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Jüdische Zeitung · 1917-01-26 · 4 (26.1.1917) · p. Seite 3

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Journal
Jüdische Zeitung
Volume
11 (1917)
Issue
4 (26.1.1917)
Date
1917-01-26
Page
Seite 3 (sequence 3)
Language
German
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Nr. 4 JÜDISCHE ZEITUNG Seite 3 nen Zionisten beider Länder gesprochen. Es scheint mir, daß die zionistische Föderation Englands als eine englische Korporation wohl das Recht hat, englische Po'itik zu machen, ebenso wie es der zionistischen Vereinigung für Deutschland frei steht, deutsche Po'itik zu betreiben. Das E. A. C. muß natürlich vollkommen neutral bleiben und darum ibcdaure ich, daß die Leitung der zionistischen Bewegung nicht sofort bei Ausbruch des Krieges nach einem neutralen Lande verlegt worden ist. Man kann sich nun einmal nicht dem Einfluß seines Milieus entziehen 1 Aus dem gleichen Grunde ist der Gedanke, eine Leitung in England izu bi'den, verfehlt. Ben Mose Zwi: Das Aktionskomitee war, wie man behauptet, in seiner letzten Sitzung im Haag zu Konzessionen in dieser Frage bereit. Man wirft Ihnen tvor, daß die Absicht des A. C., ein politisches Komitee im Haag zu errichten, an Inrem Widerstande scheiterte. Das Aktionskomitee hat — wie man ferner behauptet — auch heute noch den besten Willen, eine Lösung herbeizuführen. Eine prin-ioielle Meinungsverschiedenheit besteht au-renb'ick'Hi ri ht mehr, nur technische und persön’i he S-hwieri keilen — die vor allem durch Sie verursacht werden — seien das letzte Hindernis. Kann: Ich \var in der letzten Aktionskomiteesitzung nicht bereit, in das vorgeschlagene Komitee einzutreten, weil ich durch die Verlegung meiner Geschäftsbüros, die ich kürzlich vornahm, sehr zeitraubende und langwierige administrative Umständlichkeiten hatte und dadurch auf längere Zeit sehr gebunden bin. Ich gab meine Einwilligung jedoch vornehmlich deswegen nicht, weil ich ein Komitee oder ein Büro in Holland für bedeutungsungl sinnlos erachte, wenn dje Leitung iw Berlin bleibt. Die Uebertragmg des Nationalfondsbüros nach Holland war eine vernünftige Maßregel. Es wäre das Richtigste, das Vernünfti-rste und die Befriedigung einer selbstverständlichen Notwendigkeit gewesen, wenn man auch das zionistische Zentralbüro nach dem Haag, oder, wie ich es vorgeschlagen hatte, nach Newyork verlegt hätte. Aus der jüdischen Welt Der antisemitrehe Kurs in Deut*ch’and wird deutlich besuchtet durch eine Polemik, die Prof. Gustav Schmoller unter dem Titel „Obrigkeitsstaat und Volksstaat“ im letzten Heft seines „Jahrbuches“ gegen die Professoren Hugo Preuß und Hans Delbrück begonnen hat. Wissenschaftlichkeit und Wahrheit kapitu'ieren vor Vorurteil und Leidenschaft. We'che Verdrehung der Tatsachen, wenn Schmoller behauptet: „Die Benachteiligung der Juden im preußischen Staatsleben ist heute fast schon dem Verschwinden mähe und macht (bereits dem Gegenteil da und dort Platz“. Er befürwortet die Rechtsungleichheit mit folgendem Mätzchen: „Ich glaube, er (W a 11 h e r Ra-thenau) hat jetzt dem Staate durch seine Tätigkeit ebensoviet genützt, als wenn er auf einem Ministerstuh'e säße“. In der „Welt am Montag“ hat der Reichstagsabgeordnete Hellmuth v. Gerlach Herrn Prof. Schmoller eine Lektion über die wirklichen Verhältnisse gegeben. Das Aufsehen, das Schmoller in der jüdischen, philo- und antisemitischen Presse erregt hat, ist