Jüdische Zeitung
- Journal
- Jüdische Zeitung
- Volume
- 11 (1917)
- Issue
- 23 (8.6.1917)
- Date
- 1917-06-08
- Page
- Seite 4 (sequence 4)
- Language
- German
- Belongs to
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Seite 4 JÜDISCHE ZEITUNO NF. 23 Juden, zeichnet Kriegsanleihe! Aus der jüdischen Welt Dem letzten Tätigkeitsbericht des Komitees «Pro Causa Judaica*” entnehmen wir: Durch die Revolution in Rußland hat der wichtigste Teil der Judenfrage ohne Beeinflussung des Komitees seine Lösung gefunden- Das Komitee wird seine Aufmerksamkeit der Judenfrage in Rumänien und Polen und der Lage der Juden in Palästina zuwenden- Dem Finanzbericht zufolge betragen die Einnahmen Fr- 19-040,75, die Ausgaben (für Bureau, Drucksachen, Autorenhonorare) Fr- 10-040,85 Das Komitee beschloßeine Denkschrift über die Judenfrage herauszugeben; der Teil über Rumänien und über die Emigration ist schon fertiggestellt, der über Rußland wird als kurzer historischer Rüdeblick erscheinen, ferner wird über die Lage in Polen ein Teil ausgearbeitet werden- Die Stellungnahme der Regierungen zu einem jüdischen Gemeinwesenn Palästina soll durch authentische Dokumente belegt werden- Die französischen Sozialisten und die jüdischnationale Frage. Auf der Tagung des Nationalkongresses der französischen Sozialisten verlas der Sozialist Cachin das Programm der sozialistischen Parteien in Frankreich für die Diskussion der Stockholmer Sozialistenkonferenz- Punkt 1 dieses Programmes lautet: „Die allgemeinen Friedensbedingungen auf der Grundlage ' des freien Selbstbestimmungsrechtes der Völkei'j der Autonomien der Nationalitäten and der Anwendung dieser Grundsätze auf die konkreten Fälle Belgien, Serbien, der anderen Balkanstaaten, Polen, Finnland, Elsaß-Lothringen, Nordschleswig, Armenien, Litauen und Ukraine, den tschechischen und jüdischen l-änder und Kolon i e n.“ Forderungen der russischen Juden* Der P- Korrespondent der Frankfurter Zeitung meldet aus Stockholm; »aus Kiew werde berichtet* daß die dort stattgefundene jüdische Landesversammlung die jüdische Nationalität als eine öffentlichrechtliche jüdische Person erklärt und für alle Juden die persönliche nationale Autonomie sowie eine besondere jüdische Volksvertretung in Rußland auf Gruna des gleichen und geheimen Wahlrechts gefordert habe, ln die genaue Wiedergabe der Meldung sind starke Zweifel zu setzen. Die rumänische Judenfrage scheint einer Lösung nicht ferne zu sein. Die „Neue Züricher Zeitung“ meldet aus Jassy: Das vor kurzem veröffentlichte Comiminique der rumänischen Regierung über die beabsichtigten innern Reformen hatte bekanntlich die Judenfrage mit keinem1 einzigen Wort erwähnt Hingegen erklärte der König einer Abordnung der rumänischen Juden, die ihm eine Denkschrift überreichte, die rumänishee Regierung werde nach dem1 Siege keinen Unterschied mehr zwischen den einzelnen Bestandteilen der Bevölkerung in bezug auf den Genuß bürgerlicher Rechte madhenl Viel weniger bestimmt und zusagend waren ^fe Erklärunigen, die Bratianu in ebenderselben Frage zur gleichen Zeit in Petersburger politischen Kreisen abgab. Darin witterten die Antisemiten eine günstige Wendung in der Behandlung der Judenfrage und begannen unter Anleitung des bekannten Geschichtsprofessors N. Jorga eine scharfe Hetze gegen die jüdische Bevölkerung. Doch scheint die Sonne der judenfeindlichen Bewegung in Rumänien dem Sinken nahe. Die neugegründete Arbeiterpartei, die, unterstützt durch die russischen Soldaten, immer mehr an Einfluß gewinnt, hat auf ihr Programm1 die vollständige Gleichberechtigung