Jüdische Zeitung
- Journal
- Jüdische Zeitung
- Volume
- 11 (1917)
- Issue
- 3 (19.1.1917)
- Date
- 1917-01-19
- Page
- Seite 4 (sequence 4)
- Language
- German
- Belongs to
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JÜDISCHE ZEH UNO NL 3 Seite 4 anstalteten Jubiläumsfeier, die am 9. Dezember im Lokal des jüdischen Gymnasiums von Hurwitz in Warschau stattfand, nahmen die Vertreter der hebräischen' und (der jidischen Literatur, der zionistischen und der allgemein-nationalen Oeftentlichkeit, sowie Delegierte vieler jüdisdier Institutionen Warschaus und 'der Provinz teil. In seiner hebräischen Eröffnungsrede stellte Herr F. Lach owe r die Feier als Festtag der hebräischen Literatur dar, die durch die rastlosen Anstrengungen des Jubilars ihren heutigen Hochstand erreichte. Der Vorsitzende, Herr M. J. Freid, der Vertreter der Zionisten Dr. K1 um e l Und der Schriftsteller Hillel Z e i 11 i n schilderten die Verdienste Ben-Awigdors um das jüdische Verlagswesen und die Verfeinerung des jüdischen literarischen Geschmacks. Im Namen, der jüdischen Schriftsteller sprach der hebräische Dichter-Jakob Kahan. S. Stupnitzki und D. Zemach hoben hervor, daß um die Person Ben-Awigdors, dessen Hebraismus außer Zweifel stehe, der aber gleichzeitig auch um die Entwicklung der jidischen Literatur große Verdienste habe, sich Vertreter beider Sprachen der jüdischen Literatur scharen konnten, in einer eingehenden Rede gab Herr Nachum Goldmann eine erschöpfende Charakteristik der Persönlichkeit des Jubilars. Die kurze, eindrucksvolle Dankrede Ben-Awigdors, in der er von den Pflichten der jüdischen Oeftentlichkeit der hebräischen Literatur gegenüber sp-ach und die Meinung, die Entwicklung der jidischen Literatur sei eine Gefahr für das Gedeihen der hebräischen, als Vorurteil kennzeichnete, wurde von den Versammelten mit langanhaltendcm Beifall begrüßt. Unter den vielen Begrüßungen, die verlesen wurden, waren Begrüßungsschreiben vom Zionistischen Aktions-Komitee, von der „H i s t a d r u t h“, vom Warschauer Zionistenkomitee, vom Verein jüdischer Literaten und Journalisten in Warschau, von vielen jüdischen Redaktionen usw. Der Jubiläums-Ausschuß, der aus 22 Mitgliedern, Vertretern der verschiedenen Richtungen der jüdischen Literaturwelt besteht, beschloß anläßlich des Jubiläums einen Fond für die hebräische Literatur aut den Namen des Jubilars zu gründen. Adresse für Geldsendungen: Bankhaus D. M. Schereschewski (für den Ben-Awigdor-Fond), Warschau. Der bekannte Zionist S. B. Rubemtein starb im Alter von 49 Jahren in London nach kurzer Krankheit. Er stammte aus Rußland, kam aber schon als junger Mann nach England. Im Jahre 1S84 beschäftigte er sich schon mit den Arbeiten der Chowewe Zion und war dann ein treuer und energischer Arbeiter in Herzls Zeit. Besondere Verdienste hat er sich um die English Zionist Federation erworben, deren Schatzmeister jr jahrelang war. Zu Ehren seines Andenkens 'fand eine Trauerfeier statt, bei der die Herren Feldmann und Nahum Soko- 1 o w Gedenkreden hielten. Den- Artikel eines „Engländers jüdischen Glaidrens“ der im Novemberheft der „Fo-tnightly- Review“ erschien und einen heftigen Angriff auf den Zionismus enthielt, bekämpfen in der. Dezember-Nummer derselben Zeitschrift Artikel des Chacham