Jüdische Zeitung
- Journal
- Jüdische Zeitung
- Volume
- 11 (1917)
- Issue
- 13 (30.3.1917)
- Date
- 1917-03-30
- Page
- Seite 3 (sequence 3)
- Language
- German
- Belongs to
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JODrSCHE ZEITUNO Seite 3 Nr. 13 Eltt Gesuch, daß auch die Frauen fii deri Vofstartd der jüdischen Gerrte'rtden wählbar seien, richtete der Vorstand des „Israelitischen Frauen- Ver’eins“ in Sierin an den Verband der israelitischen. Gemeinden Italiens.,. interessant ist ihre Begründung:.Die Männer.kunftridrfen sich zu wenig um. die. Interessen des ..Judentums;, die Aufgabe falle den Frauen zu, die vqii den Vörfähren ererbten Güter den heuen Geschlechtern zu überliefern. Eine. Jüdische Kulturkonferenz findet vom 26. bis 28. März in Warschau Statt. Sämtliche Gebiete Jüdischen Kulturschaffens werden zur Sprache# kommen: die Schulfrage, die Snrache, Volkslieder»- Volksmärchen und Volksmusik, Literatur. Theater, Bibliotheken, historische Altertümer (Gfündung eines nationalen Museums). Jn der 6. Sitzung soil die Organisierung eines ZeHtrdlbfirÖs, einer Eibliöfhekkoniniigrictl. eines Votksveriägs Geräten werden. Die Konferenz trägt einen unparteiischen Charakter; alle Plldiings- Vereine und Kiiltiiror"?tlisati0nen von Po’en können sich an ihr beteiligen. _ . Eine. Sghimiung .und Darstellung aller die .lüden befreffehdeti. Gesetze in Polen wurde von dem Advokaten Ki r s ehrö t.Verfaßt. Die Verwaltung der jüdischen Gemeinde in Wärschati hat beschlossen, das Werk auf Gemeindekosten herauszugeben. Die .luden im po'n'sch n KuIti'sdeDartenient. Der nolniscbe Staa*srat forderte die Warschauer. Gemejndeverwaltunoauf, ein Mitglied zum Staatsrat für indische ReliTion'anueleuenheiten abzuordnen. Darauf wurde Sekretär Kem'pner a’fs ständiges Mitglied in Hie Abteilung für Religion und öffentliche Bildung zugezogen. Die Orjm’sationsverssntm’un* des indischen VolUrkhib' fand am 11. März in Warschau statt. 400 Personen aus einer <rrößeren Zahl vo.n Mitgliedern, die sich der Vo'kspartei an^eschlossen haben, nähmet! an der Sitzun" teil, die Prihitzki erpffnetC: Stiipnicki utld Nömberg sprachen. Die Mitcrlieder setzen sieb aus der Klasse des Mittel1 Standes, Kmifleuter, Handwerkern zusammen. Ein Gese'z. d*s Jedn Rechtsunnleichhelt vm Klar.-->n, PnlVicnTtt und Na^o-aTa^en abscha'ft, wird in. Rußland. wie Lvoner B’ätter aus Petersburg melden, vom Justizminister Kerenski vorbereitet.' Die Jüdenfrage im neuen russischen Regime. Wir entnehmen, der „tVoss.Ztg.“ vom .25. ds. M. folgende Meldung ihres Stockholmer Berichterstatters: Man bat Grund zu der Befürchtung, daß auch1 die neue, russische Regierung nur höchst unwillig und unvollkommen an ' die Lösung der Jüdischen Frage in Rußland herantreten' dürfte. Die russischen Juden haben nicht übersehen, daß an der Spitze des neuen russischen Ministeriums der Semstwopräsident "Lwow steht, der sich 1m- •Tft'er 'hegen dfe Heranziehung von /liefen zur iSemstwoaFbeit 'gewehrt hat. Mit Furcht, wenn Inicht gar mit Unwillen wurde festgestellt, cfaß [zu den hervorragendsten Mitgliedern der neuen [Regierung der Kriegsrninister GutSchkow zählt, Icfer, was weiteren Kreisen gänzlich imbekannt Izu sein scheint. Mitbesitzer und VenvaTtüngsrät Ider iüderihetzei'chcn „Nowoje Wrem'ja“ ist, Aljer |attch einzelne Tatsachen aus der alTerjüngsten I Zeit beweisen, daß die russischen Juden allen Grund zti den ernstesten Befürchtungen haben. Als Miliukow neulich von dein Petersburger Vertreter der .