der Juden geschrieben. Erscheinungen, die vor dem Kriege völlig undenkbar -waren kommen hinzu, um die 'zögernde Regierung zu bestimmen, offen Farbe zu bekennen. — Nach einer Meldung .der „Times“ veranstalteten in Odessa-die Juden eine Kundgebung wegen der schlechten Behandlung, die die Juden Rumäniens neuerdings erfuhren. Einige tausend Juden versammelten sich vor dem Gebäude des rumänischen Generalkonsulats und sandten eine Abordnung zu dem Generalkonsul mit einem Schreiben, das Verwahrung gegen das Vorgehen der rumänischen Regierung einlegte. Kurz darauf erschien dieser mit der Abordnung auf dem Altan, und einer der Abgesandten teilte den Versammelten mit, der Generalkonsul werde die Verwahrung seiner Regierung schriftlich über mittein. Die rumänische Regierung antwortete, die jetzt versammelte rumänische Volksvertretung werde die Judenfrage im ganzen behandeln. Taufschein Bedingung. Nowa Reforma vom 17. Mai veröffentlicht eine Kundgebung, wonach die Militärverwaltung zu verschiedenen Hilfszwecken weibliche Kräfte anzustellen beabsichtigt. 'Den Gesuchen um Aufnahmen, ist neben sonstigen Personaldokumenten und einem Moralitätszeugnis auch der Taufschein beizufügen. Dokumente äer Zeit Audi Du, mein Sohn Brutus! Der Stockholmer Korrespondent der Frankfurter Zeitung zeichnet sidi wiederholt durch eine mangelhafte Kenntnis der jüdischen Verhältnisse Rußlands aus, die mitunter in -seinem Kopfe zu einer Begriffsverwirrung „führt, wie beispielsweise in einer Meldung, die wir in der Rubrik „Aus der Jüdischen. Weit“ wiedergeben, zu ersehen ist In einem Artikel vom' 30. Mai spricht er fälschlicherweise von der „Errichtung eines autonomen jüdischen Staates“, den die Zionisten auf einer Tagung in Odessa gefordert hätten, um gleich darauf als unser Ideal die „Errichtung eines jüdischen Kulturzentrums m Palästina“ zu bezeichnen. Wir sind ja gewohnt, daß über unsere Absichten von jeder Kenntnis ungetrübte Informationen erteilt werden, obwohl man allgemach mit der wachsenden Bedeutung unserer Bewegung verlangen kann, daß sich die Macher der öffentlichen Meinung .über uns besser unterrichten." Aber Einspruch müssen wir erheben und der Verwunderung müssen wir Ausdruck geben, wenn die Redaktion dieses Weltblattes. deren Gesinnung gegen jeglichen An-, tisemitismus keinen Zweifel aufkommen läßt, foL gendc Drohung aufnimmt: „Auf dem' . ... Gebiete der äußeren Politik könnte ein offener, . agitatorischer Anschluß 0er jüdischen Elemente (Rußlands) an die extremen Kriegziele der Feinde Deutschlands den allgemeinen Interessen der Juden bei den Mittelmächten und im Königreich „ Polen nicht förderlich sein.“ Könnten nicht in umgekehrten Sinne etwa die Tim es .von uns. Juden der Mittelmächte fordern, mit den Kriegszielen der Entente zu sympathisieren?.; Literarisch# Nachrichten - .•■»* - „Die Juden in der Bukowina“ von Dr. S. Kassier. Im Verlage ^on R. Löwit ist soeben ein Büchlein unter obigem1'Titel erschienen. Zum1 erstenmal eine ausführlichere Darstellung über den drittgrößten Volksstamm' der Bukowina. Sie schildert die Entwicklung der Juden des östlichsten Kronlandes unter habsburgischem Szepter und die Bedeutung „der- Bukowina für unsere Monarchie: ein österreichisches Buch, das einen großen Leserkreis finden wird. Nachstehend der Inhalt: I. Allgemeine historische Notizen, II. Ursprung der Bukowinaer Juden, III. Unter der österreichischen Militärverwaltung,- IV. Unter galizischer Verwaltung, VI Die Bukowina als selbst-, ständiges Kronland, VI. Händel, Industrie- und Gewerbe der Bukowinaer Juden, VIL Jüdische Landwirte in der Bukowina, VIII. Entwicklung der Bukowinaer - Judengemeinden, IX. Ost- oder Westjuden? X. Politische Rechtsstellung, XI. Politischer und. wirtschaftlicher Wiederaufbau. Das Buch, dessen Besprechung wir uns Vorbehalten, ist vom Verlage R. Löwit,, Wien-, I .Rotenturmlstraße 22, sowie durch jede Buchhandlung zu beziehen. Preis 2 Kronen.