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Jüdische Zeitung · 1917-07-13 · 28 (13.7.1917) · page 1

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Image: UB Frankfurt, Visual Library (IIIF)
Journal
Jüdische Zeitung
Volume
11 (1917)
Issue
28 (13.7.1917)
Date
1917-07-13
Page
– (sequence 1)
Language
German
Belongs to
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■c National-jüdifches Oi^an Krscfietnt wachen (lieh einmal Redaktion: Wien II, Zirkusrasse Nr. 33 Sprechstunden: Montag bis Freitag Von 2—4 Uhr, Sonntag von n—12 Uhr Manuskripte werden, wenn unverlangt, ohne Rückporto nicht zurückgesandt Redaktionsschiaß Dienstag um 7 Uhr Ferniprech-Nummer 49-3-23 Mil der Beilage; Der Jüdifche Nalionalfonds Wien, Freitag, 13. Juli 1917 / 23. Thamus 5677 einsnlnemmer 24 Heller Geschlftsstelle: Wien U/b Zirkusg. 33 Oescbäftsstunden: Montag bis Freitag von. 9—12 u. 3—7, Sonntag von 9—12 Bezugspreise: Ganzjährig Kitt— halbjährig K 5.—, vlerteJjähjlg K 3:— Anzeigen und Beilagen nach Tarif Postsparkassen Konto 133.484 Infinit* Aufruf. — Dr. Isak Kohn, Einige Bemerkungen zur Lösung der Judenfrage. — Aus dem Abgeordnetenhaus. — Der Zionistische Kongreß in tuiicu l Rußland II. — Aus der jüdischen Welt.— Zionisten im Felde. — Persönliche Nachrichten. — Ankündigungen. — Berichte und Korrespondenzen. AUFRUF! Unter dem Zwange der Kriegsereignisse haben Tausende unserer Brüder und Schwestern in Palästina ihr in jahrzehntelanger Arbeit geschaffenes Heim verlassen müssen. Jaffa ist evakuiert. Fast die ganze jüdische Bevölkerung mußte der Stadt, deren stolzer Aufschwung ein unzerstörbares Zeugnis jüdischer Schaffenskraft geworden ist, den Rücken kehren. Auch aus den judäischen Kolonien mußte sich ein Teil der jüdischen Bevölkerung in die Fremde begeben. Heimlos in der Heimat, dem Flüchtlingselend und verheerenden Krankheiten preisgegeben, verlangt die jüdische Bevölkerung, die fast drei Jahre lang unverzagt ausgeharrt hat, unseren Beistand. Kinder und Frauen, Alte und Kranke erwarten unsere Hilfe. Ein große, schnelle, umfassende Hilfsaktion tut not. Wir wenden uns an die bewährte Wohltätigkeit unserer jüdische». Mitbürgei mH der innigen Bitte, uns durch freigiebige Spenden diese Hilfe zu ermöglichen. Beiträge ersuchen wir an das Bankhaus S. M. v. Rothschild, Wien I, Renngasse 3, „fiir die Evakuierten in Palästina“ zu senden Wien, im Juni 1917 Israelitische Allianz in Wien, II. Untere Donaustraße 33 Vorstand der Israelitischen Kultusgemeinde in Wien Verband der Israelitischen Humanitätsvereine B’nai B’rith für Oesterreich Exekutivkomitee der Zionisten Oesterreichs, II, Zirkusgasse Nr. 33 * * * Die Meldungen, wonach airi Irtte^|ntiqj\üer spanfschehRegfgrungiy^:xrerElQrtedie.B&viiiligung zur Rückkehr der evakuierten jüdischen Bevölkerung in ihre Heimstätten erteilt worden Sei, h'aV bisher leider eine offizielle Bestätigung nicht gefunden. Dieser Umstand verleiht unserer wiederholten Aufforderung zur materiellen Hilfeleistung schweren Nachdruck. Wir bitten unsere Gg., allerorts und bei jeder sich darbietenden Gelegenheit für das Hilfswerk zu sammeln. Bei Geldsendungen an unsere Sammelsfelle Bankhaus S. M. v. Rotschild wolle man nicht unterlassen, den Vermerk „Für die Evakuierten in Palästina“ anzubringen, damit jedwede Verwechslung mit anderen Sammlungen vermieden sei. Das- Sammelergebnis ist bisher befriedigend. Die Fortsetzung des Ausweises erfolgt -4P, dßt. nächsten Nummer. ° Einige Bemerkungen zur Lösung der Judenfrage F' Iß der Regierungserklärung betreffend die Sonderstellung Galiziens und auch in einer der Bcr letzten Besprechungen des Ministerpräsidenten mit der Vertretung der Ukrainer im Reichs- Tale Ist nur von den zwei das Land bewohnenden ^Völkern die Rede gewesen, während das Vorhandensein der Million Juden einfach totgeschwiegen ■Wurde — Diese bochofficlle Behandlung der Judenfrage Veranlaßt mich zu nachstehenden Bemerkungen: j Es ist merkwürdig, mit welcher Konsequenz jdle Oestcrreichischch Regierungen an der These ^festholten, daß es nur eine israelitische Religions- Genossenschaft gebe und keine jüdische Nationalität. Zunächst sei liervorgcliobcn, daß diese offizielle Einschachtelung der Juden als bloße Konzession, — wenn