soldaten des 1. R. 8. 72.—; Smmjg. Chajah Cohn, Mielec. 70.—; Smrnlg. des Bukowinner zior». Landeskomitees (Spez. nächst.)