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Jüdische Zeitung · 1917-02-02 · 5 (2.2.1917) · page 1

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Journal
Jüdische Zeitung
Volume
11 (1917)
Issue
5 (2.2.1917)
Date
1917-02-02
Page
– (sequence 1)
Language
German
Belongs to
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XI. Jahrgang — Nr. 5 Erscheint wöchentlich einmal Redaktion: Wien II, Zirkusgasse Nr.33 Sprechstunden: Montag bis Freitag von 4—7 Uhr, Sonntag von 11—12 Uhr Manuskripte werden, wenn unverlangt, ohne Rückporto nicht zurückgesandt Redaktionsschluß Dienstag um 7 Uhr .Fernsprech-Nummer 4S*3>25 I National-jüdifches Organ Mit der Beiläge: Der Jüdifche Nationalfonds Wien, Freitag, 2. Februar 1917 / 10. Schewai 5677 Einzelnummer 24 Heller Geschäftsstelle: Wien II/,, Zirkusg. 33 Geschäftsstunden : Montag bis Freitag von 9—12 u. 3—7, Sonntag von 9—12 Bezugspreise: Ganzjährig K10.—, halbjährig K 5.—, vierteljährig K 3.— Anzeigen und Beilagen nach .Tarif Postsparkassen *Konto 133.404 Inhalt* ®er Schekel. — Adolf Böhm, Planlllllctll. mäßjge Kolonisation. — R. Jugendproblem. — Die Jahresversammlung der Warschauer Zionisten. — Der jüdische Wahlsieg in Lodz. — Aus der allgemeinen Presse. — Die Czernowitzer Universität. — Die Huldigungsdeputation des Verbandes der Türkischen Israeliten beim Kaiser. — Aus der jüdischen Welt. — Brief aus Palästina u. a. m. Der Schekel Das Zionistische Aktions-Komite hat an alle zionischen Föderationen ein Schreiben gerichtet, in dem die Aufmerksamkeit auf die älteste und wichtigste Institution der zionistischen Organisation, den Schekel, gelenkt wird. „Der Schekel ist heute nicht mehr dasselbe wie zuvor. Seine Bedeutung ist im Kriege gewachsen. Mehr als je ist heute der in der Zahl der Schekel greifbare Ausdruck der numerischen Stärke unserer Organisation auch von politischer Bedeutung für uns. Je größer die Zahl der organisierten Anhänger des Zionismus ist, mit um so größerem Nachdruck wird man seine Wünsche und Forderungen, wo auch immer, vertreten, können. Der Schekel als politisches Machtinstument, das ist die Losung, die von der Leitung der Landesverbände bis in die kleinste Ortsgruppe verbreitet werden muß. Die amerikanischen Zionisten haben die Pflicht der Stunde begriffen und die Zahl der Schekel im Vergleich zu den Friedensjahren verdreifacht. So haben sie die Macht und das Ansehen des Zionismus erhöht, und in innigem Zusammenhänge damit konnten die zionistischen Führer Amerikas ihren Einfluß auch in den großen Fragen wirksam geltend machen, die die amerikanischen Juden heute bewegen.“ Planmäßige Kolonisation Von Adolf Böhm, Wien. Wiederholt habe ich in meinen, der Palästinakolonisation gewidmeten Artikeln — zuletzt in dem Aufsatz „Großzügige Palästinaarbeit“ im zweiten Jahrgang des „Jüdischen Nationalkalenders“ betont, daß die zionistische Organisation vor der Aufgabe stehe, gleich nach dem Kriege an eine planmäßige A n s i e d lu n g s a rbeit größeren Stils in Palästina zu schreiten. Es gibt wohl keinen Zionisten, der nicht wüßte, daß ohne ehe starke Ausweitung der agrarischen Basis unser Palästinawerk wenig Zukunft und für unser unverrückbar festgehaltenes Endziel keine Bedeutung hätte; Trotzdem stehen die Fragen der Kolonisation nicht im Mittelpunkte des Interesses der Zionisten. Die verdienstvollen Versuche des Jüdischen Nationalfonds in Pa'ästina, wie auch die Arbeit des Palästinaamts, werden zwar mit Liebe verfolgt, aber zugleich auch mit dem Gefühl^ quittiert: „Die werde.i's schon machen, sie „arbeiten“ ja so gut in Palästina, wir brauchen nur die gewohnte Partei- und Sammelarbeit fortzusetzen,“ ohne sich darüber Rechenschaft zu geben, daß die wichtigsten Kolonisationsproblemc noch ’ ungelöst geblieben sind und all unsere wertvollen Leistungen in Pa’ästina noch zu keinem System der Kolonisation geführt haben. Seit dem Erschei. e i des gründlichen Euches von