Jüdische Zeitung
- Journal
- Jüdische Zeitung
- Volume
- 11 (1917)
- Issue
- 27 (6.7.1917)
- Date
- 1917-07-06
- Page
- Seite 4 (sequence 4)
- Language
- German
- Belongs to
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S:ite 4 JÜDISCHE ZEH UNO Nh 27 40 Jahre auf das Vierfache vergrößert wurde. Dieser Zuwachs wird 'mit einem viel beschleunigteren Tempo vor sich gehen, nachdem die ersten und schwierigsten Etappen hinter uns liegen und nachdem dem jüdischen Volke "das Recht aur "die nationale Selbstbestimmung gewährt werden wird, das jetzt von allen anderen Völkern allenthalben verlangt und .ihnen auch zugestanden werden wird. Für uns gibt es keinen Zweifel, daß das Iudentum, das auch jetzt dine Kulturmacht im Lande bildet, nach ein paar Jahrzehnten die Mehrheit der Bevölkerung ausmachen wird. Wir sina weit davon entfernt, etwas Schlimmes von der schönen und geistig begabten Nation der Araber zu sagen. Zwei Tatsachen wollen wir aber doch feststellen: sieben Jahrhunderte sinh verflossen, seit die Araber sich in diesem Lande anzusiedeln begonnen haben und sie haben dieses Land nicht kolonisiert. Sieben Jahrhunderte sind sie dort tätig, und das einzige Zeugnis ihres Schaffens ist der wahrlich herrliche Omartempei in der Tempelstadf Jerusalem Alles andere blieb in derselben Gestalt und in demselben Zustand, in dem wahrscheinlich unsere Eltern es verlassen haben nach den Kriegen und Vertreibungen. Die Araber schufen dort auch kein Zentrum ihrer geistigen Kultur. Die Zentren ihres materiellen, politischen und geistigen Lebens befinden sich auf anderen Gebieten, in Bagdad, in Kairo, in Bayruth, aber nicht in Palästina. Nach Palästina zieht es den Araber nicht. Ein ganz kleines Häuflein dieses Vielmillionenvolkes ließ sich jn diesem Lande nieder und führte teilweise ein Beduinenlebeni Sie haben einen kläglichen Unterhalt und 'Sind damit zufrieden“ Die Existenz der palästinensüschen Araber bedroht absolut nichts. Die Juden haben keine Tendenz, sie zu verdrängen oder zu unterdrücken, sie sind frei und müssen frei bleiben und werden eine Autonomie in ihrem inneren Leben genießen, wie sie auch die Juden genießen werden. Die jüdische Einwanderung wird, wie die Erfahrung gezeigt hat, die prim.-tive Existenz der eingeborenen Fellachen materiell und geistig bereichern, indem sie ihnen die Lehren der europäischen Kultur in konkreten Beispielen vor Augen führt. Fassen wir konkret und klar unsere Wünsche zusammen: Wir halten es für unbedingt notwendig, daß die Völker, die berufen sind, die Grundlagen des künftigen national-politischer. Lebens festzulegen, mit dem unzweideutig ausgesprochenen Willen des jüdischen Volkes, v on neu em: Palästina als ein natio alesHei m zu besiedeln und zu erneuern, rechnen Wir halten ferner die Beseitigung aller Hemmungen und die Schaffung der Garantien, die eine ungestörte und erfolgreiche Entwicklung und Tätigkeit im Lande sichern, "für unbedingt erforderlich. Als eines der dazugehörigen Momente betrachten wir die vollständige Autonomie aur* dem Gebiete unseres in neren Lebens. Dies sind unsere Forderungen. Wir sind übei zeugt, daß in diesen Punkten niemand irgend etwas erblicken wird, das den Rahmen der von jeder anderen Nationalität erhobenen Forderungen überschreitet und worauf wir nicht den moralischen Anspruch hätten. Ich bin glücklich, erklären zu können, daß’ alle die Männer, die die Politik lenken und »Sie beeinflußen; -n allen Ländern, auch in den sehr mächtigen, gegenwärtig unsere Aufgaben und Ziele viel tiefer und •-konkreter verstehen äfs vorher .Hier zeTgt sich auch die Wirkung des Weltkrieges. Sie sind bereit, unsere Ansprüche zu unterstützen, wenn 