Jüdische Zeitung
- Journal
- Jüdische Zeitung
- Volume
- 11 (1917)
- Issue
- 20 (18.5.1917)
- Date
- 1917-05-18
- Page
- – (sequence 1)
- Language
- German
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XI. Jahrgang - Nr. 20 Nalional-jüdifches Organ Erscheint wöchentlich einmal Redaktion: Wien II, Zirkusgasse Nr.33 Sprechstunden: Montag bis Freitag von 2—4 Uhr, Sonntag von 11—12 Uhr Manuskripte werden, wenn unverlangt, ohne Rückporto nicht zurückgesandt RedaktionsschluB Dienstag um 7 Uhr Farnsprech-Nummer 43-3*25 Mil der Beilage: Der Jfidifdie Naiionalfonds Wien, Freilag, 18. Mai 1917 / 26. Ijar 5677 Einzelnummer 24 Haller Geschäftsstelle: Wien ll/t, Zirkusg. 33 Geschäftsstunden: Montag bis Freitag von 9—12 u. 3—7, Sonntag von 9—12 Bezugspreise: Ganzjährig K10.— halbjährig K 5.—, vierteljährig-K 3.— Anzeigen und Beilagen nach Tarif Postsparkassen-Konto 133.404 Iflflält* E'ne Anfrage im deutschen Parlament, tuuaii. H.Margulies,Wasist2U tun? — Chajim.Zur Nosologie der Ostjuden (Schluß). — Dr. Josef Schönfeld, Die Aufrüttelung der ungarischen judenheit W., Ein Jubiläum. — Aus der allgemeinen Presse. Aus der jüdischen Welt — Persönliche Nachrichten. Ankündigungen. — Berichte und Korrespondenzen. Sport — Briefkästen, u. a. m. Eine Anfrage im deutschen Parlament Die jüdische Lage in Palästina Der sozialdemokratische Abgeordnete Dr. Cohn aus Nordhausen hat im Reichstag folgende Anfrage eingebracht: Ende März d. J. hat Djemal Pascha, der türkische Oberbefehlshaber der Sinaifront, angeordnet, die jüdische Bevölkerung, unter ihnen deutsche, österreichische, ungarische und bulgarische Staatsangehörige, aus Jaffa und aus den vor Jaffa gelegenen Ackerbaukolonien undFruchtpflanzungen wegschaffen zu lassen.Militärische Rücksichten wurden als Grund der Maßregeln angegeben; der deutsche Generalstabschef Djemal Paschas hatte sich aber dahin ausgesprochen, daß solche Rücksichten , die Räumung jener Wohnstätten nicht gebieten. Nach den hier eitigegangerien Berichten sind unter den Augen der türkischen Behörden gegen die ausgetriebene Bevölkerung Gewalttaten und Plünderungen verübt und viele Flüch.linge getötet worden. Für die Beförderungurid die ErnährungderVertriebenenhaben nach jenen Berichten die türkischen Behörden nicht gesorgt. Kennt der Reichskanzler diesen Sachverhalt? Ist er bereit auf die osmanische Regierung in solcher Weise einzuwirken, daß — soweit es noch möglich ist — in Palästina die Wiederholung der armenischen Greuel mit Sicherheit ausgeschlossen werde? Schon früher wurden im Hauptausschuß des Deutschen Reichstages an das Auswärtige Amt Anfragen wegen der am 7. Mai im 'Ausland verbreiteten Gerüchte über die Vorgänge in Palästina orestellt. Der Staatssekretär des Auswärtigen Amtes. Exzellenz Zimmermann, antwortete in der Sitzung des Hauptausschusses vom S. Mai auf diese Anfragen. Was ist zu tun? Von Heinrich Margulies, zurzeit im Felde. In den Gärten des nationalen Lebens gesunder Vöfker sind die bunten Beete sorgsam .gegeneinander abgegrenzt. Und sachkundige Pfleger mühen sich, daß keines verdorrt und im frohen Wettbewerb zurückbleibt. Aber beiVölkern, di® sich wie unseres in einer neuen Entwicklung befinden, wuchern die Blumen, Büsche und Straucher wild durcheinander und manches