groß, die Aufregung bei den deutschen Juden, gesteigert durch ihre Empfindlichkeit gegen Kränkungen und Enttäuschungen, die sie nach einem so tadellosen Verhalten im Kriege nicht erwartet haben, und nunmehr doch erleben müssen. Der größte Optimismus ist zu Schanden geworden, die Miesmacher haben richtig prophezeit. Eine interessante Wandlung, die an den Kern seines Systems rührt, scheint der Nationalismus in Frankreich durchzumachen. Zu seinen Glaubensartikeln gehörte die Verfehmung aller Fremden und besonders der Judenhaß.' Nun haben die französischen Juden ihre Pflicht gegen ihr Adoptivvaterland getan, wie die Juden der andern Länder und es kann nicht au.bleiben, daß seibst die enragiertesten Nationalsten dies anerkennen. In zwei langen Leitartikeln läßt Maurice Barres, der begabteste Führer der Nationalisten den Juden Gerechtigkeit widerfahren. Er spricht von „den kürzlich zu uns gekommenen Israeliten“, die zwar (er meint die aus Deutschland eingewanderten) nicht „die animalische Vaterlandsliebe“ haben, deren Patriotismus aber „ganz geistig, eil i Akt des Willens, eine Entscheidu lg und Wahl des Geistes“ sei. Er erwähnt Aeußeruugen jüdischer!n'.el!ektuel'er, u. a. eine Briefstelle des Sozialistenführers Robert Hertz: „In der Lage der Juden war manches schwankend, unregelmäßig, unsicher und und unklar geblieben. Aber der gegenwärtige Krieg mub als eine willkommene Gelegenheit betrachtet werden, um diese Lage für uns und, unsere Kinder in Ordnung zu bringen.“ Eine ähnliche Hoffnung mögen auch die Juden anderwärts gehabt haben. Die Zukunft wird zeigen, oii sich in Frankreich, ob sich in ganz Europa die gerechte Würdigung der jüdischen Dienst- und Opferwilligkeit durchsetzen wird. Ei*e zionistische Fraktion im Warschauer Stadtrat hat sich in Warschau gebildet. Die Haltung der Assinilanten auf der letzten Sitzung' des Warschauer Stadtrates wäh end der Behandlung der. Interpellation über die „Ma ktha'len“ und über das für die langgekleideten Juden erlassene Verbot, die Stadtgärten zu bet-eten, rief die Unzufriedenheit der gesamten jüdischen Oeffentlichkeit Warschaus hervor. Die zionistischen Ratmänner beschlossen, die sogenannte „Vereinigung der jüdischen Ratmänner“ zu verlassen und eine selbständige Fraktion im Stadtrai zu bilden. Als Vertreter der Juden int polnischen Staatsrat ersehei'en die bekannten Assimilanten Kasimir Natanson und Stanislaus Kempn e r. ELne neue Parteibezeichnung „Vo'ki m“ und „Volkisten“ hat sich in Polen herausgebildet. Einer seiner Anhänger umschreibt diese wenig glück'ich gewählte Bezei h ’ir'g folgendermaßen: Die Emigration nach Palästina löse nicht die Jude )frage. Ein Weg müsse gefunden werden, utn das Leben der zurückbleibenden großen Jude.imasse normal und gesund zu gestalten. Die Volkspartei hat sich dies zur Aufgabe gemacht: alle nationalen, kulturellen, ökonomischen und sozialen Rechte für die Juden als ein Minoritätenvolk zu erkämpfen. Als der wichtigste Punkt des Programms des „Volkismus“ wird die Erziehung der Jugend betont. Der „Reichsverband für jüdrehe Krie"sgefangenenfürsorge“ (Landeskomite des Roten Magen David R. M. D.) erließ einen Aufruf, in dem er auf die Dringlichkeit seines Liebeswerkes hinweist. Dem Komite des „Reichsverbandes“, der sich in Berlin am 0. November 1016 konstituiert hat, gehört auch die Zionistische V e r e i n igung für Deutschland an. Jüdische Volkrurivers’tätten (jewish People’s Universities) sollen binnen