Kurt Nawratzki hat sich zweifellos das Verständnis für die Kolonisation gehören. Dazu trugen auch nicht wenig die Publikationen des Jüdischen Nationalfonds bei. ln die.en kam immer häufiger ein Fachmann hohen Ranges, Ing. Agr. J. Oettinger zu Wort, den das Direktorium für die landwirtschaftliche Abteilung des Palästinaamtes engagiert habe und der jetzt seine durch den Krieg erzwungene Abwesenheit vom Lande in dankenswerter Weise dazu benützt, die nötigen Kolonisationspläne auszuarbeiten. Unter dem unscheinbaren Titel: „M e t h oden und Kapitalbedarf jüdischer Kolonisation in Palästina“ veröffentlicht das Hauptbüro soeben eire neue Arbeit dieses ausgezeichneten Fachmannes, die viel1 mehr gibt, als ihr Titel verspricht. Sie enthält nichts weniger, als einen in den Grundzügen ausgearbeiteten Gesamtplan für die zionistische Kolonisationsarbeit. Oettinger wirft darin zunächst einen kurzen Blick aut die bisherige jüdische Ansiedlungsarbeit und auf die Methoden der sogenannten inneren Kolonisation in den verschiedenen europäischen Staaten, aus deren, wie er sehr richtig sagt, für uns trotz der großen Verschiedenheit der Verhältnisse sehr viel zu lernen ist. (Für eine kurze Information ,üher die „innere Kolonisation“ in Deutschland sei das so beti'elte Büchlein von A. B r e n n i n gr erschienen in der Teubnersammling, „Aus Natur- und Geisleswelt“, empfohlen). Sodann untersucht Oettinger die Kosten und die Rentabilität von v'er typischen Wirtschaftsschemen, die er tiir Palästina als empfehlenswert ansieht, und zwar extensiven Betrieb aut größerer, inteisiven auf kleineren Flüchen, bewässert und unt e .vässert. Es folgen dann Vergleiche von Kapital/e larf für Boden, Investitionen, Betrieb, Unterhaltskoiten und der Rentabilität für alle besprorhe ei 6 Typen, dieselbe Berechnung für eire ganze Kolonie und schließlich ein vollständiger Besiedlungsplan für Palästina mit Kolonieschemen und Anlageplänen. Den Schluß bildet ein Entwurf für d'e Verteilung der Kosten auf. die einzelnen Institutionen und die Ansiedler. r Ich vermeide es, Details anzugeben, denn jeder Zionist wird, diese Broschüre genau studieren, indes d’e sachlichen Fragen, richtige Wahl der Betriebsforirea, Kapital, etc., einer fachlichen Diskussion Vorbehalten bleiben müssen. Jene Vorschläge Oetti.igers dagegen, die sich aut die Organisierung der ganzen Ansiedlungsarbeit und ihr Tempo bez'ehen, müssen in der breitesten zionistischen Oefrentlichkeit diskutiert werden. Die Organisation der Kolonisationsarbeit soh nach Oetti:ger durch Zu.ammenfassung äler Faktoren, die sich an ihr be'eiligen, erfolgen. Diese sollen nach seinem Finanzterungsplan die folgenden sein : 1. Der JNF., der Grund und Boden für Erbpacht bei'Us'.ellen, ferner die Ausgaben für Gemeindepflanzun en und die Arbeiterheimstätten zu tragen hätte. 2. Ein zu gründender Agrärt'ond (Kolonisationsfonds, Ansiedlungsgesellschaft, spä'er auch die Agrarbank) hätte den Hvpotheüenkredit für Baulichkeiten, Ameliorationen und das stehende Betriebskapital zu leihen. 3. Die national - kulturellen Organisationen hätten für die Gemeindespesen der ersten Jahre zu sorgen. ' 4. Die Ansiedler selbst, die eine Anzahlung zu leisten hätten, d’e je nach der Betriebsart verschieden wäre (111/3—35°/o) und sich den nötigen Betriebst edit im Wege von Kreditgenossenschaften (Raifteisenkassen) bei Kommerzbanken. (A. P. C.) verschaffen müßten. Wie ersichtlich, beschränkt Cettinger den NF. auf seine ursprüngliche Aufgabe: "den t'odenkauf. Wie ich schon in dem erwähnten Aufsatz bemerkt hatte, mub der NF., soll er nicht in jeden Betrieb noch ein vielfaches der Summe investieren müs:ei, die er zum Bodenkauf brauchte, aut diesen beschränkt werden, da er sonst mit seinen Mitteln nur ein Bruchteil dessen leisten könnte, was seiner ureigensten Aufgabe entspräche. Nawratzki hat allerdings in einem Artikel, der vor kurzem in t'er „Jüdischen Rundschau“ erschienen ist, verlangt, dab der NF. alle Auslagen übers ehme, die gemeinnütziger Natur seien und scheint darunter, teilweise auch solche zu verstehen, die, wie Urbarmachung des Bodens, nach 'Oettinger schon i'em Ansiedler zur Last zu fallen hätten, der sie sich im Kreditweg (siehe oben Punkt 2) verschaffen müßte. Nawratzki sagt ganz richtig, daß es nicht möglich sein wird, neben dem NF. noch einem Agrarkrgditiond (wie ihn Dr. Aron Sandler- Breslau, schon vor Jahren unter c'e.n Namen „Kolonisationsfond“ vorgeschlagen hatte) zu erheblichen Mitteln zu verhelfen. Demgegenüber ist anzumerken, daß wir auf keinen Fall der Schaffung eines solchen Fonds auswcichen können, denn der NF. könnje doch höchstens- Kredit für Baulichkeiten geben, nicht aber für Inventar u. dgl. Ich glaube, daß wir jene Schwierigkeit leichter besiegen werden, wenn wir nicht ,,'Agrarkredittonds“, sondern, w’e schon einmal ausgeführt, sogenann'e „Ansiedlungsgesellschaften“ gründeten. Für einen Kreditfonds, der nur dazu da ist, Geld zu leihen, werden sich nicht zahlreiche Anteilnehmer finden. Man stelle sich nur vor, wie es in der Sammelpraxis gehen würde, wenn wir Leuten sagen würden: Gebt Geld, damit wir Kolonisten langfristige. Dax’eben ve: schaffen können. Jeder Geldgeber würde sich sagen: ' Das ist nur eine verhüllte Wohltätigkeit, sich mit einer Tc’einen Summe abfinden und weiter kein Interesse .daran haben. Etwas anderes ist es aber, wenn wir ihm sagen: Hier ist ein Ansiedlungsplan, hier sind Kolonisten mit Erfahrung, persönlichem Kredit und Boden, den sie in Erbpacht erhalten können. Es fehlt eine gemeinnützige Gesellschaft, welche die Ansiediungsarbeit durchführt, die Verträge mit den Institutionen und Ansiedlern abschlicßt, diesen Kredite für Baulichkeiten, Inventar etc. gibt, die dadurch den Leutea langsam zur Selbstständigkeit hilft und im Laufe der Zeit Kolonie um Kolonie erstehe! läßt. Es ist klar, daß für eine solche „Gemeinnützige Ansied’ungsgerellschafl“, bei der die Teili ehmer das Gefühl hätten, dab eigentlich sie die Kolonisation durchführen, und der man Land und Ansiedler nachweist, ein bedeutendes Interes:e, auch in nichtzionistischen Kreisen, gefunden werden könnte. Auch nach Gründung der Agr.übank wird diese oder eine ähnliche Institution nicht entbehrt werden können, da die Bank nur bis zu einer gewissen Be'eihungsgrenze gehen können wird, soll sie nicht riskante Geschäfte machen, die sie nicht machen darf, und für den Rest muß, umsomehr es sich um. nur billige Zinsen handeln kann, eine gemeinnützig wirkende andere Kreditinstitution einspringen. (Diese langfristigen Kredite für Inventar etc. sind nicht zu verwechseln mit dem kurzfristig e i Betriebskredit etwa von Ernte zu Ernte, welchen sich die Ansiedler, wie erwähnt, und w’e es schon heute ist, im Wege genossenschaftlichen Zusammenschlusses bei . Kommerzkreditbanken - A. P. C. — verschaflie i.) Auch in den europäischen Ländern ist die Frage der „zweiten Hypothek“ bei der Kolonisation auf dem Lande als auch bei der gemeinnützigen Bautätigkeit in den Städten stets eine schwer zu lösende gewesen. Die „Ansiedlungsgesellschafteu" mußten natürlich im engen Konnex mit der P. L. D. C, arbeiten und diese als ihre Sachverwalterin in Palästina bestellen. r Jedenfalls fehlt uns für die Durchführung der Kolonisation heute noch vollständig die sub. 2 gemimte Kreditinstitution, deren Schaffung in irgend einer Form, wie ich immer wieder betonen muß, unsere nächste dringende Aufgabe ist. Die an dem Kolonisationswerk beteiligten Faktoren sollen nach Oettinger nurein „Zentralkomitee für die Kolonisation Palästinas“ bilden. Darin sollen EAC., JNF., die Ansiedler und die kreditgebenden Institute vertreten sein. Dieser Vorschlag ist aufs wärmste zu begrüßen. Wir haben bisher einzelne, mehr oder minder gut arbeitende Institutionen gehabt, die

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