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Jüdische Zeitung · 1917-02-23 · 8 (23.2.1917) · page 1

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Image: UB Frankfurt, Visual Library (IIIF)
Journal
Jüdische Zeitung
Volume
11 (1917)
Issue
8 (23.2.1917)
Date
1917-02-23
Page
– (sequence 1)
Language
German
Belongs to
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XI. Jahrgang — Nr. 8 Erscheint wöchentlich einmal Redaktion: Wien II, Zirkusgasse Nr. 33 Sprechstunden: Montag bis Freitag von 4—7 Uhr, Sonntag von 11—12 Uhr Manuskripte werden, wenn unverlangt, ohne Rückporto nicht zurückgesandt Redaktionsschluß Dienstag um 7 Uhr Fernsprech'Nummer 45*3-25 I Nafional'jüdifches Organ Mit der Beilage: Der Jädifche Naiiönalfonds Wien, Freitag, 23. Februar 1917 / 4 1j Aüar 5677 . '-v; Einzelnummer 24 Heller Geschäftsstelle: Wien II/,, Zirkusg. 38 Geschäftsstunden: Montag bis Freitag von 9—12 u. 3—7, Sonntag von 9—12 Bezugspreise: Ganzjährig K10.—, halbjährig K 5.—, vierteljährig K 3.— Anzeigen und Beilagen nach Tarif Postsparkassen* Konto 133.404 Itlfutlf* Der Prager Magistrat und die „israe- I dH. lijjgdjen« Flüchtlinge. — Der deutsche Der deutsche Nationalverband. Nationalverband. — Davis Trietsch, Die östliche Judenfrage. — Aus der allgemeinen Presse. — Dr. Leschner, Die jüdischen Flüchtlinge aus Ostgalizien iind der Bukowina in Westschlesien. — Aus der jüdischen Welt. — Zionistische Bewegung. — Aus der zionistischen Partei. — Literarische Nachrichten. — Berichte und Korrespondenzen u. a. Der Prager Magistrat und die „israelitischen“ Flüchtlinge. Der Magistrat von Prag hat nachstehende Verordnung erlassen und publiziert: „Unter den galizischen i sra e 1 i tischen Flüchtlingen verbreitet sich der Flecktyphus. Infolge dessen erklärte die Statthalterei alle galizischen israelitischen Flüchtlinge für Flecktyphus verdächtig“ und ordnet an, daß sie auf Grund des'§ 17 des Gesetzes vom 14. April 1916 betreffend die Bekämpfung und Verhütung übertragbarer Krankheiten entlaust und karanteniert werden. „Da eine Gefahr der Verbreitung dieser Epidemie fürdie Prager Bevölkerung besteht, verbietet der Magistrat der Stadt Prag von nun an die Benützung der Prager elektrischen Straßenbahn allen galizischen israelitischen Flüchtlingen bis auf weiteres und macht darauf aufmerksam, daß sie fernerhin zur Fahrt auf den elektrischen Straßenbahnen nicht zugelassen werden können.“ Die im deutschen Nationalverbände vereinigten Führer der Deutschen Österreichs haben während des Krieges eine Tätigkeit entfaltet, die ihren Wählern vielleicht nicht ganz verständlich sein wird. Während der ersten Kriegsjahre haben sie die Öffentlichkeit ■ überhaupt nicht iu Anspruch genommen, erst in den letzten Monaten sind sie aktiv geworden. Sie haben am Sturze des Ministerpräsidenten Korber fleißig und geräuschvoll gearbeitet. Sie haben Wünsche an ihn gerichtet, die wohl noch nie vorher von Parlamentariern vorgebracht wurden. Sie haben von ihm verlangt, er möge durch eine reaktionäre Geschäftsordnung das Parlament halb erschlagen und dieses halb erschlagene Parlament erst dann einberufen, wenn die österreichische Monarchie bereits auf dem Verordnungswege eine neue Verfassung erhalten hat Sie haben ferner verlangt, daß Österreich durch die Separierungseines größten Kronlandes Galizien geschwächt werde und sich mit Händen und Füßen dagegen gesträubt, daß in dieser wichtigen Angelegenheit das Parlament überhaupt befragt werde. Körber hat diese Begehren resolut abgewiesen, er hat das Parlament gegen diese sonderbaren Parlamentarier in Schutz-genommen — und müßte deshalb gehen. Dieser schöne Erfolg der Tätigkeit des deutschen Nationalverbandes ist auch sein einziger geblieben. Über die in der Öffentlichkeit entfaltete Tätigkeit der deutschen Führer zu urteilen ist wohl in erster Linie Sache des deutschen Volkes. Wenn wir von ihr Notiz nehmen, so geschieht dies hauptsächlich deshalb, weil im engsten Zusammenhänge mit dieser „öffentlichen“ Arbeit eine ungemein regere, geheime Arbeit entfaltet wird, die systematische Juden hetze. Von Eingeweihten wurde uns versichert, daß die Behandlung der Judenfrage den breitesten Raum in den Beratungen einnimmt und die Herren geradezu temperamentvoll werden, wenn es sich darum handelt, Streiche gegen die österreichischen Juden zu ersinnen. Der Grund ist leicht erkennbar. Nach der alten, von den sonst so verlästerten Russen entlehnten Methode soll der Zorn des Volkes auf ein passendes Objekt, auf die Juden abgelenkt werden. Den deutlichsten Ausdruck dieser