anders einige Jahrzehnte im Leben eines Volkes keine Rolle spielen — neuem Datums ist. Denn in. den Lehrbüchern der Statistik, welche bis in den Anfang der siebziger Jahre also auch nahe dem Inslebentretcn der Dezember-Verfassung vom Jahre 67 ah unseren Mittelschulen in Geltung und Gebrauch standen, jsb in Neuhausers großem und kleinem Lehrbuch wr Statistik .waren die Juden als Nationalität Bnd die israelitische Reljgiongenossenschaft als ^Konfession ausgewiesen. Haben alsQ^staatlich genehmigte Lehrbücher, in welchen der Jugend die ffikmente der staatsrechtlichen Grundlagen der Monarchie beigebracht werden sollen, die Juden r^ts Volk bezeichnet, so hat sic auch'der Staat als JSofeöes anerkannt. — Diese Einteilung ist auch allela. richtige, Denn die Besonderheit des jüdischen Volkes besteht eben darin, daß es die mosaische Religion oder um mit unseren gesetzlichen Ausdrücken im Einklang zu bleiben, die israelitische Konfession Zur nationalen Religion hat. Volkstum und Religion sind von einander untrennbar; es gibt eben, um sich volkstümlich genug auszudrücken, nur israelitische Juden* Die Regierung rechtfertigt ihren Standpunkt mit der Berufung auf das Gesetz vom Jahre 1S0Q, welches die äußern Rechtsverhältnisse der israelitischen Religionsgcnosscnschaft regelt. Dieses Gesetz steht aber mit der Tatsache, daß die Juden ein Volk sind, nicht in Widerspruch. Es regelt die religiöse Seite des Judentums; zu einer besonderen Regelung der nationalen Seite war angesichts des Staatsgrundgesetzes über die allgemeinen Rechte der Staatsbürger und der hierin fcstgelegten Gleichstellung der Juden in nationaler Beziehung kein Anlaß. Das Gesetz zählt ja die Nationalitäten, die Oesterreich bewohnen, auch sonst nicht auf. Dass aber gerade die Polen der Anerkennung der jüdischen Nationalität mit der großen ihnen zu Gebote stehenden politischen Macht hartnäckigen und leider erfolgreichen -Widerstand entgegensetzen, wird erklärlich, wenn Nachstehendes bedacht wird: Die offizielle Statistik7 weist in Galizien eine polnische Mehrheit auf (etwa Vs Polen und */» Ukrainer). Damit wird der Nachweis erbracht, daß Galizien ein polnisches Land ist, woraus weiter gefordert wird, daß den Polen als der Mehrheit die. Vorherrschaft im Lande gebühre. Diese Mehrheit ist aber eine künstliche und wird nur dadurch erreicht, daß die Juden, die mehr 'als 12 4,o der Gesamtbevölkerung 'des Landes ausmachen, den Polen zugezählt werden, Das Schwergewicht liegt in -der leidenden Form des Zählens. Denn weder zählen sich die Juden selbst zu den Polen, noch werden sie von den Polen dafür gehalten. Da die Polen aber der jüdischen Stimmen nicht entraten können, so werden die Juden hei den Volkszählungen auf dem bekannten Umwege der Umgangssprache gezwungen, in krassen Wicderspruche zur Wahrheit die polnische Sprache als ihre Umgangssprache zu bekennen. Da die Volkszählungsblätter einen Punkt Nationalität nicht enthalten und aus der Umgangssprache auf die Zugehörigkeit zur betreffenden Nationalität geschlossen wird, so werden auf diesem Wege die Juden zu Polen gemacht. Auf die Unrichtigkeit und Unaufrichtigkeit dieser Methode, hat schon vor Jahren der berühmte Wiener Staatsreditslehrer Hofrat Bcmatzik in seiner Schrift „Nationale Matriken“ verwiesen* — Jeder Versuch der Juden, dieser Zwangsrayonnicrung (man verzeiche den allermodernsten Ausdruck) zu entgehen, wird gewaltsam unterdrückt. Denn die politischen Behörden Galiziens haben Zählbläiter mit „jidisch“ als Umgangssprache mit der Begründung zurückgevsieser?, daß es eine jüdische Sprache nicht gib?. Wer etwa gewagt hat, Deutsch anzugeben, wurde gar hart mit der Bemerkung angefahren, daß die» der Wahrheit nicht entspreche. Nach diesen* bewährten Muster figurieren üie Juden in der Bukowina als Deutsche* Es paßt den polnischen Nachbarn gerade kr den Kram, das Polenlum der Juden, wefches bei der an Zahl äußern? geringen Oberschicht, somit bei einer verschwindenden Minderheit crait zu nehmen ist, für Po 1 cn tu nt za nehmm. Gelingt es ihnen aber, die Sonderstellung dfe sie in Oesterreich schon haben; int Sinne egne» wetteren Abrückens von der Zeutralreglerunjg zu,X*T- \

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