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Jüdische Zeitung · 1917-03-02 · 9 (2.3.1917) · p. Seite 4

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Journal
Jüdische Zeitung
Volume
11 (1917)
Issue
9 (2.3.1917)
Date
1917-03-02
Page
Seite 4 (sequence 4)
Language
German
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Seite 4 JÜDISCHE ZEITUNG Städten evakuierten jüdischen Bevölkerung die Freizügigkeit in ganz Polen .zu gewähren. Sollten die Behörden darauf bestehen, die oben genannte jüdische Bevölkerung im Charakter der. Internierten weiterzubehalten, so soll vorgeschlagen werden, die Evakuierten ihrem Wunsche gemäb nach anderen Orten zu bringen, 2. Es soll ein Zentralkomitee der Hilfeleistung für die polnischen Juden organisiert werden, in das sechs Delegierte des gegenwärtigen Komitees, sechs Delegierte der Kommission bei der jüdischen Gemeinde, sechs Arbeiterdelegierte aus Warschau und Lodz, drei Delegierte aus Lodz, je ein Delegierter aus den Kreisstädten und Vertreter der obdachlosen evakuierten Bevölkerung gewählt werden sollen. Die Konferenz spricht den Wunsch aus, dah dieses Zentralkomitee in der nächsten Zeit organisiert wird. 3. Absendung einer Delegation nach Amerika zwecks Anknüpfung unmittelbarer Beziehu-gen jzu den amerikanischen Spendern, damit das ganze für die polnischen und litauischen Juden bestimmte Geld direkt an das zu gründende 'Zentralkomitee in Polen gerichtet werden könnte. Sämtliche jüdischen Studenten der Un'versität Warschau haben, wie Wiener Tageszeitungen zu berichten wissen, ihren korporativen Eintritt in die polnische Legion beschlossen und angemeldet. Eine neue Wochenschrift in jidischer Sprache, erscheint seit kurzem in Warschau unter dem Namen ,,Das Volk". Meldung fber eine Milderung der Lage der Juden In Rußland. Nach der „Rußkoje Wolja“ beabsichtigt Minister Protopopow ohne Ermächtigung der Duma und ohne einem Verfassungsparagraphen einer Maßnahme Gesetzeskraft zu verleihen, die Beschränkungen! für die luden in Rußland teihveise auf-l zuheben. Die Juden sollen im Handelsverkehr! nicht anehr behindert werden. Sie dürfen Kontrakte für Eisenbahnbauten abschließen und Aktiengesellschaften begründen, was bisher verboten war. Zur weiteren Erleichterung 'der Lebensbedingungen der Juden wird Protopopow die Gouverneure in den Provinzen anweisen, diejeni-. gen Juden, w'elche dort kein Änsiedlungsrecht haben, nicht weiter zu belästigen. Auch sollen diejenigen Juden, welche in dem jetzigen oder in dem japa-ischen Kriege verwundet oder verstümmelt wurden, dieselben Begünstigungen erhalten wie die Russen. Die zweite Jahreskonferenz der jüdischen Kriegshilfsorganirationen tagte vom 21. bis 23. Jänner. Der Oberrabbiner von Stockholm, Herr Dr. Markus Ehrenpreis, führte den Vorsitz. Zur Konferenz entsandten sämtliche jüdischen Hilfskomitees in Skandinavien Delegierte. An der Konferenz nahm eine große Anzahl von^G Fisten teil; auch die einheimischen Juden beteiligten sich und stellten ihre Mithilfe in Aussicht. Auf der Konferenz wurde die Frage einer intensiveren Hilfsarbeit erörtert Ein großes Programm für das kommende Jahr wurde festgelegt. Auf der Ta'mn'j selbst wurden 50.000 K für Hilfszwecke gezeichnet. Schlechte fi'a-z:eFe Lage der hebräischen Schriftsteller. Der „Hatoren“, die hebräische Zeitschrift in Amerika, hat einen „Schriftstellerfonds gegründet Immer häufiger wurden die Briefe und 'Bitten, die an den „Hatoren“ aus den verschiedenen okkupierten und-kriegführenden Ländern wegen Hilfe für die jüngeren Vertretern der hebräischen Literatur gerichtet wurden. Dieser Fonds ward hoffentlich manchen hebräischen Schriftsteller in den Stand setzen, auch während des Krieges seine Arbeiten unter erträglichen äußeren Umständen fortzusetzen. (Geldsendungen nehmen der „Writer’s Fund of the Ffatoren. 