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Jüdische Zeitung · 1917-05-25 · 21 (25.5.1917) · page 1

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Image: UB Frankfurt, Visual Library (IIIF)
Journal
Jüdische Zeitung
Volume
11 (1917)
Issue
21 (25.5.1917)
Date
1917-05-25
Page
– (sequence 1)
Language
German
Belongs to
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XL Jahrgang — Nr. 21 Nalional-jüdifches Organ Erscheint wöchentlich einmal Redaktion: Wien II, Zirkusgasse Nr. 33 Sprechstunden: Montag bis Freitag von.2—4 Uhr, Sonntag von 11—12 Uhr Manuskripte werden, wenn unverlangt, ohne Rückporto nicht zurückgesandt Redaktionsschlufi Dienstag um 7 Uhr Fern sprech>Nummer 43-3*25 Mil der Beilage: Der Judifche Nationalfonds Wien, Freilag, 25. Mai 1912 / 4. Siwan 5677 Einzelnummer 24 Heller Geschäftsstelle: Wien II/i, Zlrkusg. 33 Geschäftsstunden: Montag bis Freitag von 9—12 u. 3—7, Sonntag von 9—12 Bezugspreise: Ganzjährig K10.— halbjährig K 5.—, vierteljährig K 3.— Anzeigen und Beilagen nach Tarif Postsparhassen-Konfo 133^104 Neuerlicher Wahlsieg der Zionisten (1111 - * Amerikas. — Die jüdische Lage ln Palästina. — Die Berufungen ln das Herrenhaus. — Heinrich Margulies, Was ist zu tun? (Schluß).— Max Brod, Auftritt des Dichters; In der Fabrik. — J. Oettinger, Kolonisation und Industrie in Palästina. — Zionistische Tätigkeit in Rußland. — Aus der jüdischen Welt — Raphael Nussenbaum gest — Zionisten im Felde. — Persönliche Nachrichten. — Berichte und Korrespondenzen. — Sport Neuerlicher Wahlsieg der Zionisten Amerikas Wir. erhielten über Berlin folgendes Telegramm: „Die Versammlungen zur Nominierung von Kandidaten für die Mitgliedschaft des jüdisch-amerikanischen, Kon- . gresses ergaben eine Majorität zionistischer Kandidaten.“ Die jüdische Lage in Palästina Das, engere Aktionskomitee der zionistischen Organisation erhielt -über die Lage der jüdischen Bevölkerung in dem yon den Räumungsmaßnahmen betroffenen palästinensischen Bezirk Jaffa nachstehenden telegraphischen' Eigenbericht aus Jerusalem von Mitte Mai, der uns Uni 23. zur Information unserer Leser von Berlin drahtlich übermittelt wurde: /Auf Grund besonderer Berechtigung bleiben in Jaffa gegen 30 Juden zurück, unter denen 12 Wächter für das jüdische Stadtviertel Tel-Awiw, wo alles bis jetzt unversehrt ist. und alle Gärten gepflegt werden. Laut Verordnung dürfen in den jüdischen Kolonien die 'Ackerbauer mit Familien und die Pflanzüngsbesitzer ohne Familienangehörige Zurückbleiben. Jedoch wurde die Verordnung ohne "Strenge angewendet, sb daß die meisten Kofcmteeinwohner auf Grund landwirtschaftlicher Beschäftigung Aufenthaltsrecht erlangen konnten. Nur etwa 600 Personen mußten die Kolonien verlassen. Von. den 8000 bis 9000 jüdischen Einwohnern Jaffas, welche Jaffa verlassen mußten, befinden sich über 3000 in Unter-Galiäa, über 1000 in Petäch-Tikwah', 1000 in Kafars’aba, der Rest verstreut über die jüdischen Kolonien, Sam'aria und Ober-Galiläa und die Städte. Bei dem’ zunächst hach' Petadi- Tikwah gerichteten Auszug aus Jaffa halfen jüdische Wagen aus Galiläa. Die Wagenfahrt war in folge des gegenwärtigen Futterpreises sehr kostspielig. Bei der späteren Weiterreise aus Petach- Tikwah standen Wagen nicht zur Verfügung, da die-Pferde requiriert waren. Bahnzüge