- Das dritte Heft des .Juden“, das dieser Tage ■ erscheint, verspricht, nach den Titeln der Beiträge zu schließen, sehr interessant zu werden. .Einen davon, den von Max Rosenfeid, geben wir zum1 Teil unseren Lesern mit Erlaubnis des Verlages, bekannt Wir können ihnen nur wiederholentlich .empfehlen, die Zeitschrift zu abonnieren, weil - sie eine Anzahl Abhandlungen enthält, die für die Gestaltung unserer Zukunft und den 'Geist, der in unserer Organisation . zum1 Durchbruch gelangen soll, von wesentlicher Bedeutung sind. Ohne jetzt schon kritisch "auf die Ausführungen der einzelnen Autoren eingehen zu können, nennen wir nur einige Aufsätze, deren Uebersdirift zeigt, daß man sich,:‘mit. ihnen wird auseinandersetzen müssen: Älbrecht Hellmänn „Idee und Organisation“, Henoch Glan z-S ohar „Zur Methodik des Hebräisch-Unterridites“, und'Von den kurzen Bemerkungen Amitai „Logik und Realpolitik“ und Robert Welt sch’ „Prozeß Kranz“. Eine vollständige Angabe des Inhaltes brachte das Inserat. Der Preis von K 4.30 im Vierteljahr fürdivei Hefte ist .so „gering bemessen, daß sich - (niemand die Lektüre der Zeitschrift entgehen lassen sollte. Worte der Auf steigen den. Wir erhalten folgende Vorankündigung: Demnächst erscheint eine eigenartige Publikation in einer hebräischen und einer jiddischin Ausgabe, die sich Diwrei huojlin (Worte der Aufsteigenden) betitelt Sie steht inr' Zusammenhänge mit einem Vortrage. . den Dr. Nathan Birnbaum -vor einiger Zeit hielt und der damals mehrfach in den jüdischen BIät- . tern Beachtung fand. Die Schrift, die sich vornehmlich an die gläubige Ostjudenheit wendet, enthält eine Art Aufruf zur Zusammenfassung aller Menschen und: Kräfte,: die durch, strengste Thoratreue und intensivstes Streben nach Heiligung, In Unterordnung unter eine geodnete rabbinische Glaubensbüterschaft das Kommen des Messias erarbeiten“ wollen, ferner Leitsätze-für die, welche sich auf Grund dieser absoluten Forderung zur gemeinsamer Arbeit verbinden und schließlich einen Artikel von T. H. über Dr. Birnbaum und sein System." Bei dem Umstande, das es sich um Stellungsnähme. zur Gesetzestreue seitens eines Mannes handelt, der zweifellos zu denjenigen gehört, die etwas zu sagen haben, ist der Schrift, die im Jüdischen Buch- und Kunstverlag Max Hickl, Wien VIII. Lerchen-i gasse 6a erscheint, das Interesse der Oeffent-; lichkeit gesichert. / * | Kdt.-Asp* Elias Frisch 1 Die irdischen Ueberreste des am' 29.. August 1916 auf dem südöstlichen Kriegsschauplätze gefallenen, braven Gesinnuiiggenossen aus Kolomea, Kdtt.-Asp. Elias Frisch, wurden am 30. Mai 1917 am Wiener ZentralfriecJhpfe bestattet. — Eine zahlreiche Trauergemeinde von Gesinnungsgenossen, Freunden und ^Verwandten erwies dem' allseits beliebten jungen Helden die letzte Ehre. Nach den rituellen Gebeten, die unter Assistenz des Herrn Feldrabbiner Dr. Frankfurter verrichtet wurden, spendete Gesinnungsgenosse I.