89 Delancey Street Newyork“ und das „Kopenhagener Büro der Zionistischen Organisation". Kopenhagen K., Hyskenstraede 10. entgegen). Soeben erschienen: SonOersQoppelheft Np.8|9 „des Jüdischen Archivs“ mit Originalberidit von Prof. S. BrombergtBgtitoushi über Die Juden Lembergs unter der Russenherrschaft Preis des Doppelheftes K 1.50 (zuzüglich Zustellung K 1.70) Zu beziehen durch die Buchhandlung R. Löwit Wien, I. Rotenturmstrade 22 (oder durch das Büro des Jüdischen Kriegsarchivs, Wien, II. Praterstt.43) Hebräische Konferenz in Newyork. "Am 10., 11. und 12. Februar wurde in Newyork von der „Histadruth Ivrith" eine Konferenz abgehalten,' an der Vertreter des Hebraismus von ganz Amei rika teilnahmen. Folgende Frage kam unter anderen zur Behandlung: Die Stellungnahme der Histadruth gegenüber jüdisch-nationalen und sozialen Problemen. Hebrew Aid Society Newyork, die eine Abteilung in Berlin besitzt, setzt trotzt der abgebro- Ichenen amerikanisch-deutschen Beziehungen die (Sendung von Geldbriefen aus Amerika nach Pollen fort. Jacob H. Schiff hat anläßlich seines 70. Geburtstages am 10. Jänner, eine große Anzahl von Beträgen gestiftet, deren Totalhöhe noch nicht bekannt ist, aber auf Dollars 750.000 geschätzt wird. 'Aus'den Bestätigungen der verschiedenen' Institutionen, die beschenkt vv'orden sind, gehen bis jetzt folgende Zahlen klar hervor: Pensionsfond für Rabbiner 100.000 Dollars, Amerikanisches Rotes Kreuz 100.000 Dollars, Newyorker Universität 50.000 Dollars, Amerikanisch- Jüdisches Theologisches Seminar 100.000 Dollars, Montefiore Heimund Hospital 100.000 Do1lars, Henry Street Siedekmg 25.000 Dollars. Benno Rosenstrauch Die Zionistenschaft von Su'zawa (Buk.) beklagt wieder das Ableben einer ihrer Getreuesten. Unser lieber, erst 25 Jahre alter 'Benno Rosenstrauch fand am 25. Februar 1917 nach einer schweren, auf dem W'olhynis'cheh Kriegsschauplatz zugezogenen Erkrankung in einem Feldspital als Leutnant des 99. Inf.-Regt., den Tod. Wir ibeweinen in dem jungen Toten einen unserer liebevollsten Mitmenschen und aufopferungsvollsten Juden, der vom 15. Lebensjahre bis zu seinem so frühen Lebensende mit Seele und Tatunserem Volke und dessen Renaissance gehörte. In den Mittelschuljahren schon ein begeisterter ” Zionist, wuchs er während seiner juristischen Hochschuljahre, die er vor Kriegsausbruch absolvierte, in seiner zionistischen Arbeitsstätte „Tikwah" zum glühendsten Verfechter der zionistischen Sache in Suczavva heran. Mit Hingabe widmete sich Benno Rosenstrauch zionistischer Werbearbeit unter der studierenden Jugend und arbeitete an dem Ausbau des Jüd. Nationalfond in Suczawa, den-er im Jahre 1911 und 1912 mit großem Eifer betreute. Mit Kriegsausbruch rückte er zur Heeresdienstleistung ein und focht mit kleinen Unterbrechungen im Norden und Süden; 'er wurde mit der bronzenen und silbernen Tapferkeitsmedaille II. Klasse dekoriert. Er hatte auch das Glück, als Offizier der Kaiserlichen Leibgarde In Schönbrunn mehrere Monate zu dienen bis Zu dein1 am' 6., Jänner 1917 erfolgten Abgang an die Front, von der er nicht mehl zurückkehrte. Noch vor wenigen Wochen