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Jüdische Zeitung · 1917-04-20 · 16 (20.4.1917) · p. Seite 3

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Journal
Jüdische Zeitung
Volume
11 (1917)
Issue
16 (20.4.1917)
Date
1917-04-20
Page
Seite 3 (sequence 3)
Language
German
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JÜDISCHE ZElTUNd Seite 3 nisr und seine Intensität ist für sie'Privatsache. Eine Verquickung autonomer und ritueller Fragen würde den inneren Kampf vervielfachen]. Die den polnischen Juden zustehenden Rechte müssen unabhängig von -irgend ävelcher Form des religiösen Bekenntnisses gewährt werden. _ Eine Asisirnilierung der Juden nach westeuropäischem Muster (die /mir, nebenbei bemerkt, * für Westeuropa auch wünschenswert erscheint) kommt in Polen vorderhand [gewiß night in Betracht. Darüber sind sich alle "wirklichen Kenner des Landes einig. Es bleibt daher gar nichts anderes übrig, als sowohl den Juden wie auch den anderen, in Polen 'wohnenden nationalen Minderheiten ehe wahre und peilte (Autonomie Zuzüge stehen. Eher wird nian in Polen eine ruhige Entwicklung kaum erwarten dürfen, und für die 'aUch in der polnischen "Bevölkerung nicht gerade seltene nationäl-chaüvinistisfche Stimmung würde eine solche nationale Autonomie, der Minderheiten von besanftigend-regulierender Wirkung seitn Polen ist ein Nationalitätenstaat, wie alle Oststaaten'. Der Nationalitätenstaat der Zukunft aber wird nur dann noch lebensfähig sein, wenn er den innerhalb seiner politischen Grenzen wohnenden Nationen Autonomie gewährt. Ein anderes Mittel, den Gesamtstaat zusammenzuhalten, gibt es nicht mehr, und mit Oesterreich-Ungarn •Zukunft steht es ebenso. Die politischen Wirkungen Mer Nationalitätenkämpfe, die sich an unseren Reichsgrenzen vor dem "kriege abgespie’t haben, sind auch für uns' Deutsche während dieses Kampfes deutlich geworden. Und gerade der geographisch nicht günstig gebettete deutsche Nationalstaat hat Gel triftige- Gründe, sein Teil mit dazu 'befzütragen, •daß. es auf diesem Gebiet bessefr' und ruhiger wird. Das neue Rußland hat seiner jüdischen Bevölkerung bereits volle Gleichberechtigung gewährt .Wäre es da nicht 'an der Zeit, die Juden- Polens darüber Zti beruhigen!, daß ihinen die nationale Gleichberechtigung nicht vorent» haften» wird? Politische Imponderabilien standen zwar vor dem Kriege bei uns nicht allzu hoch im Werte,]aber inzwischen dürfte m!an wohl einiges hinzugeiernt haben. Die jüdische Bevöfke- ,ruug ist für die Entwicklung des polnischen Wirtschaftslebens unentbehrlich, und sie hat vor diesem Kriege eine ebenso bedeutsame Rolle in der Abwicklung des russisch-deutschen Wirtschaftsverkehres gespielt, wie sie das im1 wiederhergestellten Frieden aufs neue tun wird. Auch von diesem Gesichtspunkte ans wäre es fatsch, ihre berechtigten Wünsche nicht zu erfüllen. Niemand, der sich die Mühe gegeben hat, die polnischen Dinge kennen zu fernen, kann bezweifeln, daß die Juden die Anerkennung und den Schutz ihrer nationalen Rechte mit aber In- Krurtst einer sich ihres Volkstums bewüßte'n Nation verlangen. Und das jüdische' Volk in Polen haj ein Recht darauf, daß auch ihm' der Weltkrieg, die langersehnte Freiheit und den Eintritt in die am Fortschrittder Menschheit schaffende Reihe-der Nationen bringt. Das wurde .-nicht «ur"zum Besten der Juden selbst dienen, sondern auch dem polnischen Staate zum' Heile gereichen und im1 wohlverstandenen Interesse des Deutschen Reiches liegen.