Jüdische Zeitung
- Journal
- Jüdische Zeitung
- Volume
- 11 (1917)
- Issue
- 22 (1.6.1917)
- Date
- 1917-06-01
- Page
- Seite 4 (sequence 4)
- Language
- German
- Belongs to
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Seite 4 JÜDISCHE ZEITUNG Nh 22 Judent ze i ch n e t Kriegsanleihe! soll jedem', der der staatlichen Unterstützung bedarf, sie gewähren, aber nur . zu dem1 Zweck und mit strengster Kontrolle dieses Zweckes, daß dadurch die Produktion des Landes wieder auf ihre alte Höhe gehoben Wird.“ Wir behalten uns vor, zu geeigneter Zeit die uns zugänglichen Daten über die Art und den Umfang, in welchem die Schadenersatzansprüche und Kreditgesuche der Juden Galiziens berücksichtigt worden sind, eingehendere Mitteilungen zu machen. Dokumente der Zeit Es lehe die jüdische Nation! Dem Zensor hat es beliebt, in einem1 Aufruf den Wunsch, daß die jüdische Nation leben solle, nicht gelten zu lassen. Das würde uns nicht weiter aufregen. Auf einen Schnitzer mehr oder weniger, den der Herr Staatsanwalt begeht, kommt es wahrlich nicht an. Denn wenn auch nicht über dras Amt an und für sich, so gibt es doch über die Art, wie es gehandhabt wird, in Oesterreich nur mehr eine Meinung. Klug war es jedenfalls nicht, daß die Zensür gerade diese Worte strich. Denn die nationalbewußte Judenschaft Oesterreichs erblicht darin flicht den' Iapsustalami irgendeines gleichgültigen Staatsbeamten, sondern einen sehr bösen, unfreiwilligen ' und unbedachtsamen Affront . . Es lebe, die jüdische Nation! wiederholen wir Undkeine Konfiskation, kein Mißwollen, kein Haß, keine Drangsalierung wird unseren Lebenswillen je unterdrücken können. Was uns not tut Von Frieda Romtn. fn der Nummer 20 der „J. R.“ gibt Frieda Romm folgende beachtenswerte Anregung, die bei den zionistischen Mädchenvereinen Oesterreichs auf fruchtbaren Böden fallen könnte. Es gibtunter deren Mitgliedern etliche Gesinnungsgenessinnen, deren Entschluß, sich 'für Palästinas Landwirtschaftvorzubereiten,, Schwierigkeiten erwachsen, durch das Fehlen je glichen kompetenten Rates und Weges. Wenn, allerdings derartige Vorschläge an maßgebender Stelle nicht geprüft und in irgendeiner Form verwirklicht werden, bleibt ihre Besprechung .in der Presse völlig zwecklos.... „In letzter Zeit haben wir in der' „Jüdischen Rundschau“ immer öfter von Fachleuten gehört, wie wichtig die Mitarbeit der Frau für die gedeihliche Entwicklung unserer palästinensischen Kolonien ist und daß z. B. kleinere landwirt-: schaftlidhe Betriebe erst bei sachverständiger Mitarbeit der Frau ausreichende Erträge abwerfen. Nun haben wir wohl in Deutschland zionistische Frauen- und Jugendvereine, die sich die zionistische Durchbildung ihrer Mitglieder zur Aufgabe machen. Man liest dort im allgemeinen die Lidhtheimsche Broschüre, män wandert, turnt. und veranstaltet Tees mit „jungjüdischen'‘‘ literarischen Darbietungen. Man wird mir zugdien, daß dies alles keine ausreichende Vorbereitung für eine spätere Uebersiedhmg nach Palästina darstellt. Viel kostbares junges Leben hat vor der Zdt dahin gehen müssen, ohne sich1 in Palästina erfüllen zu können; wir müssen versuchen; diese schweren Verluste durch stärkere Heranziehung und Ausnützung der weiblichen Arbeitskraft auszugleichen. Wir haben nun in unseren Reihen eine Anzahl Mädchen, deren Wunsch und Ziel es ist, sich gründlich für eine Uebersiedäung nach1 Palästina vorzubereiten, um dort ihr Leben für die Allgemeinheit nutzbringend zu gestalten. Ihnert müssen wir 'Gelegenheit zur gründlichen Erler-- nung der Landwirtschaft geben. Den meisten jüdischen Mädfchen der Großstadt fehlt es an persönlichen Beziehungen zum' Lande