^Central News“ über Seine SteUung- ». nähme zur Judenfrage befragt wurde, wich er j einer - genauen Antwort aus und begnügte sich f mit der allgemeinen Redensart, die russischen Juden würden „in Zukunft“ alle Rechte der. russischen Untertanen erhalten. Als ferner Gutsch- Etend brach' über Russisch-Polen unid Galizien herein und die Juden hatten am meisten darunter ZU leiden. Es schien, aHs müßte unser stolzer Bau Unter der Wucht der Ereignisse Zusammenstürzen. Zu fest aber hielt-das Band unserer hehren Religion alle Schichten de« Volkes zusammen, zu tict hatte schon, r'nser Ideai Wurzel geschlagen in den Herzen 'des indischen Volkes, als daß cs im Wirbel des Welfto'i-ns untert uchen könnte. Wir hielte t stand und blieben Sic her. — — — Nachdem ieh Hie Posten visitiert, dfe Drahthindernisse besichtigt und alles in Ordnung gefunden hatte, Hng ich in den Unterstand zurück. Da bot sich meinem Blicke eine überraschend schö-’c Szene dar, die mich - mit ungeheuerer Freude erfüllte. Ith habe in meinem Schwarme drei jüdische Soldaten, brave, tüchtige Leute. Da saßen sie in einer Ecke des Unterstandes und in ihrer Mitte auf einem Baumstumpf stand ein kleines Gefäß mit Oel, in welchem ein Lichtlein brannte. Eber, hatte es der eine, nachdem er-den Segensspruch „le hadlik nier schel Chanukah“ gemacht, entzündet. Nun saßen sie da mit verklärten Gesichtern und Hoffnung und Zuversicht auf eine bessere Zukunft, leuchtete aus ihren Blicken. Ich \yar tief bewegt. Ich trat hinzu und drückte; ihnen stumm die Hand. Das sagte mehr als Worte. Ein jeder von uns fühlte die Erhabenheit dieses Augenblickes. Und nun, ohne daß jemand zuerst begonnen, -ertönten anfangs leise und dann immer mehr anschwellend die herrlichen Worte unseres Nationaliiedes. — _ _ _ _ Möge nach einem siegreich beendeten Kriege das kleine Chanukahlichtiein zu einer großen Flamme der Begeisterung werden, die, alle Herzen des' jüdischen Volkes umfaßencj, uns ,*zu unserem nejßersehnten Zjele führt.. . , köw /bald nach seiner Ernennung Zürn Minister von jüdischer Seite befragt wurde, ob er für die Eröffnung der' ÖfBziershufbahn fiür die im-Felde stehenden jüdischen Rritfger eiptreten we-de, erwiderte er ausweichend, die Offiziers-Ernennungen hingen nicht von ihm ab. Des weiteren sei festgestel'.t, daß die russi;chen Konsulate * im rieiiirdlen Aus'ande nach wie vor die Paßvisiefürig näcH .Rußland -für ncutra'e ausländische luden .verweigern', üST daß dahingehende drahtliche Anfragen an die Petersburger Zentralinstanz unbeantwortet bleiben. Anfragen der Petersburger, Moskauer und Kiewer Juden an deri Heuen Unterrichfsminister M-anuilow. oh die jüdischen Abiturienten ru-mehr auf die Aufhebung des Hsheri"en Eins'-hränkuncrsgeietzea we 'en der 1mmatnt.-u'aü'an 'üdischer Studenten rechnen dürfen, wurden mji der gleichfalls ausweichenden ‘Antwort beda-ht: Die Re"ierUn" werde diese Frage im 4U"e hehalfei. Höchst bemerkenswert ist es, daß die neue russische Regierung in ihren bisherigen unzähligen Manifesten es sorgsam vermieden hat, über die gerade in Rußland so außerordentlich wichtige Jtldenfr-age eine deutliche und bündige Erklärung äbzugebeö. Die nr.'-'Vhe Revolution e;n Werk c’er J''tfen. Die .^Nat.-Ztg.“ meldet von der russischen Grenze : Soweit es sich hisheöberaeheh faßtfet die Haltung der Puie-n noch außerordentlich unbestimmtsie sind, wje der Bauernabgeordnete Gorodihiff erklärte, keweswe-c« bereig ohne weiteres mit der neuen Reuierun" durch Dick und Dünn zu gehen. Da m kommt, daß in riet! letzten Tagen eine eifrige Propamn’a unter "den Bauern von den aus Petersburg geflüchteten Abgeordneten der Rechten zugunsten einer Gegenrevolution betrieben wird. Auch die echtrussfschen Verbände sind eifrig -an der Arbeit, um die Bauern "egen die neue Regie'run" .