“ Der erste Führertag des Oesterreichischen Bundes für jüdisches Jugendwandern“ Trotz der Schwierigkeiten, die sich für den Bund, dessen Führer zum1 größten Teil im1 Literarische Nachrichten Mit einem vielversprechenden Doppelheft (Apfril-Mai) wird die Monatsschrift „Der Jude“, herausgegeben ,vom^Martin Bub er zu Ende dieses Monats ihren zweiten Jahrgang eröffnen. Wir machen 'auf dieses ta. 150 Seiten starke Heft aufmerksam; es wird eine Fülle der schönsten 'Beiträge enthalten; von B u b e r ‘Unser Nationalismus“; Chasanowit sch „Der jüdische Kongreß“; "Arnold Zweig „Jude und •Europäer; Prof. Seli'giiiann „Gedanken über .Emanzipation; Siegfried B e r n f e I d; Assimilation um "der Menschheit (willen; Max Brod „Zwei Welten“; Moses Schorr „Rechtsteüfung und innere Verfassung der Juden in Polen“; Adolf Böhm Systematische Palästinakolonisation“; Sigmund B r o m b e r g- By t k o w s k ij .^Vergessene Kunst“; Armeerabbiner Leo Baeck , Lebensgrund und Lebensgeha’t“: Arno Nadel ,(Der erste Satz der Bibef“; Ernst Müller „Uebertragungcn aus dem Buche Sohar“; Gustav Landauer „Strindbergs Historische,Miniaturen“; Martin B u fi'e r „Vorbemerkung über Franz Werfel“; Franz W e r f e!•’ „Der Gerichtsttag (Sechzehn Gedichte); Ein jüdisches Soldatenlied; ferner Bemerkungen von Moses C a I v a r y, „Der Westiude als Kult’-rdünger. Eine Abwehr“; Hugo Bergmann, Verua’tung“; ^llax (Mayer Wilnas Kriegsverm achtes; Helene Hanna Cohn , Das JudenSchiff“. — Der Preis des: Doppelheftes beträgt K 3.60; das Abonnement Vierteljährlich K 4.30. Zu beziehen durch alle Buchhandlungen oder direkt von R. Löwif Vertag Wien 1. Bez., Wo 11 zeile 6. Werbehefte und Prospekte gratis' durch den Verlag. Felde stehen, ergaben, hat der jüdische Wan-» derbund seinen ersten 'Führertag in Ölmütz abgehalten. Bestimmend dafür war die Erkenntnis, daß das Fehlen der Führer durch einen festeren Zusammenschluß der Bünde weniger fühlbar gemacht werden und 'nun gegenseitige Hilfe der -Ortsgruppen -einsetzen soll. Die Berichte der einzelnen Bünde ergäben, daß sie sich (fast alle trotz des Krieges gift entwickeln und neue Ortsgruppen im Entstehen begriffen sind. Es bestehen gegenwärtig 16 Ortsgruppen, und zwar; in Bielitz, Brünn Budweis, Iglau, Komotau Linz, M. Ostrau, M. Schönberg' Ohnütz, Prag, Proßnitz, Reichenberg, Tep- Btz-Schönau, Troppau, Wien .und Znaim. Die Bünde,- die je nach den Ortsverhältnissen verschieden stark äinef, zeigen., daß überall der beste Teif der Jugend sich ihnen zugewendet hat, als einer Organisation, /die auf dem Wege ist, "die Organisation der jüdischen Jugend zu werden. Die Referate, die* den Berichten folgten, behandelten Fragen, die im Mittelpunkt des fnfdVesses der Führer stehen. Dl*. Meislstner (Olmütz), der über „die Erziehung zum) Judentum“ sprach, betonte die Wichtigkeit des Erfernens 'der hebräischen Sprache, die Kenntnis der jüdischen Geschichte und vor allem1 die lebendige Feier der jüdischen Feste Zur Erweckung und Stärkung efes Volksgefühles im jüdischen Kinde. Gerade durch die Feste werde .(das Anderssein“, „das judescin“, hervorgehoben. Dr. Glanz (Wien), besprach alle kulturellen Fragen des Wanderbundes im „Kulturreferat“. Der Wanderbund, führte er an. könne nicht mit dem' Wandervogel verglichen werden, der als selbstverständlichen Inhalt das Wandern in der deutschen Heimat hat. Das "Wandern der jüdi-j sehen Jugend -bedeute das Ueberbrücke i der Zerstreutheit, das Zueinanderstreben der Jun- . gen unseres Volkes. Demi Ansinnen, daß gerifile die Juden Weltbürger ‘Sein möchten utfa fremde Kultur in sich aufnehmen /müßten, muß entgegengearbeitet werden, denn unserer Gemeins’chaft ziemt es „jüdisches Leben“ zu führen, sich der Arbeit am jüdischen Geiste zu weihen. Dem Führer, demdie Rolle des Dieners am' Lichte zukommt, steht die Aufgabe zu, die Selbsterzie- ,hung