und ohne diese ist cs nahezu unmöglich, bei' den fast ausnahmslos antisemitischen Grundbesitzern als Lernende aufgenommen zu Werden. Auch sind nur wenige penkuniär so unabhängig, um', sich eine kostspielige Ausbildung auf Gartenbausdiulen leisten zu können, die ja noch nicht einmal den speziellen palästinensischen Bedürfnissen .angepaßt ist- Wir brauchen also eine- L ehrf a rmf unter Kontrolle der zionistischen.Organisation, ein deutsches Kinereth. Mein Vorschlag geht ntti dahin, eine größere Bauernwirtschaft, möglichst im'1 Süden Deutschfands zu erwerben und nach Anlage der erforderlichen Wohn- und Wirtschaftsgebäude zu einer , Lehrfarm 'auszugestalten. Die Schülerinnen muß-, jen eine 2—3jährige Lehrzeit durchmachen, in der ihnen außer gründlicher Erlernung der Milchwirtschaft, Geflügelzucht, des Obst- und Gemüsebaus ajyh Gelegenheit zu Kursen. für .erste Hilfe bei Unglücksfällen, Säuglingspflege . usW; geboten .werden müßte, ebenso hebräischer Sprachunterricht Wir haben ja genügend Fachleute, die einen geeigneten Lehrplan ausarbeiten könnten, der sich ganz den palästinensischen Bedürfnissen anpaßt- Die Kosten der Ausbitdung mußten möglichst niedrig bemessen sein, damit jedes Mädchen, das den Willen 'zu nationaler Betätigung bat," ihn auch ausführen kann, Die Mittel tz Um Ankauf der Farm' müßten durch, eine. großzügige Propagartda unter den deutschen Juden aufgebracht werden. Die zionistischen Frauen und Mädchen aber müßten es als ihre Ehrenpflicht ansehen, die jährlichen Unterhaltungskosten der Farm aufzubringen. Sie müßten sich zu Ortsgruppen zusammenschließen und regelmäßige Beiträge erheben. Außerdem verpflichte sich jede verdienende Zionjstin zu einem' regelmäßigen Beitrag und jedes Mädchen, das daran geht, einen eigenen Hausstand zu gründen, verzichte auf ein ihr zugedachtes Geschenk und führe den Betrag dafür dem Fond der Lehrfarm zu. . Ich bin davon überzeugt, daß die Durchführung dieses 'Planes erhebliche Schwierigkeiten bereiten wird. Aber unsere hart betroffenen Kolonien werden nach Beendigung des Krieges stärker als zuvor landwirtschaftlich durchgebildete Menschen brauchen. Wir -müsSen beizeiten mit den Vorbereitungen beginnen, damit wir kom'men können, wenn Palästina uns. braucht. Wir wollen mit ganzer Kraft unser Teil beim Aufbau Palästinas leisten, wir wollen mitform'en an seinem neuen Qesicht.“ - Aus der jüdischen Welt Tod Schentarja Jellins. Im Alter von '23 Jahren starb der Sohn des palästinensischen Führers David Je 11 in als Opfer einer Epidemie; Schemarja Jellin, der in Jerusalem' geboren war, hätte in der Zionistischen Palästinabank gearbeitet Seine freie Zeit widmete er der Jerusalemer Turn-Organisation „Makkabi“. Selbst gesund au Leib und Seele, War es1 sein Wuns'ch, auch andere Söhne Jerusalems kräftig und stolz zu sehen. Er gehörte zu den jungen Palästinensern der neuen Generation, die die Hoffnung "der Zionistischen Organisation waren. Jüdislche Gegensätze in Frankreich1. Joseph R ei nach, der bekannte Vorkämpfer für den religiösen Radikalismus, 'der während des Krieges unter dem Decknamen Polype im Figaro zahlreiche kriegerische Hetzartikel geschrieben hat, - hat ein neues Losungswort für das ‘moderne Judentum'.ausgegeben. Er erklärt, daß der Zionismus erledigt sei und als Mumie betrachtet werden müsse. Das Judentum1 habe in der modernen Welt eine jganz andere Aufgabe, als die Wiederherstellung der alten israelitischen Traditionen oder gar die Judenansiedhmg in Palästina. Es habe keinen -Zweck, soldie -ldeen -weiter-zü-ver- -• folgen. . Die Juden müßten vielmehr „die moralische Leitung der christlichen Gesellschaften übernehmen, 'die jetzt Ohne Richtlinien Tseien und dem'Untergänge zustreben“. 