'die geeignete Stunde dazu kommen wird. Die Völker und ihre Führer verstehen, daß das, was wir verlangen, nichts anderes ist, als die Schaffung der Bedingungen, die Uns die Initiierung und Regulierung einer großen, beispiellosen) nationalen Arbeit ermöglichen. Alles aridere bleibt uns, unserer Verantwortung und unserer Ehre überlassen. Wird das Volk wollen und können, vT’ird es sich selbst und das Land erneuern. WirA es nicht wollen oder nicht können, wird es niemanden Vorwurfe?u machen haben als sich selbst Verehrte Delegierte! Vor drei Jahren erscholl der erste Donner und es entlud sich das Gewitter, das die alte und die neue Welt erschütterte. Groß sind die Leiden der Völker und der Länder. Die große Erschütterung brachte aber nicht nur Tod und Unheil allein imjt (sich. Jenseits Hes Todes und der Vernichtung machen sich schon die Strahlen des aufgehenden freien Lebens bemerkbar und was für alle Ewigkeit als größtes Ergebnis dieses Krieges erscheinen wird, ist die Tatsache, daß die kleinen und die schwachen Völker das Recht und die' Garantien auf eine freie Existenz "und Entwicklung erhalten haben. Unser Volk wrar eins derjenigen, die dieser Kriegssturm am schmerzlichsten getroffen hat. Audi Erez Israel litt die ganze Zeit und wurde jetzt vom Sturm unmittelbar ergriffen. Aber auch uns brachte der Krieg nicht nur Leiden und Unheil. Es fielen die Wände des bedeutendsten Ghettos, demnächst werden auch die anderen fallen. Die neuen Lebensgrundlagen, die in dem Weltkrieg entstanden sind, tragen in sich die Verwirklichung des größten und teuersten Wan-., sches des Volkes, «der uns auf unserem langen Märtyrerweg liebevoll begleitet hat. Die Verwirklichung des Ideals — wird nicht dadurch jene ungeheure geistige Triebkraft ge-. schwächt, die das Suchen, das Streben und der Kampf in sich birgt? Aber, meine Herren, wir Sehnen ups nach einen eigenen Winkel unter der Zun QuarlaMisel OOOf rasche Einsendung der fälligen Be- OOO ersuchen wir um oo o o oo OOO zugspreise an unser Postscheckkonto 103.404, damit wir nicht die Zusendung des Blattes einstellen müssen. Oie zweite lulinummer wird nur mehr in die Hände des Abonnenten gelangen, die bis dahin ihr Abonnement beglichen haben. Jeder Zionist soll die Jüdische Zeitung als eine Chronik zionistischen Lebens sammeln - OO O O OO OOO Sonne nicht, um uns dort bequemer wärmen zu können. Wir glauben, das unser Volk in der eigenen Heimat seinen Volksgenius in seiner ganzen Macht entfalten wird. Von neuem'wird'dann die Zeit kommen, in der es wieder nicht nur für sich, sondern für die gesamte Menschheit arbeiten, ewige Bücher schaffen und iewige Wahrheiten verkünden wird. Ein weiter Sonnenweg eröffnet sich unserem Auge, ln diesem Glauben leben \vir, er "begeistert uns in unserer Aibeit und mit ihm werden wir siegen! Der Vertreter der jüdischen Arbeiterpartei legte gewisse Sonderwünsche der Juden dar, ü. a. Aufhebung der bürgerlichen, politischen und nationalen Beschränkungen der Juden und Gewährung der nationalen Autonomie -an das jüdische Volk irf den Ländern, wo es in kompakten Massen lebt, sowie freie Judeneinwanderung und Judenkolonisation, besonders in Palästina. Diese Forderungen seien auf dem1 jüdischen Arbeiterkongresse in New’-York am 5. und 6. September des Voriahres aufgestellt worden und würden auch von der Socialist Party öf America unterstützt. s Blinde Soldaten Wir appellieren im Namen dreier jüdischer Soldaten, "denen der Krieg das Augenlicht geraubt hat, an die 'jüdische Hülfsbereitschalt. Einer von ihnen feiert äm 10. Juli seine Kriegstrauung. Spenden nimmt die „J ü d. Z e i t u n g“, Zir- , kusgasse 33 gerne entgegen. ‘ 1 Chaim