waren aber pur mit großen Schwierigkeiten nach tagelangem Warten auf der Station unter freiem Himmel und bei unzureichender Verpflegung erreichbar. Die geschilderten Beschwerden 'des Weges verursachten Erkrankungen und einige Todesh fälle. Die Evakuierung untergrub die wirtschaftliche Existenz der. meisten Betroffenen, Erschütterte. das Kolonisätionswerk, zerstörte die allgemeinen Institutionen. Die zur Verfügung Stehenden, Hilfsmittel sind unzureichend für die Flüchtlinge, unter , denen Not und Krankheit herrschen. Erforderlich ist die Einrichtung umfangreicher 'Notstandsarbeiten,' um arbeitsfähige Flüchtlinge nicht zu Ahnosenempfängern herabzuwürdigen. Die vorhandenen Arbeitsmöglichkeiten können ausgenützt werden durch Darlehen an Gesellschaften und Private, ferner durch Ame- Iiorationsarbeiten auf den Besitzungen des Jüdischen Nationalfonds, die Errichtung von LehtnL hütten und Zelten ist ebenfalls notwendig. Eine rationelle Flüehtlingsfürsorge beansprucht wenigstens 12,000 FrcS. täglich. Für die Erhaltung der Pflanzungen sind*) für die nächsten 5 Monate bis zur Ernte nicht erfolgt. •) Im Telegramm fehlen an dieser Stelle ein oder mehrere Wörter. * Das Wolffsche Bureau verbreitete am 19. Mai folgende, durch das obenstehende Telegramm überholte Meldung: , „Zu den in letzter Zeit durch die ausländische Presse verbreiteten Nachrichten Von einer angeblichen Judenverfolgung in Palästina erhält der Hilfsverein der deutschen Juden in Berlin .vom Vertreter in Palästina nachstehende Telegramme: Der Bezirk Jaffa ist von der ganzen Bevölkerung aus militärischen Gründen geräumt worden, wobei jedoch der Landwirtschaft treibenden Bevölkerung das Verbleiben gestattet wurde. Aus der Stadt Jaffa selbst Wußten die .Bewohner, darunter etwa 7000 Juden, auSvvandern, die zunächst in "der 18 Kilometer nördlich gelegenen Kolonie Petach-Tifcwah Aufnahme fanden und von dort allmählich weiterzogen. Da die Leute bei deni Mangel an Transportmitteln hur wenig von ihrer Habe mitnehmen konnten und da vereinzelt Ausschreitungen vorkamen, herrscht unter ihnen eine begreifliche Not, die an die Wohltätigkeit der jüdischen Kolonien und Organisationen höhe Anforderungen Stellt Der türkische Oberkommandierende Dsche.mal PaSchä suchte Hilfe zu bringen, indem er mehrere tausend Pfund als Darlehen gab. Er verschob auch, auf vorgebrachfe Bitte die Durchführung der Räumungsanordnungen wegen des Passahfestes um zwei Tage. Da die Leute teilweise zu Fuß gehen und-im Freien übernachten mußten, kamen infolge von Erschöpfung/Seuchen und UngKrcksfällen vereinzelte Todesfälle vor. Vier solche Fälle sind bisher bekannt geworden. Die weiteren übertriebenen Nachrichten and unrichtig. Eine Räumung Jerusalems ist nicht angeordnet worden. Die Berufungen in das Herrenhaus Der Kaiser hat 55. auf verschiedenen Gebieten des öffentlichen Lebens in Österreich hervorragende Persönlichkeiten zu lebenslänglichen Mitgliedern des österreichischen Herrenhauses ernannt Damit ist die verfassungsmäßige Höchstzahl der Mitglieder erreicht und für absehbare : Zeit die Möglichkeit eines neuen Pairsschubs ausgeschlossen. Die Liste enthält offizielle Vertreter aller österreichischen Nationen und Glaubensbekenntnisse, nur die Juden sind nicht vertreten. Wohl befinden sich vier Juden unter