äufzuhetzen. Gefährlich ist es. daß die ,-.Ech<nussen“ die Petersi-urner Revolution afs ei" Werk der Juden und Judenfreunde hinstellen. Der Führer des Patriotenverbandes Duhrowin erließ einen Aufruf an die Bauern des Gouvernements Cherson, in dem er hervorhebt, daß die Juden in "Begriff seien, den Zar zu fangen, die rechtgläubige Kirche zu stürzen und eine Judenherrschaft in Rußland zu begründen. Es muß damit gerechnet werden, daß die Bauern, getrieben vom antisemitischen Haß, eine Gegenrevolution ins Werk setzen oder, was mindestens ebenso gefährlich ist. den T)rganen der neuen Regierung keinerlei Lebensmittel und landwirtschaftliche Produkte ausliefern. Im letzteren Falle würden die Bauern die ArBeitermassen gegen 'die neue Regierung in Bewegung setzen. ■ : ' ' ’ r 1 Die amerikanischen Banken für die Entente. Das Reutersche Bureau meldet: Das große amerikanische Finanzhaus Kuhn, Loeb & Co. gab bekannt, .daß es infolge Zier Ereignisse in Rußland und .'anderer Vorfälle seine Unterstützung der Sache der Alliierten nicht länger versagen werde. Dokumente der Zeit ,,Wehe dem Staatsmann, der die Zeichen der Zeit nicht. erkennt. Wehe dem Staatsmann, der glaubt daß wir »nach einer Katastrophe, wie sie die Welt überhaupt Poch nicht gesehen hat, deren Umfang wir Miterlebenden und Mithandelnden überhaupt noch gar nicht verstehen können, der nach einer solchen Katastrophe glaubt, er könne einfach wieder an das anknüpfen, was vorher war, daß er einen neuen und jungen Wein in die alten Schläuche füllen könnte ohne daß sie zersprengten? Wehe dem1 Staatsmann!“ (Reichskanzler v. Bethmann HbIIweg in der Sitzung des preußischen Abgeordnetem hauses vom 14. März .1917). „Ich habe auch immer eine heillose Angst, wenn ich höre, daß irgend ein getaufter Jude in einem Amt sitzt (Heiterkeit bei der Majorität und Rufe: Wir auch!\ weil, wenn ein getaufter Jude in einem Amte sitzt, wo er eine Exekutivgewalt auszuüben hat, dieser getaufte Jude;, um seine Objektivität zu beweisen, seinen eigenen Ras«cngenossen ire"enüher die größten Ungerechtigkeiten begeht.“ (Zwischenrufe bei der Mehrheit). (G.-R. S k a r e t in der Wiener Gemeinderatssitzung vom 13..Al[3rz 1917). .Portofreie christEchsoziale Agitation. Das Präsidium des Zweigvereins Hernals des Patriotischen Hifsvereins vom Roten Kreuz versendet, wie wir mitteilten, in seinen portofreien Rote-Kreuz-Briefumschlägen christlichsoziale Agitationsschriften. Dieser Mißbrauch der aus Kriegsfürsorgerücksichten gewährten Portofreiheit von Briefen des Roten Kreuz hat nun, wie wir hören, beim Gefällsgericht zu einer Untersuchung gegen den Hernälser Bezirksvorsteher Karl Kretschek und den Gemeinderat Josef Leitner geführt. So weit, so gut. Wir vermissen jedoch bisher eine Aeußerung des österreichischen Bundespräsidiums des Roten Kreuz“. („Der Abend“ in seiner Ausgabe vom 13. März 1917). Der Träger des Nobel-Preises für Medizin, Dr. 'Robert B a r a n y, der bekanntlich die ihm sonst versagte ordentliche Professur an der Universität in Upsala angenommen hat, übergab vor seiner Abreise von Wien der Direktion der Uni- Neue jüdische Bücher von denen man spricht: 1. Judenfrage in Polen: Rosenberg, Polen und Juden . K 1.50 Kempner, Die jüdische Frage in Polen.103.20 Gothein. Das selbständige Polen als Nationalitätenstaat. . K 2J>& Book, Deutschland und Polen . K 3.20 Neue jüdische Monatshefte, Heft 10 und 11 ä.K —.64 enthalten sehr wichtige Beiträge zur Judenfrage von Leo Rosenberg (Wilna),' Dr. Hermann Kadisch (Wien), Prof. Dr. Hirsch (Köln), Lazar Abramson (München). 