'Weitere Kreise des französischen Judentums sind durch' derartige Erklärungen Reinächs und* seiner Anhänger in nicht geringe Erbitterung versetzt Worden.-In der Zeitschrift „Renaissance iuive“ erklärt Braunstein, daß ernste Juden Schon, lange nichts mehr von Joseph Reinach und ähnlichen „Israeliten“ wissen wollen. Er erinnert daran, daß Reinath und steine Freunde kein Recht haben, sich' auf die russische Demokratie Zu berufen und sich als 'deren französische Vertreter hinzustellen, nachdem' sie früher Nikolaus II-, dessen Hände mit jüdischem' Blute bedeckt waren, als ihren Freund rühmten und Ihn unterstützten. -"Das Judentum müsse sich ohne Zaudern von Solchen Apostaten trennen- „Sie und ihre Freunde, ihr seid alle dürre Blätter, die der 'erste Wind vom’ kräftigen Bäume ‘des Judentums 'davongetragen hat. Die natio- nalistische Ehre der Juden ist in eurem' Herzen längst erloschen. Ihr seid aber imbier noch' Juden genug, so wenig Judentum auch in euch' übrig geblieben ist, um' Zu wollen, daß die anderen es nicht mtehr sein dürfen.“' Einreihung der Russen ln die Armee Frankreichs; Die Schweizerische Telegrapheninformation meldet aus Paris: Der russische Milifäl-- attachee erhielt eine Verfügung .der provisorischen Regierung, über , die Einreihung aller russischen Staatsbürger, darunter auch ‘der Juden, die bisher ihrer Militärpflicht njeht nachgekomtnen sind, in die in Frankreich : kämpfenden russischen' ■ Truppen. """ Verdächtigungen der russischen Juden im Ausland. Wie „Politiken“ aus Petersburg meidet, wurde auf dem Kongreß der Soldatenabgeordneten der Frontheere, der Ende Mai in .Petersiburg tagte, von dem nicht mehr aktiven General S k a 1 o n folgendes Schriftstück verlesen : „Nach Mitteilung "aus amtlicher englischer Quelle hat am; 22. d. iig Kopenhagen eine Geheimsifzung russischer Juden stattgefunden, die in Dänemark ansässig sind. Die Te biehmer beschlossen, .nach Rußland zurückzukehren, um' im' Heere gegen den Krieg mit Deutschland Propaganda zu treiben. Sämtliche Teilnehmer Sind Deutschenfreunde.“ Der Soldätenkongreß stempelte dieses Schriftstück; als Versuch', die Völkerstamme Rußlands gegeneinander aufzuhetzen. Der Arbeiter-' und Soldatenrat verlangte, daß. die Schuldigen "dieser verbrecherischen Angelegenheit vor Gericht gestellt werden. Das Hilfswerk für- Polen urfd Litauen. "Das Petrograder Russisch-Jüdische Hilfskomite für die. vom Kriege betroffenen Juden überwies zur-Unterstützung der notleidenden jüdischen Bevölkerung in Polen und Litauen mit Genehmigung der Russischen. Regierung 300.000 Rubel, die wie folgt verteilt werden gollen: 1.) Jüdische Gemeinde in Warschau 56.200 Rubel. 2.) Zur Verfügung von Dr. Po.snansßf und H. FarBstei'n ebenfalls für Warschau 56.200 Rubel. 3.) Für Lodz zur Verfügung von Dr. Brau de und J arotschinski -96.200 Rubel. 4ÜJ F.ür Wilna zur Verfügung von Rabbiner R u b i n 51 e i n und Epstein 64.900 Rubel. 5.) Für Bialystok 16.500 Rubel. 6.) Für Kovvno 10.000 Rubel. Die russische Regierung hat das Geld zum: Friedenskurs überwiesen, sodaß etwa 900.000 M zur Verteilung gelangen Werden. Die Gleichberechtigung der Konfessionen in Finnland. Der finnische Landtag hat in zweiter Lesung die Gesetzentwürfe, betreffend die Gewerbe- und Gemeinderechte russischer Bürger, mit einer Abänderung angenommen, wonach diese Gesetze auf die russischen Bürger ohne Unterschied des Glaubensbekenntnisses, und der Volksfangehörigkeif ausgedehn werden. Dr. Borttaschs Austritt aus der Reich'sdumla. Infolge der ' Unabhängigkeitserklärüng Polens durch die Provisorische Regierung legten die