des Wanderers) zu ermöglichen Als Weg dazu sieht er nebst der eigenartigen Feier der jüdischen Feste und der Einrichtung der Bundesbibliotheken, die jüdische „Eigenbücherei“ und er verlangt die „jüdische Kunst irrs jüdische .Haus“. Er wünscht eine eigene Organisation für die Erlernung der hebräischen Sprache durch Selbstlemmethode, ferner ein eigenes; jüdisches’ Liederbuch und Selbstlerngruppen für Geschichte. Arthur- Weissbart (Mährisch-Schönberg) sprach über den Heimabend, der für die Erziehung genau So wichtig sein Wie das Wandern. Er will, daß die dabei 'dem Kinde gebrachten Dinge ihm wirklich angepaßt sind und ihm überhaupt das gegeben wird, was seiner jugendlichen Fantasie entgegenkommt: die Erzählung von jüdischen Helden. Vor allem aber, meint er, müssen Wir [outen Grund legen 'und kein TeereS Stroh- Feuer entzünden. Außerdem1 bespricht er das. Betreiben manueller Fertigkeiten im Heim. Das letzte Referat: Grete P o 11 a k^ (Iglau); „Freie und ZugsgemeinSchaft“ bespricht »das Werden der Jungen und "Mädchen im Wanderbund. Sie wünscht, daß die Wanderer auch als reife Menschen in anderen Formen sich vereinigen möchten, um dann, ‘fürs Judentum zu wirken. Den Referaten folgten Debatten, hach denen Richt’inien gestellt wurden, die im wesentlichen mit dem’ Inhalt der Referate übereinstimmen. "So wurde beschlossen, 'die Initiative zu einer jüdischen Jugendbücherei zu ergreifen. Nachdem; ein Führerstatut festgelegt wurde, -kamen zum1 Schlüsse Kriegsmaßnahmen wegen Führermangels etc. zur Besprechung. i Die Ergebnisse der Tagung berechtigen zur Hoffnung, daß der Wanderbund wirklich allerorts ein Haft Mer jüdischen Jugend wird. "Es zeigt sich, daß überall der Weg gefunden wird, um schon in Kindern und Jugendlichen .den Wunsch nach Gesundung und -jüdischer Lebensgestattung wachzurufen. Dem Bient vor a’lem Eie Wanderung, [die unsere JugemT der Natur Wieder nähert und ihr, neues, starkes Körperbewußtsein und Trohsinn bringt. Doch der Weg der geistigen Gesundung ist nicht der der Freude, sondern der des) Leidst, Nur wenn unsere Jugend ganz das Leid unseres Volkes empfindet, "kann sie das werden, was wir von 'ihr erhoffen; Menschen der Tat, die wissen, "daß es nicht feicht ist, ein ganzer" Jude, zu sein, die aber stark sein wollen, um ihr Volk glücklicher zu machen und die ihr eigenes Glück dabei finden. SeTma Glanz-Sohar. Pejsach in Gefangenschaft in Taschkent* Ich war 1P Monate in russischer Gefangenschaft in Taschkent und habe somit alle jüdischen Feiertage dort erlebt. Wir stehen jetzt vor Pejsach. Ich will, kurz schildern, wie die Taschkenter Juden zu Pejsach ■für'ihre gefangenen Brüder sorgten. .*) Der obige Brief geht uns von. einem ehemaligen Kriegsgefangenen in Russisch Asien zu; wir veröffentlichen ihn ohne weitern Kommentar. National-jüdische Buchhandlung R. LÖHNT, WIEN I. Rotenturmstraße 22 AUS UNSEREM ANTIQUARIAT: 1. Anln: Die Nitionalitätenprobleme d. Gegenwart. Statt K 1.50.oort —.80 2. Herz! Theodor: Philcsophische Erzählungen. (Vergriffen.).nur K 7JW 3. Birnbamn Nathan: Ausgewählte Schriften. 2 Bände. Statt K 12.—.nur K 8.— 4 Bober Martin: Vom Geist des Judentums. Statt K 7.20. ..nur K 5.50 5. Brod Max: Tycho Brahes Weg zu Gott. Roman. Statt K 6.40.nur K 4.50- NEUIGKEITEN UNSERES VERLAGES: 1. Jizchok Leib Perez: Chassidische Geschichten. (Vollständige deutsche Ausgabe.) Gebunden nur K 7.20 2. Bober Martin: Volker, Staaten u. Zion K 1.50 3. Max Rosenfeld: Polen und Juden . . . K 1.50 4. Abraham Schwadron: Mauschelpredigt K —.80 5. Nathan Birnbanm: Den Ostjuden ihr *; Recht.K —.80 - Prospekte und Kataloge gerne gratis. Versand ins Feld und in die Provinz. Zuerst wurde