äußerte sich unser junger Freund einem .seiner Parteigenossen gegenüber über seine zionistischen Arbeitspläne in SuCzawa und besprach das Programm1 jüdischer Politik nach dem Kriegd in seiner Vaterstadt. Wir, seine Weggenossen, werden ihn nicht vergessen. Wir vereinigen uns in der Trauer um den Dahingeschiedenen, der "eine Hoffnung seines Volkes war, mit seinen Angehörigen, deren Stolz er war, und wir geloben, in seinem Sinne 'fortzuwirken. hold. Ankündigungen Allg. Jüd. Arbeiterverein (Poale Zion). Samstag, den 3. März, 8 Uhr findet im Vereinslokale III., Stefaniestraße 2/HI, ein. Vortrag des Genossen Juris statt. Thema: Durch - Sozialismus zgm Individualismus. Hebr.-akad. Verei-igu-g ,,Hatechijah“, Wien. Samstag, den 3. März um 7i/2 Uhrabends, spricht in unserem Vereinslokale Herr stud. phil. Br,ück über „Chusch hatndini ezef haj'hudim". — Samstag, den 10. März findet ein Vortrag unseres Bb. Zwi K o r e t z statt. 'HebräiSch sprechende Gäste willkommen. Alter Herrenverband. Zusammenkunft Mittwoch, den 7. März; 8 Uhr im Cafe Marienbrücke. Der Vorstand der Brocken.Sammlung für jüdische Arme, bittet dringend um Spenden von Geld, Kleidungsstücken u. a. für seine nächste Verteilung an 50 Arme. Die Spenden können in das Verteilungslokal, Alserstraßc 42 geschickt wurden oder wurden auf Wunsch abgeholt. * Berichte und Korrespondenzen Spende. Gesinnungsgenosse Max Markus spendete für Zwecke des Zionistischen Zentralkomitees für Westösterreich aus Anlaß der 'Ver- / mählung des Obmannes der Landessanvmelstelle des Jüd. Nationalfonds Dr. Emil Stein K20.—r, und aus Anlab des Heldentodes des Gg. Dr. Albert Schönhof ebenfalls K 20.—, zusammen K -10.—. Der Israelitische ‘Temperverein für den* 19. Bezirk hielt Donnerstag, den 1. März 1917 eine Trauerfeier für die gefallenen . Krieger seiner Gemeinde ab. Gg. Herr Dr. Feuchtw'ang hielt die Trauerrede. -Sanok. Der hebräische Mäd.chenverein „I v r i a“ veranstaltete vorige Woche einen C h am i s ch a - a Sa r-A b e n d, der über- . aus gelungen ist. Der Präses der hebräischen Schule, Herr Prof. Appel hielt eine Ansprache. Nach einigen Deklamationen in hebräiScher Sprache wurde der hebräische Einakter „B a Sam fi a s e j f e r aüfgeführt. Die Personen, dargestellt von Kindern der hebräischen Schule, boten ihr ganzes Können auf, um das zahlreich erschienene Publikum zu unterhalten und ihm die Schönheit der hebräischen Sprache vor Augen zu führen. Der überaus große und warme Beifall zeigte, daß die Bemühungen nicht auf unfruchtbaren Boden gefallen waren. Zum Schluß sprach Herr Cäsar Kraminer über das Wirken und den Zweck des Vereines. Es kann' mit Bestimmtheit gesagt ' werden, dab (dem Vereine Ivria wieder eine ganze Anzahl neuer Gönner und Freunde gewonnenwurden. — Sonntag, Iden '11. d. JVl. fand die Geneseltener werden. Schlojme hatte dafür selbstredend kein Verständnis und auch keinen Maßstab, aber die scharfen Augen der Mutter merkten, was sie eben merkten. Die alte vergrämte Chane wunderte sich darüber nicht wenig, dachte vie lnach, woher das nur kommen möge, hielt mit ihrem Mann lange Zwiegespräche, aber zu einem befriedigenden Resultat kam sie nicht. Da wagte sich in dem immer zum Verzeihen bereiten Mutterherzen ein Ahnungsgefühl empor... Vielleicht-... vielleicht... Doch hatte die ehrenwerte Spezereiwarenhändlersgattin keinen besonders scharfen Einblick in die Dinge, die Herz und Seele betreffen, ln Esther ging — leider! — keine Umkehr vor sich. Nicht eine Spur von Reue, Zerknirschung, besserer Einsicht oder dergleichen konnte man an ihr wahrnehmen. Ihre besagten Ausflüge und Ausgänge wurden aber doch seltener, unzweifelhaft seltener und in arithmetischer Progression seltener ... Sogar die Leute begannen es zu merken und verschiedene Kommentare darüber anzustellen. 