Dr. Hertz und des Vorsitzenden des ,,Order of Andent Maccabeans“ Herbert Bent w i ch. Während der Chacham besonders die Behauptung widerlegt, daß Zionismus; und Patriotismus unvereinbar wären, beschäftigt sich Bentwich eingehend mit den Argumenten, die der Angreifer der Geschichte der Judenemanzipation entnimmt und beweist, zum Teil unter Heranziehung von Zitaten aus der damaligen Literatur, dab der „Engländer jüdisdien Glaubens“ diese ganze Periode mißverstanden hat. Unter den vielen und ausgezeichnet arbek tenden zionistischen Jugendvereinen Amerikas hat die „Y oting Me n’s "Hebrew and Kindred Association“ die größte Bedeutung. In allen Staaten Amerikas hat der Verband Ortsgruppen, und überall verfolgt er das Prinzip, seine Mitglieder jüdisch und zionistisch zu erziehen. Kurse werden abgehalten, in welchen neben den aktuellen Fragen des amerikanischen und europäischen Judentums die theoretischen Probleme des Zionismus besprochen werden. Die hebräische Sprache wird gepflegt, es gibt Kurse für Anfänger und literarische Kurse für diejenigen, die gut hebräisch sprechen können. Vom 10. bis 12. November fand in Newyork eine Zusammenkunft aller Ortsgruppen statt, bei der die speziellen Fragen der Naturalisation der Eingewanderten, der Heranziehung weiterer jüdischer Kreise zur Mitarbeit, die religiösen Aufgaben, die Propagandatätigkeit unter den jüdischen Soldaten des Heeres und der Marine usw. beraten wurden. Zur Konferenz waren viele fünrende Juden eingeladen. Unter anderen sprach Felix Warburg über die Notwendigkeit, die Jugend so zu erziehen, daß man sie für verantwortliche Posten innerhalb der jüdischen Gemeinschaft verwerten könne. Judge Irving L e hm a n sprach über den Wandel in der amerikanisch-jüdischen Lebensphilosophie innerhalb der letzten 30 Jahre. In der letzten Sitzung sprach Judge Mack über das Wachstum des Verbandes, dem jetzt mehr als 300 Vereine angcschlossen sind, die zusammen 15.000 Mitglieder repräsentieren. ■ill | Voranzeige | | des Jüdischen Kriegsarchivs j || 11. Praterstraße 43 j| ■ (Telephon Nr. 43319) ■ In der ersten Hälfte Februar erscheint SonOersOoppelheit Nr.8/9 1 „des Jüdischen Kriegsarchivs“ §j mit 1 Opiginalberidif von Prof. S. BrombergsBgtiiousfii jl . über | Oie Juden üembepgs unter der | Russenherrschaft * Preis des Doppelheftes K 1.— H (zuzüglich Zustellung K 1.20) Zum 60. Geburtstag wurde Justice Louis D. Brandeis eine Adresse überreicht, die von 8000 Personen ist, und folgenden Wortlaut hat: „Dem hochgeehrten Louis D. Brandeis zu seinem sechszigsten Geburtstag (äm 13. November 1916, 'dessen Herz ganz mit amerikanischen und jüdischen Idealen erfüllt ist, dem unermüdlichen Arbeiter, der seine Ideale in Taten umsetzt. Ein Dankeszeugnis für seine Arbeit zum Wohle des jüdischen Volkes, ein Tribut der Liebe und Treue zu unserem Führer.