Osias Heller § Die Lage!n Palästina Die Münchner Zeitung“ meldet aus Amsterdam: Man vernimmt aus 'Madrid, daß die spanische Regierung in Beantwortung ihrer Vorstellungen bei der türkischen Regierung die offizielle Mitteilung erhalten .habe, die türkische Regierung habe den Befehl gegeben, den w’egen der kriegerischen Ereignisse ausgewiesenen Juden von Palästina die Erlaubnis zu erteilen, in ihre Heimatsorte zurückzukehren. Die Lage in Palästina aber bleibt trotz dieser beruhigenden Botschaft unsicher, wie aus neuen Meldungen Tiervorgeht: Sechs englische Flieger warfen am 26. v. M. 70 Bomben auf ‘den Oelberg jn Jerusalem1 ab. Mensthen sind glücklicherweise nicht verletzt werden. Auch der Sachschaden ist gering. Die „Norddeutsche Allgemeine Zeitung“ bemerkt hiezu: „Dieser Vorfall ist ein neuer, besonders schwerwiegender Beweis dafür, wie England sich über das Völkerrecht und selbst über die jedem Christen selbstverständliche Ehrfurcht vor den heiligen Stätten hinwegsetzt, wenn es glaubt, noch 'so zweifelhafte Vorteile für sich erlangen "zu können*““ Aus der jüdischen Welt Juden im Arbeiter- und Soldatenrat. Der Arbeiter- und Soldatenrat hat ein engeres Büro gewählt, das die Aufsicht über alle Kommissionen des Rates führen und ihn bei der Regierung vertreten soll. Unter den 24 Mitgliedern des Büros befinden sich sechs Juden: Ehrlich, der frühere Dumaabgeordnete Bramson, M. Gotz, Lieber, Schapiro Und J. Goldenberg. Eme neue orthodoxe Organisation „Freiheit und Tradition“ wurde in Rußland gegründet. Ihre Anreger sind der Mitauer Rabbiner M. N urok, der Staschower Rabbiner ’R. Jehuda Leib Grauba.rt und R. Gotz. Am 10. April (a. St.) fand die erste Organisationsversammlung in Moskau statt. Rabbiner Nurok forderte die Anwesenden zur Unterstützung der provisorischen Regierung auf. Das Andenken (der für die Freiheit Gefallenen wurde durch Aufstehen geehrt. Dem ersten jüd. Senator Grusenberg -wurde als „dem Kämpfer für die russische Freiheit und für die Traditionen des jüdischen Volkes“ ein Begrüßungstelegramm geschickt Dann führte Nurok aus, daß man sehr wohl zugleich ein eifiger Demokrat und ein gesetzestreuer Jude sein könne. Dieses Programm habe die Organisation auf ihre Fahne geschrieben. Sie fordere Sabbatnihe anstatt Sonntagsruhe, die Möglichkeit in den Schulen und im Staatsdienst die jüdischen Gesetze einzuhalten, auch die Ehegesetze, das Recht sich der hebräischen und jüdischen Sprache dort zu bedienen, wo die Juden einen gewissen Prozentsatz erreichten. Vor allem; aber nationale und religiöse Autonomie mit dem Recht zur Besteuerung und einen proportioneilen Anteil am' Staats- und städtischen Budget, jüdische Hoch- und Mittelschulen, wo das jüdische Wissen und die (hebräische Sprache einen breiten Raum einnehmen. Bezüglich Palästinas ist die Organisation für aktive Tätigkeit, um die alten Wünsche Zu -erfüllen. Eine Kommission arbeitet die Statuten 'der Partei aus; bis jetzt 'haben sich ihr 200 Mitglieder angeschlossen. Der Dank der russischen Revolution an die Juden. Unter dieser Spitzmarke schreibt die Reichspost vom 28. 6. 1917: „Der Petersburger Korrespondent des Blattes „Het Vaterland“ meldet: Alle Dokumente des Belis-Ritualmordprozesses sind von Kiew nach Petersburg überbracht worden. Auf Befehl des Justizministeriums wird eine 'Revision 'des Prozesses Beilis vorbereitet.“ O diese Russen! Nicht einmal an den Ritualmord glauben sie mehr! Die Forderung (der jüdischen 'Arbeiter auf der Stockholmer Konferenz. Eine amerikanische Delegation, bestehend aus Max G o 1 d f a r b, Vertreter der Socialist Party, Boris R e i n s t e i n, Vertreter 'der Socialist Labour Party und Davidowitsch Vertreter der Socialist Territorial Party of Jewish Worker s traf dieser Tage in. 