2. Geschenkwerke fiir Pessach: J. L. Perez, Die goldene Kette . K 2.40 Luxusausg. in wundervollem Ledereinband.K 25.— — Chassidische Geschichten. Erste vollständige Ausgabe in deutscher Sprache, brosch. K 6.— kart K 7.20, Geschenkband K 8.— Tagebuch für die jüdische Jugend. Schönstes Geschenk für blau-weiße Turner . . . K 3.20. Zuckermann, Gedichte (bis auf wenige Exemplare vergriffen . K 2.40 Prompter Provinzversand. Kataloge gerne gratis und franko. Einrichtung von jüdischen Bibliotheken. HationalsJBdiscfrc Bucbbanflliun R. fcöwit, Uienl, Rtfentupmstp.22 versitätsbibliothek (dein Betrag von'K 2000 mit der Bitte, diesen Betrag a!S' Zeichen der Dankbarkeit für die große wissenschaftliche Förderung, die er durch viele Jahre an der Wiener Universität erfahren, unter die — Bibliotheksdiener zu verteilen. JWiener Tagesblätter vom 28. Marz 1917). Zionistische Bewegung Die belgische zionistische Vereinigung bereitet einen Parteitag in Holland» vor. Wie wir dem Israel. Wochenblatt f. d. Schweiz (Nr. 11) entnehmen, hat die der belgischen Föderation angeschlossene Misrachigruppe in Scheveningen die Beschickung des Parteitags abgelehnt, weil die Leitung der Föderation nur jenen Mitgliedern ein passives Wahlrecht zubilligte, die vor dem Kriege in Antwerpen gewohnt hatten. Sie erblickte darin eine Brüskierung der Ostjuden, die während des Krieges lieber ihren Anschluß an die nur dem Namen nach belgische, in ihrer Zusammensetzung jedoch fast ausschließlich ostjüdische Föderation, als an die nach Sprache und Art fremde holländische Landsmannschaft vollzogen hatten. Sie sah darin die Aufrichtung, einer Scheidewand zwischen Ostjuden und — Ostjuden. Auch die Vereinigung „Haschachar“ hat einen Protest gegen diese Maßregel der Föderationsleitung erlassen. Dem Geiste dieses Beschlusses entspricht auch die Ablehnung des Gesuchs einer ostjüdischen zionistischen Vereimoung in Amsterdam um Aufnahme in die Vereinigung. Die zionistische Vereinigung Hasfchachar hat beschlossen, dem belgischen Parteitag eine Resolution vorzulegen, daß die Tagung erwarte, das E. A. C. werde alle Anstrengungen machen, in diesen entscheidenden Zeiten di“ Verwirklichung des Baseler Programms zu erreichen. Kartell jüdischer Korporationen der Schweiz. Samstag den 17. Februar, fand in Bern die Sitzung des Chargiertenkonvents des Kartells Jüdischer Korporationen statt. Es waren vertreten: die „Kadimah“ — Bern, die „Ivriah“ — Zürich und die ..Nehardea“ — Pasel Außerdemnahmen an der Sitzung die Herren Dr. Stender, Präsident der Zionistischen Ortsgruppe Bern, und Dr. Wyler, Aktuarde' neugewühlten Vorortes des Schweizer Zionistischen Landesverbände', teil. Zunächst befaßte sich der Konvent mit der Stellungnahme zum Delegiertentag der schweizerischen Zionisten. Es wurde einstimmig beschlossen, für die neutrale Haltung des Landesverbandes einzutreten. Der neu zu wählende Vorort soll in Uebereinstimmung mit dem E. A. C. arbeiten. Aus diesem' Grunde wurde auch beschlossen die Verlegung des Vorortes nach Bern zu befürworten. Es wurde ein detailliertes Kulturprogramm für die Tätigkeit des neuen Vorortes aiifgestelit. Dieses Programm wurde in einer Resolution für den außerordentlichen De'egiertentag formuliert. Hierauf befaßte sich der Konvent mit der Frage der Einberufung eines Kartelltages z'*r Aus-» spräche über die wichtigsten zionistischen Fra-