“ Diese Adresse wurde ihm teierlich in der „Aeolian Hall“ übergeben. Männer und Frauen aus allen Teilen der Vereinigten Staaten waren als Delegierte erschienen. Dr. Stephen S. W i s e führte den Vorsitz und folgende“ Zionisten hielten Ansprachen: Prof. Richard Gott heil, Prof. Harn' Friedenwald, Dr. D. de Sola Pool, Jacob de Haas und Miß Henrietta S z o 1 d. — Darauf sprach Justice Brandeis seinen Dank aus und führte aus, wie er zum Zionismus kam und was ihm heute der Zionismus ist. Zu Ehren von Justice Brandeis ist ein Fonds geschaffen worden, dessen Zweck von Herrn Brandeis selbst bestimmt werden wird. Das Komitee für den Fonds besteht aus: Nathan Straus, Präsident; Stephen S. W i s e, Vizepräsident; Dr. Friede n w a i d, Rabbiner Martin A. Meyer, Joseph Barondeß, Max'Heller, Judge. julian Mack, Rabbiner M a y e r-Berlin, Frau Joseph Fels, Eugene Meyer, Jacob de Haas und Adolph Hubbard. Der amerikanische Botschafter in der Türkei, Herr Ab'ah am Eikus. hat vor kurzqm dem Turnverein Makkabi in Konstantinopel einen Besuch abgestattet. Er hat den Uebungen der Turner beigewohnt und seiner Genugtuung über die Leistungen der Turner Ausdruck gegeben. Beim Abschied teilte Herr Eikus mit, daß er einen Preis ausgesetzt habe, der bei dem nächsten Wettumen aller Sektionen des Vereins zur Verteilung kommen soll. — Eine Gruppe junger Mädchen hat sich andas Zentralkomitee des Makkabi mit der Bitte gewandt, . dem Verein eine Mädchensektion anzugliedern. Der Antrag wurde vom Komitee-begrüßt und in Behandlung genommen. > Die Zionistische Ortsgruppe in Tripolis, die kürzlich eine jüdische Bibliothek ins Leben gerufen hat, hat jetzt hebräische Sprachku-se für ihre Mitglieder eingerichtet. Der Verein zählt 350 organisierte Mitglieder, die ihre -Schekel an die Zionistische Föderation von Italien entrichten. Einsendungen _ Von einer seriösen, mit den Verhältnissen wohlvertrauten Persönlichkeit geht uns folgender Bericht mit der Bitte um Veröffentlichung zu: In Börsekreisen erregte die Nachricht, daß der bekannte Börsensal Wilhelm Fischer das Judentum verlassen und die Taufe empfangen hat, peinliches Aufsehen. Das umsomehr, als Her Fischer bereits im Greisenälter steht und sei"e glänzende Karriere, welche ihn zum Millionär gemacht hat, ausschließlich der Förderung und der Unterstützung des verstorbenen Börsenrates TheodorKantor, welcher immer als warmer Jude gefühlt, zu verdanken hat. Das Traurigste an .der Sache ist aber, daß ein bekannter Finanzmann, welcher auch im Vorstände der israelitischen Kultusgemeinde sitzt und einige Mitglieder der B. B. es vereinbar mit ihrer eigenen Würde erachten, zu dem Manne, der demonstrativ seine Stammes- und Religionsgenossen verleugnet, nach wie vor die freundschaftlichsten persönlichen und geschäftlichen Beziehungen zu unterhalten und zu dessen eifrigsten Auftraggebern zählen. Gewiß, das Judentum hat durch den Austritt Wilhelm Fisthers aus seiner Mitte nicht viel verloren. Bei -der feigen Fahnenflucht, welche leider jetzt in finanziellen Kreisen herrscht', kommt es auf einen Renegaten mehr oder weniger nicht mehr an, i allein bei dem Umstande, daß die große Oeffentlichkeit Börse und Judentum identifiziert und alles, was1 dort vorgeht, unserem Volke in die Schuhe schiebt, ist es Pflicht der jüdischen Presse, bei jeder Gelegenheit darauf hinzuweisen, daß das jüdische Element an der Wiener Börse allmählich verschwindet, daß man dort aut jedem Schritt und Tritt auf Täuflinge stößt und daß, wenn es in diesem Tempo weiter geht, Hansens' Prachtbau am Schottenring bald judenrein sein wird, zum großen Leidwesen der — Antisemiten, da sich auf eine judenreine Börse schwer schimpfen läßt. Es wird uns geschrieben: An die Unternehmungen, die