'Stockholm1 ein. Freitag, den 29. Juni d. J. verschied in Wien der hochachtbare und sehr geschätzte Kaufmann Ch. O. Heller. In Buczacz, wo er lebte und wirkte, war er einer unserer eifrigsten und tüchtigsten Gesinnungsgenossen. Seit Jahrzehnten stand er der zionistischen Idee sehr nahe und widmete ihr viel Zeit und Aufmerksamkeit. Sein Haus war ein wahrhaftes Zentrum' jüdischen Geistes; jüdischen Lebens, jüdischer Betätigung. In diesem Sinn erzog er auch' seine Tochter, Fräulein Heller, die sich als Aerztin im hiesigen Rotschildspital mit Eifer und Aufopferung’ der Pflege jüdischer Kranker widmet, und seinen Sohn Zwi Heller, der jetzt im‘ Felde steht und der seit Jahren einer der tüchtigsten Gesinnungsgenossen in Galizien ist. Das Zentralkomitee der galizischen Zionisten betrauert im' Verstorbenen einen der besten Gesinnungsgenossen und drückt der tiefbetrübten Familie, der Witwe und iden vier Kindern, sein innigstes Beileid aus. Briefkasten Hannak, Brünn* Sie sind das Opfer einer Mystifikation geworden. Das uns emgeschickte Gedicht „Theodor Herzl“, das Herr Otto Sonnenfeld in Brünn am 28. Juni 1917 verfaßt haben will, stammt von'Edm. Wen graf und findet sich bereits in dem 1910 erschienenen Almanach Barkochba auf S. 167 gedruckt. Ankündigungen Jüdisch-sozialistische Arbeiterpartei Poale-Zion in Oesterreich, Lokalkomitee Wien. Samstag den 7. Juli um 7 Uhr abends findet im großen Saale des Hotel Post (I., Fleischmarkt) eine große Volksversammlung statt. Tagesordnung: „Die jüdischen Arbeiter una das Parlament“. Zu dieser Versammlung sind auch mehrere Reichsratsabgeordnete eingeladen worden. Arbeiter! Juden! Erscheinet in Massen! Eine Herzl - Gedenkfeier in L'nz wird am 8. Juli stattfinden. Vormittags 11 Uhr Trauer- Gottesdienst mit einer Gedenkrede des Herrn Rabb. Dr. Mark, Abends: Vs9 Uhr Akademie Im' Bildersaal des Kaufmännischen Vereinshauses. Herr Ludwig B a 16 aus Wien wird die Festrede halten, Herr Dr. Präger aus Wien wird aus Herzls Schriften und jungjüdische Gedichte vorlesen. . Für die Evakuierten in Palästina Der Aufruf, den die vier bedeutendsten Organisationen der österreichischen Judenschaft für die Evakuierten in Palästina erlassen haben, hat in der gesamten jüdischen Oeffentlichkeit 'den lebhaftesten Widerhall gefunden. Obwohl nicht viel mehr als eine Woche verflossen ist, seitdem die gesamte Judenschaft Oesterreichs zur Hilfeleistung für unsere bedrängten Volksgenossn in Palästina aufgefordert wurde, sind wir dennoch heute schon in der Lage, einen Sammelausweis über mehr als 7500 K. zu veröffentlichen, die allein in dieser kurzen Spanne Zeit von der Zionistischen Organisation aufgebracht wurden. Mit besonderem Eifer hat sich eine-aus Vertretern 'fast aller jüdischer Studentenkorporationen bestehende „»Arbeitsgruppe der jüdischen Studentenschaft“ in den Dienst <ues Hilfswerkes gestellt und bereits einen Betrag von über 1200 Kronen als Sammelergebnis der ersten Tage abgeführt. Dieser erfreuliche Anfangserfolg berechtigt uns zu der sicheren Hoffnung, daß es der geeinten Tätigkeit der "vier jüdischn Organisationen gelingen wird, mit namhaften Summen den notleidenden evakuierten Juden In Palästina Hjlfe zu bringen. Eingegangen beim Zionistischen Zentralkomitee für Westösterreich: K 600.— Bolechow, dürch Zeire Zion. K 541.— Komitee für das Palästinahilfswerk ' durch L. Madfes. K 460.— Sammlungen Dr. Moritz Pachtmann, Wien, (Spezifikation nachstehend.) K 325.— Sammlung Ehr. Edmund Schwalb, I.-R. 24. (Spezifikation nachstehend.) K 250.— Sammlung Dr. Heinrich Mannheimer Spezifikation folgt).