den Ernannten: Moriz Benedikt der Besitzer der „Neuen Freien Presse“, Landtagsabgeordneter und Großgrundbesitzer Dr.Philipp Ritter v. Gomperz, Louis Freiherr von Rothschild, der Chef des Bankhauses S. M. Rothschild, und der Großindustrielle Bergrat Max Ritter v. Guttmann. Kein Zweifel: Unschätzbar sind die Dienste, welche die Genannten, jeder in seinem Wirkungskreise, dem Staate und der Regierung sowohl im Frieden, wie insbesondere in diesen schweren Zeiten der letzten Jahre geleistet haben, aber keiner von ihnen bekleidet ein jüdisches Amt keiner von ihnen kann-, der eine oder der andere von ihnen will vielleicht gar nicht als offizieller Vertreter des Judentums angesehen werden, sie sind als Vertreter der Presse, der Großindustrie und des Großgrundbesitzes zu ihrer hohen Würde berufen worden. Dies ist es, was in uns so bittere Empfindung ausiöst Allgemein wurde erwartet, daß diesmal auch ein jüdischer Funktionär in die erste Kammer des österreichischen Reichsrates einziehen würde. Sagen wir es offen: die Berufung des Präsidenten der Wiener Israelitischen Kultusgemeinde, Dr. Alfred Stern, galt als feststehend, allgemein als so feststehend, daß sich alsbald gewiße Bestrebungen geltend machten, seine Streichung von der Liste durchzusetzen. Ob sich der Widerstand gegen die Person Dr. Sterns oder prinzipiell gegen eine offizielle Vertretung der Juden gerichtet hat, entzieht sich im Augenblicke unserer Beurteilung. Tiefbedauerlich ist es also jedenfalls, daß derartige Bestrebungen sich ans Tageslicht wagen, noch bedauerlicher daß sie sogar obsiegen konnten. Wir Zionisten haben den Präsidenten Dr. Stern oft und heftig bekämpft, wir haben bei jeder Gelegenheit die herbste Kritik geübt, wir betrachten ihn als Gegner. Dessen ungeachtet stehen wir nicht an, zu erklären, daß die Streichung seines Namens ein schweres Unrecht der Regierung bedeutet, und wir uns, und mit uns gewiß die Mehrzahl aller Juden, von diesem Unrecht betroffen fühlen. Die Regierung war es einfach der österreichischen Judenschaft schuldig, den Quertreibereien zu widerstehen und den Präsidenten der Wiener Kultusgemeinde, der größten Judengemeinde Europas, in einer Zeit in die Reihen der österreichischen Gesetzgeber zu rufen, in welcher sich die österreichische Gesetzgebung wahrlich nicht an letzter Stelle auch mit dem Wiederaufbau unzähliger ruinierter jüdischer Existenzen zu befassen haben wird. Es war keine glückliche Hand, die den Stift zum Zwecke der Streichung Dr. Sterns aus der Liste der zu Ernennenden über das Papier führte und schlechten Ratgebern hat die Regierung hiebei ihr Ohr geliehen. Diese Ratgeber aber mögen sichs gesagt sein lassen: in ihrem Eifer, dem.Kultuspräsidenten Dr. Stern und damit den Juden eins am Zeuge zu flicken, haben sie dem Staate keinen guten Dienst erwiesen. Was ist zu tun? * Von Heinrich Margulies, zurzeit im Felde. 11. Schule und Wirtschaft: Auf diesen Pfeilern ruht das nationale Leben aller Völker, ünd unserer Aufgabe zeigen diese beiden Worte Richtung und * Diese Ausführungen sind persönliche Meinungen des Autors; die Redaktion veröffentlicht sie, ohne sich mit ihnen allen Stücken zu identifizieren. Die JüOisihe Zeitung will nidif nur gelesen, sonOern audi abonniert sein!

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