in ihrem Betriebe enthobene Angestellte beschäftigen, ist vom Kriegsministerium die Aufforderung ergangen, über diese einen neuen Ausweis nach dem letzten Stande vorzulegcn. Die hiezu verwendete Drucksorte, die sich von den früheren Formularien in manchem Belange unterscheidet, enthält auch die Rubrik Religion. . . Man teilt uns mit: Jüdischen Soldaten, die im Kriegsspital Grinzing um Lektüre ersuchten, wurde das Evangelium- Lucas in jidischer Sprache (die heilige Psire toiwe von Lucas) aus der’ Bücherei des Kriegsspitales überreicht. Uns beunruhigen diese Versuche der Mission nicht sehr. Wir möchten bloß das eine erfahren: Weshalb verschafft die Jüdische Seelsorge unseren Verwundeten nicht geeigneteren Lesestoff? I I Josef Stein m I I Der Fähnrich des 21. Inf.-Reg., Herr Josef Stein, hat am 20. v. Mts. am südwestlichen; Kriegsschauplätze den Heldentod gefunden. Josef Stein war ein .geborener Prager und schloß sich schon als junger Mittelschüler mit Begeisterung der jüdisch-nationalen Bewegung an. Seit 1902 in Wien, ist er seinen Idealen bis an sein Lebensende treu geblieben und hat noch vor Kurzem den JNF. und den Herzlwald von der Front aus mit Spenden bedacht. Er war mehrere Jahre Präses des Herzlklubs und in eifriger Weise propagandistisch tätig. Nach dem Sturm. auf Arsiero war er mit der bronzenen und nach der neunten Isonzoschlacht mit der silbernen Tapferkeitsmedaille 1. Klasse ausgezeichnet worden. Zwei Tage, bevor er seinen Urlaub antreten wollte, traf ihn im Schützengraben die tötliche Kugel. Zionisten im Felde Nach "dem Tode ausgezeichnet wurde Lt. der Res. im Inf.-Reg. 75,-1. N. . C. M o r i t z Grzyb aus Aussig, ehemaliger Obmann der Lese- und Redehalle jüd. Hochs’chüler in Prag, der am 16. August 1916 in Lemberg den im' Felde erlittenen Verwundungen erlegen ist. Er wurde für beispielgebendes und aufonferungsvolles Verhalten vor dem Feinde mit dem Militärverdienstkreuz III. Klasse mit Kriegsdekoration ausgezeichnet. Ass.-Arzt Dr. Isak Glück er, A. H. der Verbdg. ludäa, Lemberg, erhielt neuerlich das goldene Verdienstkreuz mit der Krone am Bande der Tapterkeitsmedaille. Ing. Ernst Kauflcr. A. H. der jüd. akad. Verbdg. Ivria, Körnet, einer Autotrainkolonne im Felde, wurde mit dem silb. Signum’ laudis als neuerlicher allerhöchster belobender Anerkennung für tapferes Verhalten ausgezeichnet. Dem Ing.-Lt . H*e i n r i c h Brandwciner, zugeteilt einer 30.5ycm Mörserbatterie auf dem italienischen Kriegsschauplatz, wurde für vorzügliche Dienstleistung das Signum laudis am Bande der Tapferkeitsmedaille verliehen. Dem Feldlegionär des Roten Kreuzes, J a c- * ques Löw, wurde die silb. Chrenmedailie samt Kriegsdekoration verliehen. An unsere Brüder im Felde. Das Bukowiaaer „Zionistische Landeskomitee“ hat in seiner Sitzung vom 16. d. M. eine Aktion „Bücher jns Feld“ ins Leben gerufen. Die erste Sendung von jüdischen Büchern, Zeitungen und Zeitschriften wird bereits für die a 11 e r n ä c h s t e Zeit vorbereitet. Es ergeht daher an unsere Brüder im' Felde die höfliche Bitte, nach erfolgter Kenntnisnahme ihre Adressen dem Bukowinaer Landeskomitee unverzüglich bekanntzugeben, damit die Versendung beginne. Anfragen und Adressen sind zu richten an: Professor Siegmund K a t z, Wien, IX., Rögergasse 3/19.