kurzem in den Vereinigten Staaten und i n Kanada gegründet werden, die für die jüdischen Massen einen Mittelpunkt des. geistigen Lebens bilden und sie in Berührung mit ihren sozial und geistigen höher stehenden Stammesgeno-\sen b in eu sollen. Herausgabe von Scho’em Ahlcheim Briefen. J. D. B e r k o w i t z, der Llebersetzer von Scholcm Aleichems Werken ins Hebräische, und Redakteur des „Hatoren“ in Newvork, beginnt jetzt die vielen Privatbriefe zu sammeln, die Scholem Aleichem an seine zahlreichen Freunde und Bekannten geschrieben hat. Diese Briefe werden in späterer Zeit von Herrn Berkowitz reiigiert und veröffentlicht werden. Die Fami ic des verstorbenen Dichters bittet alle Besitzer solcher Briefe, die Originale ohne Unterschied ihrer Sprache leihweise an folgende Adresse zu senden: Mrs. O. Rabinowitz (Scholem Aleichem), 207 Fox Street, Bronx, Newvork. Djemal Pascha in Mikwe Israel Djemal Pascha in Mikwe Is-ael. Am 27. Cheschwan (23. November) besuchte der Oberstkommandierende der 4. Armee -Achmed D j emai Pascha mit großer Begleitung die jüdische agronomische Schule in Mikwe Israel. Agronom Samuel Krause, Leiter deSchu’e, begrüßte die Gäste im Namen der Verwaltung und schilderte eingehend die Geschichte und die Aufgabe der Schule. Ln Namen Djemal Paschas hielt sein Privatsekretär, der türkische Dichter Schah ar Bei, ei’e große Anspache. Er erzählte von den Eindrücken der Reise und von den großen Hoffnungen, die die Schätze des Landes immer von neuem in; Leben rufen. Unter anderem führte der Reiner aus: Mit Ge: ehrri u"ff defOircstkommandie-en ‘en möchte ich von den drei Hauptwünschen erzählen, die das Herz meines Herrn e füllen un i die jeden treuen Sohn unseres Landes bewegen mü-sen: 1. Liebet unser teueres Vaterland und widmet ihm all eure Kräfte. Dann wird eit e Arbeit gesegnet und jedes Herz wird sich über eure Erfolge freuen. 2. Setzt mit Liebe und Ausdauer die Belebung und Bebauung der Wüste fort. Das isi der größte Traum meines He-rn. Sie, Herr Verwalter — wandte sich der Red-er an Herrn Krause — sind berufen, der Erfüllung dieser beiden Aufgaben zu dienen: wecken Sie die Liebe zum Vaterlande und vergessen Sie niemals, daß durch diese glühende Wüste einst eure Eltern in vierzig Jahren zogen. Zur Zeit eures großen Propheten Moses b auste das Leben in diesem Oedla ide. und ihr seid daher berufen, die vernichtende Wirkung der Zeit zu verwischen. Uehe~all wird eure Arbeit bewundert. Wie war es euch möglich, diese Oede zu bepflanzen? EUa'it dieses Geheimnis, und es wird euch Ruhm verleihen. 3. Wir werden uns glücklich fühlen, Herr Verwalte', die Verwirklichung Ihrer schönen Ideale der Förderung der Landwirtschaft in der Umgebung der Kolonie zu Im Walde 1. Heut im Wald an einer Stelle in der Sonne vor der Wende labte mich ein -süßer Duft. Stille koste meine Nerven und die Augen tranken dankbar Wonne aus durchsonnter Quelle, wie die Bienen mir zur Seite Honig schlürften aus den Blumen und den Dolden dieser Lichtung. In die Stille sank zuweilen hier ein Zirpen, dort ein Summen, da ein Rauschen eines Wipfels, dort,ein sanfter Vogelton. Und 'da hob ich meine Hände, glücklich wie das erste Wesen, idas im Paradiese stand, vor der Schönheit dieser Erde mit verzücktester Geberde: O du, Himmelsbaldachin!. O du hoher Waldaltai! Bin ich nicht ein Priester heute, eins mit euch und mit dem Schöpfer? Rauschten mir die Wipfel leise eine wundersüße Weise: Selig wird dir. Erdensohn, tiefste Schönheit offenbar. 