öbl Taubes den schwergeprüften Eltern tiefempfundene Trostesworte und verdolmetschte die Gefühle des Stolzes und der Verehrung, welche dieser wackere Zionskämpfer und Vaterlandsverteidiger in den Herzen üer älteren Parteifreunde auslöste. Im.Namen der Kollegen und des engeren Kreises, dessen Mittelpunkt Elias F rj s c h bildete, nahm am offenen Grabe Gesinnungsgenosse S. .'Ellenberg von dem geliebten Freunde Abschied. In tiefer Rührung schilderte der Redner die hingebungsvolle "zionistische Tätigkeit seines Freundes. Elias Frisch war ein beispielgebender, von den Grundprinzipien unserer Idee durchdrungener Führer und Lenker der zionistischen Jugend seiner Heimatstadt Im jugendlichen Alter von. 12 Jahren begründete er eine kleine lokale jugendschrift, deren Leitung er sich begeistert Tag und. Nacht widmete. Er erwarb sich ein tiefgehendes jüdisches Wissen und brachte es *zur vollkommenen Beherrschung der hebräischen 'Sprache; Ebenso wacker und treu, wie er seiner-Parteistandarte diente, erfüllte ,er auch seine, Pflicht, als es .galt, sich dem1 tückischen Feinde entgegenzustellen.- Er war der erste im Sturm und Gefecht, ein leuchtendes Beispiel für seine Genossen. ' ~ Dr. A. F. Zionisten im Felde Am 3. März 1917 erlitt uns.gr Gesinnungsgenosse . Fähnrich Salomon "Muskatenb ffiht aus Lemberg bei’ einem Angriff auf italienische Stellungen den Heldentod. Für sein tapferes. Verhalten gegenüber dem Feinde wurde'er nach seinem Tode mit der silbernen Tapferkeitsmedaille I. Klasse ausgezeichnet. Gesinnungsgenosse Kadett-Aspirant Michael Wolf Patron des Schützen Regiments 36 ist zum1 Fähnrich der Reserve ernannt worden. Lt. Erwin Schön („Veritas“ und „Achiwah“) wurde mit dem Signum laudis mit den Schwertern ausgezeichnet - Oberleutnant Richard Kochr, i. a. Bursch der Jüdischen Akademischen Verbindung ,ildria“, der bereits für tapferes Verhalten beide Signa * laudis mit den Schwertern besitzt, erhielt nunmehr das MilitärverdienstkreuzIII. Klasse mit der Kriegsdekoration und den Schwertern. Berichte und Korrespondenzen Wien. Die Korporationen Mas sad a und Nehemia haben sich zum zweck der Arbeitsvereinfachung und des Arbeitserfolges zu einer Kartellvereinigung Massada-Nehemia zusammengeschlossen. Wien. In den Volks-Speisehallen der „Einheit“, II. Malzgasse 12, die eben einen interessanten, mit Tabellen und Zahlen versehenen Rechenschaftsbericht über die verflossenen 3 Kfiegsiahre 1914—1917 versendet, wurden in diesem Zeiträume 9,514.220 Portionen Essen aüsgegeberi, darunter über eine Million gratis. Sonst kostet dort das Mittagessen wie früher 44, das Abendessen 34 H. Die „Einheit“ speiste die Flüchtlinge aus Belgien, Rußland, Polen, Galizien und ‘Bukowina. Hier speisten verwundete und kranke Soldaten und von hier wurde in Spitäler und Rekenvaleszentenheime rituelle Kost gesandt. Zu Ortern 1915 und 1916 hat der Verein die ganze jüdische Mannschaft der Wiener Garnison mit Kost versorgt. Wo man im öffentlichen Leben Wiens nach solcher Kost verlangt, wird die*1 „Einheit“ gerufen und gibt. Der Verein' will, sobald die Möglichkeit gegeben sein wird, sich ein neues größeres Heim Schaffen. Prag. Wenn, auch der Verein Poale Zion kurz nach .Kriegsbeginn einer Reihe 'seiner tatkräftigsten Mitglieder beraubt wurde-und’die weiteren Kriegsmonate und Kriegsjahre in den Mitgliederstand weitere Lücken schlugen, so haben sich;doch (die verbliebenen verfügbaren Kräfte allen ihrer harrenden-Aufgaben .vollkommen gewachsen .gezeigt. Bereits* September 1914 wurde eine H i If sak tion für jüdi seh e Arb ei tslos e eingeleitet, welche dank der Emsigkeit der Mitgliederschaft, sowie der Mithilfe der zionistischen .Organisationen Prags. (Jüdischer Frauen- und Mädchen-Klub, Jüdischer Turnverein Makkabi, Jüdischer Beamtenverein, Lese- und-Redehalle jüdischer Hochschüler) einen außerordentlichen Erfolg zeitigte. ES wurde ein großer Betrag