bei der Militärbehörde erwirkt, daß alle jüdischen Gefangenen ab „Erew Pejsach“ nachmittag,.während der 8 Feiertage von 7 Uhr morgens an in< die Stadt beten kommen sollen. Ein besonderes Lokal mit Tischen und Bänken von den dortigen Juden versehen, wurde den Gefangenen zur Verfügung gestellt. Dort befand' sich auch ein großer Garten, wo eine Küche errichtet wurde. Ein Komitee, aus den besten jüdischen Kreisen sorgte, daß es den jüdischen Gefangenen während dieser 8 Tage an nichts fehle. Fische, Fleisch, Kartoffel, Mazzes und so weiter gab es in Hülle und Fülle und am ersten Sederabend waren Juden aus Berlin, München, Prag, Brünn, Peczenizyn und Sadagora bei einer Mahlzeit, wie sie schon' lange »nicht gekostet hatten, beisammen. An „Chasunitn“ hat es nicht gefehlt und es wurde täglich andächtig gebetet. Täglich waren in unserem Kreise die angesehendsten jüdischen Bürger. Und man konnte merken, daß" alle diese Herren, Frauen und Mädchen glücklich waren, den Gefangenen helfen zu können. In Taschkent dü'rfen'Juden (nicht wohnen und es gibt nur ca. 300 jüdische Familien, die das Wohnrecht dort haben. Niemand von ihnen hat es unterlassen, zu uns zu kommen und die meisten zu ermutigen. Es waren Viele gar nicht unbedeutende Leute unter ihnen. Auch für die außerhalb der Stadt, im Kreise Taschkent befindlichen Kriegsgefangenen wurde reichlich gesorgt. Wenn man bedenkt, daß 800 bis 1000 jüdische Gefangene zu versorgen waren, kann man einen Begriff haben, was das alles die dortigen- Juden kostete. Nach den Mahrzelten sind jüdische Lieder gesungen worden — es war eine jüdische Atmosphäre. Abgesehen von der Verpflegung, 'freute uns schon viel, daß man acht Tage nicht in den Baracken saß und frische, reine Luft einatmen konnte. Ja, das kann nur einer empfinden, der es erlebte. Nicht (nur an. diesen Feiertagen, an allen jüdischen Feiertagen ist von den dortigen Juden reichlich für ihre Brüder gesorgt worden. Und noch vieles, sehr vieles haben ilie russischen luden für ihre verbannten Brüder 'Gutes getan. Wer Geldunterstützung brauchte, "i-g nicht mit leeren Händen davon. Wenn Winter kam1, wurden warme Decken verteilt und gegen Krankheiten. besonders Mafarin, hatten wir Arzneien in Hülle und Fülle von ihnen. Nicht bloß einer h’t sein Leben den russischen Brüdern zu verdanken und wenn ich »Einzelfälle nennen wollte, müßte ach ein ganzes Puch schreiben. Nicht nur in Taschkent, sondern in allen Teilen' Rußlands soll es nicht anders gewesen sein. Ich konrt-' es bei meiner Rückreise von jüdischen Gefangenen, die .auf anderen Stellen untergebracht waren, hören. Als ich dort war, dachte ich und auch jeder von uns, daß in der Heimat unsere Brüder, gegenüber den russischen gefangenen Juden in gleicher Weise handeln, daß wenn sie einmal nach Hause kommen werden, das Gleiche zu erzählen haben werden, und jetzt...? Isaak Blech. Aus der jüdisehen Welt Aus den Departements des polnischen Staatsrates. Auf der letzten- Sitzung des provisorischen Staatsrates verlas der Vizevorsitzende die Liste der Personen, die vom Staatsrat als Mitglieder der verschiedenen Departements ernannt wurden. Darunter befand sich für das Finanzdepartement der iüdjsche Finanzmann und Rechtsanwalt Herr Josef Kerenbau m-, für das Departement für Religion und Ku’tusangelegenheiten der Sekretär der jüdischen Gemeindeverwaltung Rafael Kempner und für das polnische Departement der gelehrte Jurist Simon Rundstein. Die politische Stellung des Letzteren ist bis je' unbekannt, die anderen beiden vom Staatsraf geladenen jüdischen Denartementsmitglie-' hören den extremen Assimilanten an.

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