Bestrebungen bietet die dem Verbände unterstehende deutschnationale österreichische Presse. Die von dieser Presse betriebene Volksverdummung und- Verhetzung hat den Höchstgrad erreicht. Immer und immer wieder wird nachgewiesen, daß die Juden den Krieg verursacht haben, daß alle feindlichen Staatsmänner, von Grey bis Wilson, Juden oder Judenstämmlinge sind. Es wird gefälscht, verdreht und erlogen, was das Zeug nur hält. Wenn der Vorrat an lebenden Juden oder ernannten Juden nicht mehr reicht, so wird man „historisch“ und behandelt die Vergangenheit. So war kürzlich in der „Ostdeutschen Rundschau“ ein Angriff auf — man höre und staune — Bar Kochba, unseren nunmehr an zweitausend Jahre alten Helden, zu lesen. Er wurde als ein „grojßer“ Räuber und Schwindler bezeichnet, dem die Römer den verdienten Lohn erteilt haben. Die Vertreter der großen deutschen Nation, des Geistesvolkes, wandeln wahrlich sonderbare Wege. Es ist, wie bereits betont wurde, Sache der deutschen Wähler, ob sie ihren Führern auf diesen Wegen folgen wollen. Wir werden die Tätigkeit des Verbandes im Auge behalten und die jüdische Öffentlichkeit fortlaufend darüber informieren, was sie von dieser Seite zu erwarten hat. Lernet hebräisch! Die hebräischen Kurse Mir Erwachsene (von 14 Jahren aufwärts) beginnen am 1» März I. J. in den neueingerichteten Unterrichtsräumen (II. Große Mohrengasse 16). Anmeldungen täglich von Montag bis Donnerstag 6 bis 7 Uhr abends und Sonntag 11 bis 12 Uhr vormittag irmZionislischen Zentralbüro (II. Zirkusgasse 33). Verein für hebräische Sprache und Kultur in Wien Die östliche Judenfrage. Von Davüs Trietsch. Zu deutscher Kultur- und Wirtschaftsverbreitung im Orient fehlt es heute an jeefem zahlreicheren deutschen Element. Von einer größeren deutschen Auswanderung kann für absehbare Zeit keine Rede sein, so daß für eine deutsche Betätigung iin Orient nur die verhältnismäßig gegeringe Zahl von Fachleuten, Unternehmern usw. — höchstens also einige tausend Personen — in Frage [kommen. Dem Mangel an rein deutschen Elementen wird aber die Einwanderung deutschsprachiger Juden aus Osteuropa am besten abhelten, so daß sich hier demnach die jüdischen und -die deutschen Interessen begegn.-ii. Hierbei ist es besonders wertvoll, daß auch der Türkei mit einer solchen jüdischen Einwanderung aufs beste gedient sein wird. Die Hauptschwäche des türkischen Reiches liegt ja in der Spärlichkeit seiner Bevölkerung und an deren Rückständigkeit in Wirtschaft und Technik. In diesen Hinsichten aber sind gerade die Juden wie kein anderes Element berufen, Wandel zu schaffen, und da die Türkei ohnehin mit einer christlichen Einwanderung nicht rechnen kann (vielmehr ist vorauszusehen, daß die christliche Auswanderung aus der Türkei nach dem Kriege zunehmen wird) und da die moslimische Einwanderung der Aluhadschire keinen sehr großen Umfang haben kann, so wird eine planmäßige und von der Sympathie der Türkei und der Zentralmächte getragene jüdische Einwanderung nach der Türkei in der Tat dem Reiche bedeutende Vorteile bringen. Die Juden sind vorzüglich dazu geeignet, der Türkei den Hauptteil dessen zu bringen, was ihr an europäischen Dingen und Werten fehlt, ohne daß dieser Hilfe etwa ähnliche Schattenseiten entgegenstünden, wie — vor diesem Kriege — bei der Finanzierung türkischer Unternehmungen durch .die Geldmächte des Westens. Schon jetzt hat die kleine Einwanderung, mit der die Judenschaft Palästinas in den letzten 35 Jahren von 25.000 auf ungefähr 120.000 angewachsen ist, (die wirtschaftlichen Verhältnisse dieses Landesteiles sehr wesentlich gehoben, obschon der größere Teil der Einwanderer in diesem Fall der .nicht produktiven Klasse derer angehört, die ihre alten Tage im Frieden des heiligen Landes verbringen wollen und sich hierzu meistens auf die Spenden verlassen, die unter dem Namen Chaiuka in der ganzen Welt für diesen- Zweck aufgebracht werdln. Von den Juden Palästinas leben etwa 12.000 in den ungefähr 45 jüdischenlandwirtschaftlichen Siedelungen, deren neuerliche Entwicklung sich durchaus günstig anließ, während in aen Städten höchstens 20—25.000 Seelen der erwerbenden Bevölkerung zuzurechnen sein dürften. Immerhin aber haben beispielsweise schon die zwölf größten landwirtschaftlichen Kolonien dem türkischen Staate im Jahre 1913 einen Steuerertrag von 321.000 Franken allein (für den Zehnten (gtgen 45.000 im Jahre 1904) eingebracht, und die zunehmende städtische Bevölkerung wirkt aut den Außenhandel derart, daß beispielsweise der Han-

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