Duma- und Reichsratsabgeordneten aus Russisch- Polen ihre Mandate nieder, darunter auch Dr. Ch'. M. Boiuasch. Drei Waggons Liebesgaben von einer Gruppe russischer Jüdinnen wurden den Soldaten an die Front geschickt. In vierzehn Tagen waren 60.000 Rubel, gesammelt. Unter den Personen, die man mit der Verteilung der Liebesgaben betraut hat, befindet sich der Dum'aabgeordnete Friedmahn. Eine große Jüdische Zeitung in jidischer Sprache „Das Petrograder Tagblatt“ hat zu erscheinen begannen. Die Lösung der Judenfrage in Rumänien. Der „Temps“ meldet aus Jassy: BraHanu übernahm wieder die Ministerpräsidenlsdhaft sowie das Ministerium des Aeußem. Die erste Sitzung der Kammer war der Besprechung der Wahl1reform und der Landverteilung an die Bauern gewidmet. Die Regierung gab die Zusage, daß sie diese Frage eifrig studieren wolle. Die Regelung der Judenfrage wurde auf eine günstigere Zeit verschoben. Zionistische Pessach-Feier - imf. Kriegsgefangenenlager. Anläßlich .des Pessach-Festes ist im1 DougläS Aliens* Camp in dem1 zirka 600 Juden 'interniert sind, unter der Redaktion von Herrn _M. Frostig aus Lemberg und im! Verlage 'des 'Herrn I. Stalheim aus Krakau ein 12 Seiten langes „Gedenkblatt Jüdischer Kriegsgefangenen, Pessach 1917“ erschienen. Aus dem' Inhaltsverzeichnis : „Geleitwort“ F r o s t i g, .Jüdisches' Lager James Wolf, „Unsere koschere Küche“ Martin Breslauer, „Gedenken“ Gedicht von Leopold Zucker “Galizianer“ M. Fro Stig, „Die deutschen Juden“ Gustav Rosemann, „Ungarische Juden“ Alexander Lederer, „Zionismus im Lager“ L. G o 111 i e b. Das ätnerikanisteh-jüdische Hilfswerk. Herr Henry Morgenthau verfangt in einem' Aufrufe von der amerikanischen Judenheit, daß 10 Millionen Dollar bis zum 1. Juni dieses Jahres aufgebracht werden, wenn die 3 Mill. Juden in der östlichen Kriegszone vom Hungertode gerettet werden sollen. Um diesen früheren Termin möglichst zu realisieren, hat sich ein . neues ‘Komitee gebildet,' das sich mit der ' Propagierung . für die Schnelle Aufbringung der 10 Millionen beschäftigt, und das außer Herrn Morgenthau, die Herren Jakob H. Schiff, Oberrichter Louis D. Brande; s, ^Daniel G u gg e üfh e i m1,. Nathan S t r a u s und Herbert H. L e h.m'a n umfaßt. Der Orden . (Sons of Zion“, dessen Vorsitzender Herr Josef Baronde ss ist, feiert jetzt sein 10 jähriges Bestehen. Der Orden umfaßt eine Mitgliederzahl von 4000 und hat Zweigvereine in 18 Staaten. Alle Mitglieder haben besonders im1 Kriege an aktiver zionistischer Arbeit teilgenonVmen, indem sie die Sammlungen für den Notstandfonds des PEC., den Nationalfonds etc. ■ eifrig .propagierten. Der Orden „Sons "Öf Zion“ versucht mit viel Erfolg seinen Einfluß in zionistischem Sinne besonders auf den Mittelstand -auszuüben und Jiat sein Teil für das Wachstum' des Zionismus 'in Amerika' beigetragen. Die „Konferenz der Jüdischen Sozialistischen Arbeiter“ wurde Ende März in Newyork abgehalten, zu der 400 Delegierte, die 67 Städte vertraten, erschienen waren. Die Konferenz 'akzeptierte das ‘Basler Programm; Sie begrüßte das russische Volk zu seiner Emanzipation und besprach eingehend’ die Frage des Jüdisch- AmterikaniSchen Kongreßes. Es; wurden Resolutionen angenommen, wonach alle Delegierten 'verpflichtet sind, nicht dagegen zu stimmten, 3aß d.e Palästinafrage in ..ihrer ganzen Ausdehnung auf die Tagesordnung kom'mt und für Palästina als eine öffentlich-rechtlich gesicherte Heimstätte für das jüdische Volk einzutreten. Die “ Konferenz verlangte 'die baldige. Abhaltung des Kongreßes. Sie protestierte dagegen, daß den Juden in Polen nur eine religiöse Autonomie, aber nicht eine nationale gewährt worden ist.