2. . Plötzlich regt sich eine Frage in der Tiefe meiner Brust: Sprecht ihr Bäume auch nur wahr? Ist die Seligkeit der Stunde denn geeignet, meine Tage zu vergolden und die Wunde meines Herzens zu verheilen? Seht mein Herz, es b'utet ewig wie von einem schweren Schlage, und sein Glühn ist eine Klage ob der Menschheit dtmkelm Los. Aus dem Dunkei, in das Dunkel, dieses ist der Weg der Wesen . . . Dann und wann ein Steriigefunkel . .. . Tod und Leben, eng verschlungen .:. . Lust und Schmerz, verkrampft,- im Hasten, eins das andre abzulösen. Schatten folgt der Lust beständig . . . Jede Sehnsucht, kaum entkeimt, wird erschlagen von Enttäuschung. Jede See'e S'hreit verzweifelt in der andern Seele Wald. Was ihr draus entgegenhallt, ist ein leerer Echoschall. [eHer lebt und jeder leidet einsam hinter einem Wall . . . Tausend Ketten schleppen alle hinter sich und tausend Schatten. Müde sind wir von der schweren Müdigkeit verwester Ahnen, die wie wir gelitten hatten und mit ihrem Gott gerungen, und doch hingen wie im leeren Raume zwischen Erd und Himmel . . . Wandein wir nicht ihre Bahnen? Reden wir nicht ihre Qualen? Ist in uns nicht ein Gewimmel längst zerronnener Gefühle, längst verwitterter Gedanken? Schlagen wir uns nicht, wie sie, wund die Köpfe an den Schranken unsrer zagen Phantasie? Kaum erhebt sie sich zur Höhe, wo der Aether seit Aeonen blendend über Rätseln strahlt, sinkt sie müde in den Abgrund der Nichts-wissenden Verzweiflung. 3. Unsre Ahnen kamen, gingen, überlebt von toten Dingen. Ihre Körper wurden Erde, ihre Seelen Wurden Licht. Nur ein Tropfen ihres Blutes, den wir noch tief unser füh'en, lebt hier ein erblindet Leben. Stumm ist seines Wa'tens Sprache. Er verkündet kein Geheimnis, von des weiten Lebens Rätseln offenbart er uns doch keins. — Blind wie unsre Ahnen schreiten wir durchs Dunkel und verbleiten in die Nacht, wegmiide Wandrer. Das Wozu bleibt uns verriegelt, das Woher bleibt uns verborgen. Eines wissen wir nur, eins: Das Wohin, das schaurig trübe. Erde ist des Wand-ers Ziel. Grabesruhe deckt das Spiel der veriornen Stunden zu, ihre Qual md ihre Liebe, ihren Haß und ihre Lust. Was uns sonst der Tropfen bringt, unsrer Ahnen stummes Blut, ist ein Weinen aus dem Schlafe, ein verirrter Kuß im Traum, ein sekundenlanges Klopfen unsres angstzerkrampfte i Herzens, ist ein Drängen nach verbotnen Früchten vom Erkenntnisbaum, ist ein Keim zu einer bösen oder einer guten Tat, ist ein Bangen vor dem Pfad, den wir lebend gehen müssen, ist ein Haschen nach Genüssen, die uns grundzuwider sind, ist ein leiser, ferner Klang, heggetragen wie vom Wind, aus verschüttet tiefen Bronnen, ist ein zäher, jveher Drang, den Ve-storbnen treu zu bleiben und sich immer neu zu neigen über der Erinnrungsquelle schmerzlich liebem Rand . . . 4. Und die Bäume warfen leise mir die Worte in den Schoß: Ist dies nicht auch unser Los? Wuchsen wir nicht au; dem Staube unsrer Ahnen stolz empor? Und wie sind wir fest gegründet und verwurzelt mit der Erde, doch dem Klagen tremd und fern! Sei auch du, o Mensch, wie wir! Reiche mit den frohen Winfeln an des Himmels blaue Nähe! Rausche Stürme, raune Liebe! Trage Nester, trage Früchte! Weihe deine Krone Gott, Jaß lihn ■„ l.äubi > Wunder wirken! Und die Schönheit ist in dir. heitere Unsterblichkeit! Marek S c h e r 1 a g. Die P ist das Rückgrat Jeder Partei

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