sperrt im triebhaften Kampf um die Sonne dem' anderen den Weg1. Da verketten sich Zweige, die nur getrennt von einander zur "Blüte gelangen können und an die Stelle des eifernden Wettbewerbs tritt der feindselige Drang ums Leben. Da ist es die doppelt wichtige Aufgabe der Wächter, behutsam' voneinanderzulösen, einem jeden den Weg zu - bahnen- und - doch keinen«, zu verletzen. Da gilt es, Wucherungen einzudämmen und nicht den Schwächeren dem Starken auszuliefern. Denn im Garten der Völker sind alle Blumen gleich wichtig und so wie mäh, nach einem1 Worte Alexander Herzens, von den Blüten des Feldes nicht verfangen wird, daß sie irgendwie besser oder schöner wären — (man freut Sich eben ihrer Pracht — so gilt es auch hier nur zu fördern, zu .pflegen und zu züchten, nicht aber zu zerstören. Natürlich besteht die Gefahr, daß Berufene und Unberufene aus dieser Buntheit nur Eines herausgegriffen wissen wollen und ihm zur Herrschaft über das Ganze verhelfen. Bedeutet dies schon für den geregelten Staat eine Untergrabung seiner Existenz — das neuentstehende Gebilde wird dadurch schon in den Anfängen ertötet. Und wenn in unseren Tagen der Kulturzionismus eine so starke Gegnerschaft und auf dem letzten deutschen Delegiertentag eine fast schon entscheidende leidenschaft’iche Opposition gefunden hat, so ist bei weitem die Ursache nicht darin zu finden, daß man ihn gering schätzt, sondern nur In der schweren Furcht, daß hier ein Teil in bedrohlichem Ausmaße sich zum Beherrscher des Ganzen zu machen bestrebt. Diese Gefahr ist groß und nicht gering zu schätzen, weniger weit der Kulturzionismus so stark als weil unser neuer Organismus noch zu schwach ist. Und in richtiger Einsicht wird gerade bei den Besten der Kulturzionisten — so bei Bergmann — nun begonnen, ihm in der realen Alltagsgestaltung ein linderndes Gegengewicht zu schaffen. Und dies ist der Weg, der uns die notwendigsten Aufgaben der kommenden Zeit weist. Schon der ' Name Kulturzionismus ist irreführend, man sollte derlei Abstempelungen gradezu verbieten, ln Wirklichkeit gibt es keinen Kulturzionismus, so wie es auch keinen wirtschaftlichen oder Kolonisationszionismus geben kann. Die Waffengebiete, die mit diesen Worten unschrieben werden sollen, sind alle nur Teile, nur kleine Teile jenes Großen, Ganzen, das heute hinter dem' Worte Zionismus steht, dessen Grenzen es längst gesprengt hat. Zionismus ist nicht mehr das Streben nach Zion allein, er ist — Vide sehen es heute, .morgen vielleicht schon alle'— die G esamtheit des jüdischen 'nationalen Lebens. Der Zionismus ist der gedachte iüdische Staat und so, wie ein solcher, birgt ’er die verschiedensten Arbeitsgebiete nebeneinander. Wenn man dies erst erkennt und anerkennt, wird 'man viele der bisherigen Kämpfe vermeiden und überwinden. Denn dann gilt es nur noch, und das ist nicht so schwer, die Beete gegeneinander abzugrenzen. Welcher Art Blumen sie tragen sollen, weiß jeder, der unbefangen ein Staatsleben betrachtet. Da zeigt sich, daß sich jeder Nationalismus auf zwei Pfeiler gründet, die unlöslich mit einander verbunden sind wie Körper und Jdee: Wi/rts'chaft und Geist. Aber leider ist schon diese Grunderkenntnis bei uns noch nicht d» I Organisiert Oie Propaganda für Oie JuOisdie Zeitung!