8. Ihr werdet vielleicht ebenfalls neugierig sein, was wohl der wahre Grund von Esthers Veränderung sein mochte .... Da muß ich nun den christlichen lebenslustigen Herren, von denen ich' vorhin gesprochen, eine kleine Abbitte leisten. Es ging, glaube ich, aus meinen Worten deutlich genug hervor, daß idrihnen samt und sonders eine tiefe und ehrliche-Verachtung entgegenzubringen gewohnt bin. Jawohl, ich hasse sie, die Raubritter der jüdischen Gasse, die einseitigen Philosemiten, aus ganzem Herzen. Ich kann ihnen nichts gutes zumuten, ich kann auf keine Sekundeannehmen, dab sie eines echten menschlichen Gefühles fähig wären. Daneben hielt ich sie aberauch für ganz grobe Naturen, für Dickhäuter allerschlimmster Sorte... Ihre Offiziersröcke, ihre Lackschuhe, ihre Kravatten^ imponierten mir niemals und täuschten mich" nie über ihren wahren Wert hinweg... Und doch — und doch irrte ich (mich ..., Ich bekenne es offen: ich irrte mich. Die Herrschaften sin d Aestheten .. Jawohl, jawohl.. 9 Ungestraft sitzt kein Sterblicher in einem Petroleumladen ein paar Stunden täglich. . “ Freilich muß man nicht sofort so intensiv riechen, wie .beispielsweise unsere Naphtaausträgerin Bajle, die dabei übrigens ein ganz kluges', Sichtiges Weib ist. Mag man aber noch so peinlich rein sein,’ mag man noch so oft die-- Kleider wechseln, den Petroleumgeruch' ist man außerstande los zu werden, wenn man mit Petroleum einen beständigen, wenn auch' geringsten, Umgang pflegt... Man kann wohl diesen-Duft abschwächen, ihn (auf das (Minimum' deduzieren, aber ganz loskriegen kann man ihn, wie gesägt, nicht. Ein Büftchen, ein Hauch eines Düftchens, bleibt immer haften_• Und' die Herrschaften mochten den Petroleumgeruch an Esther nicht ausstehen.... Die Feineren rochen ihn früher, die minder Feinen später. Auf die 'Dauer wollte ihnen aber der Petroleumgeruch' nicht behagen..T- Ihr könnt mir glauben oder nicht — gleichviel, so war es... Sie begannen auszubleiben — allmählich — — nacheinander — — — Es blieben zuletzt -die ganz Geringen, die Kleinen, die Subalternen — aber auch 'die Wurden seltener, und d i e imponierten doch auch Esther zu wenig... 10. Die Mutter schaute und Schaute, traute ihn!»' Augen nicht recht, sah wohl den Erfolg, aber die Glieder in der Kette der Ereignissewurden ihr nie offenbar. j ' Und Esther — — Esther fügte sich auch •dieser Schicksalsfügung, und als ungefähr drei Jahre nach der Hochzeit und zwei nach der Eröffnung deisi Petroleumges'chäftes, das — Gottlob! — nicht Schlecht gedieh, ein Knäblein zur Welt kam. war die Freude aller Beteiligten ganz gewaltig. Sogar Esther taute auf, zum erstenmal im Leben.;. Daß die Freude deb Großmutter die tiefste und innigste war, braucht nicht erst gesagt zu werden. Chane wußte, daß ihre Tochter nun gerettet sei... * Alles, war Schon unter der Sonne — sagten unsere'Väter. Doch daß Petroleum eine jüdisfche Seele aus den Verstrickungendes Bösen zu erlösen vermag, — daS trug sich bei Esther Krumhaum aus d(er Breiten Gasse Wohl zum erstenmal zu... Verborgen ist der Ratschluß des Ewigen und unerforschlich Sind seine Wege!

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